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Xiaomi 12T Pro im Test: Brutal schnelles Smartphone mit 200 Megapixel

Xiaomi 12T Pro
VORTEILE
  • sehr schnell
  • Hauptkamera mit 200 Megapixel
  • lädt rasant mit 120 Watt
NACHTEILE
  • nur USB 2.0
  • ohne IP-Zertifizierung
  • schwache Weitwinkel und Makrolinse 

Snapdragon 8 Plus Gen 1 und 200 Megapixel für unter 700 Euro? Das Xiaomi 12T Pro bietet beeindruckende Features. Wo das Smartphone schwächelt, zeigt der Test.

Das hat nicht lange gedauert. Mit dem Xiaomi 12T Pro bringt der chinesische Hersteller eine aufgefrischte Variante des aktuellen Flagships Xiaomi 12 Pro (Testbericht) auf den Markt. Seit Jahren bietet Xiaomi die T-Modelle für seine Top-Smartphones als Frischzellenkur an, bevor gegen Jahresende neue Flaggschiff-Modelle erscheinen. Es ist ein Upgrade und Downgrade zugleich.

Verglichen mit dem 12 Pro lässt das 12T Pro aufhorchen: Kamera mit 200 Megapixel, Snapdragon 8 Gen 1 – geht technisch eigentlich mehr? Zügig geladen ist es mit 120 Watt. Dafür verzichtet das Handy auf ein Curved Display und greift zum herkömmlichen flachen Bildschirm. Leichte Abstriche gibt es bei der Frontkamera für Selfies, die 20 statt 32 Megapixel bietet. Gestrichen hat Xiaomi zudem das Teleobjektiv und baut stattdessen eine schnöde Makrolinse mit 2 Megapixel ein – eigentlich eine Frechheit.

Wie gut das 12T Pro ist und wo es sich im Vergleich mit der Konkurrenz schlägt, klärt unser Test. Weitere Alternativen in dieser Preisklasse zeigen wir in der Top 10: Spitzenleistung zum fairen Preis: Tops-Smartphones bis 750 Euro.

Xiaomi 12T Pro

Design

Elegant und schlicht – diese Worte beschreiben das Xiaomi 12T Pro treffend. Allerdings wirkt es auch etwas bieder, nahezu langweilig. Die Rückseite aus Glas in seidenmattem Schwarz verläuft leicht gebeugt hin zum Rahmen aus Kunststoff. Ja, richtig gehört. Ein Metallrahmen kommt beim 12T Pro nicht zum Einsatz. Die Lautstärkewippe sowie der Power-Button befinden sich auf der rechten Seite und bieten einen festen Druckpunkt. Die Verarbeitung wirkt hochwertig – eine IP-Zertifizierung zum Schutz vor Wasser gibt es aber nicht.

Genügend Grip bietet die Rückseite, die zudem unempfindlich ist für Fingerabdrücke. Auffälligstes Merkmal hinten ist die Kamera: Ein quaderförmiges Element mit abgerundeten Ecken beherbergt die drei Linsen und den LED-Blitz – wie schon beim 12 Pro. Die Hauptlinse ragt deutlich hervor und ist auch größer. Der Schriftzug „200 Megapixel“ deutet darauf hin, was sich hier verbirgt.

Anders als beim Xiaomi 12 Pro (Testbericht) ist die Vorderseite nicht gebogen. Ein zu den Rändern gerade verlaufendes Display, das etwa auch Samsung beim Galaxy S20 FE bietet (Testbericht) hat den Vorteil, dass die Lesbarkeit an den Rändern etwas besser ist als bei Displays, deren Ränder abgerundet sind. Der Bildschirm wird geschützt von Gorilla Glass 5 – also nicht der neuesten Variante von Corning. Äußerst schmal ist der Bildschirmrand. Die vordere Kamera ist üblicherweise in einer kleinen Öffnung eingebettet – der Punch-Hole-Notch. Unten im Display sitzt der Fingerabdrucksensor.

Mit 163,1 × 75,9 × 8,6 mm ist das T-Modell mit 6,67-Zoll-Display ähnlich groß wie das Xiaomi 12 Pro. Mit 205 g wiegt es gleich viel. Damit gehört es zu den wuchtigen Handys, das sich kaum nur mit einer Hand bedienen lässt. Zum Schutz vor Stürzen legt Xiaomi eine durchsichtige Schutzhülle aus Silikon bei.

Display

Verglichen mit dem 12 Pro ist das OLED-Display minimal geschrumpft. Die Diagonale beträgt jetzt 6,67 Zoll. Mit 2712 × 1220 Pixel fällt die Auflösung hoch aus, ist aber geringer als beim Xiaomi 12 Pro. Damit bleibt das Bild messerscharf bei einer Pixeldichte von 445 ppi (Pixel pro Zoll). Die Bildwiederholfrequenz beträgt 120 Hertz, was zu einem geschmeidigen Erscheinungsbild führt beim Scrollen oder bei Spielen.

Die Bildqualität ist klasse. Kontraste sind gut abgestimmt und dank OLED-Technik bietet die Anzeige satte Schwarzwerte. Farben wirken natürlich, verglichen mit anderen Top-Smartphones von Samsung oder Honor erscheinen diese aber blass und kraftlos. Da ändert auch die Display-Einstellung „lebhaft“ oder „gesättigt“ wenig. Dank hoher Blickwinkelstabilität ist der Bildschirm aus allen Perspektiven gut ablesbar. Das gilt auch draußen bei hellem Sonnenlicht dank einer automatischen Helligkeit von knapp unter 900 cd/m². Mit einer maximalen Helligkeit von 1350 cd/m² performt das Samsung Galaxy S22 Ultra (Testbericht) aber deutlich besser.

Kamera

Ein Ausrufezeichen setzt Xiaomi bei der Hauptkamera: Stolze 200 Megapixel. Neben dem Motorola Edge 30 Ultra ist es erst das zweite Gerät auf dem Markt mit einer solch hohen Auflösung. Die Selfie-Kamera vorn bietet 20 Megapixel.

Für Kopfschütteln sorgen hingegen die beiden übrigen Linsen: 8 Megapixel für Weitwinkelaufnahmen sowie eine Makrolinse mit 2 Megapixel. Das entspricht mittlerweile nur einem Smartphone bis 300 Euro (Bestenliste) wie dem Poco X4 Pro (Testbericht). Selbst das Xiaomi 10T Pro war ähnlich aufgestellt bei den zusätzlichen Linsen. Andere Smartphones bieten mittlerweile beim Weitwinkelobjektiv Auflösungen auf dem Niveau der Hauptkamera. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das Honor 70 (Testbericht). Auf die Makrolinse hätte Xiaomi gerne verzichten können und lieber eine Telelinse verbauen sollen.

Von Haus aus knipst das Xiaomi 12T Pro Fotos mit 12,5 Megapixel. Per Pixel-Binning fasst die Kamera 16 Bildpunkte zu einem zusammen. Alternativ gibt es einen Ultra-HD-Modus für Fotos mit 50 Megapixel oder sogar 200 Megapixel. Die Bilddateien sind dann mit 18 bis 52 MByte riesig. Die Fotos mit der Hauptkamera sehen echt klasse aus. Bilddetails sind sehr ausgeprägt, die Bilddynamik ist absolut stimmig. Der Autofokus macht einen guten Job, ein optischer Bildstabilisator (OIS) ist ebenfalls an Bord.

Dank der 200 Megapixel sind Details so umfangreich, dass der digitale Zoom bei zweifacher Vergrößerung noch gute und halbwegs scharfe Ergebnisse liefert. Wenigstens ist das ein leichter Trost für das fehlende Tele. Bei Dunkelheit hellt der Nachtmodus effektiv die Aufnahmen auf. Hier bedarf es allerdings einer ruhigen Hand. Andernfalls erscheinen die Fotos unscharf oder verwackelt – trotz optischer Bildstabilisierung. Ganz ohne Bildrauschen kommen die Bilder bei Nacht nicht aus.

Dafür schwächelt die Ultraweitwinkellinse. Bilddetails fallen mager aus, die Ränder sind zum Teil unscharf. Auch die Farbgebung weicht spürbar von der Hauptlinse ab. Für die mageren 2 Megapixel gehen Makroaufnahmen fast noch in Ordnung. Für Nahaufnahmen braucht es eine solche Linse mit niedriger Auflösung eigentlich gar nicht. Das geht auch über die Weitwinkelkamera, wie das Honor 70 zeigt. Die Frontkamera mit 20 Megapixel schießt vernünftige Selfies, ohne besondere Akzente zu setzen.

Ihre Stärken zeigt die 200-Megapixel-Kamera auch bei Videoaufnahmen. In Verbindung mit dem starken Prozessor sind Clips mit 4k bei 60 fps (Frames pro Sekunde) möglich – die farbecht, lebendig und flüssig erscheinen. Der optische Bildstabilisator unterdrückt Verwackler auch bei Videos – selbst bei zweifachem digitalem Zoom. 8k ist ebenfalls möglich, dann allerdings beschränkt auf 24 fps.

Ausstattung

Xiaomi hat gegenüber dem 12er-Modell beim Prozessor nochmals aufgerüstet. Zum Einsatz kommt der runderneuerte Snapdragon 8 Plus Gen 1 – besser geht es derzeit nicht bei Android-Smartphones. Die Plus-Variante bietet eine höhere Effizienz sowie 10 Prozent mehr Leistung.

Im Alltag läuft das System stets flüssig und öffnet Apps rasch. Hier macht sich der Vorteil nicht so stark bemerkbar. Bei Work 3.0 von PCmark kommen wir im Schnitt auf knapp 12700 Punkte. Das schaffen auch ältere Smartphones mit Snapdragon 888 oder 870. Die wahre Stärke spielt der Snapdragon 8 Plus Gen 1 bei der Grafik und somit bei Spielen aus. Unser Standard-Benchmark „Wild Life“ von 3Dmark wird nicht einmal ausgelastet. Bei „Wild Life Extreme“ spuckt der Test 2700 Punkte aus – ein Spitzenwert. Bei hoher Auslastung wird das Handy aber spürbar warm.

In puncto Arbeitsspeicher stehen je nach Variante üppige 8 oder 12 GByte RAM parat. Der interne Speicher beträgt 256 GByte (UFS 3.1). Eine Erweiterung per microSD-Karte ist allerdings nicht möglich. Für kabellose Verbindungen greift das 12T Pro auf Wi-Fi 6, 5G sowie Bluetooth 5.2 zurück. NFC ist selbstverständlich mit an Bord. Beim Navigieren helfen A-GPS, GLONASS, Beidou, Galileo und NavIC. Verlässlich und flott arbeitet der Fingerabdrucksensor im Display. Die Qualität beim Telefonieren ist ebenfalls überzeugend.

Ein echtes Ärgernis für den Preis: Xiaomi spendiert dem Käufer erneut nur USB 2.0 beim Typ-C-Anschluss. Auch wenn man im Alltag nicht so oft Daten zwischen Smartphones und Computer per Kabel hin- und herschiebt – USB 2.0 ist zehnmal langsamer als der aktuelle Standard. Wer damit etwa 100 GByte an Daten kopiert, benötigt etwa 1 Stunde.

Als Betriebssystem läuft Android 12 mit der Benutzeroberfläche MIUI 13.0.9. Standardmäßig arbeitet diese ohne App-Drawer und mit Icons statt Gesten. Bei der Einrichtung können Nutzer aber entscheiden, ob sie den Drawer möchten oder alternativ auf die Gestensteuerung setzen statt der Icons, die Google seit Android 10 anbietet. Das Sicherheits-Update stammt von September und ist somit hinreichend aktuell. Ein Update auf Android 13 (Ratgeber) dürfte gemeinsam mit MIUI 14 bis Jahresende folgen.

Akku

Recht groß ist der Akku mit 5000 mAh. Das zeigt sich bei der ordentlichen Akkulaufzeit für einen so energiehungrigen Prozessor. Beim Battery Test von PCmark kommen wir auf eine simulierte Laufzeit von gut 10,5 Stunden. Die Helligkeit betrug dabei 200 cd/m² bei automatischer Auflösung und Bildwiederholrate. Das ist ein guter Wert für ein Gerät mit Snapdragon 8 Plus Gen 1. Andere High-End-Smartphones schaffen in dem Test eher knapp unter 10 Stunden.

Rasend schnell lädt das Netzteil mit 120 Watt – wie schon beim Xiaomi 12 Pro (Testbericht). So dauert ein Ladevorgang von 20 auf 100 Prozent nur knapp 30 Minuten. Kabelloses Laden mittels Induktion beherrscht das Xiaomi 12T Pro aber nicht.

Preis

Zu kaufen gibt es das Xiaomi 12T Pro mit 8 oder 12 GByte RAM jeweils in den Farben Schwarz, Silber und Blau. Die UVP für die Ausführung mit 8 GByte RAM liegt bei 799 Euro. Das beste Angebot startet aber bereits bei 669 Euro bei Ebay für das schwarze Modell. Mit 12 GByte RAM sind mindestens 766 Euro fällig.

Fazit

Ein echtes Flagship ist das Xiaomi 12T Pro nicht. Geht es allein um die Leistung, können derzeit aber nur wenige Android-Smartphones mithalten. 200 Megapixel bei einer Kamera bietet aktuell nur das brandneue Motorola Edge 30 Ultra. Zudem ist die Laufzeit für ein Gerät mit Snapdragon 8 Plus Gen 1 ordentlich. Geladen ist der Akku in knapp über 30 Minuten.

Allerdings fehlen Features wie eine Telelinse, die man von einem Top-Smartphone erwarten würde. Insbesondere das Objektiv für Weitwinkel und Makroaufnahmen entspricht nur der unteren Mittelklasse. USB 2.0 hat zudem in der Preisklasse eigentlich nichts mehr verloren. Das hochauflösende Display ist gut, aber es fehlt etwas an Strahlkraft. Optisch sieht das Handy zwar edel aus, aber auch ziemlich bieder. Echte Begeisterung kommt trotz starker Performance nicht auf.

Das Xiaomi 12T Pro richtet sich an alle, die Top-Performance wollen, aber auf eine Telelinse verzichten können. Mit einem Preis von unter 700 Euro gehört das Xiaomi 12T Pro zu den erschwinglichen High-Performern mit Android. Eine bessere Kamera mit Teleobjektiv bietet das Honor Magic 4 Pro (Testbericht) ab 899 Euro. Mit richtig viel Power in einem kompakten Gehäuse kommt das Asus Zenfone 9 (Testbericht). Etwas günstiger ist das Oppo Find X5 (Testbericht) mit starker Kamera und viel Leistung. Weitere Alternativen zeigen wir in der Top 10: Spitzenleistung zum fairen Preis: Tops-Smartphones bis 750 Euro.