Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Im Jahr 2022 trumpfte Poco mit dem X4 Pro auf, das mit tollem Display und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis punktete. Der Nachfolger soll das noch besser machen – klappt das?
Das Poco X4 Pro (Testbericht) überzeugte uns als gutes Alltags-Smartphone mit tollem Display. Die schiere Leistung der Vorgänger hatte der Hersteller aber auch da schon heruntergeschraubt, sodass Gamer nicht mehr auf ihre Kosten kamen. Das neue Poco X5 Pro bleibt dieser Devise treu und richtet sich wieder an Anwender, die keine massive Spitzenleistung benötigen, sondern typische Alltagsaufgaben souverän bewältigen wollen. Dazu setzt Xiaomi auf einen etwas stärkeren Chipsatz, der neben mehr Leistung auch andere Vorteile mit sich bringt. So bietet das X5 Pro nun endlich 4K-Auflösung für Videos, das fehlte dem Vorgänger. Ansonsten scheinen sich die Verbesserungen aber in Grenzen zu halten.
Optisch hat sich wenig verändert, aber es gibt einige Überarbeitungen. So fällt die massive Kameraeinheit auf der Rückseite jetzt etwas dezenter aus, auch wenn das alte Format angedeutet bleibt. Tatsächlich hebt sich die Kamera aber nicht mehr formatfüllend über die gesamte Gehäusebreite hervor, sondern wie bei den meisten Konkurrenzprodukten nur noch oben links. Das wirkt wenigstens etwas graziler, dafür kippelt das Smartphone, wenn es auf dem Tisch liegend bedient wird. Das kann auch die im Lieferumfang befindliche Schutzhülle nicht ganz verhindern.
Im Gegensatz zum X4 Pro verzichtet Poco auf der Rückseite zudem auf das Lichtspiel, das je nach Einfallrichtung helle Strahlen über die Rückseite wandern ließ. Zudem ging die Rückseite beim Vorgänger eher als Glas durch als beim neuen Modell. Dafür gibt es jetzt eine matte Beschichtung der Kunststoffoberfläche, die vor Fingerabdrücken schützt.
Der kantige Rahmen besteht ebenfalls wieder aus Kunststoff. Darin eingebettet installiert Xiaomi auf der rechten Seite erneut Lautstärkewippe und Power-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor. Beide Tasten bieten knackigen Druckpunkt und kurzen Tastenhub. Trotz des kantigen Designs ist der Übergang von Front über den Rahmen zur Rückseite gut gelungen. Am unangenehmsten – sofern man davon überhaupt sprechen kann – ist die ab Werk aufgebrachte Schutzfolie des Displays, deren Kanten beim Darüberstreichen leicht scharf wirken. Für ein Smartphone, das überwiegend aus Kunststoff besteht, wirkt das Poco X5 Pro ausreichend wertig. Die IP-53-Zertifizierung des Vorgängers hat das Gerät offiziell nicht mehr.
Der OLED-Screen war schon beim Vorgänger ein Highlight, daran hat sich nichts geändert – im positiven Sinne. Denn auch wenn der Hersteller an den Eckdaten des Screens scheinbar wenig anfasst, liefert das Panel erneut beeindruckende Werte in dieser Preisklasse. Wieder gibt es eine Diagonale von knapp 6,7 Zoll und eine Auflösung von 2400 × 1080 Pixel. Das sorgt für eine gute Bildschärfe von etwa 395 Pixel pro Zoll (ppi), allerdings gibt es jetzt HDR10+-Unterstützung mit satten 1,07 Mrd. Farben.
Dafür sinkt die Abtastrate auf 240 Hz. Das bemerkt man im Alltag nicht, hier wiegt die Bildwiederholungsrate von 120 Hz deutlich schwerer. Insgesamt ist die Darstellung erneut klasse. Das bezieht sich auf Farbintensität, Schwarzwert und Kontrast, aber auch auf die Helligkeit. Gemessen haben wir rund 490 cd/m² im manuellen und fast 870 Candela im Automatikmodus – das ist in dieser Preisklasse hervorragend und sogar leicht besser als beim X4 Pro.
Auch bei der Kamera hat sich auf den ersten Blick nichts getan. So gibt es wieder eine Hauptkamera mit stolzen 108 Megapixel und f/1.9-Blende, die von einer Weitwinkellinse mit 8 Megapixel und f/2.2 flankiert wird. Offenbar handelt es sich beim Weitwinkel aber nicht mehr um einen Sony-Sensor, sondern um einen von Samsung. Als dritte Optik baut Poco wieder auf eine Makrokamera mit mickrigen 2 Megapixel – warum genau, ist uns schleierhaft.
An der Bildqualität hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel getan, auch den Wechsel des Sensors bei der Weitwinkelkamera sieht man im Alltag nicht. Vor allem die Hauptkamera knipst wieder Bilder, deren Qualität in der Preisklasse um 350 Euro ziemlich gut sind. Dabei profitieren sie von ordentlicher Bildschärfe und Bilddynamik, Bildrauschen ist bei guten Lichtverhältnissen kein Problem. Wer auf starke Farben und leichte HDR-Optik steht, darf die AI-Funktion hinzuziehen.
Der Weitwinkel im X5 Pro unterscheidet sich bei der Bildqualität kaum vom X4 Pro – gutes Licht vorausgesetzt lassen sich hiermit zwar keine übermäßig scharfen, aber ausreichend ansehnliche Bilder knipsen. Bei schlechtem Licht oder gar Nachtaufnahmen sollten Nutzer aber bei der Hauptkamera bleiben. Die knipst auch dann – erneut für diese Preisklasse – sehr akzeptable Bilder.
Insgesamt wirkt die Kamera-App beim neuen Modell etwas flinker und direkter – das dürfte in erster Linie dem stärkeren Chipsatz zuzurechnen sein. Zudem macht sich der Chip bei Videoaufnahmen bemerkbar. Denn während wir beim Vorgänger Poco X4 Pro noch bemängelten, dass dort maximal Full-HD-Aufnahmen möglich waren, schafft das X5 Pro nun auch 4K-Aufnahmen. Die sind allerdings leider auf 30 Bilder pro Sekunde beschränkt, was bei Schwenks zu einem ruckeligen Eindruck führt. Außerdem ist die elektronische Bildstabilisierung bei 4K-Auflösung weniger effektiv als bei FHD. Mit ruhiger Hand ist 4K aber die schärfere Wahl und somit ein Fortschritt.
Es wurde bereits angesprochen: Im neuen Poco X5 Pro steckt nicht mehr der Snapdragon 695 aus dem Vorgänger, sondern ein neuerer Snapdragon 778G. Er setzt nicht nur auf eine höhere Taktung, sondern auch auf modernere CPUs sowie eine leistungsfähigere GPU. Das hat spürbare Auswirkungen auf die Bediengeschwindigkeit. War schon das Poco X4 Pro nicht unbedingt langsam, so wirkt das neue Smartphone insgesamt noch direkter. Das macht sich auch in Benchmarks bemerkbar. In Work 3.0 von PCmark sind es inzwischen 12.000 statt 10.700 Punkte, 3Dmark Wild Life spuckt 2450 statt 1200 Punkte aus.
Dank des moderneren Chips gibt es nun Wifi 6 statt Wifi 5, Bluetooth verbessert sich auf Version 5.2. Der Rest bleibt gleich. So ist der Xiaomi-typische IR-Blaster zur Steuerung von fernbedienbaren Heimgeräten wieder mit dabei, außerdem NFC, 5G sowie globale Ortungsmöglichkeiten für GPS, Glonass, Beidou, Galileo und QZSS. Der Fingerabdrucksensorsensor erfüllt seine Aufgabe wie im Vorjahr überwiegend schnell und zuverlässig. Selbst die Lautsprecher scheint Poco vom Vorgänger übernommen zu haben, sie sind wieder recht laut und klar. Insgesamt ist das ein gutes Gesamtpaket – mit einem Wermutstropfen. Denn zu den wieder 6/128 oder 8/256 GByte Speicher kommt beim Poco X5 Pro keine Speichererweiterungsmöglichkeit mehr. Die Dual-SIM-Fähigkeit bleibt aber bestehen.
Bei der Software setzt Xiaomi beim Poco X5 Pro auf MIUI 14.0.2, die auf Android 12 basiert. Der Sicherheits-Patch stammte auf unserem Testgerät Mitte Februar von Mitte Januar – das ist ausreichend aktuell. Leider hinkt Xiaomi bei seinen Poco-Modellen den weitreichenden Update-Versprechen, die Konkurrenten wie Samsung oder Google geben, weit hinterher. Hier ist nach drei Jahren Schluss.
Die Oberfläche an sich ist nach kurzer Gewöhnung weitestgehend eingängig und einfach zu bedienen und bietet einige Zusatzfunktionen. Bloatware gibt es immer noch entschieden zu viel, dazu gehören für uns die zahlreichen Mi-Dienste und Apps wie Opera, Spiele, Tiktok, Facebook, Amazon Music, Booking.com, Netflix, Aliexpress und noch einiges mehr. Mit Mi-Diensten kommt man so locker auf über 25 zusätzlich installierte Apps, das ist einfach nervig.
Auch beim Akku hat sich nichts getan – und erneut gilt: macht nichts, war schon vorher gut. Der Kraftspender leistet wieder 5000 mAh und lässt sich erneut mit 67 Watt laden. Der Battery Test von PCmark kommt allerdings statt auf 11,5 Stunden wie im Vorjahr jetzt auf rund 12,5 Stunden Laufzeit. Grund dürfte in erster Linie der sparsamere Chipsatz im 6-Nanometer-Verfahren sein.
Das neue Xiaomi Poco X5 Pro gibt es in den Farben Schwarz, Blau und Gelb. Käufer haben außerdem die Wahl zwischen zwei Speichervarianten: 6/128 GByte und 8/256 GByte. Mangels Speichererweiterbarkeit sollten Nutzer überlegen, evtl. zur größeren Speicherversion zu greifen.
Auf den ersten Blick ändert sich nicht viel am Xiaomi Poco X5 Pro im Vergleich zum Vorgänger. Tatsächlich überarbeitet der Hersteller das neue Modell eher dezent – aber an den richtigen Stellen. So bringt der neue Chipsatz nicht nur generell mehr Leistung, was zu noch direkterem Handling führt, sondern auch modernere Verbindungs-Standards und etwa 4K-Videos. Schade ist hingegen der Wegfall des IP-Standards und der Speichererweiterungsmöglichkeit. Daher mag es Interessenten geben, die mit dem je nach Speicherausstattung 15 bis 70 Euro günstigeren Vorgänger genauso glücklich werden. Denn ein wirklich zwingendes Upgrade ist das X5 Pro bei aller Qualität nicht.
Alternativen bieten wir in unseren regelmäßig aktualisierten Toplisten der besten Smartphones bis 200 Euro, bis 300 Euro und bis 400 Euro an.
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