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WLAN-Mesh Ubiquiti Amplifi HD im Test

WLAN-Mesh Ubiquiti Amplifi HD im Test
VORTEILE
  • Dual-Band-Mesh bis 1300 Mbps
  • Elegante Installation
  • Touch-Screen am Router wird sinnvoll genutzt
NACHTEILE
  • Durchsatz im Mittelfeld

Das Amplifi HD ist wahrscheinlich eines der hübschesten WLAN-Mesh-Systeme am Markt. Wir testen, wie es sich in der Praxis schlägt.

Ubiquiti hat vor allem bei gewerblichen WLAN-Installateuren in kleinen und mittleren Betrieben einen guten Namen. Bei privaten End-Usern ist Ubiquiti weniger bekannt, zumal die US-Firma in Zentraleuropa kaum Werbung und offenbar so gut wie keine PR-Aktivitäten betreibt. Kein Wunder also, dass das Amplifi HD Mesh, das bereits 2017 in Deutschland auf den Markt kam, eher unbekannt ist. Wir testen im Rahmen der Themenwelt WLAN-Mesh , wie sich das Mesh aktuell schlägt und wo dessen Stärken liegen.

Der Zungenbrecher Ubiquiti Amplifi HD (High Density) Home Wi-Fi System besteht aus einem WLAN-Router und zwei WLAN-Mesh-Points. Wir nennen es fortan kurz Amplifi-Mesh-Set .

Der WLAN-Router steckt in einem schicken, weißen Plastik-Würfel mit einem Touch-sensitiven LC-Display mit einem Durchmesser von knapp 4,5 cm. Dieser Mini-Bildschirm meldet Betriebszustände, lässt Eingaben mit dem bloßen Finger zu und hilft dem User vor allem bei der Erstinstallation. Ein Lautsprecher und ein LED-Licht im Sockel des Routers geben zusätzliches Feedback in allen WLAN-Lebenslagen und lassen ein bisschen Disco-Feeling aufkommen.

An der Rückseite des Routers schließen wir bis zu vier kabelgebundene Netzwerkgeräte an den vier Gigabit-LAN-Ports an. Der blau umrandete WAN-Port nimmt im Test das Internet aus einer AVM Fritzbox 6590 Cable entgegen, denn der weiße Amplifi-Würfel hat kein eigenes Internet-Modem verbaut. Darunter sitzt eine funktionslose USB-Buchse. Sie ist für spätere Zwecke reserviert, wurde bislang von Ubiquiti nicht aktiviert. Eine weitere USB-C-Buchse nimmt den Strom aus dem mitgelieferten Netzteil auf. Die Kanten des weißen Würfels sind etwa 10 cm lang.

Die Netzwerkanschlüsse am Amplifi HD Router. (Bild: Harald Karcher).

Die beiden Mesh-Points sind jeweils satte 24 cm lang: Der 17 cm lange Antennenteil ist über ein magnetisches Kugelgelenk mit dem 7 cm langen Unterbau verbunden, der direkt in einen Schuko-Stecker endet. Dank dieser Kugel kann man die Antennen sehr flexibel auf den Router ausrichten, obwohl der Mesh-Point-Fuß starr in einer 230-Volt-Steckdose steckt. Die Mesh-Repeater lassen sich nicht per LAN Kabel mit dem Router verbinden. Das Amplifi-Mesh koordiniert sich komplett über Funk.

Die beiden Ubiquiti AmpliFi HD WLAN-Mesh-Points sind ungewöhnlich lang. Auf ihren Magnetkugeln kann man sie flexibel ausrichten (Bild: Harald Karcher).

Einrichtung

Die Einrichtung des Amplifi-Mesh-Systems ist super einfach: Wir installieren die Amplifi-Mesh-App aus dem Google-App-Store auf ein Bluetooth-fähiges LG-Smartphone. Die App nimmt per Funk den Kontakt mit dem WLAN-Router auf und gibt genaue Anweisungen, was wann zu tun ist.

Zeitgleich öffnet sich wie von Geisterhand auch der Webbrowser mit dem Ubiquiti-Installations-Dialog auf unserem Razer Blade Laptop, der zu jenem Zeitpunkt eigentlich nur über die Fritzbox 6590 Cable indirekt mit dem Mesh-Router verbunden ist. Mehr Unterstützung und mehr Feedback bei der Installation haben wir bei keinem anderen Mesh-System jemals zuvor erlebt.

Die beiden Mesh-Repeater stecken in zwei Steckdosen im gleichen Raum. Der WLAN-Router erkennt und koppelt sie automatisch. Nach dem Software-Update aller drei Mesh-Geräte von Version 282 auf Version 311 ist das Amplifi-Mesh-System eingerichtet. Ausgewählte Highlights aus der Installation finden sich in den folgenden Screenshots.

Das Amplifi-Mesh-Set aus dem Jahre 2016 verspricht im US-Datenblatt turbocharged 802.11AC Wi-Fi : Das heißt konkret:

  • Im 2,4 GHz Band bis zu 450 Mbps (3x3-Stream-11n alias Wifi-4)
  • Im 5 GHz Band bis zu 1300 Mbps (3x3-Stream-11ac alias Wifi-5)
Wenn alle fünf Lämpchen an der Kugel-gelagerten Antenne blau leuchten, dann ist der HD-Mesh-Point optimal zum Router ausgerichtet (Bild: Harald Karcher).

Das klingt anno 2019 erst mal beschaulich, denn auch der bewährte AVM 1750E-Repeater (Testbericht) aus dem Jahr 2014 funkt schon seit 5 Jahren bis zu 450 Mbps auf 2,4 GHz und 1300 Mbps im 5 GHz Band. Die AVM Fritzbox 7590 (Testbericht) aus dem Jahre 2017 schafft auf dem Papier sogar 800 Mbps mittels 11n und 1733 Mbps mittels 11ac-Wave-2.

Amplifi schlägt identische SSID-Netzwerknamen für den WLAN-Router und für beide WLAN-Mesh-Points in beiden Bändern bei 2,4 und bei 5 GHz vor. Das lassen wir mal so, wohl wissend, dass in Wahrheit jeder Router und jeder Mesh-Point je zwei Funkzellen aufspannt. Doch für den normalen WLAN-Verbraucher sieht es am Handy oder Laptop halt so aus, als ob es nur eine einzige Funkzelle in der ganzen Wohnung oder im ganzen Haus gäbe. Das ist ein Teil des Mesh-Komforts. Außerdem soll so eine Single-SSID den fliegenden Wechsel alias Roaming zwischen verschiedenen Bändern und Funkstationen erleichtern.

In den folgenden Screenshots waren nur der Router und der erste Mesh-Point eingeschaltet. Der kleinere Amplifi-Hügel in den Screenshots ist jeweils der Mesh-Point, weil der eine Etage weiter weg stand als der Router. Besonders deutlich sieht man den Unterschied im reichweitenschwächeren 5 GHz Band, also im zweiten Screenshot.

Im 2,4 GHz Band fuhr unser Ubiquiti-AmpliFi-AFi-HD-Router-und-Mesh-Point-Pärchen rund um Kanal 1 hoch (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).
Im 5 GHz Band hat sich unser Ubiquiti-AmpliFi-AFi-HD-Router-und-Mesh-Point-Pärchen rund um Kanal 42 ausgebreitet (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).

Testaufbau

Der Amplifi-Router ist bei der Installation, bei den Updates, und beim Test per LAN-Kabel mit einer Fritzbox 6590 Cable verbunden. Letztere hängt mit nominal 530 Mbps DL und 53 Mbps UL via DOCSIS 3.0 am Vodafone-Kabel-Internet. Von dort kommt aber nicht immer genug Netto-Speed, um die WLAN-Grenzen aller Mesh-Test-Kandidaten auszuloten.

Deshalb hängt der Amplifi-Router zusätzlich per LAN-Kabel an einem 10-Gigabit-NAS-Server Synology DS1618+. Auf diesem liegen unter anderem 50x 1GB-Dateien, die wir in Messungen über die Funkzellen der Mesh-Stationen herunterladen.

Im DG Links oben funkt ein Ubiquiti-AmpliFi-AFi-HD-ROUTER (Wifi-5). Im OG Links ein Ubiquiti-AmpliFi-AFi-HD-MESH-POINT(Wifi-5). Die Mess-Wanderung mit einem Razer Blade 15 Laptop (Wifi-6-5-4-3-2-1) beginnt links oben im DG (Messpunkt-1) und endet rechts im OG-Zimmer rechts außen (Messpunkt-5). Die Test-Dateien (50x 1GB) werden aus einem Synology DS1618+ NAS Server zugespielt, rechts oben (Bild: Harald Karcher).

Als Mess-Laptop dient ein flotter Razer Blade 15 mit Intel-Core-i7-8750H-CPU, Nvidia Geforce RTX 2070 Max-Q und Samsung-NVMe-SSD. Vor dem Test haben wir sein ursprüngliches 11ac-Wifi-5-Funkmodul gegen ein neues Intel Wi-Fi 6 AX200 Kärtchen mit einem Brutto-Speed bis 2400 Mbps ausgetauscht. Sein neues 11ax-Wifi-6-Modul kann selbstverständlich auf die älteren WLAN-Gattungen 11a-b-g-n-ac zurückschalten. Wie man das aktuell modernste WLAN-Modul für nur 13 Euro selber in jüngere Laptops einwechseln kann, zeigen wir im Ratgeber Notebook für 13 Euro auf Wifi-6 aufrüsten .

Wanderung durch 5 Räume mit einem Razer Blade 15 Laptop (Wifi-6) vom DG bis zum OG-Zimmer rechts außen: Blau zeigt den Netto-Speed des Routers allein, rot ist die Kurve aus Router und Mesh-Point. (Bild: Harald Karcher).

In der ersten Messung mit dem Wifi-6 Razer Blade war zunächst nur der Amplifi-Mesh-Router (blaue Kurve), danach zusätzlich auch der Amplifi-Mesh-Point (rote Kurve) eingeschaltet.

Wie man in der roten Kurve sieht, hat das Mesh-Duo die WLAN-Versorgung in den hinteren Zimmern deutlich verbessert, was ja auch der Sinn eines solchen Wifi Mesh Systems sein sollte. Wäre die Testwohnung größer, dann hätte man den Abstand zwischen Router und Mesh-Point noch verlängern können. Das hätte den Durchsatz in der roten Kurve weiter erhöht.

In der Tabelle zeigt sich, dass man dem Amplifi HD Mesh inzwischen sein Alter etwas anmerkt. Auch macht sich bemerkbar, dass Ubiquiti nur auf Dual-Band-Mesh statt Tri-Band-Mesh setzt. So fällt das Amplifi HD etwa deutlich hinter dem Tri-Band-System Netgear Orbi zurück und ist in etwas vergleichbar mit Google WiFi.

ProduktDachgeschossOG Zimmer 1OG Zimmer 2OG Zimmer 3OG Zimmer 4
Amplifi HD, Router423236222222
Amplifi HD, 2er Set44423914415332
AVM 7590 und AVM Fritz!Repeater 2400589422304298118
Netgear Orbi RBR50, einzeln50146125011155
Netgear Orbi RBR50, 2er Set531474200343114
Devolo Access Point One571610521399233
Linksys Velop, einzeln599491248173124
Linksys Velop, 2er Set599498261205112
Devolo Magic 2, einzeln31127626611438
Devolo Magic 2, 2er-Set333333140140122
AVM 7590 (Firmware 7.12) 60627221617925
AVM 7590 & AVM 120059157224915594
Zyxel Multy U, einzeln45242014712278
Zyxel Multy U, 2er Set5464692098819
Asus Asus RT-AX92U, einzeln630595224175133
Asus Asus RT-AX92U, 2er Set672630420696210
AVM 7590, einzeln48146122229129
AVM 3000 & 7590473471404418322
Google Wifi, einzeln509285222112
Google Wifi, 2er Set48226418018494
D-Link Covr, einzeln405386333110
D-Link, Covr 2er Set356356378320311
Durchsatz in MBit/s

Die zweite Messung machen wir mit einem bewährten 866-Mbps-Wifi-5-alias-11ac-Wave-2-Smartphone Sony Xperia XZ Premium G8141 aus dem Jahr 2017. Das betanken wir zuvor noch mit der Fritz-App WLAN von AVM. Diese App misst aber nur die Geschwindigkeit zwischen dem Handy und jeweils einer Funk-Station. Vorsicht: Das ist nicht der komplette Ende-zu-Ende-Durchsatz über die gesamte Kette vom NAS-Server über die Funk-Stationen bis zum Handy, sondern nur die kürzere Direktstrecke zwischen Handy und einem WLAN-Mesh-Zugriffs-Punkt.

Mit dem Handy verweilen wir an allen fünf Messpunkten jeweils 60 Sekunden. Die Erwartung ist, dass der WLAN-Daten-Speed mit zunehmender Entfernung immer schlechter wird. Danach wandern wir die gleiche Strecke zurück, also wieder 5 Messpunkte, je 60 Sekunden. Die komplette Grafik zeichnet also genau 10 Minuten auf. Damit wollen wir prüfen, ob das Mesh-System den abgefallenen Speed bei der Rückwanderung auch wieder flott nach oben bringt, was bei vielen Mesh-Systemen in der Vergangenheit schlichtweg nicht geklappt hat, weil die Systeme aus dem tiefsten Gang nicht wieder zeitnah hochschalten konnten.

Und ja, auch der Amplifi-Router aus dem Jahre 2016 zeigt im folgenden Screenshot ähnliche Klebe-Effekte, wie wir sie schon bei unseren früheren Mesh-Tests AVM 7590 & 1750E (Testbericht) sowie 7590 & AVM 3000 (Testbericht) kritisiert hatten: Hat der Speed erst einmal vom schnellen 5-GHz-Band in das langsame 2,4-GHz-Band herunter geschaltet, dann kommt er bei der Rückwanderung meist nicht mehr zeitnah hoch.

Messung nur mit Router: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) fällt der Durchsatz rasch in den 2,4-GHz-Keller. Bei der Rückwanderung schaltet der Speed dann leider nicht mehr zeitnah hoch, trotz exzellenter Signalstärke (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).
Messung an Router und Mesh-Point: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) geht der Durchsatz nur mäßig in den Keller. Bei der Rückwanderung kommt er auch wieder sehr zeitnah hoch (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).

Die Verstärkung des Amplifi-Routers durch den ersten Amplifi-Mesh-Point hat den Speed-Absturz in den hinteren Zimmern der Wohnung deutlich reduziert. Der zusätzliche Einsatz des zweiten Amplifi-Mesh-Points aus dem Set hat dagegen keine spürbare Verbesserung der WLAN-Gesamt-Versorgung in der konkreten Test-Wohnung mehr gebracht.

In einem Haus mit Garten mag der zweite Mesh-Point auf einer größeren Fläche aber durchaus einen guten Mehrwert entfalten. Es kommt auch immer darauf an, wie überfüllt die Luft schon ist. Mitunter können zu viele Mesh-Funker auf zu engem Raume auch kontraproduktiv wirken. Erwähnenswert ist die bequeme Einrichtung: Das Amplifi-Mesh-System hat in der konkreten Test-Wohnung automatisch von einer Stern- zu einer Multi-Hop-Konfiguration umgeschaltet, siehe Screenshot.

Das Ubiquiti AmpliFi HD Mesh Set schaltet im Test von einer Stern-Konfiguration (mit dem zentralen Router in der Mitte) automatisch zu einer Multi-Hop-Konfiguration (mit dem AmpliFi-Router am linken Ende) um (Bild: Harald Karcher).

Strombedarf

Der Amplifi-Router hat im Standby gut 5,9 Watt und beim Surfen knapp 8,3 Watt benötigt. Der bereits verkoppelte Amplifi-Mesh-Point hat 3,6 bis 5,5 Watt aus der 230-Volt-Dose gezogen. Zusammen macht das für beide Funk-Stationen 9,5 Watt im Standby und 13,8 Watt beim Download aus dem Internet. Hinzu kommt der Stromverbrauch des externen Internet-Modems.

Der Ubiquiti AmpliFi HD Mesh-Router hat im Standby gut 5,9 Watt und beim Download einer großen Datei aus dem Internet knapp 8,3 Watt benötigt (Screenshot: Harald Karcher / mit FRITZ!DECT 200 & AVM 7590 Software).

Fazit

Das Ubiquiti Amplifi System lässt sich sehr schnell und elegant in Betrieb nehmen: Per Handy-App, oder per PC-Browser, unterstützt von einem LCD-Touchscreen. Derart schöne und smarte Installationsoptionen findet man selten.

Der Speed des Amplifi-Systems reicht Brutto offiziell bis 1300 Mbps. Netto kamen im Praxistest knapp 450 Mbps auf kurze Distanz. Damit kann man 2019 nicht mehr protzen, denn seit 2017 hat die Fritzbox 7590 schon 1733 Mbps zum High-End-Mainstream erhoben.

Doch das Amplifi-Mesh wirkt sehr stabil, sieht gut aus, gibt ein tolles Feedback und überzeugt vom ersten Augenblick, schon bevor es überhaupt fertig installiert ist.

Neben dem weißen Amplifi-HD-Mesh-Set gibt es noch eine schwarze Amplifi Gamer’s Edition mit besonders kurzen Reaktionszeiten und einer NVIDIA Geforce Now Empfehlung, also was für Gamer. Diese schwarze Version haben wir aber noch nicht getestet.

Das Testset wurde der Redaktion von der Varia System GmbH zur Verfügung gestellt.