Ansicht umschalten
Avatar von Dvae23

mehr als 1000 BeitrÀge seit 12.05.2005

Hier der Vorabtestbericht des FSM persönlich

Hallo, hier ist wieder mal Euer Flying Spaghetti Monster. Seit
einigen Milliarden von Jahren spiele ich bereits die Public Beta des
besagten Spiels. Hier mein Testbericht:

ZunĂ€chst ist der Einstieg sehr mĂŒhsam. HĂ€ndisch muss man bzw. gott
mit der fummeligen indirekten Steuerung die Ursuppe umrĂŒhren, bis
sich das erste Leben entwickelt.  Das dauert viel zu lange! Ist der
Einstieg endlich geschafft, zuckeln nach etlichen Ă„onen die ersten
Einzeller durch die BrĂŒhe. Es braucht aber noch immer viel Ăœbung, bis
man komplexere Ă–kosysteme bevölkert und Nahrungsketten aufgebaut hat.
Der Aufbaustrategie-Fan mag mit der Zunge schnalzen, aber fĂŒr
ungeduldige Naturen ist das Spiel ungeeignet. Richtig ĂŒbel, vor allem
im Zusammenhang mit dem totalen Fehlen jeglicher Speichermöglichkeit,
sind die nicht abschaltbaren Zufallsereignisse, die einem in
unvorhersehbaren AbstĂ€nden den Großteil des erschaffenen Lebens
wieder vernichten. Zu diesen Katastrophen gehören z.B.
MeteoriteneinschlĂ€ge, VulkanausbrĂŒche, Umkehrung des Magnetfelds oder
grundlose kollektive Vermehrungsverweigerung. Das Spiel setzt beim
Spieler unbedingt eine enorme Geduld und Frustrationstoleranz voraus,
und darĂŒberhinaus ĂŒbrigens leistungsfĂ€hige, perfekt vorkonfigurierte
Hardware. Stimmen beim verwendeten Universum etwa einzelne
Naturkonstanten nicht oder fehlen wichtige Patches, so springt der
restriktive Kopierschutz an und verhindert die erfolgreiche
Entstehung von Leben.

Die an sich gute und realistische Grafik kann in der Anfangsphase
mangels fĂŒr aus Mikroorganismen reichender Zoomstufe noch nicht
ĂŒberzeugen; man fischt quasi im TrĂŒben. Erst nach vielen
Jahrmillionen zieht die Motivationskurve endlich an, wenn sich die
ersten mehrzelligen Organismen bilden lassen. Das Spielgebiet ist zu
Beginn leider sehr lange aufs Meer beschrĂ€nkt, das Land bleibt außen
vor. Erst wenn der Benutzer selber auf die Idee kommt, seine
Kreationen an Land zu schicken, eröffnen sich neue Möglichkeiten.
Allerdings tritt hierbei die frustrierend schlechte KI als Hindernis
in Erscheinung. So bohrten sich Millionen von Lungenfisch-Prototypen
in den KĂŒstensand, schwammen in Endlosschleifen nur wenige Meter vom
Ufer entfernt im Kreis oder landeten partout in Kamikazemanier auf
glĂŒhenden LavaflĂ€chen an. Ebenso wie die Steuerung sind KI und
Wegfindung also Punkte, die bis zur Verkaufsversion unbedingt
ĂŒberarbeitet werden mĂŒssen. Angesichts der KomplexitĂ€t des Spiels und
des fehlenden Tutorials sollte auch ein gedrucktes Handbuch und eine
Online-Hilfe bis zum Release noch eingebaut werden, oder zumindest
Tooltipps. Mit viel Geduld konnten meine Schöpfungen schließlich aber
auch so das Meer verlassen und das Land besiedeln.

In dieser Phase entstand allmĂ€hlich ein konkreter Plan bei mir, wie
ich weiter vorgehen wollte. Riesige geschuppte Wesen mit
furchterregenden ZĂ€hnen und Krallen sollten den Planeten beherrschen
und sich eines Tages das All untertan machen, in meinem Namen Angst
und Schrecken verbreiten. Laut den RatschlĂ€gen der Entwickler sollten
nĂ€mlich böse Spieler, die blutrĂŒnstige, brutale Lebewesen erschaffen,
einige Vorteile genießen. Dies kann ich ĂŒbrigens voll und ganz
bestĂ€tigten; die spielinterne sogenannte Darwin-Engine zur Berechnung
des Erfolges der Arten in der Spielwelt sortiert freundliche,
friedvolle Geschöpfe erbarmungslos aus. "Der Böseste kriegt alle
MĂ€dels", so kann man den Quellcode der Darwin-Engine in einem Satz
zusammenfassen. Danach handelte ich mehrere hundert Millionen Jahre
konsequent, bis meine Welt von monströsen Echsenwesen bevölkert war,
die einander hemmungslos bekĂ€mpften, begatteten und fraßen. Bald
sollten sie Intelligenz entwickeln und das Universum unterjochen, so
mein Plan. Doch der Katastrophen-Zufallsgenerator wollte es vor ca.
65 Millionen Jahren anders. Ein Meteor schlug auf meiner Welt ein,
und die Folgen löschten all meine Echsen aus.

An dieser Stelle verlor ich eigentlich die Lust am Spiel und
entwickelte ziellos aus den wenigen ĂŒberlebenden Arten der
Katastrophe (ausgerechnet die nur als Futter fĂŒr meine Echsen
gedachten SĂ€ugetiere hatten den Meteoriteneinschlag in ĂŒberraschend
großer Zahl ĂŒberlebt und breiteten sich nun auf dem Planeten
ungehemmt aus) absurd geformte Gestalten. Ohne mein Zutun (ich war
einige Millionen Jahre auf dem Klo und holte dann etwas Bier aus dem
KĂŒhlschrank) zauberte die Darwin-Engine dann aus den albernsten
SĂ€ugetieren (ich nannte sie Affen) eine intelligente Rasse hervor,
die ich "Menschen" nannte. Laut den Entwicklern des Spiels liegt da
offenbar ein Bug in der Darwin-Engine vor, was die Menschen mit ihrem
trotz (oder wegen?) ihrer Intelligenz völlig chaotischen Verhalten
immer wieder bestĂ€tigen. Noch schlimmer aber ist, dass seit der
Entstehung der Menschen das Spiel nicht mehr steuerbar ist. Ich kann
nicht mal den Prozess abschießen! Der Beta-Status des Spiels trifft
mich jetzt mit seiner vollen HĂ€rte, die Menschen sind außer
Kontrolle, erkennen zum allergrĂ¶ĂŸten Teil nicht mal mehr meine
Existenz an, sondern denken sich imaginĂ€re Spieler aus, die sie
angeblich geschaffen haben sollen, und selbst darin werden sie sich
nicht einig.

Ich werde wohl gezwungen sein, mein Universum zu resetten, um das
außer Kontrolle geratene Spiel zu beenden. Das dauert dann wieder
ewig, bis das Universum nutzbar ist! Nie mehr Beta-Software!!
Insgesamt kann man sagen, dass das Spiel zwar viel Potenzial hat,
aber noch viel Feinschliff (Balancing, Steuerung, Straffung des
Spielablaufs, Speichermöglichkeit, Bugfixing) benötigt. Hoffentlich
kriegen die Entwickler die Probleme bis zum Release in den Griff. Ich
drĂŒcke jetzt dann mal den Resetknopf meines Universums und hoffe,
dass es keinen Datenverlust gibt. Bis bald,

Euer FSM


Bewerten
- +
Ansicht umschalten