Lukasz beschäftigt sich seit über 15 Jahren als Redakteur mit Smartphones, Apps, Gadgets und Content-Marketing. Seit 2021 arbeitet er für Heise Medien und ist derzeit leitender Redakteur bei Heise Bestenlisten. Der studierte Historiker aus Tübingen begeistert sich sonst für Fitness, Fußball, Fotografie sowie basslastige Musik.
Ein Smartphone mit 120-Hertz-OLED und einer Kamera mit optischer Bildstabilisierung (OIS) für unter 200 Euro? Das Poco M6 Pro von Xiaomi bietet viel Technik zum fairen Preis.
Unter der Marke Poco vertreibt der Smartphone-Riese Xiaomi Mobilgeräte mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis. Letzteres gilt insbesondere für das Poco M6 Pro. Für einen Preis von gerade einmal 185 Euro bekommen Käufer hier teilweise Technologie, wie sie bis in jüngster Vergangenheit nur gehobenen Mittelklasse-Smartphones vorbehalten war. Das Gerät bietet unter anderem ein wirklich helles OLED-Display mit Full-HD+ sowie 120 Hertz und eine Kamera mit optischer Bildstabilisierung (OIS). Zu schön, um wahr zu sein? Was das preiswerte Smartphone alles in der Praxis leistet und welche Schwächen es gibt, zeigt unser Test.
Weitere gute Alternativen zeigen wir in der Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro – viel Xiaomi, kein Samsung und Top 10: Die besten Smartphones bis 250 Euro – 12 GB RAM, OLED und IP54.
Das Poco M6 Pro bietet ein kantiges Gehäuse mit einer schillernden Rückseite. Auffälligstes Design-Merkmal sind die Haupt- und Weitwinkelobjektive, die präsent in zwei Ringen gefasst hervorstehen. Daneben befinden sich in kleinen Öffnungen noch der LED-Blitz sowie die Makrolinse. Größentechnisch fällt das Poco M6 Pro wuchtig aus, sodass an einhändiges Bedienen eher nicht zu denken ist. Wasserdicht ist es nicht, was für den Preis auch an ein Wunder grenzen würde. Gegen Spritzwasser schützt aber immerhin eine IP54-Zertifizierung.
Optisch weiß das günstige Smartphone zu gefallen, doch sobald man es in der Hand hält, macht sich etwas Ernüchterung breit: Rahmen und Rückseite sind aus Kunststoff und wirken eher einfach verarbeitet, was in dieser Preisklasse aber nicht ungewöhnlich ist. Die Oberfläche der Rückseite ist sehr empfänglich für Fingerabdrücke und zudem recht rutschig. Eine dunkelgraue Schutzhülle liegt bei.
Eine wirklich positive Überraschung ist das Display mit einer üppigen Diagonale von 6,67 Zoll. Das OLED-Panel liefert eine wunderbare Bildqualität mit sattem Schwarz und ausgeprägten Kontrasten sowie einer hohen Blickwinkelstabilität ab. Dank einer Auflösung von 2400 × 1080 Pixel bietet die Anzeige ein messerscharfes Bild mit rund 395 Pixel pro Zoll (PPI).
Die Bildwiederholrate reicht bis 120 Hertz und liefert dadurch ein geschmeidiges Bild beim Scrollen oder bei Animationen. Beeindruckend ist zudem die Helligkeit. Laut Xiaomi erstrahlt der Bildschirm mit bis zu 1300 Nits. Damit ist das Smartphone im Freien auch bei Sonnenschein noch gut abzulesen: Ein Qualitätsmerkmal, das bislang Smartphones der gehobenen Mittelklasse oder gar Oberklasse vorbehalten war.
Die Hauptkamera bietet 64 Megapixel und sogar OIS – ebenfalls nicht selbstverständlich in dieser Preisklasse. Standardmäßig fasst die Hauptlinse vier Pixel zu einem zusammen und bietet so Aufnahmen mit 16 Megapixel. Dazu kommt ein Weitwinkelobjektiv mit 8 Megapixel sowie eine eigentlich überflüssige Makrolinse mit 2 Megapixel. Die Selfie-Kamera vorn in einer Punch-Hole-Notch eingelassen kommt auf gut 16 Megapixel.
Bei Tag liefert die Kamera gute und scharfe Bilder mit natürlicher Farbgebung. Beim Dynamikumfang ist etwa Luft nach oben, so ergeben sich einige etwas finster wirkende Bereiche bei Aufnahmen mit schwächeren Lichtverhältnissen. Alles in allem bietet das Poco M6 Pro aber alles, was man für Schnappschüsse oder Urlaubsfotos benötigt. Digitaler Zoom ist mit bis zu einer zehnfachen Vergrößerung möglich. Mehr als zweifachen Zoom würden wir eher nicht empfehlen, sonst wird es doch etwas pixelig.
Typisch für die Preisklasse: Bei Dunkelheit nimmt die Qualität der Aufnahmen ab. Solange aber noch genügend Restlicht vorhanden ist, hellt der Nachtmodus die Bilder ordentlich auf. Weitwinkelaufnahmen weichen farblich nur minimal von der Hauptlinse ab und bieten deutlich weniger Bilddetails, sehen aber ebenfalls noch gut aus. Kaum zu gebrauchen ist die Makrolinse aufgrund der niedrigen Auflösung. Selfies sehen dafür sehr überzeugend aus und funktionieren auch mit einem guten Bokeh im Porträtmodus. Videos sind mit der Hauptlinse mit Full-HD bei 60 Frames pro Sekunde (FPS) möglich.
Mit dem Mediatek MT6789 Helio G99 kommt ein alter Bekannter zum Einsatz, den wir aus einigen preiswerten Tablets schon kennen. Der Prozessor macht das Poco M6 Pro zwar nicht zu einer Rakete, bietet aber mehr als ausreichend Leistungsreserven für alle gängigen Aufgaben des Alltags – abgesehen vielleicht von aufwendigen Spielen abseits von Casual Games. Von quälenden Rucklern wird der Nutzer also verschont. Bei PCmark Work 3.0 erreichen wir solide 10.000 Punkte, bei 3Dmark sind es 1250 Punkte bei Wild Life sowie 350 Punkte bei Wild Life Extreme.
Ziemlich gut ist die Ausstattung beim Speicher für den Preis. Es bietet standardmäßig 8 GB RAM, der interne Speicher startet bei üppigen 256 GB und reicht bis 512 GB, auch wenn mit UFS 2.2 nicht der schnellste Standard zum Einsatz kommt. Wem das nicht reicht: Eine Erweiterung mittels microSD-Karte ist ebenfalls möglich. Das ist löblich. Viele andere Hersteller speisen Käufer gerne mit 128 GB ab beim Einstiegsmodell.
Als Anschlüsse gibt es einen etwas langsamen Steckplatz mit USB-C 2.0 sowie eine 3,5-mm-Klinke für kabelgebundene Kopfhörer – das wird immer seltener. Durch heimische Netzwerke geht es mit dem etwas betagten Standard Wi-Fi 5, für kabellose Endgeräte steht Bluetooth in Version 5.2 zur Verfügung, dazu kommen noch NFC und ein Infrarot-Port. Die Ortung ist präzise und erfolgt mittels A-GPS, Glonass, Beidou und Galileo. Eine große Schwäche gibt es jedoch: 5G bietet das Poco M6 Pro nicht! Zwar ist die Netzabdeckung in Deutschland noch lückenhaft, dennoch ergibt sich hier ein Gefühl, dass am falschen Ende gespart wurde.
Unser Testgerät lief ab Werk noch mit Android 13 und der Xiaomi-Bedienoberfläche MIUI 14. Der Sicherheits-Patch hinkte bereits ein paar Wochen hinterher. In Kürze sollte das Gerät aber ein Update auf Android 14 mit der neuen Oberfläche Hyper OS erhalten. Xiaomi verspricht insgesamt zwei große Android-Updates, bei Version 15 wäre dann also Schluss. Patches soll es bis September 2026 geben. Das ist insgesamt etwas mager, was die Updates angeht, hier wäre wenigstens ein Jahr mehr Support wünschenswert gewesen.
Wirklich stattlich ist der Akku mit 5000 Milliamperestunden (mAh). Dieser sorgt für eine ordentliche Akkulaufzeit von rund 11 Stunden laut Battery Test von PCmark. Damit landet das Handy etwa im Mittelfeld unserer Tests. Für einen Tag Betrieb sollte das aber in der Regel reichen. Erfreulich: Geladen wird recht flott mit 67 Watt – Xiaomi geizt nicht einmal am Netzteil wie viele andere Hersteller. Nach einer Viertelstunde ist das Smartphone bereits halb aufgeladen, ein Ladevorgang von 20 auf 100 Prozent benötigt etwa 40 Minuten. Laden per Induktion gibt es erwartungsgemäß aber nicht.
Die UVP für das Modell mit 256 GB liegt bei 229 Euro, für 512 GB waren anfangs 299 Euro fällig. Mittlerweile ist der Preis gefallen, so bekommt man das Poco M6 Pro schon ab 185 Euro und mit doppelt so großem Speicher für 225 Euro.
Wer auf 5G nicht verzichten will, sollte einen Blick auf das Motorola Moto G54 5G (Testbericht) für nur 159 Euro werfen. Ebenfalls ein tolles OLED-Display mit 120 Hertz sowie 5G bietet das Motorola Moto G84 (Testbericht) für 199 Euro. Etwas exotisch, aber spannend und preiswert ist zudem das Blackview A200 Pro (Testbericht) für 250 Euro.
Das Poco M6 Pro von Xiaomi bietet verdammt viel für wenig Geld. Das verschafft dem Gerät eine Platzierung in der Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro. Die größte Stärke ist das kontrastreiche und helle OLED-Display mit 120 Hertz, das sich auf Augenhöhe mit Bildschirmen der gehobenen Mittelklasse befindet. Die Kamera liefert bei Tag zudem gute Aufnahmen und bietet sogar OIS. Obendrein gibt es viel Speicher, die Verarbeitung wirkt allerdings etwas billig und wir vermissen schmerzlich 5G. Die Zeitspanne für Updates könnte zudem länger sein.
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