Ein größeres Mini-Smartphone im bekannten Design: Das Jelly Max von Unihertz ist nur fünf Zoll groß, kommt mit guter Ausstattung und 5G. Vor allem bei der Kamera haben wir allerdings ein paar Bedenken. Was das Handy kann, zeigt der Test.
Das Konzept Mini-Smartphones ist schon seit einigen Jahren eher ein Auslaufmodell. Apple hat es versucht und vor mittlerweile rund vier Jahren eine Mini-Version des iPhone 12 ins Angebot aufgenommen. Nach dem iPhone 13 Mini (Testbericht) war allerdings Schluss – die kleinen iPhones haben sich nicht wie erwartet verkauft.
Nur wenige Hersteller halten seitdem gegen den Trend zum immer größeren Smartphone-Bildschirm. Einer von ihnen ist Unihertz. Ihr nur 3 Zoll großes Mini-Smartphone Unihertz Jelly Star (Testbericht) durften wir bereits vor einigen Monaten ausprobieren. Jetzt bringt der Hersteller eine neue Version des kleinsten Smartphones mit Android 14 auf den Markt und bezeichnet es als das „kleinste Smartphone mit 5G“. Im Test haben wir das Unihertz Jelly Max auf Herz und Nieren geprüft.
Bereits das Jelly Star kam mit einem eher altmodischen Design mit durchsichtiger Kunststoffrückseite. Nicht fundamental anders, aber doch etwas schicker wirkt das Jelly Max. Unser Modell kam mit einer schwarzen Rückseite, die nur bei genauem Hinsehen einzelne Bauteile des Geräteinneren zeigt. Ein großer Teil der tatsächlichen Rückseite ist zudem mit einem auf der Innenseite angebrachten Sticker verdeckt, der nicht verkehrt aussieht. Ein Nachteil ist weiterhin, dass die Rückseite sehr anfällig für Fingerabdrücke ist. Die Rückseite beherbergt außerdem den Fingerabdruckscanner und das doch sehr auffallend gestaltete Kamera-Modul aus Metall, wo sich auch der Lautsprecher verbergt – eine schlechte Entscheidung, da es so wesentlich einfacher ist, den Lautsprecher bei der Nutzung versehentlich zu verdecken.
Die Front besteht aus dem Display mit abgerundeten Ecken und ausreichend dünnen Display-Rändern. In einer Punch-Hole-Notch im linken oberen Eck des Displays ist die Frontkamera untergebracht. Die beiden Lautstärketasten finden sich am Gerät links; auf der rechten Seite hausen der Power-Knopf und ein zusätzlich frei programmierbarer Action-Button. Da das Smartphone nur 128,7 × 62,7 mm groß ist, ist es sehr kompakt und problemlos mit nur einer Hand bedienbar – das ist einer der größten Vorteile dieses Formfaktors. Der Nachteil findet sich in der Dicke wieder. Diese beträgt 16,3 mm, womit das Smartphone ungefähr so dick ist wie zwei gewöhnliche, aufeinandergestapelte Smartphones. Eine Zertifizierung gegen Wasser hat das Smartphone nicht. An der Verarbeitung haben wir nichts auszusetzen.
Leider ist der Bildschirm kein Highlight. Das 5 Zoll große LCD erfüllt nur die absoluten Mindestanforderungen, die man heutzutage an ein Smartphone-Display stellt. Die Auflösung ist mit 1280 × 720 Pixel etwas niedrig, aber bei der Display-Größe noch okay. Die Bildwiederholrate ist mit 60 Hz zu niedrig, ähnliches gilt für die Display-Helligkeit von rund 500 Nits – wobei das weniger dramatisch ist, das Display bleibt in Innenräumen und bei ausreichender Bewölkung weiterhin ablesbar. Allerdings ist die Farbdarstellung etwas unnatürlich, es gibt einen leichten Blaustich. Verzeihen können wir das alles bei diesem Gerätepreis aber noch.
Im Hinblick auf die Kamera dachten wir beim Testen, dass wir nicht richtig sehen. Verbaut ist eine Hauptkamera, die mit 100 Megapixeln auflöst und Fotos mit 25-Megapixel-Auflösung liefert. Per Pixel-Binning fasst die Kamera hier vier Bildpunkte zu einem größeren zusammen. Dazu kommt eine in der Preisklasse außergewöhnliche Telelinse, die einen 3,4-fachen optischen Zoom ermöglicht und mit 12 Megapixeln auflöst. Für beide Sensoren ist die genaue Modellbezeichnung leider nicht angegeben. Die Frontkamera löst mit 32 Megapixel auf.
Bei anfänglichen Tests war die Fotoqualität mit extremen Farbverschiebungen sehr schwach. Unihertz hat deshalb ein neues OTA-Update ausgerollt. Die schlimmsten Aussetzer wurden damit zwar verbessert, gänzlich überzeugen kann die Kamera aber nicht. So zeigen sich bei der Hauptkamera gelegentlich fehlerhafte Fragmente. Speziell die Bereiche im Hintergrund wirken sehr unscharf, auch bei Bilddetails ist Luft nach oben. Der Dynamikumfang geht in Ordnung. Bei der Telelinse fällt ein starker Rotstich auf. Die Bilddetails der Linse enttäuschen. Selfies wirken zudem unscharf und unnatürlich.
Die Ausstattung des Unihertz Jelly Max ist das Gegenteil zur Kameraqualität. Der Hersteller setzt in diesem Gerät auf den Mediatek Dimensity 7300. Dieser bringt für einen Mittelklasse-Prozessor viel Leistung mit, wie die Benchmarks zeigen: Bei PCmark Work 3.0 erreicht das Gerät rund 11.000 Punkte. Fast noch stärker ist die Grafikleistung des Chips – bei 3Dmark Wild Life erreicht das Gerät 3300 Punkte, bei Wild Life Extreme sind es immerhin 900 Punkte. Das sind für ein Smartphone aus dieser Preisklasse einwandfreie Werte. Das spiegelt sich auch im Alltag wider: Menüs öffnen ruckelfrei, Apps laden schnell und auch beim Scrollen gibt es keine Probleme. Multitasking ist ebenso drin, wobei das auf dem kleinen Bildschirm oft eine Herausforderung sein kann.
Gut finden wir auch, dass der starke Prozessor von 12 GB Arbeitsspeicher und 256 GB internem Speicher begleitet wird – beides Werte, die man bei Smartphones dieser Preisklasse eher selten sieht. Ansonsten beschränkt sich die restliche Ausstattung des Unihertz Jelly Max auf das Erwartbare. Es gibt WLAN mit Wi-Fi 5, Bluetooth 5.3, GPS mit Glonass und NFC. Im Hinblick auf Mobilfunk steht außerdem 5G zur Verfügung. Unterstützt werden neben der Dual-SIM auch microSD-Speicherkarten, ein hybrider Slot dafür ist vorhanden.
Erwartungsgemäß handelt es sich beim verbauten USB-C-Port zudem um einen langsameren Anschluss der Version 2.0. Schade ist, dass Unihertz beim Jelly Max nicht für eine Widevine L1-Zertifizierung gesorgt hat. Dadurch können Videos auf Plattformen wie Netflix und YouTube höchstens in 480p-Qualität gestreamt werden. Angesichts des kleinen Displays ist das aber auch weniger schlimm. Der auf der Rückseite verbaute Monolautsprecher hat einen nur mittelmäßigen Klang, kann aber laut werden. Die Positionierung haben wir bereits weiter oben kritisiert.
Als Betriebssystem ist fast Vanilla Android 14 installiert. Der Sicherheits-Patch ist zum Testzeitpunkt im November 2024 aber leider veraltet und stammt noch aus Juli 2024. Die Update-Politik von Unihertz bleibt unklar, sodass keine Sicherheit besteht, dass das Gerät Android 15 oder gar 16 erhalten wird.
Es endet mit einem Highlight: dem Akku des Unihertz Jelly Max. Verbaut ist ein 4.000 mAh großer Lithium-Ionen-Akku – das hört sich zunächst nicht nach viel an. Doch aufgrund der geringen Bildschirmfläche und des effizienten Prozessors kommt das Gerät im PCmark Battery Test aber auf satte 14,5 Stunden Laufzeit. Das bedeutet, dass man das Smartphone problemlos zwei Tage am Stück nutzen könnte, ohne sich Sorgen um die Akkulaufzeit machen zu müssen. Und wenn es so weit ist, wird es mit dem mitgelieferten Netzteil bei 66 Watt in rund 40 Minuten wiederaufgeladen – hier hat Unihertz alles richtig gemacht.
Das Unihertz Jelly Max kostet direkt beim Hersteller rund 325 Euro (340 US-Dollar).
Das Unihertz Jelly Max ist ein spannendes Nischenprodukt, das mit seinem kompakten Format und guter Ausstattung in einigen Bereichen überzeugt. Besonders hervorzuheben sind die starke Prozessorleistung, die großzügige Speicherausstattung und die beeindruckende Akkulaufzeit. Der kompakte Formfaktor macht das Gerät einzigartig, birgt aber auch Nachteile wie die geringe Display-Qualität und die klobige Bauhöhe.
Die Kamera bleibt trotz eines Updates eine Schwachstelle – Farbabweichungen, unscharfe Hintergründe und die geringe Qualität der Telelinse trüben den Gesamteindruck. Die Software ist aktuell, allerdings lässt die Update-Politik Fragen offen, und die Multimedia-Qualitäten leiden unter der fehlenden Widevine-L1-Zertifizierung.
Wer ein kompaktes Smartphone sucht, erhält mit dem Jelly Max ein leistungsfähiges Gerät mit einigen Kompromissen. Für Kamera-Enthusiasten oder anspruchsvolle Multimedia-Nutzer ist es weniger geeignet, für Fans kleiner Smartphones mit solider Performance und starker Akkulaufzeit aber eine Überlegung wert.
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