Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
High-End-Power in der Mittelklasse: Das Poco F6 bietet viel Leistung für wenig Geld. Wie gut das neue Smartphone von Xiaomi ist und welche Schwächen es gibt, zeigt dieser Test.
Unter der Marke Poco bietet Xiaomi seit vielen Jahren Smartphones mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis an. Die Modelle der F-Reihe legen den Fokus dabei auf möglichst viel Leistung zum kleinen Preis. Innerhalb der meist einfach verarbeiteten Gehäuse aus Kunststoff kommen schnelle Prozessoren zum Einsatz, die Displays können sich in der Regel auch mehr als sehen lassen.
Im Poco F6 werkelt der potente Snapdragon 8s Gen 3. Dazu gesellt sich ein 6,67-Zoll-Display mit OLED-Panel und 120 Hertz sowie ein Netzteil mit 90 Watt und eine 50-Megapixel-Kamera. Das klingt zu gut für den Preis? Ob es einen Haken gibt, klärt dieser Testbericht.
Das Poco F6 sieht sehr schick aus und ist flach (7,8 mm) und leicht (179 g). Sehr markant sind die beiden großen Linsen, die mit dem LED-Blitz wie ein überraschtes Emoji aussehen. Die Verarbeitung ist sauber, allerdings wirkt das Gerät etwas billig, denn sowohl der Rahmen als auch die Rückseite sind nur aus Kunststoff. Das wuchtige Handy liegt gut und rutschfest in der Hand, kann aber einhändig nicht bedient werden. Zudem ist die Oberfläche erfreulich unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Der Schutz vor Wasser und Stab entspricht IP64. Damit ist es zwar vor Spritzwasser geschützt, aber nicht wasserdicht.
Das OLED-Display des Poco F6 misst in der Diagonale 6,67 Zoll – wie auch schon beim Poco X6 oder Poco X6 Pro. Die Auflösung fällt mit 2712 × 1220 Pixel sehr hoch aus und hat eine messerscharfe Bilddarstellung zur Folge bei hohen 446 PPI (Pixel pro Zoll). Die Bildqualität weiß mit ausgeprägten Kontrasten und satten, aber dennoch natürlichen Farben, zu überzeugen. Für ein geschmeidiges Bild sorgen die 120 Hz an Bildwiederholrate. Geht es allein um die Anzeige, spielt das Poco F6 auf Oberklasse-Niveau. Zudem ist der Bildschirm strahlend hell, sodass man auch bei Sonnenlicht die Anzeige noch gut ablesen kann.
Das Setup ist recht simpel: Die Dual-Kamera bietet eine Hauptlinse mit 50 Megapixel, optischem Bildstabilisator (OIS) und f/1.59 sowie ein Weitwinkelobjektiv mit 8 Megapixel und f/2.2. Mit einer unnötigen Makrolinse verschont uns Xiaomi. Die Frontkamera bietet 20 Megapixel.
Standardmäßig fasst das Hauptobjektiv vier Pixel zu einem zusammen, um die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen. Die Bilder der Hauptlinse haben damit eine Auflösung von 12,5 Pixeln. Optional kann man aber die vollen 50 Megapixel abrufen. Bei Tag gelingen mit dem Poco F6 wirklich gute und scharfe Aufnahmen mit ausgeprägten Bilddetails. Der Dynamikumfang könnte jedoch etwas höher ausfallen, so wirken die Bilder bei schlechtem Wetter etwas eintönig und farblos.
Für Aufnahmen bei Dunkelheit steht ein Nachtmodus zur Verfügung, bei dem man das Handy dann aber möglichst ruhig halten sollte. Diese hellen die Aufnahmen spürbar auf – sofern genug Restlicht vorhanden ist. Ist es zu dunkel, sind die Fotos dann aber dennoch stark von Bildrauschen geprägt. Dank des starken Prozessors filmt das Poco F6 auch in 4K mit 60 FPS. Dabei wirken die Clips durch OIS gekonnt stabilisiert.
Weitwinkel-Aufnahmen weichen farblich erfreulich wenig ab von der Hauptlinse ab. Aufgrund der geringen Auflösung sind Bilddetails aber deutlich weniger ausgeprägt. Gut gefallen haben uns Selfies. Im Porträtmodus erzeugen sie ein sauberes Bokeh rund um Profil. Mit der Selfie-Kamera filmt das Poco F6 maximal mit Full-HD bei 60 FPS.
Die Kamera-App bei Hyper OS bietet zudem verschiedene Filter, einen Beauty-Modus für Personen, eine Zeitlupe sowie einen Zeitraffer sowie einen Kurzfilm- und einen Panorama-Modus. Es gibt zudem optionale Profile für eine längere Belichtungszeit bei Aufnahmen.
Als Antrieb kommt der Snapdragon 8s Gen 3 zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte Variante des High-End-Prozessors von Qualcomm. Dieser liegt in etwa auf Augenhöhe mit dem Snapdragon 8 Gen 2 und ist minimal stärker als der Dimensity 8300 des Poco X6 Pro. Egal, ob für Spiele, einfache Anwendungen oder Surfen: Die Leistungsreserven sind immens, das Handy arbeitet immer geschmeidig. Das belegen auch die starken Ergebnisse bei den Benchmarks (15.000 Punkte bei PCmark, 3100 Punkte bei Wild Life Extreme).
Sehr großzügig bemessen ist der Speicher: So bietet die kleine Variante schon 256 GB und 8 GB RAM, es gibt zudem eine Ausführung mit 512 GB und 12 GB RAM. Zum Einsatz kommt dabei der flotte Standard UFS 4.0. Einen Slot für Speicherkarten gibt es allerdings nicht. Zu den Schnittstellen gehören ferner Bluetooth 5.4, Wi-Fi 6E, 5G, NFC sowie ein Infrarot-Port. Die Ortung ist mit 3 Metern nach GPS-Test recht genau und erfolgt via A-GPS, Beidou, Glonass, Galileo sowie QZSS.
Der Fingerabdruckscanner im Power-Button arbeitet schnell und verlässlich. Die Stereo-Lautsprecher bieten eine klaren und fülligen Klang, neigen bei hoher Lautstärke jedoch leicht zum Scheppern.
Als Betriebssystem kommt Android 14 mit der Bedienoberfläche Hyper OS zum Einsatz. Wie immer steckt etwas viel Bloatware im Poco. Der Sicherheits-Patch stammt zum Testzeitpunkt aus Mai und ist so nicht mehr ganz aktuell. Xiaomi verspricht drei Updates bis Android 17. Zudem gibt es für vier Jahre Sicherheitsupdates.
Trotz schlankem Gehäuse kommt ein großer Akku mit 5000 mAh zum Einsatz. Hier zeigt sich jedoch, dass die Effizienz des Snapdragon 8s Gen 3 Luft nach oben hat. Die Akkulaufzeit von 11 Stunden laut PCmark Battery Test ist zwar ordentlich, aber nicht übermäßig hoch. Einen Tag sollte das Poco F6 aber gut durchhalten.
Dank 90 Watt mit einem proprietären Netzteil (liegt bei) ist es schnell aufgeladen. Ein komplett leeres F6 ist in 45 Minuten aufgeladen, von 20 auf 100 Prozent vergeht rund einer halben Stunde. Kabellose Laden gibt es aber nicht.
Die UVP für das Modell mit 8/256 GB liegt bei 450 Euro, die Variante mit 12/512 GB bei 500 Euro. Im Straßenverkauf sind die Geräte aber deutlich günstiger zu haben. Das schwarze Modell mit 8/256 GB gibt es schon für 279 Euro. Die größere Variante liegt bei 328 Euro. Erhältlich ist es in den Farben Schwarz, Grün und Titan (Silber).
Das Poco F6 ist ein Poco X6 Pro auf Steroiden. Der Snapdragon 8s Gen 3 bietet enorm viel Power für den Preis, auch das helle Display überzeugt auf ganzer Linie. Die Kamera bietet für den Preis gute Aufnahmen, allerdings kann sie sich von der Konkurrenz hier nicht absetzen. Das Mittelklasse-Smartphone bietet eine ordentliche Akkulaufzeit und lädt mit 90 Watt sehr flott. Allerdings wirkt das Poco F6 nicht gerade hochwertig und ist nur gegen Tropfwasser geschützt. Wer möglichst viel Power und ein tolles Display für wenig Geld möchte, ist hier aber an der richtigen Adresse.
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