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ZTE Axon 10 Pro im Test: High-End-Phone zum Kampfpreis

ZTE Axon 10 Pro im Test: High-End-Phone zum Kampfpreis
VORTEILE
  • Top-Performance
  • vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis
  • gutes Display, großer Akku
NACHTEILE
  • Kamera mit Luft nach oben
  • Fingerprintsensor unzuverlässig
  • nicht wasserdicht

High-End-Chipsatz, HDR-Display, Triple-Kamera: Mit dem Axon 10 Pro will ZTE ganz vorne bei den Top-Smartphones mitspielen. Ob das gelingt, zeigt unser Testbericht.

Der chinesische Hersteller ZTE bietet die LTE-Variante seines aktuelles Flaggschiffs Axon 10 Pro für eine UVP von 600 Euro an. Eine 5G-Version soll bald folgen. Der Preis des Nachfolgers des ZTE Axon 9 Pro (Testbericht) ist angesichts der verbauten Komponenten moderat. Denn das ZTE Axon 10 Pro bietet den aktuellen Qualcomm Snapdragon 855, ein sehr schönes HDR-OLED-Display, eine Triple-Kamera mit drei Brennweiten und viele weitere Premium-Features wie induktives Laden und einen Fingerabdrucksensor hinter dem Display. Der Testbericht des ZTE Axon 10 Pro zeigt, ob das Smartphone mit anderen Top-Smartphones wie dem Oneplus 7 Pro (Testbericht) , Huawei P30 Pro (Testbericht) oder Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) mithalten kann.

Design

Das Äußere des ZTE Axon 10 Pro wirkt gefällig, wenn auch austauschbar. So erinnert die Positionierung der drei Kameras an das Huawei P20 Pro (Testbericht) , die abgeflachten Seiten mit Alurahmen an das Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) und die fingerabdruckanfällige Glasrückseite in Blau an jedes zweite x-beliebige Android-Smartphone. Auch sonst gibt es abgesehen vom Schriftzug auf der Rückseite wenig Markantes. Das legen wir dem ZTE Axon 10 Pro aber nicht negativ aus. Schließlich könnte man auch argumentieren, dass ZTE auf bewährte Designelemente setzt.

Die Kamera auf der Rückseite steht etwas aus dem Gehäuse hervor, so dass das Axon 10 Pro auf dem Rücken liegend wackelt. Die beiliegende, transparente TPU-Hülle gleicht den Höhenunterschied aus. Außerdem schützt sie die empfindliche Rückseite vor Kratzern und schmierigen Fingern. Die Knöpfe auf der rechten Seite besitzen einen guten Druckpunkt und sind für größere Hände gut erreichbar. Ein Premium-Feature, welches dem ZTE Axon 10 Pro fehlt, ist eine IP-zertifizierte Wasserdichtigkeit.

Display

Das 6,47 Zoll große OLED-Display bietet eine für die Oberklasse geringe Full-HD+-Auflösung von 2340 × 1080 Pixeln. Diese Auflösung reicht im Alltag aus, allerdings disqualifiziert sich das ZTE Axon 10 Pro damit für VR-Inhalte, für die deutlich höhere Auflösungen eine schärfere Nutzererfahrung bedeuten. Vorteil der geringeren Auflösung: Die CPU muss weniger Pixel berechnen, braucht damit weniger Strom und schont so den Akku. Das Display beherrscht eine Bildwiederholungsrate von 60 Hz. Das Oneplus 7 Pro (Testbericht) steht mit seinen 90 Hz und den damit verbundenen butterweichen Bewegungen noch immer recht allein da.

Das Display ist farbenfroh und blickstabil, hätte aber gerne etwas höher Auflösen dürfen.

Die Darstellungsqualität des Displays ist gut. Die Farben sind intensiv, die Blickwinkel sehr stabil. Wem die etwas kühle Voreinstellung des Bildschirms nicht gefällt, kann sie über einen Farbmischer selbst bestimmen.

Eine Besonderheit ist die Unterstützung der Bildverbesserung HDR. Youtube-Videos mit entsprechender Unterstützung sehen fantastisch aus. Die maximale Helligkeit ist hoch und absolut ausreichend, um Inhalte auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesen zu können.

Die Displayränder sind ausreichend schmal – dank der seitlichen Displayrundung, auf die auch Samsung, Huawei und Oneplus setzen, wirken die Displayränder bei bestimmten Winkeln noch schmaler. Am oberen Displayrand ragt eine kleine Wassertropfen-Notch mit Frontkamera mittig in das Display.

Technische Daten

Kamera

Das Kamerasystem steht ein gutes Stück aus dem Gehäuse heraus.
Optisch erinnert das Triple-Kamera-System des ZTE Axon 10 Pro an das Huawei P20 Pro.

Das Triple-Kamera-System hat drei Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten. Das Standardobjektiv bietet 48 Megapixel mit einer Blende von f/1.8, das Weitwinkelobjektiv 20 Megapixel mit f/2.2 und das Teleobjektiv 8 Megapixel mit f/2.4. Obwohl die Blende der Hauptkamera suggeriert, dass sie für ordentliche Nachtaufnahmen sorgt, tut sie das nicht. Bilder bleiben häufig einen Tick zu dunkel oder es mischt sich Bildrauschen in die dunklen Bereiche. Hier hilft interessanterweise auch der optionale Nachtmodus nichts. Es ist einfach kein Vergleich zum Nachtmodus des Google Pixel 3 XL (Testbericht) . Dabei ist es irrelevant, ob der Sensor die vollen 48 Megapixel speichert, oder für 12 Megapixel vier Pixel zu einem vereint, obwohl laut der ZTE-Marketingabteilung die Kombination der vier Pixel zu einer höheren Lichtausbeute führen soll. Auch bringt es bezüglich der Bildschärfe keine Vorteile, mit 48 Megapixel zu fotografieren.

Bei guten Lichtverhältnissen sorgt das Kamerasystem für ordentliche Aufnahmen. Gut hat uns gefallen, dass im Hellen weder Weitwinkel- noch Teleobjektiv bezüglich des Standardobjektivs qualitativ abfallen. Für Makroaufnahmen ist das Kamerasystem weniger gut geeignet, da sie einen relativ großen Abstand zum Objekt benötigt.

Das standardmäßig aktivierte Wasserzeichen lässt sich in den Kameraeinstellungen deaktivieren.

Die Frontkamera knipst mit 20 Megapixeln gute Bilder. Der Portrait-Modus, der dem Hintergrund für eine professionelle Anmutung etwas Unschärfe verleihen soll, arbeitet aber nicht immer ganz präzise. Ab und an schwappt die Hintergrundunschärfe an komplizierten Stellen wie zum Beispiel Haaren oder dem Kopfhörerkabel in den Vordergrund. Dadurch wirken die Bilder unecht. Auch hat uns nicht so gut gefallen, dass der Hintergrund im Portrait-Modus meist zu unscharf ist. Das gibt den Bildern einen künstlichen Look. In der Bildergalerie gibt es dafür ein Beispiel. Die Hintergrundunschärfe kann nicht im Nachhinein verändert werden.

Alle Bilder werden standardmäßig mit einem ZTE-Wasserzeichen und Datum gebrandet. Zwar kann man diese in den Kameraoptionen sehr einfach deaktivieren (siehe Screenshot), dennoch haben derartige Marketing-Aktionen auf einem Smartphone nichts zu suchen – erst recht nicht, wenn man in der Oberklasse mitspielen will.

Performance & Hardware

Das ZTE Axon 10 Pro ist ein Performance-Biest. In seinem Inneren werkelt Qualcomms aktueller High-End-SoC Snapdragon 855, unterstützt von 6 GByte RAM und einer Adreno-640-GPU. Daten schreibt das Axon 10 Pro auf seinen schnellen 128 GByte UFS-2.1-Speicher (zu Beginn etwa 110 GByte frei), der mit bis zu 2 TByte großen Micro-SD-Karten erweitert werden kann. Wer sich dafür entscheidet, eine Micro-SD-Karte einzusetzen, muss dafür auf eine zweite SIM-Karte verzichten.

In den Benchmarks schneidet das Axon 10 Pro erwartungsgemäß gut ab. So erzielt es bei Geekbench einen Single-Core-Score von 3505 und einen Multi-Core-Score von 11.000 Punkten. Im Antutu-Benchmark erreicht das ZTE-Phone stolze 375.000 Punkte und damit nur etwas weniger als das teurere Oneplus 7 Pro (Testbericht) mit seinen 377.000 Punkten. Im Vergleich: Das Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) hat 340.000 Punkte, das Huawei P30 Pro (Testbericht) sogar nur 289.000 Punkte erreicht. Auch wenn Benchmark-Ergebnisse nicht zwangsläufig praxisnah sind, zeigen diese Ergebnisse, dass das ZTE Axon 10 Pro bezüglich seiner Geschwindigkeit vorne mitspielt.

Das bestätigte sich auch im Test. So öffnen Apps sehr schnell, auch ein App-Wechsel geht flott von der Hand. Mehrere parallel geöffnete Apps? Kein Problem. Grafisch anspruchsvolle Spiele in den höchsten Einstellungen? Wenn sie auf dem ZTE Axon 10 Pro nicht flüssig laufen, dann wohl auch auf kaum einem anderen Android-Gerät.

Es unterstützt die für Deutschland wichtigen LTE-Bänder 3,7 und 20. Außerdem bietet es WLAN nach dem schnellen 802.11ac-Standard, NFC und Bluetooth 5.0.

Software

Die Oberfläche des Android-9-Pie-Betriebssystems, ZTE nennt es Mifavor 9.1, orientiert sich an Vanilla-Android, wie es auf den Pixel-Phones zu Einsatz kommt. Wir begrüßen sehr, dass sich ZTE von seinem viel zu bunten und teilweise unübersichtlichen Launcher verabschiedet, der noch im ZTE Axon 9 Pro (Testbericht) zum Einsatz kam. Dabei haben es dennoch viele zusätzliche Funktionen auf das Axon 10 Pro geschafft – einige davon sind gut, andere weniger.

Gut gefällt uns, dass man im Homescreen nicht zwangsläufig von der oberen Kante nach unten wischen muss, um in das Benachrichtigungsmenü zu kommen. Es reicht ein kurzer Wisch von oben nach unten irgendwo im Homescreen. Das gleiche gilt für die Wischgeste von unten nach oben. Egal wo sie auf dem Homescreen ausgeführt wird, öffnet sie den App-Drawer. Auch der Einhandmodus, den wir in ähnlicher Form von Huawei-Smartphones kennen, ist äußerst praktisch. Von Motorola-Smartphones wie dem One Vision (Testbericht) kennen wir die Funktion, dass sich beim seitlichen Schütteln die Taschenlampe aktiviert.

Weniger gut gefällt uns, dass beim Betätigen der Lautstärkewippe, um die Medienlautstärke anzupassen, bei jedem Tastendruck ein akustisches Signal ertönt. Wir suchten lange und fanden keine Möglichkeit, das zu unterbinden. Apropos suchen: Die Optionen sind fast schon unübersichtlich umfangreich. Die folgende Bildergalerie gibt davon einen guten Eindruck.

Zusätzlich zu der standardmäßig auf Android-9-Geräten vorinstallierten virtuellen Navigation und Swipe-Navigation führt ZTE beim Axon 10 Pro eine Gesten-Navigation ein. Diese blendet die untere Navigations-Leiste komplett aus und ersetzt sie durch das Wischen vom unteren Bildschirmrand oder dem unteren seitlichen Rand. Wir probierten, uns einige Tage lang daran zu gewöhnen – vergebens. Gerade die Wischgeste von unten nach oben, um auf dem Homescreen zu kommen, funktionierte deutlich zu ungenau.

Auf Nachfrage versicherte uns ZTE, dass sie für das Axon 10 Pro zwei Major-Updates und mindestens zwei Jahre lang Sicherheits-Updates verteilen werden.

Lautsprecher

Einen Klinkenanschluss gibt es nicht.
Das mitgelieferte Headset bietet Standardkost.

Der Hauptlautsprecher sitzt an seiner Unterseite, für einen Stereo-Effekt wird er von schmalen Front-Lautsprecher oberhalb des Displays unterstützt. Allerdings tönt es aus dem Frontlautsprecher nicht annähernd so laut und mit deutlich weniger Volumen wie aus dem Hauptlautsprecher. Damit besteht nach wie vor das Problem, dass kaum noch Sound hörbar ist, wenn man den unteren Lautsprecher zum Beispiel beim Zocken oder Videos anschauen mit der Hand verdeckt. Das löst das Google Pixel 3a (XL) deutlich besser. Es kommt mit einem vergleichbaren Lautsprecher-Setup, allerdings ist dort der Front-Lautsprecher richtig laut und vergleichsweise klangstark. An die Klangqualität von Smartphones mit zwei Frontlautsprechern wie den Google Pixel 3 XL (Testbericht) kommt das ZTE Axon 10 Pro bezüglich der tiefen Töne ohnehin nicht heran. Zumindest ist es recht laut.

Eine 3,5-mm-Klinkenbuchse sucht man am ZTE Axon 10 Pro vergebens. Dafür legt ZTE dem Smartphone neben einem kabelgebundenen Headset mit eben jener Klinke auch einen USB-C-auf-Klinke-Adapter bei. Die Qualität des Headsets geht in Ordnung. Das Axon 10 Pro unterstützt die 3D-Sound-Emulation DTS:X Ultra.

Beim Telefonieren macht das ZTE Axon 10 Pro eine gute Figur. Wir verstanden im Test das Gegenüber genauso klar, wie wir selbst verstanden wurden. Umgebungsgeräusche filtert das Axon 10 Pro zuverlässig heraus.

Fingerprint

Die Technik, den Fingerprintscanner hinter das Display zu legen, funktioniert beim ZTE Axon 10 Pro eher schlecht als recht.

Der Fingerabdrucksensor verbirgt sich unter dem Display. Dieser funktioniert ähnlich gut, oder eben schlecht, wie beim Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) . So ist die Sensorfläche recht klein und muss genau getroffen werden. Das geht vor allem dann häufiger schief, wenn man nicht genau hinschaut, beziehungsweise das Smartphone „blind“ entsperren will. Auch muss beim Entsperren darauf geachtet werden, dass der Finger ruhig liegen bleibt und nicht verrutscht. Das ist beim glatten Display nicht immer ganz einfach. Zusätzlich haben wir festgestellt, dass derartige Systeme die Fingerabdrücke von verschiedenen Personen unterschiedlich gut erfassen.

Im Schnitt ging jeder dritte Entsperrversuch daneben – das ist viel zu viel. Besser hat das bisher jedoch nur das Oneplus 7 Pro (Testbericht) dank seiner vergrößerten Sensorfläche hinbekommen. Optional kann man bei Axon 10 Pro zwar noch eine (wenig sichere) Gesichtserkennung hinzufügen. Ein klassischer und jahrelang bewährter Fingerabdrucksensor auf der Rückseite wäre uns in den Fall jedoch lieber gewesen.

Akku

Das ZTE Axon 10 Pro hat einen großen, fest verbauten 4000-mAh-Akku, der das Gerät bei normaler Nutzung locker zwei Tage lang mit Energie befeuert. Es unterstützt die Schnellladetechnik Quickcharge 4 und kabelloses Laden nach dem Qi-Standard. Im Test lud das Smartphone in 15 Minuten 18 Prozent des Akkus auf, für eine volle Ladung benötigte das Axon 10 Pro gut 1,5 Stunden.

Preis

Fazit

Das ZTE Axon 10 Pro darf sich zu Recht High-End-Smartphone nennen und erhält gerade für seinen günstigen Preispunkt eine Kaufempfehlung. Es bietet dank aktuellem Chipsatz Snapdragon 855 und schnellem UFS-2.1-Speicher absolute Spitzen-Performance. Das Display ist groß und schön, könnte allerdings etwas höher auflösen. Seine Verarbeitung ist solide, optisch setzt es sich jedoch kaum von der Konkurrenz ab und wirkt zuweilen austauschbar.

Das Kamera-System mit drei unterschiedlichen Brennweiten liefert in guten Lichtverhältnissen ordentliche Bilder. Sobald es etwas dunkler wird, leidet die Bildqualität sichtlich. Insgesamt bietet die Kamera für den Preispunkt gute Ergebnisse. Der Akku ist mit 4000 mAh großzügig bemessen. Der Fingerabrucksensor hinter dem Display verrichtet seinen Dienst eher schlecht als recht. Die Software des Axon 10 Pro orientiert sich am reinen Android ohne viel Schnickschnack und sieht entsprechend aufgeräumt aus. Trotzdem bringt ZTE viele zusätzliche Features unter, von denen einige besser, andere weniger gut gelungen sind.

Insgesamt bringt ZTE mit dem Axon 10 Pro ein rundes Paket auf den Markt. Trotzdem gefallen uns die Konkurrenzflaggschiffe Oneplus 7 Pro (Testbericht) , Huawei P30 Pro (Testbericht) und Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) etwas besser. Allerdings muss man für sie auch mehr Geld auf den Tisch legen.