Wenn ich schon in der Überschrift "Fernunterricht" lese, könnte ich als Vater von zwei Kindern kotzen. Ja, genau das brauchen wir eigentlich, Fernunterricht. Was wir bekommen, ist eine ziemlich schlechte Variante von Homeschooling. Was ist da der Unterschied?
Fernunterricht wird von einem Lehrer geleitet, der interaktiv mit den Schülern kommuniziert. Quasi ein Präsenzunterricht, nur ohne physische Anwesenheit in einem Raum. Solche Konzepte gibt es, gerade in Ländern, in denen Schüler seit jeher über einen weit verteilten Raum leben (Australien, Kanada). Früher saßen Schüler dann an Funkgeräten, heute per Video. Es gibt immer noch einen Klassenverband, einen Stundenplan und insbesondere einen Lehrer.
Anders ist Homeschooling. Hier haben sich Eltern freiwillig dazu entschlossen, ihre Kinder selbst zu unterrichten, meist anhand von hervorragendem Lehrmaterial. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, gemein ist aber, das die Eltern sich dazu in der Lage sehen, es auch tun wollen und entsprechende Materialen bereitstehen.
Schon vor vielen Jahren hätte man in allen Klassen die Voraussetzungen für Fernunterricht schaffen können. Warum kann ein Schüler, der leicht erkrankt ist, nicht (freiwillig) von zuhause aus per Video am Unterricht teilnehmen? Von mir aus drückt man jedem Schüler direkt am Anfang ein passendes Tablet/Notebook in die Hand, einzig für den Zweck Schule. Dann wären jetzt zumindest aus dem Stand 90% der Schüler mit Fernunterricht versorgt. So versuchen jetzt die Lehrer und Schulen, irgendwas zu retten, manche besser, viele schlechter. Die eigentliche Wissensvermittlung findet durch die Eltern statt, die weder qualifiziert dafür sind, noch die Materialien haben noch oft den Willen, es zu tun.
Aus der Grundschule meines Sohns kam nur "bringen sie dem Kind bitte noch schriftliches Dividieren bei". Klar, können wir, kein Problem. Aber es laufen auch Kinder da rum, deren Eltern eher funktionale Analphabeten sind. Denen nützen auch lustige Arbeitsblätter nichts, die brauchen einen Lehrer.
Für die meisten Schüler bei uns dürfte 2020 ein verlorenes Jahr werden, und das hätte man mit etwas Voraussicht verhindern können. Gar nicht so sehr, um auf eine Pandemie vorbereitet zu sein, sondern einfach weil die Maßnahmen immer sinnvoll gewesen wären.
So, genug ausgekotzt
<tl;dr> Papa ist sauer auf die Landesregierung