habe die letzten zwei Jahre an zwei unterschiedlichen Schulen sowohl mit linuxmuster.net (LML) als auch der "pĂ€dagogischen Musterlösung" (paedML) des Landes BW arbeiten können. Mehr ĂŒber die Entwicklungsgeschichte von LML und paedML steht auf deren Webseite [1] und Wikipedia [2].
ErgÀnzend zum Artikel möchte ich erwÀhnen:
linuxmuster basiert zwar (wie im Artikel beschrieben) auf Ubuntu (derzeit 12.04 LTS), ist aber keine eigene distro, sondern im Grunde ein ganz normales Debian-Paket. Sobald die repos in die Paketquellen aufgenommen werden, stehen die ĂŒblichen tools wie apt-get, aptitute etc. fĂŒr Installation und update des Servers zur VerfĂŒgung, wobei die Installation durch vorgefertigte VMs erheblich vereinfacht wird [3].
Wenn auch bei der ĂŒberwiegenden Anzahl von Schulen Microsoft dominiert (sowohl Server, Clients und Software), ist womöglich dieser Beitrag fĂŒr die eine oder andere Schule ganz nĂŒtzlich. Vor allem jene, die noch mit der alten paedML 2.7 bzw. 2.8 arbeiten und demnĂ€chst upgraden wollen (und dringend sollten).
Er ist viel lÀnger geraten, als ich vorhatte. Hoffe, er ist nicht tl;dr.
Ein Vergleich zwischen der freien LML und der aktuellen kommerziellen paedML spiegelt auch das alte (Reiz-)Thema Open-Source-Lösung vs. propietÀrer Lösung. Und dem sattsam bekannten alten (wie falschen) Argument, dass Mitarbeiter (hier LehrkrÀfte), die sich schon in "Microsoft und Windows auskennen" angeblich besser mit deren aktuellen Produkten zurecht kÀmen als mit einer "gÀnzlich anderen" Software.
Dem ist mitnichten so: Wer als Lehrkraft als Netzwerkberater an einer Schule noch die Kombination aus Windows Server 2003 und ISA Server 2006 als Firewall gewohnt ist, wird sich mit einer Schulnetzlösung bestehend aus Windows 2012, SharePoint Foundation 2013 (Colaboration), OctoGate (Firewall) und OPSI (Client-Installation, Softwareverteilung) - alles virtualisiert unter VMware vSphere Hypervisor (ESXi) erheblich umstellen mĂŒssen.
DemgegenĂŒber ist die jeweilige Umstellung von einer Ă€lteren paedML Linux oder paedML Windows auf LML nicht so groĂ.
Open Source an öffentlichen Schulen
Aber das alleine ist nicht der Punkt. Es lĂ€uft ohnehin auf einen Dienstleister hinaus, der zumindest fĂŒr die Ersteinrichtung hinzugezogen wird. Und hier kann eine freie Open-Source-Lösung wie LML schon aufgrund seiner geringeren Hardwareanforderung sowie entfallenden LizenzgebĂŒhren helfen, Kosten einzusparen, die dann fĂŒr andere Anschaffungen wie Beamer etc. verwendet werden können.
Aber auch das alleine ist nicht der Punkt: Wie schon in anderen BeitrĂ€gen hingewiesen, geht es in der Schule nicht zuletzt um den "pĂ€dagogischen NĂ€hrwert". Und hier spielt es schon eine Rolle, ob den SchĂŒlern allgemeine und elementare Kompetenzen wie das Bearbeiten und PrĂ€sentieren von Texten/Tabellen an Stelle dem speziellen Umgang mit Produkten eines bestimmten Herstellers vermittelt werden soll. Werte wie Teilhaben und Teilen (von Ressourcen, Wissen etc.) vertragen sich bestens mit dem Gedanken hinter Open-Source. All dies kann eine Schule besser kommunizieren, indem sie fĂŒr ihre Schul-IT, sei es die Home Page oder eben das Schulnetz, bewusst freie Lösungen einsetzt.
Zudem ist der Ansatz von LML mit Images von Vorteil gegenĂŒber Softwareverteilung - zumindest in der Schule, wo nicht dauernd unterschiedliche Software installiert werden muss. Die Client-Rechner lassen sich, wie im Artikel beschrieben, "jederzeit auf einen definierten Zustand zurĂŒcksetzen", indem zuvor erstellte Images vollautomatisch und zeitgesteuert, etwa ĂŒber das WE, aufgespielt werden. Nie mehr Ărger mit Viren, "zerschossenen" PCs etc. Wer will, hat aber mit OPSI (oder einer anderen freien Deployment-Lösung) dennoch die Wahl zwischen Images und Softwareverteilung.
Human resources
was das fachliche Know-How angeht: fĂŒr beide Lösungen ist mittlerweile ein Aufwand mit erheblichem IT-Fachwissen nötig, was von einer Lehrkraft mit ein oder zwei Deputatsstunden als Ausgleich fĂŒr ihre TĂ€tigigkeit als "Netzwerkberater" i.d.R nicht zu leisten ist. Die TĂ€tigkeit beschrĂ€nkt sich denn auch auf Auswahl und Beratung bei der Beschaffung von Hard- und Software und Verwaltung (neue SchĂŒlerliste/Versetzung zu Schuljahreswechsel, Einpflege neuer Kollegen etc.).
Wobei es aber auch und gerade im Linux-Umfeld viele LehrkrĂ€fte gibt, die sehr kompetent und mit viel mehr (unbezahltem) Einsatz wie oben beschrieben das Schulnetzwerk betreuen. FĂŒr die ist natĂŒrlich linuxmuster eine echte Hilfe.
Hardwareanforderung:
Generell ist LML deutlich genĂŒgsamer als paedML, was die Hardware angeht. An der einen Schule beispielsweise lĂ€uft LML als VM mit nur 4GB Arbeitsspeicher (unter KVM/QEMU) auf einem host (Ubuntu 14.04 LTS server) mit insgesamt nur 8GB.
Die Empfehlung fĂŒr Arbeitsspeicher fĂŒr paedML beispielsweise lag anfangs bei 24 spĂ€ter 32 GB [4]. Das ist als absolutes Minimum zu verstehen, damit die Kiste ĂŒberhaupt startet (und sonst zu Nix gut ist). Realistisch sind mindestens 48GB (besser mehr). Der "Speicherfresser" ist dabei gar nicht mal Windows Server, sondern SharePoint.
Virtualisierung
PaedML 3.0 setzt zwingend eine ESXi-zertifizierte (und entsprechend teure) Hardware vorraus. LML hingegen kann zwar auf "bare metal" laufen. Dennoch ist auch hier eine Virtualisierung extrem nĂŒtzlich, weil so server, firewall und captive portal (WLAN hot spot) als VM auf logisch getrennten Netzen auf einem gemeinsamen host laufen können. Der steht dann idealerweise ohne Monitor, Maus und Tastatur im Technikraum im Keller. Zugriff erfolgt via ssh, VPN, Webmin. Anders als bei paedML hat man bei der Virtualisierung die Wahl zwischen ESXi, VirtualBox, dem freiem KVM/QEMU oder was auch immer. Ich persönlich bin gespannt, ob jemand mit einer Lösung mit Docker kommt.
Kosten paedML 3.0:
Allein die fixen Kosten fĂŒr eine ESXi-zertifizierte Hardware liegen bei rund 5000 Euro (gerne auch mehr). Hinzu kommen laufende Kosten fĂŒr den Support sowie evtl. Kosten fĂŒr Schulungen, da diese Lösung nicht mehr vom Landesmedienzentrum (LMZ), sondern kommerziell angeboten wird.
Zum Schluss ein (extrem verkĂŒrzter) Vergleich LML 6.1 vs. paedML 3.0 Windows:
Server Ubuntu 12.04 LTS vs Windows Server 2012
Clients LML kann mit Images und OPSI (oder auch anderer Deployment-Software Linux und Windows-Clients verwalten. PaedML hingegen nur Windows-Clients.
Firewall IPFire vs OctoGate
WLAN coovachilli hotspot vs OctoGate WLAN Access-Point-Management-Modul
Support fĂŒr LML leisten neben dem Verein mit Forum, Wiki und Telefon auch HĂ€ndler [5]. Support fĂŒr paedML leistet das Landesmedienzentrum BW (und natĂŒrlich auch VertragshĂ€ndler.)
Quellen:
[1] http://linuxmuster.net/verein/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/PaedML
[3] http://www.linuxmuster.net/wiki/dokumentation:handbuch:virtualisation:virtualappliance
[4] https://www.lmz-bw.de/fileadmin/user_upload/Technische_Unterstuetzung_SPN/Dateien/6_Kundenportal/3_Windows/1_Dokumentationen/paedML-Windows-3.0-Hardwareanforderungen_20150310.pdf
[5] http://www.linuxmuster.net/referenzen/haendler/