Hostinger Horizons im Test: Web-Apps mit KI erstellen
Unsere Erfahrungen mit der Vibe-Coding-Plattform Horizons
| 💡 Das Wichtigste in Kürze |
|
Hostinger ist bekannt für einsteigerfreundliches und günstiges Webhosting. Schon früh hat der Anbieter auf KI gesetzt, sowohl bei seinen Homepage-Baukästen als auch bei seinen WordPress-Installationen. Nun geht das litauische Unternehmen den nächsten Schritt: Hostinger Horizons* soll als KI-gestützte All-in-One-Lösung für die Webentwicklung Web-Apps wie von Zauberhand entwickeln – und Startups, Freiberuflern oder kleinen und mittelständischen Unternehmen teure Entwicklungskosten für ihre Software-Idee ersparen.
(Bild: Screenshot)
Komplett neu ist das Konzept nicht, unter anderem Bolt.new, Lovable, Replit oder V0 sind mit ähnlichen Konzepten am Markt. Wie auch Hostinger Horizons arbeiten diese Tools mit einer einfachen Prompt-Eingabe: Anwender „chatten“ mit der KI, um die gewünschte App zu erstellen. Die Optimierung oder Anpassung erfolgt ebenfalls per Prompt ("Vibe Coding"). Hostinger Horizons ist also Code-frei und orientiert sich bei der Bedienung an typischen Text-KIs wie ChatGPT, Claude oder Grok.
Kosten & Tarife
Die Tarife sind in vier Stufen zwischen 6,99 und 79,99 € pro Monat (im Jahres-Abonnement) aufgeteilt. Damit liegt Hostinger Horizons auf dem Niveau des Mitbewerbs. Dabei zahlen Nutzer sowohl für das Hosting als auch für die Entwicklungsarbeit: Je nach Tarif sind zwischen 30 und 400 „Nachrichten“ – also KI-Prompts – pro Monat an die KI möglich, um die Software-Entwicklung zu konkretisieren. Zwar handelt es sich bei dem Plan um ein Abo, wer schnell entwickelt, kommt aber auch mit kurzen Abonnements klar.
Wer sich auskennt und nur ein kleines Tool benötigt, kann demnach zunächst zu einem der kleineren Tarife (30 oder 70 Nachrichten) greifen. Wer eine komplexe App entwickeln will, ist mit einem der höheren Tarife (200 oder 400 Nachrichten) besser beraten. Der Tarif lässt sich jederzeit erweitern. Ein Hosting-Paket für die App samt E-Mail-Adresse wird im Rahmen der Entwicklung angelegt und ist im Tarif integriert, solange dieser monatlich weiterläuft.
➤ Hostinger Horizons*Jetzt kostenlos loslegen
Testprojekt: App für ZUGFeRD-Rechnungen
Im Test prüfen wir, ob das funktionieren kann. Dazu lassen wir das Tool eine Rechnungs-Anwendung für Freelancer erstellen, die E-Rechnung und das ZUGFeRD-Format unterstützt sowie E-Mail-Versand und Zahlungsziele beherrscht.
Ersteindruck der Oberfläche
Nach der Buchung des Horizons-Tarifs kann es auch schon losgehen: Ein einfaches Textfeld erlaubt die Eingabe der Wünsche zur geplanten App. Zudem erlaubt die Oberfläche Uploads, etwa von Mockups, oder Spracheingabe für über 80 Sprachen. Das ist sehr elegant und simpel gelöst und damit ideal für die Hauptzielgruppe: Selbstständige und Gründer und Produkt-Teams die sich weder selbst mit der Technik befassen können und wollen, noch teure Entwickler bezahlen möchten. Allerdings spricht Hostinger mit Horizons auch Entwickler an, die den Workflow beschleunigen und verbessern wollen.
Planung spart Geld
Die KI zeigt sich in der Praxis sehr versiert darin, Nutzeranfragen in konkrete Anwendungen zu übersetzen. Wie bei allen KI-Tools ist es aber hilfreich, der KI möglichst zielgerichtete Anfragen zu geben, um den „Entwicklungsprozess“ zu beschleunigen. Schon im Hinblick auf die Kosten – hundert Prompts im Basistarif sind recht schnell verbraten – ist es also sinnvoll, sich vorab Gedanken darüber zu machen, was man eigentlich möchte. Die KI kann dann als erstaunlich kreativer Software-Entwickler dienen.
Mit nur einem Prompt legt Horizons bereits die Basis-App an
(Bild: Screenshot)
Basis-App mit einem Satz
Die KI kann schon mit einem Satz dazu gebracht werden, zumindest eine rudimentäre Basis-App einzurichten. Der Prompt „Eine Rechnungs-App für Freelancer, die E-Rechnung und ZUGFeRD unterstützt. Sie soll entsprechende Formate als PDF und XML ausgeben können“ liefert bereits ein erstes, funktionierendes Ergebnis, das rechts im Vorschau-Fenster nicht nur angezeigt wird, sondern auch direkt ausprobiert werden kann. Schön: Horizons generiert automatisch Responsive Websites und zeigt die Web-App auf Wunsch als Mobil- oder Desktop-Fassung an.
Dann gilt es, nachzubessern. Hostinger Horizons zeigt sich dabei sehr gut darin, die Nutzer-Anfragen in die Praxis umzusetzen. Eine zweite Nachricht aus dem Nachrichten-Kontingent richtet bereits ein Adressbuch ein, eine dritte hilft dabei, Rechnungs-App und Adressbuch sinnvoll zu verbinden.
Verfeinerung mit Live-Vorschau
Weitere Prompts betreffen die Verfeinerung: Hier die automatische Rechnungsnummer, dort ein automatisches Rechnungs- und Fälligkeitsdatum inklusive automatisch vorausgefüllter Inhalte. Weitere Prompts müssen für die sinnvolle Anordnung der Rechnungspositionen und das Hinzufügen von Mehrwertsteuer-Optionen aufgewendet werden. Eine Möglichkeit, Rechnungen per Mail zu versenden und eine Einbettung des ZUGFeRD-Formats im PDF. Und natürlich Standard-Seiten wie Datenschutzerklärung und Impressum.
Mit nur wenigen Prompts lassen sich Funktionen ergänzen und optimieren
(Bild: Screenshot )
Auf diese Weise entwickelt Hostinger Horizons allein per Prompt-Eingabe nach und nach die gewünschte Rechnungsverwaltungs-App – und zwar samt Live-Vorschau, wodurch die erstellte App direkt auf ihre Funktion geprüft werden kann. Das ist außerordentlich praktisch, denn sobald sich ein Fehler oder eine fehlende Funktion bemerkbar macht, kann diese ganz einfach per Text-Prompt eingefügt, erweitert oder repariert werden.
➤ Hostinger Horizons*Ab 8,32 € / Monat (im Jahres-Abo)
Je nach Anweisung dauert die Umsetzung des jeweiligen Prompts nur wenige Sekunden. Muss Hostinger Horizons mehr abstrahieren, ziehen auch schon einmal eine einige Sekunden ins Land. Die Optimierung nagt natürlich am Prompt-Kontingent, abhängig davon, wie komplex die Anfragen zur Ergänzung oder Nachbesserung sind.
Eingeschränktes Gesamtverständnis
Hostinger Horizons setzt das Gewünschte schnell und in der Regel treffend um. Gelegentlich schmuggeln sich Folgefehler ein, die sich aber zumeist ohne Weiteres mit einer Folgeanweisung beheben lassen. In der Praxis kommt man dadurch während der Entwicklung allerdings schnell „vom Hölzchen auf’s Stöckchen“, weil es der Hostinger-KI wie all ihren Verwandten an echter Intelligenz und Lebenserfahrung mangelt: Anders als ein menschlicher Software-Entwickler besitzt sie keine eigene Vorstellung eines Gesamtkonzepts. Hier liegen die Grenzen des aktuellen Stands der KI-Entwicklung.
Wie bei allen KI-Tools treten ab und an Fehlannahmen auf, die menschlichen Entwicklern nicht passieren würden. So stellt sich die Frage, wieso eine Künstliche Intelligenz nicht von vornherein auf die Idee kommt, eine sinnvolle Gliederung der Rechnungsposten und eine Mehrwertsteuer-Option einzubauen. Immerhin sind diese Dinge Bestandteil einer jeden Rechnung.
Die Hostinger-KI ist nicht billig, aber auf dem Niveau der Mitbewerber.
(Bild: Screenshot)
Im Zusammenhang mit der Prompt-Limitierung des jeweiligen Tarifs natürlich ärgerlich: Zwar ist Hostinger Horizons günstiger als jeder „echte“ Entwickler, aber eben nicht billig: Immerhin kostet ein Prompt in allen Tarifen rund 19 Cent – und wer hier unnötig nachbessern muss, versenkt buchstäblich Geld. Es ist daher empfehlenswert, vorab genau zu überlegen, was die Website oder App können soll – und die Prompts möglichst präzise zu formulieren.
Resultat: Einfache Rechnungs-App mit wenigen Handgriffen
Für Nutzer, die sich weder mit Webentwicklung auskennen, noch das Geld für einen professionellen Entwickler haben, ist Hostinger Horizons dadurch am Ende des Tages ein sehr hilfreiches KI-Tool: Unsere Rechnungs-App war mit nur knapp 30 Prompts soweit einsatzbereit, dass sie produktiv hätte verwendet werden können. Für einen Verkauf der Software hätte das sicher noch nicht gereicht, für eine hausinterne Verwendung aber sehr wohl. Natürlich beherrscht die Hostinger-KI auch deutlich komplexere Anwendungen – der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Die Rechnungsvorschau ist weder besonders hübsch noch fehlerfrei – auch das lässt sich mittels Prompt beheben.
(Bild: Screenshot)
Schön an Hostinger Horizons ist dabei, dass die Web-App direkt ins leistungsfähige Hosting überführt wird: Bei allen Horizons-Tarifen ist das Hostinger-Hosting inklusive, der Tarif muss, wenn das KI-Tool beendet wird, natürlich regulär verlängert werden. Dabei ist die Vorschau – also der aktuelle Stand der App-Entwicklung per KI – auch jederzeit über die Hosting-URL abrufbar und verwendbar.
➤ Hostinger Horizons*Jetzt kostenlos loslegen
Kein Vendor-Lock-In
Praktisch an Hostinger Horizons ist, dass der erstellte Code – anders als etwa bei Webbaukästen – in Form einer Codebase vorliegt. Dadurch ist man durch Nutzung des Dienstes nicht an Hostinger gebunden, die App kann jederzeit anderweitig eingesetzt werden. Das vermeidet einen lästigen Lock-In-Effekt, bei Bedarf kann die Anwendung über Hostinger hinaus skaliert werden. Ebenfalls praktisch: Durch den Export ist der Code natürlich auch jederzeit für menschliche Entwickler (oder andere KI-Tools) verwendbar, die sich im Nachgang darum kümmern können. Wie bei allen Coding-KIs ist die Codebase zwar sauber, aber nicht besonders sparsam verfasst: Erfahrene menschliche Entwickler dürften hier einiges optimieren können.
Mehrbenutzer-Apps via Drittanbieter
Gerade Startups möchten möglicherweise ihr Software-Produkt verkaufen. Das setzt voraus, dass es eine Benutzerverwaltung gibt. Diese kann Hostinger Horizons auf Basis des Open-Source-Dienstes Supabase erstellen, die jedoch jenseits des eingeschränkten Free-Tarifs zusätzliche Kosten verursacht. Eine eigene Lösung für die Benutzer-Authentifizierung kann das Tool nicht entwickeln, stattdessen kann es Supabase in die vorhandene Web-App integrieren. Nutzer müssen der KI dazu nur die Supabase-Projektdaten in Form der Projekt-URL und des API-Keys zur Verfügung stellen.
Passend zur Nutzerverwaltung kann die KI Anwender auch gleich bei der Vermarktung der App unterstützen: Auf Wunsch generiert Hostinger Horizons Preisstufen, integriert Stripe für die Zahlungsabwicklung und setzt ein Backup-System auf.
Fazit: Eine praktische KI zur Webentwicklung
Alles in allem hat Hostinger mit Horizons* sehr gute Arbeit geleistet: Die gut trainierte KI erlaubt auch Einsteigern die Entwicklung von Web-Anwendungen oder Websites, ohne dass diese einen menschlichen Entwickler beauftragen müssen. Auch für fortgeschrittene User und Entwickler ist Horizons interessant, weil die Künstliche Intelligenz viel Arbeit spart. Preislich auf dem Niveau des Mitbewerbs ergibt sich im Zusammenspiel mit Hostingers hervorragendem Webhosting ein attraktives Gesamtpaket. Wir empfehlen für den Anfang den Starter-Tarif, der mit 100 Prompts bereits einfache, aber praktische Web-Apps ermöglicht.
➤ Hostinger Horizons*Ab 8,32 € / Monat (im Jahres-Abo)
* Mit einem Stern markierte Links sind Affiliate-Links, für die wir unter Umständen eine Provision erhalten. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht!
Redaktion & Aktualisierung: heise Download-Team
Weiterlesen: Webhosting-Vergleich: So finden Sie den passenden Hosting-Anbieter
Kommentare
{{line}}