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Elektroauto Cupra Born auf Basis von VWs ID-Modellen

Jürgen Wolff

Der Cupra Born soll das dynamische Potenzial von Volkswagens MEB betonen.

Die Marke Cupra bringt im Herbst ihr erstes batterieelektrisches Auto. Gemäß Markenimage mit der kräftigsten Motorisierung und Aussicht auf mehr.

Unter der optisch eigenständigen Karosserie steckt die technische Basis von VW ID.3, ID.4, Audi Q4 e-tron (Test) [1] oder Skoda Enyaq iV (Test) [2]. Alle nutzen den seit 2015 entwickelten "Modularen E-Antriebs-Baukasten" MEB. Gebaut wird das in Martorell bei Barcelona entwickelte Auto folgerichtig zusammen mit Audi e-tron und den VW ID.-Modellen im Elektroauto-Werk des Konzerns im sächsischen Zwickau.

Die Maße des Cupra Born entsprechen in etwa denen des VW ID.3: 4322 mm lang, 1809 mm breit und 1537 mm hoch bei einem Radstand von 2767 mm. Bei den Reifen hat Cupra nicht an die Optimierung der Fahrwiderstände geachtet und bietet 215 mm breite Reifen auf 18- oder 20-Zoll-Felgen an, man kann sogar bis zu 235 mm breite Pneus ordern.

Der Markenoptik entsprechend setzt Cupra beim Born starke 3D-Effekte an der Karosserie ein. Die üppigen Lufteinlässe vorne, die bei einem Elektroauto normalerweise wegfallen, sollen laut Cupra dem Born nicht nur ein sportliches Gesicht verschaffen, sondern auch der Kühlung der Akkus und des Antriebsstrangs dienen. "Haifischnase" nennt Cupra das. Seitenschweller, scharfe Falzlinien, die sich über die ganze Länge der Karosserie ziehen und der coupehafte Schwung des Daches bis zum Heckspoiler prägen die Erscheinung der spanischen Variante. Am Heck kommt die Darstellung eines Diffusors und eine über die ganze Breite laufende Lichtleiste dazu. "Coast-to-Coast-Beleuchtung" heißt das in Marketing-Lyrik. Hinter der Ladeklappe: ein Kofferraum mit 385 Litern Volumen.

Seat Cupra Born Exterieur (0 Bilder) [3]

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Die Ladebuchse liegt auf der rechten Seite unterhalb der breiten C-Säule. Anschließen kann man den Born sowohl an AC- wie auch an DC-Ladesäulen. Laut Cupra lässt sich der Born an einer 125-kW-Schnellladesäule binnen sieben Minuten so weit aufladen, dass es für weitere 100 Kilometer reicht. 35 Minuten sollen demnach genügen, die Batterie von 5 auf 80 Prozent zu laden.

Auch innen ist der Born auf den ersten Blick als Cupra erkennbar: Die Farbpalette, das Lenkrad aber auch die augenfälligen kupferfarbenen Elemente machen das schnell klar. Die Mittelkonsole zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hat in Elektroautos genausowenig eine technische Funktion wie in Autos mit Quermotor, also in den allermeisten Fahrzeugen. Im Born ist sie so breit und hoch wie eh und je, allerdings fungiert sie als üppige Ablage. Der Wählhebel liegt wie in den VW-ID.-Modellen an der Seite des kleinen, übersichtlichen Kombiinstruments. Auf dem Armaturenbrett befindet sich der zentrale, 12 Zoll große Touchscreen, über den sich Infotainment und Fahrzugeinstellungen bedienen lassen. Ein Head-up-Display projiziert die wichtigsten Informationen vor dem Fahrer auf die Windschutzscheibe. Mit reichlich Assistenzsystemen, Sprachsteuerung, Anbindung an Smartphones, Navigation und einer Appsteuerung für das Fahrzeug ist der Born auf dem Stand der vom Konzern gewohnten Technik.

Seat Cupra Born Exterieur Details (10 Bilder) [5]

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Auch der Born bekommt eine Lichtleiste hinten quer. Wenn das Beleuchtungs-Wettrüsten so weitergeht, werden ältere Autos bald übersehen.

Cupra ist von Seat vor ein paar Jahren als dezidiert sportliche Marke platziert worden. Entsprechend fallen auch die Leistungsdaten des Born aus. Der Permanentmagnet-Synchronmotor mit wahlweise 110 oder 150 kW und jeweils 310 Nm Drehmoment wirkt auf die Hinterachse. Optional gibt es ein e-Boost-Paket, das bis zu 170 kW freisetzt.

Das Fahrwerk hat vorn die üblichen McPherson-Feder-Dämpferbeine, hinten jedoch eine aufwenige Fünflenker-Einzelradaufhängung. Die Gesamtsteifigkeit profitiert davon, dass das Alu-Gehäuse der Akkus mit der Karosserie verschraubt ist. Das Gewicht zwischen Vorder- und Hinterachse ist mit 50:50 nahezu perfekt verteilt, die Akkus liegen unten im Fahrzeug für eine tiefen Schwerpunkt. Cupra lässt daher glaubhaft verlauten: "Die Basisarchitektur eignet sich hervorragend zum Tunen."

Seat Cupra Born Interieur (9 Bilder) [7]

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Im Interieur wiederholt Seat die Cupra-Erkennungsfarbe Kupfer.

In der Basis hat der wassergekühlte Lithium-Ionen-Akku eine Kapazität von 58 kWh, was laut Cupra für rund 420 Kilometer langt. Der Hersteller beziffert den Verbrauch auf 16,2 - 13,0 kWh/100 km. Optional gibt es auch einen Akku von bis zu 77 kWh und 540 Kilometer Reichweite, "im innerstädtischen Betrieb" gar bis 780 Kilometer. Mit dem kleinen Akku begrenzt der Hersteller die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 7,0 Sekunden, beim größeren lässt er 6,6 Sekunden zu – etwas schneller als zum Beispiel ein Porsche Macan in der Basisversion, aber nicht ganz so schnell wie der gerade vorgestellte VW ID.X [9]. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h und 180 in der 150-kW-Version .

Der Born sei das erste Modell der Marke, das auch netto CO2-neutral ausgeliefert werde, vermerkt man bei Cupra. So würden entlang der gesamten Lieferkette und während der Produktion der Rohstoffe Energien aus erneuerbaren Quellen eingesetzt. Wo das noch nicht gehe, gleiche man die Emissionen "durch Umwelt- und Projektinvestitionen" aus. Auch bei vielen Materialien setzt Cupra auf "öko". Die serienmäßigen Schalensitze etwa sind aus SEAQUAL-Fasern hergestellt: Recyceltes Plastik, das aus den Meeren und von Stränden gefischt wurde.

(fpi [10])


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[1] https://www.heise.de/tests/E-Auto-Audi-Q4-e-tron-Konservativer-Ausleger-des-VW-ID-4-im-Fahrbericht-5074975.html
[2] https://www.heise.de/tests/Skoda-Enyaq-iV-80-auf-Testfahrt-Ein-Crossover-im-eigentlichen-Sinne-6010124.html
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110323.html?back=6053196;back=6053196
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110323.html?back=6053196;back=6053196
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110361.html?back=6053196
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110361.html?back=6053196
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110342.html?back=6053196
[8] https://www.heise.de/bilderstrecke/3110342.html?back=6053196
[9] https://www.heise.de/hintergrund/VW-ID-X-Der-Erbe-des-Golf-GTI-als-Elektroauto-6051071.html
[10] mailto:fpi@heise.de