Stefan schrieb bereits während des Studiums Spieletests für ein Printmagazin im Ruhrgebiet. Durch einen glücklichen Zufall landete er in Berlin und arbeitete fast 15 Jahre bei Areamobile, zuletzt als leitender Testredakteur. Für Heise Bestenlisten testet er Smartphones, Saug- und Mähroboter, Lautsprecher, Modellflugzeuge und andere Technik-Gadgets.
Yeedi hatte 2021 mit der Mop Station einen großen Erfolg, weil das Gerät vergleichsweise günstig war und gut wischen konnte. Der Nachfolger Floor 3 Station soll nun an den Erfolg anknüpfen und macht dafür alles besser. Wirklich alles?
Die Yeedi Mop Station (Testbericht) aus dem Jahre 2021 hat uns grundsätzlich überzeugt, zumal ihr Reinigungsroboter einer der ersten mit zwei rotierenden Mopps war. In der Kritik stand allerdings die Navigation. Sie kam ohne Laser aus und unterlag daher den typischen Restriktionen wie vergleichsweise ungenauer Wegfindung und Abhängigkeit von ausreichendem Licht. Ein weiterer, eher nebensächlicher Kritikpunkt: der Name des Gerätes. Denn wie heißt der Roboter eigentlich selbst, wenn alles „Station“ heißt? Zumindest diesen Punkt hat sich Yeedi nicht zu Herzen genommen und verpasst seinem neuesten Sprössling wieder so einen seltsamen Namen: Yeedi Floor 3 Station – und nein, die Ziffer 3 mitten im Namen ist kein Tippfehler. Was sich sonst noch im Vergleich zum Vorgänger getan hat, klären wir im Test.
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Beim Design macht die neue Yeedi Floor 3 Station einen großen Sprung – bei Roboter und Station. Der neue Roboter wirkt insgesamt eleganter und kommt mit mehr abgerundeten Kanten und bronzefarbenen Elementen. So gibt es auf der Oberseite einen angedeuteten „Laserturm“, der von einem RGB-LED-Streifen eingefasst wird. Einen Laserturm hat der Roboter nicht, daher handelt es sich nur um ein Design-Element, in dessen Mitte eine Sensortaste zum Steuern des Roboters vor Ort installiert ist. Elemente wie der Hauptschalter sind nun ins Innere des Roboters gewandert, sie sind unter der magnetisch gehaltenen und komplett entfernbaren oberen Abdeckung versteckt. Das erinnert an Konzernmutter Ecovacs.
Noch mehr Unterschiede optischer Natur gibt es bei der Station selbst. Wirkte sie bei der Mop Station (Testbericht) noch recht modern, setzt Yeedi wie beim Roboter auf weiche, geschwungene Formen. Das macht das Konstrukt recht elegant. Die bronzefarbenen Elemente gibt es auch hier wieder, zudem installiert der Hersteller auf der Front Bedienelemente. Im Inneren der sehr breiten Station gibt es wieder zwei große, 4 Liter fassende Tanks für Frisch- und Abwasser. Die Wischmopps werden jetzt nach der selbstständigen Reinigung mit warmer Luft getrocknet, beim Vorgänger gab es noch eine kühle Brise. Der Nutzer darf dabei jetzt eine Zeit von 2, 3 oder 4 Stunden vorgeben. Das alles ist weitestgehend wie beim Vorgänger, die Unterschiede sind in erster Linie kosmetischer Natur. Das ist auch gleich der erste Kritikpunkt, denn wir hätten uns die Integration einer Absaugvorrichtung als echte Weiterentwicklung gewünscht.
Die Einrichtung der Yeedi Floor 3 Station geht gewohnt einfach vonstatten. Mittels der kostenlosen App scannen Nutzer den QR-Code unter der oberen Abdeckung des Roboters und nach wenigen Schritten verbindet der sich selbstständig mit der Smartphone-App. Anschließend erwartet den Nutzer ein fast identisches Bild wie bei der Konkurrenz. In der Mitte wird die Reinigungskarte dargestellt, die im laufenden Betrieb auch zeigt, wo der Roboter schon war. Außerdem wird die Karte nach dem ersten Erstellen automatisch in einzelne Räume unterteilt. Das hat bei uns ziemlich gut funktioniert, lässt sich aber später auch noch anpassen. Übrigens ist die erste Orientierungsfahrt wesentlich schneller als noch beim Vorgänger vorüber und schon hier ist die strukturiertere Navigation bemerkbar. Der Rest der App ist ähnlich wie bei der Konkurrenz.
Es wurde bereits angedeutet: Die Navigation ist klar besser als beim Vorgänger. Das betrifft sowohl die grundsätzliche Wegfindung als auch die Hinderniserkennung. Letztere wird per KI-Kamera und ToF-Sensor (Time of Flight) erreicht und funktionierte im Test ähnlich zuverlässig wie bei der Konkurrenz. Die grundsätzliche Wegfindung ist aber die fast schon bessere Neuerung, denn der/die/das Floor 3 Station (was für ein Name …) fährt nun strukturiert und gezielt zu Stellen, an denen der Roboter noch nicht war. Alles wirkt nicht mehr wie Ausprobieren, sondern tatsächlich so, als wüsste der Roboter inzwischen, wo er sich befindet. Auch doppeltes Abfahren einzelner Bereiche gibt es nicht mehr, das neue Modell navigiert inzwischen so, wie es sein sollte. Dabei erkennt das Gerät auch in den meisten Fällen vor dem Probieren, ob es durch Engstellen passt und ob Durchfahrten hoch genug sind – klasse.
Bei der Reinigungsleistung hat sich unserer Meinung nach aber wenig geändert. So erscheint die Wischleistung nach wie vor gut, ohne natürlich – wie bei der Konkurrenz – an einen manuellen Wischvorgang durch einen Menschen heranzukommen. Die Saugkraft soll zwar mit nunmehr 5200 Pa mehr als verdoppelt worden sein, doch tatsächlich kommt die normalerweise nicht groß zum Einsatz. Denn der Roboter erkennt Teppich zwar sehr gut und würde darauf auch auf Wunsch die Saugkraft automatisch anheben. Das klappt aber nur, wenn die Wischmopps zuvor manuell entfernt wurden. Denn anheben wie andere Spitzenmodelle kann der Roboter der Floor 3 Station die Mopps nämlich nicht – ein weiteres Manko des Gerätes, der es weniger autark wie die Konkurrenz macht. Die ist dann aber auch deutlich teurer als das Yeedi-Modell.
Übrigens: Die Trocknung per Warmluft funktioniert bei der neuen Station sehr gut, allerdings ist das etwas lauter als bei der Konkurrenz. Steht sie etwa im Flur, sollte das aber kein Problem darstellen.
Dennoch: Wenn man sich schon eine vergleichsweise große Station in den Haushalt stellt, sollte die einfach auch alles können. Denn so muss der typische Schmutzbehälter im Roboter trotzdem alle paar Mal per Hand geleert werden, vor allem, wenn Haustiere vorhanden sind. Denn bei großem Haar-Aufkommen verstopft der interne Staubbehälter im Roboter wegen des kleinen Zugangs schnell und nimmt dann keinen weiteren Schmutz mehr auf, obwohl im Inneren des Tanks noch Platz wäre. Außerdem ist da noch der kleine interne Wassertank im Roboter. Der wird von der Station nicht befüllt, sondern will ebenfalls ständig händisch versorgt werden – das ist kontraproduktiv und wurde bei Wettbewerbern wie Roborock längst besser gelöst.
Beim Thema Akku liefert Yeedis Flor 3 Station gut ab. Im Test benötigte der Roboter für eine Gesamtzimmergröße von rund 75 m² und einer reinen Fläche von 40 m² (etwa wegen Teppich und Möbeln) rund 50 Minuten inklusive zwischenzeitlicher Reinigung der Mopps in der Station. Das kostete den Roboter etwa 40 Prozent seiner Akkulaufzeit. Entsprechend sollte der Roboter gut 120 m² am Stück reinigen können, bevor er zwischenlädt.
Yeedis Floor 3 Station kostet derzeit im freien Handel rund 680 Euro. Noch günstiger wird es bei Amazon. Wer hier den Haken bei „Coupon nutzen“ anwählt, zahlt nur 600 Euro.
Für 600 Euro ist die Yeedi Flor 3 Station eine gute Anschaffung, wenn man vorwiegend Hartböden hat. Denn das Gerät sieht schick aus, funktioniert tadellos, navigiert toll und wischt gut. Zu einem echten Spitzenmodell fehlt aber noch einiges, nämlich vor allem alles, was die Autarkie erhöht.
So hätten wir uns eine zusätzliche Absaugvorrichtung in der recht breiten Station gewünscht. Die Mopps hätten zum Befahren von Teppich angehoben werden sollen und der interne Wassertank des Roboters gehört unserer Meinung nach automatisch von der Station befüllt. Klar – dann hätte die Yeedi Floor 3 Station vermutlich nicht unter der 1000-Euro-Marke bleiben können, aber dann wäre sie auch ein echtes Spitzenprodukt gewesen. So drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass die Floor 3 Station nur das ist, was die Yeedi Mop Station (Testbericht) eigentlich von Anfang an hätte sein sollen: endlich fehlerfrei. Viel mehr Unterschiede gibt es zumindest nicht, auch wenn Warmlufttrocknung und 3D-Hinderniserkennung willkommene Zugaben sind.
Und noch etwas: Yeedi hätte dem Nachfolger endlich einen vernünftigen Namen verpassen sollen! Warum Station für einen Roboter mit Station? Oder falls Station: Wie heißt dann der Roboter der Station? Und warum die 3 mitten im Namen? Fragen über Fragen, die wir nicht klären konnten.
Wer mehr Anregungen zu guten Saug- und Wischrobotern sucht, wird mit unserer Top 10 der besten Saugroboter fündig. Weitere Inspirationsquellen sind der Ratgeber Saugroboter ab 50 Euro: 7 Tipps für den richtigen Kauf, unsere Top 5: Die besten Akkusauger sowie unsere Top 5: das sind die besten Saugwischer mit Akku im Test.
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