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  • Hagjo

mehr als 1000 Beiträge seit 23.02.2013

Re: Was fĂĽr eine hirnlose Geldverschwendung...

Mar_Bra schrieb am 23.11.2020 23:35:

Schulen unterstehen immer einem Schulträger, von daher kann es nicht mauer aussehen. Und dieser ist es, der letztendlich über die Finanzen und die Ausgaben wacht.

Sehr schön gesehen! Der Schulträger hat für seine Schule ein festgesetztes Budget zur Verfügung zu stellen und diverse Auflagen zu gewährleisten. In Sachen Digitalisierung liegen diese Auflagen für eine Grundschule darin, dass für 20 Lehrer ein Dienstpc mit Internetanschluss und je ein weiterer Dienstpc für Schulleitung und Sekretariat durch den Schulträger zur Verfügung gestellt werden muss... ...mehr nicht! Und es gibt tatsächlich genug klamme Kommunen, die kaum weitere freiwillige Ausgaben in Sachen IT für ihre Schulen loseisen können. Was da zusätzlich in die Digitalisierung investiert wird, fehlt i.d.R. für das Haushaltsjahr für den bröckelnden Fassadenputz, der Anschaffung von Schulmöbeln, der Sanierung des 40 Jahre alten Schülerklo`s etc.

Vom Land gab`s in Sachen Digitalisierung in den letzten Jahren so gut wie nix!

Diese Grundausstattung sollte schon in der Uni vorhanden sein und wenn sich die Schulleitung nicht blöd anstellt, bekommen die Kollegen Tablets, keine Laptops.

Die Kollegen bekommen Laptops, die sie nicht wollen! Wen interessiert es, was du für die Lehrer besser findest? Die Lehrer werden ja noch nicht mal gefragt, ob sie die Dinger überhaupt wollen (... in den meisten Fällen nämlich nicht!)

Nicht die Kultusminister mĂĽssen dieses Konzept erstellen, sondern jede Schule eines individuell erstellen, denn nicht jede Schule ist gleich.
Die Administration übernimmt auch nicht das Kultusministerium, sondern der/die ITler des Trägers, i.d.R. die Stadt.

Das ist völliger Quatsch! Kein einziger Angestellter oder jede andere Behörde, muss völlig fachfremd ein Konzept für die IT erstellen.
Kein einziger Träger ist bis zum Digitalpakt dazu verpflichtet gewesen, seinen Schulen einen Admin zu stellen.
Kein einziger Träger muss ausreichend für die Dienst-IT der beschäftigten Lehrer aufkommen.
Admin/Konzept/IT/Digitalisierung von Behörden ist selbverständlich Aufgabe der Ministerien, alles andere ist doch grober Unfug. Und bis auf die Kultusministerien haben das die Ministerien auch schon längst begriffen und umgesetzt.
Wenn du mit deinem Vorschlag z.B. von Buxtehude nach Pusemuckel ziehen solltest, dann solltest du sicherheitshalber deine vergangenen Steuererklärungen in Papierform in Pusemuckel abgeben, denn deren "IT-konzept" könnte dann durchaus vollständig inkompatibel zu dem von Buxtehude sein. Und effektiv mit IT umgehen geht anders!

Und damit sind wir beim eigentlichen Problem, des Förderalismus im Bildungswesen.
Hessen z.b. ist in digitalen Belangen schon sehr gut aufgestellt, es gibt ein abgeschlossenes Serversystem, in dem Schüler und Lehrer kommunizieren können und digital vernetzt sind, so dass darüber Arbeitsergebnisse aus der Schule daheim abgerufen werden können.
Smartboards sind auch keine Seltenheit mehr, in den Grundschulen vor Ort durchgehend in jedem Raum vorhanden.

Und erst der Digitalpakt des Bundes (!) ermöglicht es erstmals, dass es in irgendeiner Zukunft mal einheitliche Länderserver und Smartboards an allen Schulen geben kann. Lobenswert, was Hessen da an Vorreiterrolle leistet, aber auch die sind in Sachen Digitalisierung kaum höher gesprungen, als sie mussten...

Und wieder, hier ist der Träger in der Verantwortung. Ich kenne keine Schule, die keine Dienst-Emails des Kollegiums bereitsstellt.

Natürlich ist der Träger mitnichten dafür verantwortlich! Das ist Quatsch! Der Träger ist nicht der Dienstherr der Lehrer und wenn der Dienstherr von mir verlangt, dass ich als Lehrer für ihn per e-mail erreichbar sein soll, dann ist er in der Pflicht mir eine Dienst e-mail auszuhändigen. Mit dem Schulträger kommuniziert i.d.R. kein Lehrer und umgekehrt. Es gibt allerdings Träger, die E-mail accounts für ihre Schulen einrichten. Das ist nett und hilfreich, aber das sind aber dienstrechtlich keine "Dienstaccounts", allein weil sie vom Träger und nicht vom Dienstherrn zur Verfügung gestellt wurden....

Von daher nochmal meine Frage, in welchem Kreis befindet sich ihre Dienststelle? Es scheint eine eklatante Diskrepanz zwischen ihren und meinen Erfahrungen zu geben.

Ich glaube, die Diskrepanz unserer Erfahrungen ergibt sich ĂĽberhaupt nicht aus dem Ort, sondern...

1. Daraus,dass ich für die Grundschulen spreche. Nicht so wichtig? Sind aber immerhin weit mehr als die Hälfte aller allgemeinbildenden Schulen in D. ... ...finanziert von kleinen Kommunen, die häufig nicht mal einen Vollzeit Admin für ihre eigene Verwaltung haben... ...
2. Kann es sein, dass du die Finanzierungs- und Verwaltungsstruktur in D. nicht richtig kennst? (Verantwortungsbereich Träger/Schule/Lehrer/Dienstherr)
3. Wenn man die Ausstattung der Berufsschulen, der Sek1/Sek2- und Förderschulen sieht, dann mag man evtl. nicht glauben, dass das alles direkt vom Träger (Kreis oder Stadt) finanziert wurde und nur zu einem Teil indirekt durch Fördergelder des Landes. Weit mehr als die Hälfte der allgemeinbildenden Schulen (die Grundschulen) befinden sich allerdings in kommunaler bzw. freier Trägerschaft, die finanziell und fachlich kaum in der Lage sind ihrer Schule die Digitalisierung zu ermöglichen.
Und wenn ich dann aus dieser Perspektive kritisiere, dass die zuständigen Kultusministerien i.d.R. in Sachen Digitalisierung bis zum Digitalpakt grundsätzlich weder ein länderübergreifendes Konzept, noch irgendwelche nennenswerten finanziellen Zuwendungen zu bieten hatten, dann kriegst`s du vielleicht `ne Ahnung davon, wer tatsächlich den jetzigen -völlig uneinheitlichen- Iststand der Digitalisierung gestemmt hat...

...und wer ihn eigentlich hätte stemmen müssen!

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