Die smarte Video-Türklingel von Aqara kommt mit einem externen Lautsprecher, unterstützt Gesichtserkennung und speichert Videos lokal. Ob die Lösung gut funktioniert, klärt der Test.
Gegenüber herkömmlichen Varianten bietet eine smarte Video-Türklingel zahlreiche Vorteile. So sieht man Besucher bereits vor dem Öffnen der Tür. Und das funktioniert nicht nur lokal vom Sofa aus, sondern auch von unterwegs. Sobald eine smarte Video-Türklingel einen Besucher erkennt, verschickt sie eine Nachricht aufs Handy. Dank integrierter Gegensprechfunktion können Anwender auch vom Büro aus etwa mit dem Paketboten den Ablageort der Sendung besprechen und so das lästige Abholen bei einer Post-Filiale vermeiden. Manche Varianten wie die Eufy Video Doorbell Dual bieten für die Paket-Überwachung sogar ein zweites Objektiv.
Außerdem überwachen smarte Video-Türklingel den Hauseingang und erhöhen damit die Sicherheit, was angesichts steigender Einbrüche mit einem Plus von 21 Prozent im vergangenen Jahr sicher auch ein Grund dafür ist, dass Video-Türklingeln zu den populärsten Produkten im Sicherheitsbereich zählen. So konnte Online-Händler Galaxus 2022 250 Prozent mehr Video-Türklingeln als ein Jahr zuvor verkaufen.
Mit der smarten Video-Türklingel G4 bietet Aqara ein Modell, das vor allem für Anwender interessant ist, die ihr Smart Home mit Apple Homekit (Ratgeber) steuern. Die G4 ist die erste batteriebetriebene Video-Türklingel, die Homekit Secure Video unterstützt. Sie ist zudem kompatibel zu Amazon Alexa (Ratgeber) und Google Assistant, sodass man sie auch per Sprache steuern und das Video-Signal auf ein smartes Display (Ratgeber) ausgeben kann. Wie gut die smarte Video-Türklingel G4 von Aqara in der Praxis funktioniert, zeigt unser Testbericht.
Die Aqara Smarte Video-Türklingel G4 besteht aus zwei Komponenten: der Video-Türklingel mit Kamera und Klingeltaster sowie dem separaten Lautsprecher (Gong-Modul), der das Klingelsignal wiedergibt. Das Gong-Modul bietet einen Steckplatz für eine microSD-Karte, die Aufnahmen der Kamera speichert. Zudem fungiert der per USB-C-Kabel mit Strom versorgte Lautsprecher als Repeater für das Kamera-Modul.
Die Stromversorgung für die Kameraeinheit wird über die im Lieferumfang enthaltenen sechs AA-Batterien (LR6, 1,5 Volt, 2900 mAh) oder über eine vorhandene kabelgebundene Stromversorgung sichergestellt. Für letztere kommt die bei Klingeln übliche Wechselspannung zwischen 12 und 24 Volt infrage, aber auch Trafos mit einer Gleichspannung von 8 bis 24 Volt. Laut Aqara sollen die Batterien bei einer Videoaufzeichnung und 35 Aktivierungen eine Stromversorgung von bis zu vier Monaten gewährleisten. Im siebentägigen Testbetrieb mit knapp 30 Videoaufnahmen, Live-Streaming und Hunderten Aktivierungen zeigt der Batteriestatus noch 80 Prozent an. Im Batteriebetrieb nimmt die G4 Videos nur bei einer erkannten Bewegung auf. Mit kabelgebundener Stromversorgung unterstützt die Video-Türklingel auch eine dauerhafte Aufnahme.
Videos speichert die G4 bei eingelegter microSD-Karte lokal. Ohne microSD-Karte erfolgt die Speicherung der Videos für bis zu sieben Tage in der kostenlosen Aqara-Cloud. Nutzer von Homekit können außerdem den kostenpflichtigen iCloud-Speicher als Speicherort wählen. Noch nicht möglich ist die Anbindung eines Network Attached Storage (NAS). Sie soll später nach einem Update zur Verfügung stehen.
Update 4.4.2023: Inzwischen steht ein Update für die G4 zur Verfügung. Im Test hat die Anbindung an eine Synology-NAS (Ratgeber) einwandfrei funktioniert.
Leider ist das mitgelieferte und mehrsprachige Handbuch, darunter auch Deutsch, nicht sehr ausführlich. Es hält lediglich Informationen zum Kopplungsvorgang parat. Mehr Informationen zum Gerät bietet lediglich das englischsprachige PDF. Um die Batterien in das Gerät einzusetzen, muss man die hinter einer Gummiabdeckung liegende Schraube an der rechten Seite des Kameragehäuses lösen und die hintere Gehäuseabdeckung nach unten ziehen. Soll die Kamera an einer zur Tür im 90-Grad-Winkel verlaufenden Wand montiert werden, empfiehlt sich der Einsatz der mitgelieferten 20-Grad-Schiene, sodass die Kamera das Geschehen vor der Tür erfassen kann.
Wer die Video-Türklingel mit der Stromversorgung einer bereits bestehenden Tür-Klingelverkabelung verbinden möchte, muss einen Teil der Plastikabdeckung der rückseitigen Abdeckung abbrechen, sodass die Kabel ins Gehäuse geführt werden können und man sie mit den dafür vorgesehenen Anschlüssen verbinden kann. Das Problem dabei: Die G4 bietet zwar ein horizontales Sichtfeld von über 160°, aber das vertikale Sichtfeld fällt relativ klein aus, sodass sie angeschlossen an einer Türklingelverkabelung in etwa 1 Meter Höhe Personen nicht mehr vollständig erfasst. Als optimale Montagehöhe empfiehlt das Handbuch daher auch 140 bis 150 Zentimeter.
Die rückseitige Abdeckung mit einer Höhe von 14 cm und einer Breite von 6,2 Zentimeter ist nahezu vollständig mit einer selbstklebenden Folie versehen, sodass man die G4 an einer ebenen Fläche befestigen kann. Wenn die Wände rund um die Haus- oder Wohnungstür allerdings verputzt sind, sollte man die G4 besser an der Wand verschrauben. Im Test hat die Klebefolie die Kamera, die mit Batterieladung 340 Gramm auf die Waage bringt, nicht lange an der Wand gehalten.
Die Inbetriebnahme der G4 erfolgt mit der Aqara-App, die seit wenigen Monaten auch Deutsch unterstützt. Allerdings sind einige Einträge des Menüs nur schlecht übersetzt oder liegen bloß in Englisch vor. Letzteres gilt auch für Benachrichtigungen (The doorbell is ringing, please check). Insgesamt ist die Einrichtung über das Einscannen des QR-Codes auf der Unterseite des Lautsprechers einfach und nach wenigen Minuten erledigt. Auch Einsteiger sollten mit der Inbetriebnahme kein Problem haben, wobei die Koppelung auf ein 2,4-GHz-Funknetz begrenzt ist.
Die Konfiguration der Kamera ist schon etwas aufwändiger und in zahlreichen Untermenüs versteckt. Anwender können etwa den Klingelton und dessen Lautstärke auswählen, Temperatur- und Diebstahlwarnungen anpassen, eine Linsenkorrektur aktivieren und bestimmte Teile des Sichtfelds von der Aufnahme ausschließen. Die von vielen anderen Kameraherstellern mit Privatsphärenmaske bezeichnete Funktion nennt Aqara Persönlicher Sichtschutzbereich. Anwender können damit bis zu drei Bereiche sperren, die in aufgenommenen Videos und im Livestream geschwärzt sind.
Die Kamera bietet eine Auflösung von maximal 1920 × 1080 Pixel (1080p), wobei Anwender den Livestream in der App auch auf 1280 × 720 Pixel (720p) oder 640 × 360 Pixel (als Glatt bezeichnet) einstellen können. Je nach gewählter Auflösung belegt ein 5-Sekunden-Video 117 KByte (Glatt), 564 KByte (720p) oder 842 KByte (1080p), wobei Videos im H.264-Format mit 20 fps gespeichert werden. Den wesentlich effizienteren Codec H.265 alias HEVC unterstützt die G4 nicht. Dank integrierter Infrarot-LEDs bietet die Kamera auch einen Nachtsichtmodus. Die Bildqualität ist insgesamt gut, auch nachts bei weniger Licht.
Die Gesichtserkennung ist wie schon bei der Aqara G3 (Testbericht) nicht an die Cloud gebunden, sondern funktioniert lokal auf dem Gerät. Hierfür kann man entweder manuell ein Gesicht per Foto hinzufügen oder von der Gesichtserkennung als unbekannt definierte Aufnahmen einer Person zuordnen. Leider fragt dabei die Software nicht, ob ein unerkanntes Gesicht zu einer bestimmten Person gehört. Man muss also als unerkannt definierter Gesichter der entsprechenden Person manuell zuordnen. Dann liegt die Erkennungsrate bei nahezu 100 Prozent, sodass man die Gesichtserkennungsfunktion auch für Automatisierungen nutzen kann.
In Homekit kann die Kamera direkt angelernt werden, sodass die Aqara-App dafür nicht verwendet werden muss. Allerdings erschließt Homekit nicht sämtliche Funktionen der Kamera. Auf die in der Hardware verankerte KI-basierte Gesichtserkennung muss man ebenso verzichten wie auf individuelle Klingeltöne. Zudem erfordert die Einbindung der G4 in Homekit Secure Video ein kostenpflichtiges iCloud-Abo, das 1 Euro für eine Kamera mit 50 GByte Speicherkapazität kostet. Für drei Kameras und 200 GByte sind 3 Euro monatlich fällig. Für 10 Euro monatlich können beliebig viele Kameras eingebunden werden.
Außerdem unterstützt die G4 auch die Steuerung per Sprache mit Amazon Alexa und Google Assistant. Zudem können Anwender den Livestream der G4 auch auf ein smartes Display wie Echo Show ausgeben. Das hat im Test allerdings genauso wenig zuverlässig funktioniert, wie die Ausgabe auf einem Apple TV. Bei letzterem wurde nur der Ton der Kamera wiedergegeben, nicht aber das Bild. Die Ausgabe der Türklingel auf einen smarten Lautsprecher funktioniert im Test hingegen fehlerfrei.
Eine direkte Unterstützung für andere Smart-Home-Systeme (Bestenliste) wie Homey Pro, Samsung Smartthings oder Smart Home by Hornbach ist derzeit nicht verfügbar. Das könnte sich allerdings mit dem bereits angekündigten Update auf Matter noch ändern.
Die Aqara Smarte Video-Türklingel G4 kostet regulär knapp 120 Euro. Aktuell ist sie für 75 Euro erhältlich.
Mit der smarten Video-Türklingel G4 bietet Aqara ein interessantes Produkt, das vor allem in Kombination mit Homekit oder einem Aqara-Hub Möglichkeiten zur Einbindung in ein Smart Home bietet, mit der sonst keine Video-Türklingel aufwarten kann. Dazu zählt auch die Nutzung des Lautsprechers als Sirene und für Automatisierungen. Doch auch ganz ohne Smart Home weiß die G4 zu überzeugen: Die Flexibilität beim Stromanschluss mit Batteriebetrieb und fester Verkabelung sowie die Möglichkeit, Videos ganz ohne kostenpflichtiges Cloud-Abo speichern zu können, stehen auf der Habenseite.
Weniger gut gefällt uns das geringe Sichtfeld der Kamera, sodass man bei der Montage auf die optimale Höhe achten muss, sodass Personen, die direkt vor der Kamera stehen, vollständig erfasst werden. Schade ist auch, dass sich der Gong einer vorhandenen Türklingel nicht weiter verwenden lässt. Und statt der AA-Batterien hätten wir uns einen austauschbaren Akku gewünscht.
Affiliate-Information
Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.