Die Überwachungskamera Yale Smart Indoor Camera erkennt Personen und bietet eine Gegensprechfunktion. Wie gut sie sich in der Praxis schlägt, zeigt der Testbericht.
Sicherheitsspezialist Yale hat neben smarten Türschlösser (Ratgeber), Alarmanlagen (Ratgeber), Tresore und Fahrradschlösser (Ratgeber) auch Überwachungskameras (Bestenliste) wie die Smart Outdoor Camera (Testbericht) im Programm. Die 60 Euro (Preisvergleich) teure Smart Indoor Camera ist hingegen für den Innenbereich vorgesehen. Sie löst mit Full-HD auf, identifiziert Personen, was Fehlalarme minimiert und bietet eine Gegensprechfunktion sowie ein 110° großes Sichtfeld.
Videos speichert die Yale-Überwachungskamera auf dem integrierten Speicher. Optional bietet der Hersteller für die Überwachungskamera auch ein kostenpflichtiges Cloud-Abo. Für monatlich 4 Euro speichert die Überwachungskamera damit Videoaufnahmen für bis zu 30 Tage in der Cloud. Der Dienst sorgt zudem für eine erweiterte Bewegungserkennung, die neben der standardmäßigen Personenerkennung auch Haustiere erfasst. Wie gut die Yale Smart Indoor Camera in der Praxis funktioniert, zeigt unser Test.
Im Lieferumfang der 106 Gramm schweren Smart Indoor Camera sind USB-C-Kabel, Netzteil sowie eine Halterung samt Schrauben und Dübeln für die Montage enthalten. Ein Handbuch gehört nicht zum Lieferumfang, lediglich eine Kurzanleitung. Sie enthält aber lediglich einen Hinweis auf die zur Inbetriebnahme nötigen App, sowie eine Konformitätserklärung und Angaben zur Garantie. Mit einer Höhe von 11,5 cm und einer Breite und Tiefe von jeweils 7 cm fällt die gut verarbeitete Yale-Überwachungskamera relativ kompakt aus. Noch kleinere Modelle bietet unsere Bestenliste Top 7: Die besten kleinen Überwachungskameras im Test – Babyphone inklusive.
Die Inbetriebnahme erfolgt mit der App Yale Home, die für iOS und Android zur Verfügung steht und eine Registrierung mit Angabe von E-Mail und Telefonnummer erfordert. Für die Koppelung mit dem heimischen WLAN-Netz scannt man den QR-Code auf der Rückseite der Kamera ein und folgt der Assistent-gestützten Einrichtung. Weitere Details zur Inbetriebnahme zeigt die Bildergalerie.
Die App bietet unter Einstellungen im Abschnitt Bedienungsanleitung hilfreiche Tipps für die Montage der Halterung, in die die Kamera eingesteckt wird. Die Vorgehensweise wird anhand von Videos detailliert erläutert, sodass die Montage selbst für wenig erfahrene Anwender kein Problem darstellen sollte. Mehr dazu in der Bildergalerie.
Die App Yale Home ist die einzige Möglichkeit, die Smart Home Camera zu konfigurieren und zu bedienen. Eine Desktop-Anwendung, wie sie etwa Reolink bietet, steht genauso wenig zur Verfügung, wie der Kamerazugriff über einen Browser.
Auf der Startseite der Kamera zeigt Yale Home ein Vorschaubild des Livestreams mit Zeitangaben zum zuletzt registrierten Ereignis. Zu diesem gelangt man über die zweite Schaltfläche von links am unteren Bildschirmrand. Dort erscheint eine Liste von bislang aufgenommenen Videos, die entweder aufgrund einer Bewegungserkennung oder einer manuellen Aufnahme erzeugt wurden. Die Einträge enthalten zur besseren Unterscheidbarkeit auch ein entsprechendes Symbol sowie Angaben zum Aufnahmezeitpunkt. Klickt man auf ein Video aus der Ereignisliste, wird dieses abgespielt. Das gelingt im Test aber wie schon bei der kürzlich getesteten Yale Smart Outdoor Camera nur zuverlässig bei manuell aufgenommenen Videos. Bei Aufnahmen, die durch eine Bewegung ausgelöst wurden, dauert es im günstigsten Fall ein paar Sekunden, bis diese abgespielt werden. In einigen Fällen kommt es hingegen zu einer Fehlermeldung, mit dem Hinweis, dass das abgerufene Video womöglich noch nicht fertig verarbeitet sei. Auch zeigen sich Probleme bei der Aktualisierung der Ereignisliste. Wenn man etwa die Yale-Home-App auf einem weiteren Gerät installiert hat, tauchen neuere Videos nur auf, wenn man die App beendet und neu startet. Die App scheint nicht nur beim Zugriff auf eine Überwachungskamera Probleme zu bereiten, wie viele Anwender-Bewertungen im App Store und im Play Store zeigen. Dort berichten Anwender von Problemen in Verbindung mit dem smarten Türschloss Yale Linus.
Eine instabile WLAN-Verbindung scheint nicht die Ursache für die Wiedergabeprobleme zu sein, da der Zugriff auf den Livestream tadellos funktioniert. Das gilt selbst für die häufige problematische Anbindung an smarte Displays (Ratgeber) wie Amazon Echo Show. Hier leistet sich die Yale Smart Home Camera ebenfalls keine Aussetzer. Der Echo Show zeigt den Livestream nicht nur zügig, sondern ohne zeitlichen Versatz und stabil an.
Der integrierte Speicher scheint nicht besonders groß zu sein. Yale konnte uns keine Angaben darüber machen. Doch werden Videos relativ schnell gelöscht, wobei die App dabei nicht chronologisch vorgeht und mit dem ältesten Video beginnt, sondern scheinbar zufällig vorgeht. So zeigt die App noch einige Videos vom ersten Tag der Inbetriebnahme, während jüngere Aufnahmen zum größten Teil gelöscht wurden.
Die Bewegungserkennung kann man auf Personen eingrenzen, sodass es im Test zu keinen Fehlalarmen durch andere bewegliche Objekte wie einer Hauskatze kommt. Das dürfte für die meisten Anwender ausreichen. Wer darüber hinaus Wert auf Tiererkennung legt, muss zum kostenpflichtigen Abo greifen. Sollte es dennoch zu Fehlalarmen kommen, können Anwender unter Einstellungen die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung justieren und eine Erkennungszone definieren. Für einen DSGVO-konformen Betrieb kann man unter Privatsphäre Zone genaue Bildbereiche konfigurieren, die bei der Aufnahme automatisch geschwärzt werden. Das ist etwa erforderlich, wenn die Überwachungskamera auf ein fremdes Grundstück oder öffentlichen Bereich ausgerichtet ist. Das dürfte aber bei einer Überwachungskamera für den Innenbereich nur selten vorkommen.
Benachrichtigungen erfolgen zeitnah per Push auf Smartphone oder Tablet. Anders als bei Reolink-Überwachungskameras bietet die Yale-Variante jedoch keine Möglichkeit, Benachrichtigungen per E-Mail zuzustellen.
Die Gegensprechfunktion hat im Test einwandfrei funktioniert. Die Sprache ist auf beiden Seiten gut verständlich.
Dank der Unterstützung von Wide Dynamic Range (WDR) gibt es an der Bildqualität bei schwierigen Lichtverhältnissen, etwa Gegenlicht, nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Die Aufnahmen bei Tag sind sehr detailreich. Bei Dunkelheit überzeugen auch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf Basis der Infrarot-LEDs.
Die Yale Smart Indoor Camera unterstützt offiziell Google Home und Amazon Alexa. Dadurch können Anwender die Überwachungskamera nicht nur per Sprache steuern, sondern sich den Livestream auf einem smarten Display (Ratgeber) wie Echo Show ansehen. Das hat im Test, wie bereits erwähnt, tadellos funktioniert.
Für andere Smart-Home-Zentralen (Bestenliste) gibt es keine offizielle Integration. Unter Home Assistant können Anwender die Yale-Überwachungskamera über die Integration der amerikanischen Tochter August integrieren. Diese ist aber abhängig von der Cloud. Eine lokale Integration mittels Onvif ist nicht möglich, da die Yale diesen Standard nicht unterstützt. Mehr Informationen über Onvif bietet der Beitrag Überwachungskameras ohne Cloud: Keine monatlichen Kosten & mehr Datenschutz.
Zwar steht mit der Integration unter Home Assistant (Testbericht) kein Livestream unter zur Verfügung, doch das letzte Bild einer Bewegungserkennung wird angezeigt. Und den Bewegungssensor der Kamera kann man für Automatisierungen, etwa zum Aufbau einer umfassenden Alarmanlage, verwenden.
Yale verkauft die Smart Indoor Camera regulär für 60 Euro (Preisvergleich). Das ist viel Geld für eine Full-HD-Überwachungskamera mit Personenerkennung. Zum ähnlichen Preis gibt es etwa die TP-Link Tapo C225 (Testbericht), die mit 2560 × 1440 Pixel nicht nur eine deutlich höhere Auflösung bietet, sondern auch Geräusche erkennt und dank PTZ-Mechanik und Auto-Verfolgung einen erheblich größeren Bereich überwacht. Eine günstigere Alternative ist die mit 30 Euro nur halb so teure Annke Crater 2 (Testbericht). Und auch sie bietet eine Geräuscherkennung und löst mit 2304 × 1296 Pixel höher auf als die Yale.
Weitere Alternativen aus unserer Bestenliste zeigen wir in folgender Tabelle.
Die für Innenräume vorgesehene Überwachungskamera Yale Smart Indoor Camera kann im Test nicht vollständig überzeugen. Die größten Kritikpunkte betreffen die unzuverlässige Wiedergabe von aufgenommenen Videos und das erratische Löschverhalten aufgenommener Videos. Sollte Yale die Software-Probleme in den Griff bekommen, ist die Smart Indoor Camera empfehlenswert. Denn die Bildqualität ist dank WDR-Support gut und die Benachrichtigungen erfolgen zeitnah. Fehlalarme sind dank Personenerkennung praktisch ausgeschlossen. Auf der Habenseite steht auch die leicht bedienbare und übersichtliche App. Den Preis finden wir mit 60 Euro aber etwas zu hoch gegriffen. Dafür gibt es deutlich leistungsfähigere Alternativen.
Überwachungskameras gibt es viele. Zahlreiche Tests, Ratgeber und weitere Informationen finden TechStage-Leser in unserer Themenwelt Überwachungskameras. Eine gute erste Anlaufstelle ist der Beitrag WLAN, Cloud, Solar: Überwachungskameras für innen & außen ab 30 Euro. Darin erläutern wir die wichtigsten Kaufkriterien und präsentieren die besten Überwachungskameras der verschiedenen Kategorien mit Preisen zwischen 30 und 500 Euro. Und wer sich für Überwachungskameras mit Beleuchtung interessiert, findet in unserem Ratgeber Außenleuchten, Spotlight- und Floodlight-Cams ab 60 Euro alle relevanten Produktkategorien mit den besten Angeboten. Im Ratgeber Überwachungskameras ohne Cloud zeigen wir, wie man Überwachungskameras lokal ansteuert und damit Kosten spart und mehr Datenschutz umsetzen kann. Ein Blick auf unsere Überwachungskameras-Bestenlisten ist ebenfalls empfehlenswert:
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