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Avatar von Pearphidae
  • Pearphidae

mehr als 1000 BeitrÀge seit 14.11.2021

Re: 1 Jahr lang nichts gelernt

kowski schrieb am 07.10.2024 11:16:

Pearphidae schrieb am 07.10.2024 10:08:

flare----* schrieb am 07.10.2024 00:59:

Also nun, was tun gegen islamistische Attentate? Moscheenverbot? Law and Order gegen tĂŒrkischen Immigrantennachwuchs? Deutsche PĂ€sse verschleudern? ... Also ich weiss keine Lösung. ... Es gibt Fragestellungen, da gibt es keine Lösung.

Wir brauchen unsere muslimischen MitbĂŒrger, wie auch unsere jĂŒdischen, hinduistischen, buddhistischen oder welchen Glauben sie auch immer aus ihrer Heimat mitgebracht haben mögen. Sie alle haben zu jener freiheitlichen und vielfĂ€ltigen Lebenskultur beigetragen, die wir heute in unserem Land schĂ€tzen und die auch unsere Wirtschaft nach vorne brachte.

Voraussetzung war die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung fĂŒr fremde Kulturen und Respekt gegenĂŒber deren Werten. Unsere Schuld gegenĂŒber den Juden hat uns dazu sensibilisiert, wohlwollend auf andere Lebenskonzepte als die eigenen traditionellen zu blicken und uns mit anderen Wertvorstellungen auseinander zu setzen.

Was wir versĂ€umten: Den Menschen, die unser Land betreten, unmissverstĂ€ndlich klar zu machen, dass unsere Werte nicht verhandelbar sind. Die mĂŒssen nicht nur akzeptiert, sondern auch mitgelebt werden. Eine notgedrungene Duldung unserer Gesetze reicht nicht. Wer unsere Lebensweise unertrĂ€glich findet, möge bitte in LĂ€nder gehen, in denen die Bevölkerungen seine Wertvorstellungen leben.

Ich nehme an, daß Du nicht wirklich so denkst, wie Du hier klingst, großspurig und unduldsam. Ich kenne diese andauernde Mißbilligung gegenĂŒber allem, was anders ist als man selbst. Junge Menschen erleben das oft sogar in der Familie, aber auch Veganer, Schwule und allgemein alle, die irgendwie anders sind, als man sie gerne hĂ€tte. Statt Differenzen zu erklĂ€ren und zu begrĂŒnden, wird eben gewohnheitsmĂ€ĂŸig mißbilligt. Wehe der/die andere wird dann auch noch trotzig!

Was soll Deine unpassende Verallgemeinerung an der Stelle? Ich sprach von Werten und die sind in unserer Verfassung niedergeschrieben. Du sprichst von Missbilligung gegenĂŒber Anderssein. Ob jemand Veganer ist oder schwul, ober er Weihnachten am 24. Dezember feiert oder erst am 7. Januar, ob jemand in einer Kirche oder Moschee betet oder gar nicht - um all das geht es doch gar nicht.

Es geht z.B. darum, ob Personen die Gleichberechtigung der Geschlechter akzeptieren und leben oder ob sie mit Verschleierung egal welcher Art als Anti-Emanzipations-Symbol den Kampf den unsere UrgroßmĂŒtter begannen und der bis heute fortgefĂŒhrt wird, demonstrativ verhöhnen. Die Meinungsfreiheit erlaubt selbstverstĂ€ndlich das tragen solch politischer Symbole, doch damit bringen diese Frauen eben auch zum Ausdruck, dass sie unsere Werte ablehnen.

Viele Islamische Staaten verlangen, dass Frauen ein Kopftuch tragen, wenn sie sich in ihrem Land aufhalten. Wir verlangen von Frauen nicht, dass sie ihr Kopftuch ablegen mĂŒssen, doch wir haben auch keine Pflicht, Menschen mit solcher offen zur Schau gestellten Weigerung sich zu integrieren dauerhaft bei uns leben zu lassen.

Auch ich denke, daß man vor allem Migranten die unterschiedlichen Sitten und GebrĂ€uche erklĂ€ren soll und sie bei nicht akzeptablen Differenzen eben das Land verlassen mĂŒssen. Mit "nicht akzeptabel" meine ich Verhalten, das ĂŒber das hinaus geht, was wir bio-deutschen ExtremfĂ€llen im hintersten Bayern, Ostfriesland und Ost-Deutschland durchgegehen lassen wĂŒrden. Mit "erklĂ€ren" meine ich nicht autoritĂ€res Verhalten in der Art "so lange du deine FĂŒĂŸe unter meinen Tisch....".

Die Arbeit an echter Toleranz ist mĂŒhsam und wird noch immer gerne unterlassen. Mißbilligen ist eben einfacher.

Es geht doch eben nicht um Traditionen und BrĂ€uche. Von mir aus dĂŒrfen auch solche religiösen BrĂ€uche anderer Religionen wie z.B. der Ramadan bei uns gelebt werden, weil sie unsere Werte in keinster Weise verletzen. Hinduisten dĂŒrfen gerne mit zusammengelegten HĂ€nden und "Namaste" statt "GrĂŒĂŸ Gott" grĂŒĂŸen, denn es ist eine gleichwertige Wertvorstellung, anderen Menschen bei Begegnung als Erstes Respekt zu erweisen.

Eine rigorose "SĂ€uberung" wie sie in Myanmar oder Teilen Indiens vorgenommen wurde und wohl auch das Konzept der AfD ist, taugt zu gar nichts. Es gibt keinen einzelnen großen Rundumschlag, der das Problem gewalttĂ€tig werdender radikaler Religionsfanatiker - egal welchen Glaubens - lösen kann. Es braucht viele Einzelmaßnahmen, die aber auch wirklich angegangen werden mĂŒssen.

Interessant hierzu finde ich das Interview mit der in der TĂŒrkei aufgewachsenen, inzwischen deutschen Soziologin Necla Kelek:

"Die Sozialwissenschafterin verlangt eine Reform der Migrationspolitik. Im Interview beharrt sie darauf, dass sich Muslime zu den westlichen Grundwerten bekennen mĂŒssen."

https://www.nzz.ch/feuilleton/interview-necla-kelek-die-sozialwissenschafterin-verlangt-eine-reform-der-migrationspolitik-ld.1764339

"Der Islam erlaubt dem Individuum nicht, Gott selbst zu erkennen. Das ist im Christentum ein Kerngedanke, er bedeutet, ich muss zu Gott wollen und ihn selbst erkennen. Das fĂŒhrt zu einer individuellen Form der GlaubensausĂŒbung und zum selbstĂ€ndigen Denken, Handeln, zu Reflexion. Wenn die arabischen Herrscher das den Menschen nicht gestatten und dem Volk diktieren, was und wie es zu glauben habt, und die ReligionsausĂŒbung ĂŒber eine soziale Kontrolle steuern, dann ist das eine Form von Ideologie und islamistischer Indoktrination, wie wir das zum Beispiel in Iran erleben.
...
Ganz klar ist einerseits ein Bekenntnis gefordert zu Freiheit und Demokratie. Und anderseits muss die Politik handeln, ein klares Signal wĂ€re zum Beispiel ein Kinderkopftuch-Verbot in der Schule. Die Schule muss ein freier Raum fĂŒr den Geist bleiben und darf kein Ort der Indoktrination sein."

So lange ein Bundesland tatsÀchlich per Befehl christliche Symbole in öffentlichen RÀumen aufhÀngt, sind wir von einer angemessenen Behandlung religiöser Intoleranz noch weit entfernt.

Das christliche Symbol bedeutet keine Intoleranz anderer Religionen, sondern es ist neben der Symbolik fĂŒr die vorherrschende Religion auch das Symbol der Basis unserer Werte, auf die unsere Gesetze aufbauen und der Werte, die z.B. in einem Schulzimmer vermittelt werden.

Im ĂŒbrigen gehören die Schriften Abrahams, Moses sowie Johannes des TĂ€ufers zu den heiligen Schriften des Islam und der Koran fordert in vier Suren dazu auf, die Bibel zu lesen, denn: Isa (Jesus) ist laut dem Koran der Einzige, der ohne SĂŒnde war. Wir verlangen also sogar von Muslimen nichts EntwĂŒrdigendes, wenn wir fordern, bei uns Gleichberechtigung zu leben.

Jesus predigte stets, dass alle Menschen gleichwertig seien. Das Christentum war lange Zeit damit ĂŒberfordert, dieses Gebot Christi in den Alltag, in Gesetze und LebensgrundsĂ€tze umzusetzen. Sichtbare UnterdrĂŒckung sollten wir genausowenig dulden, wie Gewalt gegen Frauen.

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