ProzessorgeflĂĽster

Während Intel mal wieder ein geschäftlich erfolgreiches Quartal hinlegt und einen neuen Xeon herausbringt, klingen die Geschäftsberichte bei AMD und insbesondere Transmeta eher nach Schönrederei. Immerhin wollen beide noch in diesem Quartal neues Silizium vorstellen. Unterdessen renoviert VIA seinen Mobilprozessor, und Samsung zeigt einen ARM-Prozessor mit 533 MHz.

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Wenige Wochen nach dem 25-jährigen Geburtstag der x86-Architektur - dem wir uns in c't 13/03 ausführlich gewidmet hatten - feierte Intel nun das 35-jährige Firmenjubiläum. Am 18. Juli 1968 haben Robert Noyce (1990 verstorben), Gordon Moore (seit 2001 im Ruhestand) und Andy Grove (seit 1997 Aufsichtsratsvorsitzender) Intel als kleines Start-Up in Santa Clara bei San Francisco gegründet. Zum Jubiläum wurde im Hauptquartier eine Zeitkapsel mit Gegenständen aus allen Filialen hinterlegt, die man zum 50-jährigen Bestehen öffnen will (siehe c't 16/2018).

Den Jubilaren kommen die guten Nachrichten zum abgelaufenen Quartal gerade recht: Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg der Umsatz von 6,32 auf 6,82 Milliarden US-Dollar, der Gewinn verdoppelte sich gar von 446 auf 896 Millionen. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Intel inzwischen in Asien und Japan, 28 Prozent in Amerika und nur noch 21 Prozent in Europa. CEO Craig Barret erklärt das erfolgreiche Quartal mit den guten Verkäufen des Mobilprozessors Pentium M (samt Chipsatz und WLAN-Modul), was die insbesondere im Notebook-affinen Japan angewachsenen Umsätze erklärt.

Die hochpreisigen Geräte lassen sich jedoch nur in wenigen Teilen der Welt verkaufen, und prompt tauchte das Gerücht auf, Intel wolle den Namen Celeron auch für den Pentium M verwenden. Am Jahresende will Intel den aktuellen Banias-Kern (0,13-µm-Prozess, 1 MByte L2-Cache) des Pentium M durch den Dothan-Kern ersetzen (0,09 µm, 2 MByte), und angeblich soll Banias kurz drauf als Celeron mit auf 512 KByte abgespeckten L2-Cache weiterleben.

Am oberen Ende der Preisliste rangiert Intels einzig echter neuer Prozessor der letzten Wochen, der Xeon mit 3,06 GHz und 1 MByte L3-Cache. Obwohl nur für Zweiprozessor-Systeme ausgelegt, ähnelt der neue Xeon den immens teuren MP-Versionen mit Gallatin-Kern, die zusätzlich zum 512 MByte großen L2-Cache ebenfalls einen integrierten L3-Cache von bis zu 2 MByte haben. Laut Intel arbeitet der Neuling bis zu 15 Prozent schneller als der (im Zuge der Neuvorstellung um 200 US-Dollar verbilligte) 3,06-GHz-Xeon ohne L3-Cache (Prestonia-Kern). Den jbb2000, ein Java-Benchmark der SPEC, will Intel auf einem Dell-Server mit zwei Xeons von 49 068 auf 57 653 Operationen pro Sekunde beschleunigt haben. Damit läge der Dual-Xeon sogar vor einem auf der SPEC-Homepage gelisteten AMD-System mit zwei Opterons und 50 001 Punkten - was für Intel vielleicht Anlass genug war, diesen Prozessor überhaupt herauszubringen.

Anfang August will AMD wieder zum Überholen ansetzen und stellt die Opterons mit höheren Taktraten vor. Auch den Termin für die Desktop-Version des 64-Bit-Hammers hat AMD endlich bekannt gegeben: Am 23. September, dem zweiten Tag der aufgrund von SARS verschobenen Computex in Taiwan, soll der Athlon 64 nun erscheinen.

Zusätzlichen Aufwind kann AMD gut gebrauchen, wie die Ergebnisse des vorigen Quartals zeigen. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahresquartal zwar von 600 auf 645 Millionen US-Dollar gestiegen, aber noch steckt man mit 140 Millionen US-Dollar in der Verlustzone. Immerhin sinken die Verluste: Im Vorjahresquartal waren es noch 185, im vorigen Quartal nur mehr 146,4 Millionen.

Da verwundert ein wenig, was man vom geheimnisvollen Thorton-Kern hört. Zuerst tauchte der Begriff in Beschreibungen von BIOS-Updates auf, inzwischen verrät AMD etwas mehr: Der Thorton-Kern ist vom Barton-Kern abgeleitet, der im Athlon XP ab 2800+ aufwärts steckt, aber sein L2-Cache ist auf 256 KByte halbiert. Was auf den ersten Blick wie ein Sparmodell mit preisgünstiger Herstellung à la Duron aussieht, kostet in der Produktion genauso viel wie ein Barton, weil AMD das Die nicht (wie beim Duron) verkleinert, sondern stattdessen den halben Cache abschaltet. Der Thorton sollte exakt genauso schnell arbeiten wie der Thoroughbred-B, der in den Athlons bis 2800+ steckt. AMD will den Thorton wohl als XP 2000+ bis 2400+ herausbringen. Im Handel soll er indes nicht erscheinen, sondern nur an Großkunden gehen. Das haben wir aber schon mal gehört, nämlich beim Thunderbird in Slot-A-Bauform, der letztlich problemlos im Einzelhandel erhältlich war, aber nicht auf jedem Mainboard ebenso problemlos lief (siehe c't 14/00, S. 32).

Noch schlechtere Zahlen muss Transmeta verkünden. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank der Umsatz von 7,5 auf 5,1 Millionen US-Dollar. Der Verlust ließ sich zwar von 35,6 auf 22 Millionen US-Dollar reduzieren, aber die seit vier Quartalen in Folge stetig fallenden Umsätze verheißen wenig Erfreuliches. Transmetas Chef Matthew Perry setzt alle Hoffnung in den TM8000, den Nachfolger des aktuellen TM5600, der plangemäß noch in diesem Quartal mit mindestens 1 GHz Takt erscheinen soll.

Mit dem gleichen Takt läuft VIAs neuer Mobilprozessor mit Namen Antaur. Er nutzt den x86-kompatiblen Nehemiah-Kern mit 128 KByte L1- und 64 KByte L2-Cache, den VIA Anfang des Jahres für die Desktop-Prozessoren der C3-Baureihe vorgestellt hat. VIA liefert den Antaur in einem EBGA-Gehäuse, das eine Einbauhöhe von lediglich 1,5 Millimetern ermöglichen soll und ihn damit für kleine und leichte Notebooks prädestiniert. Auch wenn der Nehemia-Kern aufgrund umfangreicher Verbesserungen am Kern um bis zu 20 Prozent schneller ist als der Vorgänger Ezra, dürfte der Antaur eher am unteren Ende der Notebook-Geschwindigkeitsskala zu finden sein.

Schon fast in ähnliche Geschwindigkeitsregionen könnte Samsungs PDA-Neuling vorstoßen, der in einem 0,13-µm-Verfahren gefertigte S3C2440. Der ARM-kompatible (ARM920T) Prozessorkern soll im vierten Quartal 533 MHz erreichen, doch schon mit seinen aktuellen 266 MHz beeindruckte er: Beim Quake-Benchmark arbeitete er in einem PDA von HP fast genauso schnell wie ein Intel XScale, der jedoch mit 400 MHz lief. Neben dem Prozessorkern stecken im S3C2440 verschiedene Schnittstellen (USB, für TFT-Displays) und ein Flash-Speicher. Damit hat sich ein vielversprechender Neuling für das Megahertz-Wettrennen angemeldet, das in PDAs bald vielleicht ähnlich spannend wird wie bei Desktop-PCs und Servern. (jow) (jow)