Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Xiaomi hat seine Poco-F-Reihe einem Update unterzogen. Das neue Poco F5 setzt dabei aber nicht mehr auf einen Spitzen-Chipsatz – kann das gutgehen?
Xiaomis Poco-Reihe unterteilt sich in mehrere Unterserien. Die F-Serie stand dabei in der Vergangenheit meist für viel Power bei wenig Geld. Beim neuen Poco F5 ist das zwar immer noch so, allerdings kommt statt eines Spitzen-Chipsatzes ein kräftiger, topaktueller Mittelklasse-Chip zum Einsatz. Ob das reicht, um wieder eine Empfehlung zu bekommen?
Xiaomi setzt beim neuen Poco F5 auf ein leicht eckiges, unauffälliges Design. Das Display vorn weist an den äußersten Rändern nur minimale Krümmung zum Rahmen hin auf, auf der Rückseite ist die wenigstens etwas stärker ausgeprägt. Front und Rückseite gehen dann in einen Kunststoffrahmen über, der auch nur an den äußersten Kanten gerundet ist, überwiegend aber flach und kantig ausfällt. Trotzdem fühlt sich das Smartphone in der Hand nicht unangenehm an und ist trotz Kunststoffrückseite nicht rutschig.
Hinten wird das Gerät optisch von zwei großen und einer dritten kleinen Kamera-Linse dominiert. Als Material setzt der Hersteller auf Kunststoff und verpasst ihm bei unserem Testgerät einen Verlauf von einfachem Schwarz an der Stirnseite des Modells in Schwarz mit feinen grauen Streifen zur Fußseite. Das wirkt ausreichend wertig, aber nicht sonderlich aufregend. Insgesamt überzeugt die Verarbeitung, Spaltmaße sind nur minimal vorhanden und gleichmäßig, die Tasten auf der rechten Seite perfekt in den Rahmen integriert. Gut gefallen uns die für ein Mittelklassemodell recht schmalen und gleichmäßigen Rändern rings ums Display. Nur eine IP-Zertifizierung als Beleg für Schutz gegen Wasser fehlt.
Xiaomi setzt beim Poco F5 wieder auf seine beliebte Displaygröße mit 6,67 Zoll. Das ergibt bei einer Auflösung von 2400 x 1080 Pixel eine Bildschärfe von 395 Pixel pro Zoll (ppi). Zusammen mit den anderen Vorzügen von OLED, etwa Farbintensität, Schwarzwert und Betrachtungswinkel, macht das ein ordentliches Bild. Gerade mit der maximalen Bildwiederholungsrate von 120 Hz wirkt zudem alles schön geschmeidig, etwa beim Scrolling durch Menüs. Außerdem verspricht Xiaomi beim F5 erstmals eine maximale Helligkeit von 1000 Candela pro Quadratmeter. Das konnten wir im Test nicht ganz verifizieren, mit einem Spitzenwert von stolzen 945 cd/m² (460 Candela im manuellen Modus) ist das Panel aber nah dran und auch bei Sonnenschein gut ablesbar. Einziger Wermutstropfen: Das F5 verfügt im Gegensatz zum F5 Pro über kein echtes Always-on-Display, sondern eher ein „Sometimes-on-Display“.
Die Kamera ist bei Mittelklassegeräten höchst selten im Fokus der Entwicklung, das ist auch beim Poco F5 nicht viel anders. Entsprechend verzichtet der Hersteller auf die Implementierung eines Zoom-Objektives, sondern setzt – auch im Jahr 2023 immer noch – lieber auf eine Makrokamera mit mickrigen 2 Megapixel als Ergänzung für Haupt- und Weitwinkel. Trotzdem hat Xiaomi die Kamera insgesamt nicht vernachlässigt, im Gegenteil. So bietet die Hauptkamera mit Omnivision-Sensor ordentliche 64 Megapixel, eine lichtstarke Blende von f/1.79 und zusätzlich einen optischen Bildstabilisator (OIS). Und selbst der Weitwinkel von Sony (IMX355) mit seinen 8 Megapixel und f/2.2 bringt mehr, als die eher alltäglichen Zahlen für die Breitbild-Aufnahmen vermuten lassen.
Am besten schneidet, wie nicht anders zu erwarten, die Hauptkamera ab. Die ist so schon vom Vorgänger Poco F4 (Testbericht) bekannt und liefert vor allem am Tag ordentliche Bildqualität. Hier passen Bildschärfe, meist auch Bilddynamik sowie Farbwiedergabe und der Unterschied zur deutlich teureren Kameraelite unter den Smartphones ist eher gering. Nur bisweilen etwas schwache Farben mit einem Wechsel ins Gegenteil bei Nutzung der AI-Funktion und hin und wieder eine nicht ganz optimale Bilddynamik bleiben – wie schon beim Vorgänger – als kleine Kritikpunkte.
Bei Nacht werden die Unterschiede zu deutlich teureren Smartphone-Kameras offensichtlicher. Hier sinkt die Bildschärfe stärker und Bildrauschen tritt hervor. Für ein Mittelklassemodell ist das aber trotzdem ziemlich ordentlich. Erstaunlicher zeigt sich der Weitwinkel. Er macht ausreichend scharfe Aufnahmen, selbst zu den Rändern hin sinkt die Bildschärfe durch Verzeichnung nicht wesentlich und die Gesamtqualität ist bei Tageslichtaufnahmen erstaunlich gut. Bei schlechtem Licht sollte man aber definitiv eher zur Hauptkamera greifen. Die Makrokamera mit ihren 2 Megapixel haben wir oberflächlich ausprobiert, schon auf den ersten Blick wurde unsere Meinung zu derart niedrig auflösenden Nahbereichs-Linsen allerdings umgehend bestätigt: Xiaomi hätte die einfach gleich weglassen sollen und niemand wäre ernsthaft traurig gewesen.
Videos sehen ebenfalls gut aus, leider ist schon bei 4K/30 Schluss. Das führt bei Schwenks immer zu einem ruckeligen Eindruck. Gut gefallen hat uns die Bildstabilisierung. Die Selfiecam macht ausreichend scharfe und bei der Farbwahl natürliche Aufnahmen.
Leistung war bislang die Devise der F-Serie von Poco, in diesem Jahr scheint das anders zu sein. Denn mit dem Snapdragon 7+ Gen 2 kommt auf dem Papier nur ein Chipsatz der oberen Mittelklasse zum Einsatz. Der wird im 4-Nanometer-Verfahren von TSMC hergestellt und orientiert sich mit seiner Aufteilung mit Prime-Core, drei Leistungskernen und vier Sparkernen allerdings an den Chips der 8er-Serie. Auch die Adreno 725 erinnert stark an die GPU im Snapdragon 8 Gen 1. Entsprechend wundert es nicht, dass der Abstand zu den Spitzenchips des gleichen Herstellers nicht übermäßig groß ist. So erreicht das Poco F5 in PCmark 3.0 rund 14.100 Punkte, in 3Dmark Wildlife Extreme sind es 1950 Punkte. Je nach Benchmarkt sind das kaum 10 Prozent Unterschied zum stärkeren Snapdragon 8+ Gen 1 – bemerkenswert. In der alltäglichen Nutzung zeigt sich das F5 in allen Situationen absolut flüssig und souverän.
Nicht nur bei der Leistung, auch beim Speicher präsentiert sich das Poco F5 zukunftssicher. In der kleinsten Version ist der 8/256 GByte groß, außerdem gibt es eine Variante mit 12/256 GByte. Der Massenspeicher setzt dabei auf UFS-3.1-Technik und ist nicht erweiterbar. Technisch ist das Smartphone auch sonst auf der Höhe, hier ist von Wifi-6 über NFC und einen IR-Port bis hin zu 5G alles dabei. Lediglich der USB-C-2.0-Anschluss stört, aber dieser inzwischen eigentlich etwas zu langsame Standard ist leider auch im Jahr 2023 in der Mittelklasse noch normal. Dafür verfügt das Modell sogar noch über einen 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer. Der Sound des integrierten Lautsprechers ist ausreichend kräftig, der Fingerabdrucksensor im Powerbutton reagiert schnell und zuverlässig.
Xiaomi installiert auf dem Poco F5 Android 13 und packt darüber einen Launcher, der der MIUI-Oberfläche von Xiaomis anderen Geräten ähnelt. Kleine Unterschiede bleiben, so gibt es bei Poco etwa keinen App-Drawer. Auffällig sind die zahlreichen Zusatz-Apps, gemeinhin als Bloatware bezeichnet. Zwar gibt es mehr oder weniger komplizierte Möglichkeiten, die zusätzlichen Xiaomi-Apps loszuwerden, dennoch wäre es wünschenswert, wenn Xiaomi hier einfach ein paar Gänge zurückschalten würde. In anderen Bereichen wäre genau das Gegenteil schön. Denn zu einem Update-Versprechen konnte sich Xiaomi für seine Poco-Phones bislang nicht durchringen, auch wenn immer mal wieder von 3 Systemupdates und 4 Jahren Sicherheits-Patches gemunkelt wird. Das wäre klasse, eine offizielle Selbstverpflichtung aber noch besser.
Der Akku kommt mit 5000 mAh im F5 daher, das ist inzwischen ein durchschnittlicher Wert. Die daraus bezogene Akkulaufzeit ist hingegen sogar überdurchschnittlich. Bei 200 Candela und automatischer Frequenzanpassung bis zu 120 Hz hielt das Poco F5 im Battery Test von PCmark über 13 Stunden durch. Im Alltag wirkt das Modell sogar noch kräftiger, sodass durchschnittliche Nutzer gut 2 Tage ohne Zwischenladen auskommen dürften. Ein Tag ist zumindest überhaupt kein Problem. Geladen wird mit 67 Watt – das ist inzwischen kein herausragender Wert mehr, dennoch ist der Akku damit in rund 45 Minuten komplett geladen und 10 Minuten reichen bei leerem Akku für rund 40 Prozent. Das ist voll in Ordnung, nur kabelloses Laden bekommt man beim F5 nicht.
Das Poco F5 gibt es zu einem vergünstigten Einführungspreis von 380 Euro, die eigentliche UVP liegt aber bei knapp 430 Euro. Die Version mit 12/256 GByte Speicher liegt zum Testzeitpunkt beim Hersteller bei knapp 420 statt 480 Euro. Der Straßenpreis ist noch niedriger.
Das Xiaomi Poco F5 ist ein Smartphone mit vielen Stärken und wenig Schwächen. Das helle OLED-Display überzeugt, gleiches gilt für Leistung und Speicher und selbst die Hauptkamera ist stark – zumindest bei Tageslicht nicht nur für den Preis des Smartphones. Die Kunststoffrückseite finden wir halb so schlimm, da stört uns das Fehlen eines echten Always-on-Displays schon mehr und auch die große Zahl an Bloatware muss nicht sein. Auf die Makrokamera hätte Xiaomi gleich verzichten können – aber die müssen Nutzer ja auch nicht verwenden. Insgesamt ist das Poco F5 derzeit das beste Smartphone bis 400 Euro.
Wer sich selbst einen Überblick verschaffen und vergleichen möchte, sollte einen Blick in unsere Top 10 der besten Smartphones werfen, die regelmäßig aktualisiert werden:
Den zum Poco F5 passenden Tarif findet man im Tarifrechner von heise.de. Hier gibt es verschiedene Vergleichsrechner für Prepaid, monatlich kündbare und sogar kostenlose Tarife. Der Rechner umfasst dabei übergreifend alle Angebote, die derzeit in Deutschland verfügbar sind.
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