Wandleuchten mit Überwachungskameras gibt es viele. Aber nur eine leuchtet mit unterschiedlichen Farben. Der Test zeigt, was die Eufy S100 sonst noch zu bieten hat.
Überwachungskameras (Themenwelt) kennt jeder, farbige und dimmbare RGB-Wandleuchten (Ratgeber) ebenfalls. Aber eine Kombination aus beidem gibt es unseres Wissens nach bislang nicht – lediglich Kombinationen mit weißen LED-Strahlern wie die Ezviz LC3 (Testbericht) sind verfügbar. Das hat sich wohl auch Anker-Tochter Eufy gedacht und zeigt mit der Eufy S100 Wall Light Cam die vermutlich erste Überwachungskamera mit einer farbigen Wandleuchte. Wie gut die Eufy S100 als Überwachungskamera mit integrierter Gegensprechfunktion funktioniert und wie sich die integrierte Beleuchtung steuern lässt, zeigt unser Testbericht.
Die Eufy S100 misst 11 × 13,4 × 40,5 Zentimeter und bringt knapp ein Kilogramm auf die Waage. Die längliche Form findet sich auch bei einigen klassischen Wandleuchten. Der erste Blick deutet also nicht unbedingt auf eine Überwachungskamera hin. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man das in der Gehäusemitte untergebrachten Objektiv. Ober- und unterhalb sind die beiden LED-Strahler angeordnet. Sie schließen oben und unten fast eckig ab, verlaufen in der Mitte jedoch abgerundet zum Kamerateil – schön anzusehen. Der Clou dabei: Die beiden LEDs können auch umgedreht werden, sodass das bis zu 1200 Lumen starke Licht nicht direkt in das Auge des Betrachters fällt, sondern indirekt über die Wand abgestrahlt wird. Dadurch lässt sich die Eufy S100 sehr flexibel verwenden. Sie kann als Hoflicht mit nach vorn gerichteten LEDs wie auch auf der Terrasse als Ambientebeleuchtung mit nach hinten ausgerichteten Strahlern und indirektem Licht dienen. Dafür müssen aber zwei Bedingungen erfüllt sein: Erstens wird am Montageort ein 230-Volt-Stromanschluss benötigt und zweitens muss bis dorthin auch das heimische WLAN reichen.
Bevor man die Eufy S100 Wall Light Cam montiert und mit dem Stromnetz verbindet, erfolgt die Inbetriebnahme. Dafür steckt man das im Lieferumfang befindliche Micro-USB-auf-USB-A-Kabel in den hinter einer Abdeckung auf der Kamerarückseite liegenden Micro-USB-Port. Ein USB-A-Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Sobald Strom anliegt, leuchtet die Status-LED an der Vorderseite rot. Jetzt ist die Kamera bereit für die Kopplung mit der Eufy-App und des heimischen WLANs, wobei nur 2,4-GHz-Netze unterstützt werden.
Die Kopplung der Eufy S100 gleicht der von anderen Eufy-Überwachungskameras und ist sehr einfach, sodass wir an dieser Stelle auf eine weitere Beschreibung verzichten. Nähere Details dazu enthält die Bildergalerie. Ist die Kopplung abgeschlossen, geht es an die Montage. Doch zunächst ein Sicherheitshinweis: Wer sich die Montage der Kamera inklusive des Anschlusses ans Stromnetz nicht zutraut, beauftragt besser eine fachkundige Person – es besteht Lebensgefahr.
Als Erstes schalten wir die Sicherung in der Unterverteilung für den entsprechenden Stromkreis aus und überprüfen, ob am Stromanschluss noch Spannung anliegt. Anschließend verschrauben wir die im Lieferumfang befindliche Kamerahalterung an der Wand und verbinden die Stromkabel mit den in der Halterung integrierten Anschlüssen. Die App beschreibt den Vorgang und die Verkabelung detailliert mit Text und Grafiken. Anschließend wird die Kamera auf die Halterung gesteckt. Die in der Kamera integrierten drei Metallstifte verbinden sich direkt mit dem in der Halterung integrierten Stromanschluss, sodass eine Verkabelung von Halterung zur Kamera entfällt. In unserem Fall mussten wir allerdings das aus der Wand herausführende Anschlusskabel von seiner äußeren Isolierung befreien, da es zu dick war und die Kamera nicht auf die Halterung gesteckt werden konnte. Ohne Isolierung gelingt die Montage problemlos. Zum Schluss wird die Kamera mit der Halterung noch links und rechts mit zwei kleinen Schrauben befestigt (siehe Bildergalerie).
Für die Verwaltung und Steuerung der S100 Wall Light Cam steht lediglich die Eufy-App zur Verfügung. Eine Desktop-Anwendung oder einen Zugriff per Browser gibt es für die Konfiguration anders als bei Reolink-Überwachungskameras (Themenwelt) nicht. Immerhin können Anwender über https://mysecurity.eufylife.com den Livestream von Eufy-Kameras auch per Browser abrufen. Nach einer Sicherheitslücke im vergangenen Jahr wird der Livestream nur angezeigt, wenn man zuvor eine von der App erzeugte sechsstellige Pin eingegeben hat. Die Gültigkeit der Pin können Nutzer auf 1, 8, 12 oder 24 Stunden festlegen. Zudem können Nutzer sie manuell deaktivieren.
Seit Kurzem erlaubt die App in Verbindung mit der S100 die neue Homebase 3 zur Speicherung von Videos zu nutzen. Wer die neue Homebase etwa mit der Eufycam 3 S330 (Testbericht) bereits im Einsatz hat, kann die S100 in der App unter der Option Edge Connection (Beta) damit koppeln. Derzeit ist nur die Speicherung auf der Home Base 3 möglich, in einem späteren Update soll die S100 aber auch Zugriff auf die darin integrierte KI haben, sodass sie neben Personen auch Haustiere, Fahrzeuge und Gesichter identifizieren kann. Die Unterscheidung bei der Bewegungserkennung zwischen verschiedenen Typen reduziert in der Praxis Fehlalarme und erleichtert mit entsprechenden Filtern nach Erkennungstyp bei einem Sicherheitsvorfall die Durchsicht von Videos. Ohne Kopplung mit der Home Base 3 speichert die S100 Videos lokal auf dem in der Kamera integrierten 4 GByte großen Speicher. Zudem steht Anwendern zur Speicherung von Videos auch die kostenpflichtige Eufy-Cloud parat. Der Basistarif für knapp 3 Dollar gilt für ein Gerät und umfasst eine Videospeicherung von bis zu 30 Tagen. Der Plus-Tarif für knapp 10 Dollar umfasst bis zu zehn Geräte. Das Cloudangebot können Anwender 30 Tage lang kostenlos testen.
Alarme in Form von Pushnachrichten erhalten Anwender bei Erkennung von Menschen und/oder bei jeder anderen Bewegung. Zur Konfiguration kann man einen Aktivitätsbereich festlegen und die Bewegungsempfindlichkeit einstellen. Auch unterstützt die S100 sogenannte Datenschutzzonen. Das ist insbesondere bei einer Ausrichtung der Kamera auf das Nachbargrundstück für einen DSGVO-konformen Betrieb nötig. Entsprechend konfigurierte Bereiche werden dabei geschwärzt (siehe auch Bildergalerie). Eine standortbezogene Aktivierung der Kamera inklusive verschiedener Alarme wie Push und Sirene unterstützt die S100 ebenfalls. Das lässt sich dank Geofencing sogar automatisieren.
Die verschiedenen Optionen für die Steuerung der LED-Leuchten stehen unter Beleuchtungseinstellungen zur Verfügung. Dabei können Anwender zwischen verschiedenen Weißtönen (kalt, Standard, warm) und verschiedenen Farben wählen. Zehn Farbtöne sind dabei vordefiniert, man kann aber auch aus einem Farbband noch fünf Farben zusätzlich auswählen und als Vorlage abspeichern. Außerdem stehen noch dynamische Lichteffekte zur Auswahl, die die LEDs in unterschiedlichen Farben leuchten lassen. Dafür stehen mit Atmen und Blinken zwei Effekte zur Auswahl, deren Dauer man zwischen 0,5 und 5 Sekunden festlegen kann. Drei dynamische Vorlagen sind standardmäßig vorinstalliert, 20 weiter können Anwender jeweils mit bis zu fünf Farben festlegen (siehe Bildergalerie).
Die Aktivierung der Beleuchtung kann manuell oder über die Bewegungserkennung erfolgen, wobei die Dauer für letztere 30 Sekunden, 60 Sekunden, 3 Minuten, 5 Minuten und 15 Minuten betragen kann. Die Bewegungserkennung für die Aktivierung der Beleuchtung lässt sich zudem auf Personen begrenzen. Für Partys können Anwender auch eine feste Dauer nach Tag und Uhrzeit oder generell von Dämmerung bis Morgengrauen festlegen. Derzeit ist die Lichtkonfiguration auf eine S100 begrenzt. Laut FAQ prüft Eufy aber eine Kopplungsmöglichkeit von mehreren S100. Das gleich gilt für die Konfiguration von unterschiedlichen Lichteffekten zu verschiedenen Zeiten.
Videos zeichnet die Eufy S100 Wall Light Cam mit maximal 2048 × 1536 mit 15 fps im 4:3-Format mit dem Codec H.264 auf. Für niedrigere Auflösungen können Anwender entweder 1600 × 1200 oder 800 × 600 wählen. Die Dauer der Aufnahme können Anwender zwischen 30 und 120 Sekunden festlegen. Zudem gibt es noch eine Einstellung, die Videos frühzeitig beendet, sobald die Kamera keine Bewegung mehr registriert.
Das Sichtfeld der Kamera liegt 120° horizontal und 90° vertikal, was einem diagonalen Sichtfeld von 160° entspricht. Das sind gute Werte, vor allem was den vertikalen Sichtbereich anbelangt. Ein größeres horizontales Sichtfeld bieten Kameras mit zwei Objektiven wie die Reolink Duo 2 (Testbericht) mit bis zu 180°.
Die Aufnahmen bieten wie von Eufy-Kameras gewohnt detailreiche und scharfe Bilder mit ausgewogenen Farben. Dank zuschaltbarer Beleuchtung sorgt sie auch nachts für farbige Aufnahmen. Wegen der niedrigeren Auflösung liefert sie beim Zoomen natürlich weniger Details als etwa die Eufycam 3 S330 mit 4K-Auflösung.
Bewegungen erkennt die Eufy S100 Wall Light Cam zuverlässig und durch die Eingrenzung der Bewegungserkennung sind Fehlalarme nahezu ausgeschlossen. Auch die Gegensprechfunktion bietet in der Praxis keinen Anlass zu Kritik.
Eufy-Überwachungskameras lassen sich leider nur schwer in andere Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) direkt einbinden. Grundsätzlich ist sie nur zu Amazon Alexa und Google Assistant kompatibel. Man kann also die Kamera per Sprache steuern oder das Livebild auf einem smarten Display wie Echo Show betrachten.
Die Anbindung an andere Smart-Home-Lösungen wie Apple Homekit oder Samsung Smartthings ist indes nicht vorgesehen. Immerhin existiert für Homey Pro (Testbericht) eine Community-App, mit der man die Eufy-Kamera und die Homebase einbinden kann. Die Ausgabe eines Livestreams ist unter Homey nicht möglich und nach einer API-Änderung ist selbst der Zugriff auf ein Standbild nicht mehr möglich. Dafür kann man die Sensordaten innerhalb von Homey für Automatisierungen nutzen und die Kamera auch unter Apple Homekit ansteuern. Den ONVIF-Standard unterstützt die Kamera nicht.
Eufy verlangt für die S100 Wall Light Cam regulär knapp 170 Euro. Etwas günstiger ist sie mit 153 Euro pro Gerät aktuell im Doppelpack.
Die Eufy S100 Wall Light Cam hinterlässt im Test einen hervorragenden Eindruck. Dass sie eine gute Bildqualität liefert, zuverlässig alarmiert und sich dank intuitiv bedienbarer App leicht steuern lässt, war dank der bisherigen Erfahrung mit Eufy-Überwachungskameras zu erwarten. Aber restlos überzeugt sind wir von der S100 in Sachen Ambientbeleuchtung. Die Farbdarstellung ist gut gelungen und lässt sich dank umdrehbarer LEDs auch für eine angenehme indirekte Beleuchtung nutzen. Auch die bislang verfügbaren Einstellmöglichkeiten in puncto Beleuchtung dürften schon jetzt viele Anwender zufriedenstellen. Zwar kann man diese noch nicht mit den Möglichkeiten vergleichen, die Philips Hue mit seinen Leuchten bietet. Doch Eufy prüft bereits die Möglichkeit, mehrere S100 zu koppeln, um die Beleuchtung zu synchronisieren. Wie auch immer: Wer eine Kombination aus einer leistungsfähigen Überwachungskamera und einer farbigen RGB-Wandleuchte sucht, wird mit der Eufy S100 Wall Light Cam bestens bedient.
Wer hingegen eine Überwachungskamera sucht, die sich auch in andere Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro, Samsung Smartthings oder Apple Homekit einbinden lässt, muss zu einem anderen Modell greifen.
Mehr Informationen zum Thema finden TechStage-Leser im Themenschwerpunkt Überwachungskameras. Nützliche Informationen zur Auswahl einer Überwachungskamera bietet der Beitrag WLAN, Cloud, Solar: Überwachungskameras für innen & außen ab 30 Euro. Darin erläutern wir die wichtigsten Kaufkriterien und präsentieren die besten Überwachungskameras der verschiedenen Kategorien mit Preisen zwischen 30 und 500 Euro.
Und wer an Überwachungskameras mit 4K-Auflösung interessiert ist, findet in unserer Bestenliste die besten Modelle aus unseren Tests. Anwender, die stattdessen eine große Fläche wie eine Hofeinfahrt beleuchten und gleichzeitig überwachen möchten, werden in unserer Top 5: Hoflicht mit Überwachungskamera – die besten Floodlight Cams fündig. Ist ausschließlich eine großflächige Überwachung von Interesse, zeigen wir in unseren PTZ-Bestenlisten leistungsfähige Varianten für den Außenbereich und auch für Innenräume. Weitere interessante Überwachungskameras präsentieren wir außerdem in unserer Bestenliste Top 5: Die besten autarken Überwachungskameras mit WLAN, LTE, Akku & Solar. Und last but not least gibt es auch noch sehr kleine Modelle, die wir in der Bestenliste Top 5: Die besten Mini-Überwachungskameras aus unseren Tests zusammengefasst haben.
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