Jochen hat schon vor seinem Studium damit begonnen, technische Neuheiten für diverse Printobjekte unter die Lupe zu nehmen. Später setzte er alles, was digital ist, unter anderem auch für die 3sat-Sendung „Neues“ als Autor in Szene. Sein Spezialgebiet sind mittlerweile Flachbildfernseher, von denen…
Viofo schickt seine A229 Pro 3 als Triple-Kamera ins Rennen. Wie selbsterklärend sich die Dashcam bedienen lässt, wo sie punktet und wie gut die Aufnahmen aussehen, das zeigt unser Test.
Einmal kurz nicht aufgepasst, und schon kracht es. Etwas zu spät gebremst oder ein anderer Autofahrer pennt an der Kreuzung – das Ergebnis sieht man sofort am zerknitterten Kotflügel oder am eingedrückten Heck. Oft beginnt danach der Streit, wer die Schuld an dem Unfall trägt. Mit der Viofo A229 Pro 3 fährt ein stummer Zeuge immer mit an Bord, der eindeutige Beweise liefert, wenn sich die Unfallgegner nicht einigen können. Natürlich erlaubt auch die Viofo A229 Pro 3 die vom Gesetzgeber vorgegebenen Intervallaufnahmen. Ob sich die Dashcam als ständiger Begleiter an der Front- sowie an der Heckscheibe lohnt, das klärt unser Test.
Viofo liefert seine A229 Pro 3, wie es der Gerätename schon verrät, mit drei Kameras aus. Eine überwacht das Geschehen auf der Straße vor dem Fahrzeug, die Zweite hat den Innenraum im Blick und Kamera Nummer drei verfolgt das Geschehen hinter dem Auto. Die Frontkamera verfügt über ein 2,4 Zoll großes Display. Der gesamte Korpus besteht aus sehr robustem und schlagfestem Kunststoff. Die Verarbeitung ist top und dem hohen Anschaffungspreis entsprechend.
Das Objektiv der Kamera lässt sich um rund 75 Grad nach oben und unten schwenken. Somit hat man die Straße in jedem Fahrzeug optimal im Blick. Nachteil: Die Dashcam wird direkt auf die Frontscheibe geklebt, es gibt keine separate Halterung. Dadurch übernimmt der Bildschirm den fixen Neigungswinkel der Frontscheibe. Dies hat zur Folge, dass man wohl in den seltensten Fällen eine optimale Draufsicht genießt, wie wir im Test in einem Volvo XC90 feststellen mussten. Auch der Bedienkomfort wird eingeschränkt, weil sich die A229 Pro 3 nicht individuell ausrichten lässt. Durch die Klebelösung kann man die Dashcam zudem nicht spontan mit aus dem Auto nehmen und in einem anderen Fahrzeug befestigen.
Die beiden anderen Kameras für die Innenraumüberwachung und den Blick hinten aus dem Fahrzeug werden ebenfalls angeklebt. Dies ist weniger problematisch, weil diese Kameras in der Regel dauerhaft montiert bleiben. Beide Kameras sind für eine bestmögliche Ausrichtung um 360 Grad drehbar. Den Strom beziehen diese von der Frontkamera mittels 2,8 Millimeter dünnem USB-C-Kabel (Ratgeber), die Kabel sind auch für große SUVs, Kombis und Vans lang genug. Um die Strippen unsichtbar zu verlegen, ist etwas Tüftelarbeit gefragt, möglicherweise kann man diese im Dachhimmel verstecken.
Als Stromlieferant dient der Zigarettenanzünder. Zum Set gehört ein Adapter mit zwei USB-Ports. Fahrzeuge mit eigenem USB-Anschluss lassen sich über diesen Weg anzapfen.
Viofo vertraut wie auch bei seinen anderen Modellen auf Bildsensoren von Sony. Die Frontkamera filmt mit maximal 3840 × 2160 Pixeln und 30 FPS (Bilder pro Sekunde). Die Heckkamera überwacht das Geschehen mit 2560 × 1440 Bildpunkten, und die Innenraumkamera arbeitet mit 1920 × 1080 Pixeln. Beide nehmen jeweils mit ebenfalls 30 FPS auf. Dank Aufnahmewinkeln von 140, 160 und 150 Grad kann man einen Großteil des Geschehens rund um das Auto erfassen. HDR wird ebenso unterstützt, wodurch Videos mit mehr Kontrast möglich sind. Im Dunkeln hellen vier Infrarot-LEDs den Innenraum automatisch auf.
Aufnahmen landen auf bis zu 512 GByte großen microSD-Speicherkarten (Ratgeber). Neben dem Slot sitzt am Gehäuse ein Klinkenstecker zum Anschluss eines externen Mikrofons. Die Länge der Videoclips legt man im Menü selbst fest. Zur Auswahl stehen eine, 2, 3, 5 und 10 Minuten. Drückt man auf die mittlere Taste mit dem orangen Dreieck, so werden Aufnahmen gesperrt und können nicht mehr überschrieben werden. Um Platz auf der Speicherkarte einzusparen, kann man die Bildrate reduzieren. Ebenfalls verzichtet die Dashcam bei Bedarf auf eine Aufzeichnung des Tons. Eine Besonderheit ist die clevere Pufferfunktion: So speichert die A229 Pro 3 bereits 15 Sekunden vor und 30 Sekunden nach der Registrierung einer Bewegung das selbstständig gestartete Video.
GPS, Galileo, Beidou und Glonass sorgen für den Empfang von Satellitensignalen zur Ortung. Im Video kann man dadurch unter anderem den aktuellen Standort und die gefahrene Geschwindigkeit einblenden. Mittels Viofo-App für Android- und iOS-Geräte sowie auf dem PC lassen sich nachträglich gefahrene Routen auf einer Karte abbilden. Geschwindigkeit und Zeitangaben stehen hier ebenfalls zur Verfügung. Der G-Sensor merkt, wenn etwa ein parkendes Auto angerempelt wird und nimmt das Szenario wie beschrieben mit entsprechendem Vorlauf auf. Um die Dashcam im Parkmodus dauerhaft mit Strom zu versorgen, muss man das separat erhältliche Hardwire-Kit-Kabel erwerben, das die Autobatterie anzapft.
Auf Wunsch sieht man auf dem Monitor nur die Live-Ansicht der Frontkamera, alternativ kann man auch die anderen Kamerabilder parallel einblenden. Das dargestellte Bild lässt sich sowohl spiegeln als auch drehen. Um die Kamera nicht zu berühren, gestattet diese bestimmte Aufgaben wie das Starten von Aufnahmen oder das Schießen von Fotos mittels Stimme. Leider steht als Sprache kein Deutsch zur Verfügung, man muss sich mit Englisch, Chinesisch, Russisch und Japanisch begnügen.
Der Bedienkomfort der A229 Pro 3 ist hoch, hat aber noch etwas Luft nach oben. Die Bedienung erfolgt über fünf Tasten unterhalb des Displays, welches weder auf Touch- noch auf Wischgesten reagiert, aber ein vernünftiges und selbsterklärendes Menü mit Symbolen und weißer Schrift auf blauem Untergrund zur Schau stellt. Über fünf kleine LEDs (für Status zu PWR, REC, GPS, MIC und Wi-Fi) informiert die Dashcam über den aktuellen Betriebszustand. Weil sich der Bildschirm nicht anwinkeln lässt und durch die vorgegebene Neigung der Frontscheibe oft nicht optimal einsehbar ist, wird das Handling erschwert.
Um Videos im Notfall nicht direkt über die orange Taste an der Dashcam sperren zu müssen, bietet Viofo für rund 18 Euro eine simple Bluetooth-Fernbedienung an, die diesen Job übernimmt. Durch die Sprachansagen der A229 Pro 3 wird der Nutzer stets über wichtige Details informiert, beispielsweise dass eine Aufnahme gestartet oder ein Clip geschützt wurde. Wie weiter oben bereits erklärt, besteht die Option, die Dashcam auch per Sprache zu steuern – allerdings nicht auf Deutsch.
Mittels 5-GHz-Unterstützung kann man die Dashcam per WLAN mit einem Android-Smartphone oder iPhone koppeln. Über die kostenlose Viofo-App hat man Zugriff auf sämtliche Einstellungen und kann die Clips zügig herunterladen. Eine Live-Vorschau ist ebenfalls möglich. Nutzt man auf einem Windows-PC eine Software wie den „Dashcam Viewer“, kann man die GPS-Daten auslesen und einzelne Routen auf Google Maps darstellen.
Die A229 Pro 3 liefert mit die beste Videoqualität, die wir bei einer Dashcam jemals gesehen haben. Die Aufnahme mit 3840 × 2160 Pixeln und 30 Vollbildern pro Sekunde ist tagsüber sehr scharf, nahezu frei von Artefakten und Rauschen. Der Detailgrad ist klasse, Texturen wie Fahrbahnasphalt, Wiesen & Wälder werden in feinsten Strukturen und Schattierungen aufgenommen, Farben natürlich abgebildet. Die Bildruhe ist gut – nicht nur tagsüber, sondern auch nachts sind Nummernschilder einwandfrei zu erkennen.
Im Dunkeln begeistert die Frontkamera durch ihre ausgezeichnete Performance. Auch hier ist die Detaildarstellung exzellent, Bildfehler sind kaum zu erkennen. Chapeau für die gute Ausleuchtung. Die Innen- und die Rückkamera arbeiten zwar mit weniger Pixeln, liefern jedoch ebenfalls scharfe und plastische Bewegtbilder mit hohem Informationsgehalt.
Die A229 Pro 3 kostet aktuell direkt beim Hersteller Viofo 267 Euro (Code TECHA229P). Bei Amazon geht sie aktuell mit dem gleichen Coupon für 293 Euro über den Ladentisch. Polfilter, Speicherkarte und Bluetooth-Fernbedienung sind dabei nicht enthalten. Als unverbindliche Preisempfehlung nennt der Hersteller 360 Euro.
Mit der Viofo A229 Pro 3 weiß man zu jedem Zeitpunkt, was vor, hinter oder im Auto passiert. Speziell die Frontkamera begeistert mit knackscharfen und natürlichen Videos tagsüber und nachts. Hier kann man wirklich von Referenzklasse sprechen. Das Bedienkonzept ist ausgereift, die Ausstattung top und die App-Steuerung gelingt zuverlässig. Schade ist nur, dass sich der Neigungswinkel des Displays nicht verstellen lässt. Das Fehlen eines Touchscreens ist zu verschmerzen. Insgesamt überzeugt das Konzept von Viofo mit drei qualitativ starken Dashcams in einem Set.
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