Auf und ab
Ärzte empfehlen zwar Treppensteigen statt Aufzugfahren. Aber meist ist die Verlockung zu groß, sich ohne körperliche Anstrengung transportieren zu lassen. Es muss ja nicht gleich bis ins Weltall sein.
- Diane Sieger
Viele Menschen nutzen regelmäßig einen Aufzug. Sei es, um im Bürogebäude den Arbeitsplatz zu erreichen, im Einkaufszentrum der nächsten Etage entgegenzubummeln oder beim Skifahren auf den Berg zu gelangen. Personen mithilfe einer beweglichen Kabine zu befördern ist Teil des Alltags.
Einen Überblick über verschiedene Aufzugsarten, geordnet nach Antriebsart, Bauart, Steuerungskonzept oder Sonderbauform findet man in den Thementiefen von Wikipedia. Auch zum Thema Rekorde aus der Fahrstuhlwelt gibt es dort einige Informationen. So erfährt man etwa, dass der schnellste Personenaufzug Europas im Kollhoff-Tower in Berlin zu finden ist oder dass der Stuttgarter Fernsehturm der erste seiner Art weltweit war.
Einer der größten öffentlichen Außenlifte Europas ist der Hammetschwandt-Lift am Bürgenstock in der Schweiz. Das Wahrzeichen der Region wurde 1905 in Betrieb genommen und war damals der schnellste Aufzug Europas. Beim Verfolgen seiner Geschichte dürften die Fotos auf der Webseite Lust darauf machen, gleich in die Schweiz zu fahren und die Aussicht während der Liftfahrt zu genießen.
Um sich ein wenig näher mit der Geschichte des Aufzugs im Allgemeinen zu beschäftigen, genügt ein Blick ins Onlineangebot des Bayerischen Rundfunks. Dort wird daran erinnert , dass die Personenbeförderung als sie noch in den Kinderschuhen steckte, den reichen Bürgern vorbehalten war. Die legendäre Geschichte, wie Aufzugpionier Elisha Otis im Jahre 1853 seinen Klemm-Mechanismus als Sicherheitsvorrichtung zur Verhinderung von fatalen Unfällen einem breiten Publikum vorstellte, findet hier ebenso Erwähnung wie der Paternoster.
Auslaufmodell Paternoster
Dabei kann der Paternoster heute bereits als antiquierte Variante der Personenbeförderung betrachtet werden. Vielen, insbesondere jüngeren, Leuten wird dieses Modell nur noch aus alten Filmen wie Doris Dörries „Männer“ oder diversen Folgen der ARD-Krimiserie „Tatort“ bekannt sein. Wie das Prinzip der auf- und abgleitenden offenen Gondeln, die man während der Fahrt besteigt und verlässt, funktioniert, erklärt Wolfgang Flemming auf seiner privaten Homepage, die er zu einem Großteil seiner Leidenschaft für Paternoster gewidmet hat. Dass es sich bei dieser Art des Aufzugs um ein Auslaufmodell handelt, hat der rotierende Beförderungskorb nicht nur den steigenden Wartungskosten zu verdanken, die laut Wienerzeitung daraus resultieren, dass sich viele Monteure mit der veralteten Technik nicht mehr auskennen und viele Ersatzteile nicht mehr im Handel erhältlich sind, sondern gegebenenfalls teuer angefertigt werden müssen.
Auch das erhöhte Unfallrisiko veranlasst immer mehr Betreiber, auf konventionelle Aufzüge umzusatteln. Laut einem Focus-Artikel ist das Unfallrisiko im Paternoster bis zu dreißig mal höher als in seinen modernen Geschwistern. Da in den nächsten Jahren mit weiteren Demontagen zu rechnen ist, lohnt sich ein Blick auf die Liste noch in Betrieb stehender Paternoster, die mit Hinweisen versehen ist, ob der Aufzug öffentlich zugänglich ist oder nicht.
A Stairway to Heaven
Vom überschaubar kleinen Paternoster geht es nun in erstaunliche Höhen. Der Traum von einer Reise ins Weltall wird für einige wenige Astronauten schon seit vielen Jahren zur Wirklichkeit. Wäre es nicht wundervoll, wenn man statt in eine Rakete einfach in einen Aufzug steigen könnte, um dem Himmel entgegenzufahren? Der Gedanke ist nicht einmal so unrealistisch. Bereits 1895 schlug der russische Weltraumpionier Konstantin Ziolkowski vor, einen bis ins All reichenden Turm zu errichten. Inzwischen ist der Gedanke durch viele kluge Köpfe gewandert und die Lösung scheint in einem mehr als 30 Kilometer langen Kabel zu liegen, das durch die Erdbewegung mithilfe eines Gegengewichtes stramm in den Orbit gezogen wird.
Die NASA unterstützt diesbezügliche Forschungsprojekte und veranstaltet gemeinsam mit der Spaceward Foundation die Space Elevator Games. Bei diesem Wettbewerb treten Teams mit selbstentwickelten Aufzügen an, die es an einem Kabel einen Kilometer in die Höhe schaffen müssen. Der nächste Contest findet am 5. August dieses Jahres in Kalifornien statt und kann live im WWW verfolgt werden.
Wer daran interessiert ist, wie der Space-Aufzug genau funktionieren soll, kann das unter dem Stichwort Weltraumlift bei Wikipedia nachlesen. Und wer ein bisschen Ahnung von der Materie hat, sollte auch den Blick in das Wiki-Projekt SystemDesign nicht scheuen -- hier findet man die detaillierte Problemstellung, inklusiver mathematischer Lösungsansätze. Für diejenigen, die mit Formeln auf Kriegsfuß stehen, gibt es eine Dokumentation des Spacelift auf YouTube.
Im Bereich der konventionellen Aufzüge wird ebenfalls munter weitergeforscht, um die Beförderung in die Höhe oder Tiefe angenehmer zu gestalten. Die Firma Kone beispielsweise hat den MaxiSpace entwickelt, einen Aufzug, der durch geschickte Nutzung neuerer Technik über mehr Innenraum verfügt. Den Mechanismus, nach dem das Ganze funktioniert, zeigt ein Video bei Google sehr anschaulich.
Nicht immer herrscht Friede, Freude, Eierkuchen in der Welt der Fahrstuhlhersteller. Im Jahre 2004 machten die großen Aufzugsbauer ThyssenKrupp, Otis, Schindler, Kone und Mitsubishi unter dem Namen Aufzugs- und Fahrtreppenkartell von sich reden. Die Unternehmen hatten sich untereinander abgesprochen und gemeinsam Preise festgesetzt, Märkte aufgeteilt und Gebote für Beschaffungsaufträge manipuliert. Dafür hat die EU-Wettbewerbskommission die bislang höchste Kartellstrafe verhängt. Die Details zu dieser Geschichte erläutert eine Pressemitteilung auf der Portalseite der Europäischen Union.
Für viele Menschen ist der Aufzug keine angenehme Alternative zum Treppensteigen, sie haben vielmehr regelrecht Angst davor, in einen Fahrstuhl zu steigen, weil sich bei ihnen ein mulmiges Gefühl einstellt. Ranga Yogeshwar, Moderator der Sendung Quarks&Co im WDR-Fernsehen, hat eine wissenschaftliche Erklärung dafür. Im Rahmen einer Episode mit dem Titel "Immer höher, immer schneller – die verblüffende Welt der Fahrstühle" erläutert er, was mit dem Körper bei der Auszugsfahrt passiert. Wer nun noch immer nicht genug vom Thema Fahrstuhl hat, kann sich die Sendung als Podcast kostenlos herunterladen. Erhältlich über die genannte Webseite oder über den iTunes Store. Die Sendung liefert jede Menge Anregungen für weitere Erkundungstouren durchs Netz. (ka)