Blechaktien: Diese Oldtimer steigen stark im Wert

Mit der Wertsteigerung versuchen sich viele einen unvernĂŒnftigen Oldtimer-Kauf "schönzurechnen." Modelle mit tatsĂ€chlichem Spekulationspotenzial
Schon mal vom âTal der TrĂ€nenâ auf dem Gebrauchtwagenmarkt gehört? So nennt man die lange Durststrecke des Preisverfalls, die jedes Auto durchmachen muss, bis vom einst stolzen Neuwagenpreis nur noch ein Bruchteil ĂŒbrig geblieben ist. Bei populĂ€ren Modellen geht die Preiskurve dann nach 25, 30 Jahren wieder nach oben. Man spricht vom Klassiker.
Allerdings mausert sich nicht jedes alte Auto zum begehrten Oldtimer. Bei GroĂvaters altem Ford Sierra Diesel sind die Zuwachsraten begrenzt. Auch Massenautos wie VW Golf [1] oder Opel Kadett werden nicht automatisch zu begehrten Klassikern, nur weil sie 30 Jahre alt sind.
Stattdessen sind es flott motorisierte Youngtimer aus den spĂ€ten 1980er- und frĂŒhen 1990er-Jahren, die zuletzt besonders stark an Wert zulegten. Mit einem 16V-Schriftzug am Heck oder gar einem Turbolader am KrĂŒmmer wachsen die Begehrlichkeiten stark â und damit auch der Preis. Bei manchen Modellen hat sich der Marktwert in den vergangenen fĂŒnf Jahren verdoppelt. Welche das sind, haben wir den Marktbeobachter Classic Analytics gefragt. Diese zehn Klassiker legten zuletzt besonders stark an Wert zu (alle Marktwerte fĂŒr Autos im Zustand 2, Quelle: Classic Analytics).
Opel Calibra 16V Turbo 4x4 (1992 bis 1996)

(Bild: Opel)
War er der bessere Manta? Der Calibra wird vor 30 Jahren fĂŒr Opel zum Verkaufsschlager. Anders als sein VorgĂ€nger mit dem Proleten-Image sieht das neue SportcoupĂ© aus RĂŒsselsheim nicht nur schnittig aus â es fĂ€hrt sich auch so. Schon ein Calibra 2.0i 16V mit 150 PS (spĂ€ter 136 PS) rennt ĂŒber 220 km/h. Der Zweiliter-Vierzylinder mit der internen Bezeichnung C20XE kommt auch in Kadett GSi 16V, Vectra und Omega zum Einsatz und gilt als eines der besten Vierventiler seiner Zeit. 1992 wird der 2.0i 16V zusĂ€tzlich mit einem Turbolader bestĂŒckt â das Ergebnis ist das neue Spitzenmodell: der Calibra Turbo 4x4.

(Bild: MatJo25 - CC BY-SA 4.0 [2])
Mit Allradantrieb, Sechsgangschaltgetriebe und 204 PS lehrt das SportcoupĂ© der Konkurrenz das FĂŒrchten. Die Top-Speed liegt bei 245 km/h, fĂŒr einen Opel ist das damals wahnwitzig. Heute sind gepflegte Turbo-Kandidaten gesucht â erst Recht, wenn es sich um eine der begehrten Sondereditionen handelt. Von denen es beim Calibra einige gibt. Sie heiĂen âKeke Rosbergâ oder âDTM Editionâ, denn der Calibra ist in den 90ern auch bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) erfolgreich.
Marktwert 2015: 7800 Euro. Marktwert heute: 15.000 Euro

(Bild: Opel)
VW Passat II Variant 2.2 GT Synchro (1985 bis 1988)

(Bild: Volkswagen)
Kombis waren frĂŒher Handwerkerautos. Das Ă€ndert sich in den spĂ€ten 1970er-Jahren, als sogar Mercedes beim W123 sein erstes T-Modell [3] (fĂŒr Tourismus und Transport) herausbringt â die LadeflĂ€che mit feinem Teppich ausgeschlagen. Nicht ganz so gut betuchte Familien fahren Opel Rekord/Omega Caravan oder VW Passat Variant. Bei letzterem bietet Volkswagen ab 1985 auch so etwas wie eine frĂŒhe Lifestyle-Variante an.

(Bild: Volkswagen)
Mit dem 2.2 GT Synchro kommt man dank Allradantrieb auch unwegsame Stellen auf dem Campingplatz, die Technik stammt vom Audi Quattro. Dazu kommt ein fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse ziemlich starker 2,2-Liter-FĂŒnfzylinder mit 136 PS. Keine Frage, mit so einem raren Passat Synchro Kombi kann man heute einem Mercedes W124 T-Modell die Schau stehlen. Das heiĂt schon was, denn die 80er-Lifestyle-Kombis sind begehrt wie nie.

(Bild: Volkswagen)
Marktwert 2015: 4800 Euro. Marktwert heute: 10.000 Euro.
BMW 540i (E34) Touring (1992 bis 1996)

(Bild: BMW)
Die Reihensechszylinder, die BMW Anfang der 1990er-Jahre baute, sind in ihrer Laufkultur vielleicht unerreicht. Nochmals etwas mehr Wohlklang bieten ab 1992 die beiden Achtzylinder-Modelle 530i und 540i. Erstmals können Kunden einen Mittelklasse-BMW mit V8 ordern, und davon wird auch gerne Gebrauch gemacht, obwohl die Aufpreise ausgesprochen selbstbewusst kalkuliert sind.

(Bild: nakhon100, CC BY 2.0 [4])
Der 4,4-Liter-V8 im 540i ist mit seinen 286 PS die bessere Wahl. Der 530i mit 218 PS zwar auch nicht lahm. Von den Fahrwerten unterscheidet er sich aber kaum von einem 525i-Sechszylinder, der zwar "nur" auf 192 PS kommt, aber leichter ist. Auch der 5er-Touring hatte in der Baureihe E34 Premiere, als erster Kombi in der 5er-Familie. Auf dem Youngtimer-Markt ĂŒberwiegen heute die Limousinen, fĂŒr einen Touring muss man unabhĂ€ngig von der Motorisierung Aufschlag zahlen. Der 540i als Top-Modell ist besonders gesucht, insbesondere seltene Exemplare mit Schaltgetriebe.

(Bild: Pierre Scheidegger CC BY-SA 3.0 [5])
Marktwert 2015: 8500 Euro. Marktwert heute: 17.000 Euro
Volvo 850 T5-R (1994 bis 1996)

(Bild: Volvo)
Kombi können auch andere, besonders Volvo. Mit dem Modell 850 tun sich deutsche Kunden anfangs schwer. Ungewöhnlich fĂŒr einen groĂen Volvo ist 1991 der Frontantrieb. Zudem ist der MittelklĂ€ssler zunĂ€chst nur als Limousine erhĂ€ltlich. 1993 wird dann der Kombi nachgereicht und das Modell verkauft sich doch noch gut: ĂŒber 700.000 Exemplare vom 850er werden gebaut, die HĂ€lfte davon sind Kombis.

(Bild: Volvo)
Youngtimer-Fans schĂ€tzen heute die Ecken und Kanten des Volvo 850, rund sind bei ihm eigentlich nur die Reifen. Dazu kommt eine breite Motorenpalette mit ziemlich scharfen Typen. Schon die Turbos sind keine Schwachmaten, richtig auf Krawall machen 850 R und T5-R mit bis zu 250 PferdestĂ€rken. So wird der solide Volvo zum Familien-Porsche. Nur Mut zur Farbe braucht man: Den 850 T5-R gab es nur in GrĂŒn, Schwarz und dem knalligen âMerkur-Gelbâ.

(Bild: Volvo)
Marktwert 2015: 5900 Euro. Marktwert heute: 15.000 Euro
Renault Fuego Turbo (1983 bis 1986)

(Bild: Renault)
VW Scirocco, Opel Manta, Ford Capri: Die 1970er- und 1980er-Jahre waren die Zeit der bezahlbaren Volks-CoupĂ©s auf Basis von GroĂserientechnik. Renault wollte da nicht fehlen und brachte 1980 den heiĂen Fuego (spanisch fĂŒr Feuer) auf den Markt. Mit der groĂen glĂ€sernen Heckklappe erinnert er ein wenig an den Porsche 924, seinerzeit auch âHausfrauen-Porscheâ geschmĂ€ht. In den Fuego kann man ebenfalls gut EinkĂ€ufe verstauen, zumal sich die RĂŒckbank umklappen lĂ€sst.

(Bild: Renault)
Wie bei Capri, Manta und Co. ist die Einstiegsmotorisierung auch beim Fuego mit 64 PS mager. Die Topversionen TX und GTX leisten anfangs 110 PS. 1983 reichen die Franzosen dann den Fuego Turbo nach, der zwangsbeatmete 1,6-Liter-Vierzylinder kommt auf 132 PS. Es ist nicht das einzige Turbo-Modell, mit dem Renault vor 40 Jahren Furore macht. WÀhrend etwa der Renault 5 Turbo in der legendÀren Rallyeserie Gruppe B mitmischt, ist der Fuego Turbo aber eher auf Komfort und flotte Autobahn-Passagen ausgelegt.

(Bild: Renault)
Marktwert 2015: 6200 Euro. Marktwert heute: 12.000 Euro
Toyota Celica Supra 2.8i (1982 bis 1985)

(Bild: Toyota)
Die vom Ford Mustang ausgelöste Pony-Car-Welle schwappt Ende der 1960er-Jahre auch nach Europa und Fernost. Japans Antwort heiĂt damals Toyota Celica. Die Ăhnlichkeit des Ur-Celica (1970 bis 1975) zum Mustang ist bei der lang gezogenen Motorhaube und dem stĂ€mmigen Heck kaum zu ĂŒbersehen. Wie auch bei den deutschen Möchtegern-Muscle-Cars Capri oder Manta zeigt sich der Celica bei der Motorleistung jedoch zugeknöpft: Nix V8-Motor, es gibt nur Vierzylinder von 75 bis 123 PS.

(Bild: Toyota)
Ăndern sollte sich dies ab 1978 mit der Spitzenversion Supra. Deren Sechszylinder leisteten bis zu 170 PS beim 2.8i, da konnte kein Scirocco oder Manta mithalten. Die Karosserielinien eines Toyota Celica aus den Siebzigern sind eine Augenweide, insbesondere beim schicken Liftback. Aber auch die kantige Modellreihe aus den frĂŒhen Achtzigern mit ihren Klappscheinwerfern ist heute ein Hingucker.

(Bild: Tokumeigakarinoaoshima, CC0 [6])
Marktwert 2015: 8500 Euro. Marktwert heute: 14.200 Euro.
Mercedes, Audi, Porsche, BMW
Mercedes E55 AMG (W210) (1999 bis 2002)

(Bild: Daimler)
Auch die wilden Neunziger Jahre haben ihren Chic, bei Mercedes setzt man ab 1995 auf das Vieraugengesicht. Nicht alle finden das Design der E-Klasse W210 gut, dazu zeigten sich spĂ€ter ernste Rostprobleme. AuĂerdem werden dem Zwozehner Elektronikprobleme und minderwertige Materialien nachgesagt â als Folge eines konzerninternen Sparzwangs. Auch deshalb liegen die Marktpreise fĂŒr den W210 noch immer ziemlich im Keller â jedenfalls wenn man sie mit denen des populĂ€ren VorgĂ€ngers W124 vergleicht.

(Bild: Daimler)
Gut motorisierte und fein ausgestattete Mercedes W210 avancieren aber inzwischen zum Youngtimer-Geheimtipp. Denn die E-Klasse bietet den Komfort und das Raumangebot, das man bislang nur von der S-Klasse kannte. Kenner greifen direkt zu den V8-Modellen, was die anziehenden Preise erklÀrt. Bereits ein E 420 oder 430 bietet 279 PS. Noch stÀrker sind die AMG-Versionen wie E50 oder E55 mit um die 350 PS. Der Einstiegspreis betrÀgt einen Bruchteil vom einstigen Neupreis von rund 150.000 Mark.

(Bild: Matti Blume CC BY-SA 4.0 [7])
Marktwert 2015: 8000 Euro. Marktwert heute: 17.500 Euro
Audi Coupé Quattro 2.3 20V (1988 bis 1992)

(Bild: Audi )
Auch Audi baut schicke CoupĂ©s. Gesucht, aber rar ist der Typ B3, auf dem der legendĂ€re Ur-Quattro basiert. Mehr Auswahl hat man beim Nachfolger B4. Dieses CoupĂ© basiert wie auch das Audi Cabriolet auf dem 1986 eingefĂŒhrten Audi 80 (B3). Der avanciert mit vollverzinkter Karosserie und robuster Technik zum echten DauerlĂ€ufer. Viele Limousinen sind bis heute im Alltagseinsatz unterwegs.

(Bild: Audi)
Das 1988 vorgestellte CoupĂ© ĂŒbernimmt die technischen VorzĂŒge des B3, kommt optisch aber etwas fescher daher. Vor allem der verkĂŒrzte Radstand macht den ZweitĂŒrer dynamischer. Dazu kommt ein schickes SchrĂ€gheck mit Spoiler. LĂ€ssig cruisen kann man mit dem CoupĂ© bereits mit den Zweiliter-Vierzylindern (113 bzw. 115 PS). Eine Audi-SpezialitĂ€t ist seinerzeit der FĂŒnfzylinder, der sonore 2.3 E leistet 133 PS. Noch mehr Freude macht das Aggregat mit vier Ventilen pro Zylinder, der 2.3 20V hat 170 PS (spĂ€ter 167 PS) unter der Haube. Ziemlich viel Power fĂŒr einen SpieĂer-Audi.

(Bild: Tomtomtom, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5873056)
Marktwert 2015: 6800 Euro. Marktwert heute: 12.000 Euro
Porsche 944 S Coupé (1986 bis 1988)

(Bild: Porsche)
Es muss kein teurer 911er sein, wenn man sich fĂŒr klassische Porsche interessiert. Die gĂŒnstige und auch technisch interessante Alternative heiĂt 944. Sein Trumpf ist die Transaxle-Bauweise, die auch die Typen 924, 928 und 968 auszeichnet: Durch Frontmotor und dem vor der Hinterachse installiertem Getriebe ist die Gewichsverteilung sehr ausgeglichen abgestimmt. Dadurch liegen Transaxle-Porsche perfekt auf der StraĂe und brechen auch in schnell gefahrenen Kurven nicht so schnell aus.

(Bild: Porsche)
Anders als beim 924, wo der Motor zunĂ€chst von Volkswagen kommt, setzten die Ingenieure beim 944 von Anfang an auf âPorsche purâ. Die Motorenpalette beginnt bei 150 PS, im Jahr 1986 wird der 944 S mit Vierventil-Motor, zwei Litern Hubraum, vier Zylindern und 190 PS nachgereicht. Dank des geringen Leergewichts von unter 1,3 Tonnen reichen die noch heute völlig aus, um mit dem 944 S sportlich unterwegs zu sein. Nach nur zwei Jahren wurde der 944 S durch den 944 S2 ersetzt. Der hatte ebenfalls vier Zylinder, aber drei Liter Hubraum.

(Bild: Porsche)
Marktwert 2015: 13.200 Euro. Marktwert heute: 17.800 Euro
BMW Z3 2.8 Coupé (1998 bis 2000)

(Bild: Alexander Migl, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77948699)
Der Roadster gilt vor 30 Jahren als so gut wie ausgestorben. Dann kommt der Mazda MX-5 [8] und lĂ€utet die Renaissance ein, der in den VerkaufsrĂ€umen weggeht wie warme Semmeln. Mercedes kontert spĂ€ter mit dem SLK, BMW mit dem Z3. 1998 reichen die MĂŒnchner die CoupĂ©-Version des Z3 nach. âTurnschuhâ nennen ihn Fans mit Spitznamen, tatsĂ€chlich sieht der Zweisitzer aus wie ein fescher Sneaker.

(Bild: nakhon100, CC BY 2.0 [9])
Schwach ist schon der 2,8 Liter groĂe Einstiegsmotor mit 193 PS nicht wirklich, beim Sprint von Null auf Hundert vergehen keine sieben Sekunden. Dazu begeistert die Laufruhe des Reihensechszylinders. Das gilt auch fĂŒr den 2000 eingefĂŒhrten 3.0i (231 PS), einen Sonderstatus hat das M 3.2 CoupĂ© mit 321 PS. Auf dem Weg zum Klassiker sind alle Z3 CoupĂ©s, denn ihre StĂŒckzahl fiel deutlich geringer aus als beim offenen Roadster.

(Bild: BMW)
Marktwert 2015: 12.500 Euro. Marktwert heute: 19.800 Euro
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