Lichterloh schrieb am 10. September 2012 18:44
> Wer so einen Artikel als einzige Basis fĂŒr so eine
> Entscheidung heranzieht, macht auch eine Kneipe auf, weil er gerne
> Bier trinkt ...
Das ist sicher richtig, aber das darf kein Grund fĂŒr heise sein,
nicht auch mal selbst ein bisschen Grips in die Angelegenheit zu
stecken, anstatt sich lediglich als Sprachrohr/Werbung fĂŒr Gulp
missbrauchen zu lassen.
> Ăber die Aussagekraft der absoluten Zahlen kann man auch sicherlich
> streiten - die Argumente liefern Sie ja.
Ich hatte mich in der Tat in meiner Kritik auf die absoluten Zahlen
konzentriert...
> Aber der Trend dĂŒrfte schon aussagekrĂ€ftig sein.
...aber eigentlich ist auch der hier suggerierte Trend durchaus
kritikbedĂŒrftig.
AuffÀllig ist schonmal die variierende Bezugsbasis von mal einem und
mal 5 Jahren:
a.) "Das sind etwa zwei Euro mehr, als vor einem Jahr
durchschnittlich gezahlt wurde."
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren."
In beiden FÀllen suggerieren die jeweiligen NachsÀtze seitens des
Autors, dass man mit dieser horrenden Steigerung absurd hohe, kaum
erklÀrbare StundensÀtze erreicht hÀtte:
a.) "Das sind etwa zwei Euro mehr, als vor einem Jahr
durchschnittlich gezahlt wurde. Der Grund fĂŒr die Auszahlung der
hohen StundensÀtze liegt... "
Ich seh' den Autor buchstĂ€blich vor mir, wie er sich den Kopf darĂŒber
zerbricht, was der Grund dafĂŒr sein kann, dass ĂŒberhaupt jemand allen
Ernstes solch hohe StundensÀtze auszahlen wird.
Durch seine subjektive Bewertung des absoluten Stundensatzbetrags als
hoch unmittelbar nach Nennung der Steigerung im Vergleich zum Vorjahr
erweckt der Autor zudem den Eindruck, dass es vornehmlich dieser
Steigerung zu verdanken ist, dass es zu solch -seiner Meinung nach-
hohen StundensÀtzen (deren Auszahlungsrechtfertigung er ja noch extra
darlegen muss) gekommen ist.
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren. AuĂerdem ist das mehr
als jede andere Altersgruppe verlangt."
Auch hier wird wieder unmittelbar nach Nennung der Steigerung ein
Kommentar zum absoluten Stundensatz abgegeben, was wiederum den
Eindruck erweckt, als handele es sich um eine ĂŒbermĂ€ssige Steigerung.
Soweit also das, was uns der Autor beim flĂŒchtigen Ăberfliegen des
Textes suggerieren will.
Doch nehmen wir uns die Zahlen einfach nochmal konkret vor:
a.) "Zwei Euro mehr, als vor einem Jahr"
74 Euro sind also 2 Euro mehr als vor einem Jahr (da waren dann es
demnach 72 Euro)
2 Euro/ 72 Euro entspricht einer Steigerung von 2,78 %.
Inflationsbereinigt sind die StundensÀtze also gerade mal konstant
geblieben.
Wenn ich mir dagegen die "effektive Inflation" anschaue (nicht am
offiziellen Warenkorb gemessen, sondern am Benzinpreis, der ja fĂŒr
die meisten Freiberfuler systemimmanenterweise eine wichtige Rolle
spielt), dann könnte man sogar behaupten, dass die durchschnittlichen
StundensÀtze effektiv gesunken sind.
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren."
77 Euro sind 6 Euro mehr als vor 5 Jahren (da waren es demnach 71
Euro)
DAS macht nun ĂŒber die letzten fĂŒnf Jahre eine durchschnittliche
Steigerung von gerade mal 1,63% und ist somit trotz der reisserischen
Wortwahl des Autors inflationsbereingt im Wesentlichen gerade mal
konstant geblieben.
Das wird insofern deswegen pikant, weil wir hier ja von der
Altersgruppe mit der höchsten Steigerung sprechen, das heisst alle
anderen haben inflationsbereinigt womöglich sogar verloren...
> Die Motivationen zu viel oder zu wenig
> einzugeben dĂŒrfte sich ja ĂŒber die Jahre nur wenig Ă€ndern.
Das ist korrekt.
Trotzdem könnte der Trend verzerrt sein, denn was mir zumindest in
der Studie leider auch nicht sauber getrennt zu sein scheint, ist die
Unterscheidung zwischen Deutschland, Schweiz und dem
Deutschsprachigen Raum:
"In der Schweiz ... 93 Euro pro Stunde. ... knapp 50 Prozent aller im
deutschsprachigen Raum arbeitenden IT-Freelancer ... relativ nah am
Durchschnitt von 74 Euro liegen"
Das gibt Anlass zu einer weiteren Nebenbemerkung bzgl. des absoluten
Stundensatzes: Wenn sich der durchschnittliche Stundensatz von 74
Euro unter Einbezug der Schweizer 93 Euro auf den deutschsprachigen
Raum bezieht, dann fĂ€llt der durchschnittliche Stundensatz fĂŒr
Deutschland recht schnell auf etwa 72,5 Euro.
Aber nun zurĂŒck zum Trend:
Der Schweizer Franken lag den schon zuvor als Massstab genommenen 5
Jahren bei 1,65, nun ist er bekanntlich bei 1,20.
Unter der Annahme, dass die CHF-Preise in der Schweiz nicht gesunken
sind, hÀtten die Euro-StundensÀtze der Freiberufler in der Schweiz um
37% klettern mĂŒssen, alleine nur um den Kaufkraftverlust des Euro
auszugleichen.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Stundensatz in der Schweiz von
86 Euro im August 2007 mĂŒsste der durchschnittliche Stundensatz in
der Schweiz jetzt also bei etwa 118 Euro liegen -tatsÀchlich liegt er
aber nur bei 93 Euro, was bedeutet, dass die StundensÀtze in der
Schweiz bezogen auf deren WĂ€hrungseinheit CHF (und mit genau selbiger
zahlt ein in der Schweiz lebender (deutscher) Freiberufler ja nunmal
auch dort seine Rechnungen (Kost, Logis, Transport etc..)) effektiv
deutlich gesunken und nicht etwa gestiegen sind.
Sicher kann man darĂŒber streiten, inwieweit die in der Schweiz
anfallenden Kosten eines dort arbeitenden Freiberuflers in dessen
Kalkulation eingehen, aber nichtsdestotrotz ist auch das eine
Ăberlegung, welche -wie ich meine- bei der Nennung von etwaigen
Trends durchaus einer ErwÀhnung Wert gewesen wÀre.
> Es dĂŒrfte
> allerdings auch eher ein Indikator sein, der der Entwicklung
> hinterher hinkt - wenns der Markt sich verschlechtert, sind viele
> noch in laufenden Projekten, die eben unter besseren Vorzeichen
> unterschrieben wurden, und umgekehrt.
Auch dem stimme ich absolut zu.
> Wer so einen Artikel als einzige Basis fĂŒr so eine
> Entscheidung heranzieht, macht auch eine Kneipe auf, weil er gerne
> Bier trinkt ...
Das ist sicher richtig, aber das darf kein Grund fĂŒr heise sein,
nicht auch mal selbst ein bisschen Grips in die Angelegenheit zu
stecken, anstatt sich lediglich als Sprachrohr/Werbung fĂŒr Gulp
missbrauchen zu lassen.
> Ăber die Aussagekraft der absoluten Zahlen kann man auch sicherlich
> streiten - die Argumente liefern Sie ja.
Ich hatte mich in der Tat in meiner Kritik auf die absoluten Zahlen
konzentriert...
> Aber der Trend dĂŒrfte schon aussagekrĂ€ftig sein.
...aber eigentlich ist auch der hier suggerierte Trend durchaus
kritikbedĂŒrftig.
AuffÀllig ist schonmal die variierende Bezugsbasis von mal einem und
mal 5 Jahren:
a.) "Das sind etwa zwei Euro mehr, als vor einem Jahr
durchschnittlich gezahlt wurde."
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren."
In beiden FÀllen suggerieren die jeweiligen NachsÀtze seitens des
Autors, dass man mit dieser horrenden Steigerung absurd hohe, kaum
erklÀrbare StundensÀtze erreicht hÀtte:
a.) "Das sind etwa zwei Euro mehr, als vor einem Jahr
durchschnittlich gezahlt wurde. Der Grund fĂŒr die Auszahlung der
hohen StundensÀtze liegt... "
Ich seh' den Autor buchstĂ€blich vor mir, wie er sich den Kopf darĂŒber
zerbricht, was der Grund dafĂŒr sein kann, dass ĂŒberhaupt jemand allen
Ernstes solch hohe StundensÀtze auszahlen wird.
Durch seine subjektive Bewertung des absoluten Stundensatzbetrags als
hoch unmittelbar nach Nennung der Steigerung im Vergleich zum Vorjahr
erweckt der Autor zudem den Eindruck, dass es vornehmlich dieser
Steigerung zu verdanken ist, dass es zu solch -seiner Meinung nach-
hohen StundensÀtzen (deren Auszahlungsrechtfertigung er ja noch extra
darlegen muss) gekommen ist.
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren. AuĂerdem ist das mehr
als jede andere Altersgruppe verlangt."
Auch hier wird wieder unmittelbar nach Nennung der Steigerung ein
Kommentar zum absoluten Stundensatz abgegeben, was wiederum den
Eindruck erweckt, als handele es sich um eine ĂŒbermĂ€ssige Steigerung.
Soweit also das, was uns der Autor beim flĂŒchtigen Ăberfliegen des
Textes suggerieren will.
Doch nehmen wir uns die Zahlen einfach nochmal konkret vor:
a.) "Zwei Euro mehr, als vor einem Jahr"
74 Euro sind also 2 Euro mehr als vor einem Jahr (da waren dann es
demnach 72 Euro)
2 Euro/ 72 Euro entspricht einer Steigerung von 2,78 %.
Inflationsbereinigt sind die StundensÀtze also gerade mal konstant
geblieben.
Wenn ich mir dagegen die "effektive Inflation" anschaue (nicht am
offiziellen Warenkorb gemessen, sondern am Benzinpreis, der ja fĂŒr
die meisten Freiberfuler systemimmanenterweise eine wichtige Rolle
spielt), dann könnte man sogar behaupten, dass die durchschnittlichen
StundensÀtze effektiv gesunken sind.
b.) "sechs Euro mehr als noch vor fĂŒnf Jahren."
77 Euro sind 6 Euro mehr als vor 5 Jahren (da waren es demnach 71
Euro)
DAS macht nun ĂŒber die letzten fĂŒnf Jahre eine durchschnittliche
Steigerung von gerade mal 1,63% und ist somit trotz der reisserischen
Wortwahl des Autors inflationsbereingt im Wesentlichen gerade mal
konstant geblieben.
Das wird insofern deswegen pikant, weil wir hier ja von der
Altersgruppe mit der höchsten Steigerung sprechen, das heisst alle
anderen haben inflationsbereinigt womöglich sogar verloren...
> Die Motivationen zu viel oder zu wenig
> einzugeben dĂŒrfte sich ja ĂŒber die Jahre nur wenig Ă€ndern.
Das ist korrekt.
Trotzdem könnte der Trend verzerrt sein, denn was mir zumindest in
der Studie leider auch nicht sauber getrennt zu sein scheint, ist die
Unterscheidung zwischen Deutschland, Schweiz und dem
Deutschsprachigen Raum:
"In der Schweiz ... 93 Euro pro Stunde. ... knapp 50 Prozent aller im
deutschsprachigen Raum arbeitenden IT-Freelancer ... relativ nah am
Durchschnitt von 74 Euro liegen"
Das gibt Anlass zu einer weiteren Nebenbemerkung bzgl. des absoluten
Stundensatzes: Wenn sich der durchschnittliche Stundensatz von 74
Euro unter Einbezug der Schweizer 93 Euro auf den deutschsprachigen
Raum bezieht, dann fĂ€llt der durchschnittliche Stundensatz fĂŒr
Deutschland recht schnell auf etwa 72,5 Euro.
Aber nun zurĂŒck zum Trend:
Der Schweizer Franken lag den schon zuvor als Massstab genommenen 5
Jahren bei 1,65, nun ist er bekanntlich bei 1,20.
Unter der Annahme, dass die CHF-Preise in der Schweiz nicht gesunken
sind, hÀtten die Euro-StundensÀtze der Freiberufler in der Schweiz um
37% klettern mĂŒssen, alleine nur um den Kaufkraftverlust des Euro
auszugleichen.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Stundensatz in der Schweiz von
86 Euro im August 2007 mĂŒsste der durchschnittliche Stundensatz in
der Schweiz jetzt also bei etwa 118 Euro liegen -tatsÀchlich liegt er
aber nur bei 93 Euro, was bedeutet, dass die StundensÀtze in der
Schweiz bezogen auf deren WĂ€hrungseinheit CHF (und mit genau selbiger
zahlt ein in der Schweiz lebender (deutscher) Freiberufler ja nunmal
auch dort seine Rechnungen (Kost, Logis, Transport etc..)) effektiv
deutlich gesunken und nicht etwa gestiegen sind.
Sicher kann man darĂŒber streiten, inwieweit die in der Schweiz
anfallenden Kosten eines dort arbeitenden Freiberuflers in dessen
Kalkulation eingehen, aber nichtsdestotrotz ist auch das eine
Ăberlegung, welche -wie ich meine- bei der Nennung von etwaigen
Trends durchaus einer ErwÀhnung Wert gewesen wÀre.
> Es dĂŒrfte
> allerdings auch eher ein Indikator sein, der der Entwicklung
> hinterher hinkt - wenns der Markt sich verschlechtert, sind viele
> noch in laufenden Projekten, die eben unter besseren Vorzeichen
> unterschrieben wurden, und umgekehrt.
Auch dem stimme ich absolut zu.