HP: Weniger kaufen, mehr verkaufen!

Noch im vergangenen Jahr sah HP-Deutschland-Chef Volker Smid das Unternehmen "auf Augenhöhe mit IBM". Heute ist HP höchstens auf Augenhöhe mit der IBM aus den 1990er Jahren, als sich der IT-Anbieter in einer ähnlich schweren Krise befand wie HP heute.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber HP-Deutschland-Chef Volker Smid,

HP-Deutschland-Chef Volker Smid

(Bild: HP)

der Börsenwert der Porsche Holding AG liegt momentan bei rund 6,5 Milliarden Euro. Viel Geld. Aber das Geld reicht noch nicht einmal aus, um den Verlust auszugleichen, den HP für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres ausgewiesen hat. 8,9 Milliarden Dollar Miese, umgerechnet rund 7,1 Milliarden Euro, fast ein Drittel des Quartalsumsatzes – kann HP noch tiefer fallen?

Lieber Herr Smid, ich wette, Sie hatten sich die Sache ein wenig anders vorgestellt, als Sie Anfang 2009 den Vorsitz der Geschäftsführung der HP Deutschland GmbH übernahmen. Gut, schon die letzten Jahren waren nicht einfach. Erst hatte der frühere CEO Marc Hurd mit seinem einseitigen Fokus auf Kostensenkung und Steigerung des Börsenwerts die Innovationskraft des Unternehmens gelähmt, dann folgte das unglückliche Gastspiel des ehemaligen SAP-Managers Léo Apothekers, der mit seiner Ankündigung, das PC- und andere Teile des Hardware-Geschäft aufzugeben, unglaublich viel Unruhe in das Unternehmen brachte und auch die Geschäftspartner und Aktionäre auf die Palme brachte. Ja und dann waren da noch die teuren und nicht gut gemanagten Übernahmen.

Ăśberhaupt: HP und die Ăśbernahmen, das ist wirklich ein Kapitel fĂĽr sich. Man gewinnt den Eindruck, HP kann es einfach nicht. Das fing schon damals mit der Ăśbernahme des Konkurrenten Compaq an; der Sinn dieser Transaktion wurde von vielen Marktexperten bezweifelt, mit der ZusammenfĂĽhrung der beiden Unternehmen schien das Management ĂĽberfordert.

Später dann der Zukauf von EDS, um die Servicesparte zu stärken. Diese Akquisition ist aufgrund von Abschreibungen im Wesentlichen verantwortlich für den aktuellen Quartalsverlust. Nicht zu vergessen die völlig überteuerte und sinnlose Übernahme des aus dem letzten Loch pfeifenden Smartphone-Anbieters Palm. Und der nächste Kandidat für eine Abschreibung wartet schon: Das britische Softwareunternehmen Autonomy, für dessen Kauf HP im vergangenen Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar locker machte, viel zu viel, wie Experten und sogar die HP-Cheffin Meg Whitman selbst meinen. Ich kann wirklich nur hoffen, dass HP sich in Punkto Firmenübernahmen – also das Kaufen – in der nächsten Zeit zurückhält und sich mehr auf das Verkaufen konzentriert.

Lieber Herr Smid, im März vergangenen Jahres waren Sie noch so optimistisch. Damals jubelten Sie, HP sei hervorragend aufgestellt, werde daher schneller als der Markt wachsen und deshalb der Konkurrenz Marktanteile abnehmen. Insgesamt, so behaupteten Sie, sei HP "auf Augenhöhe mit IBM“. Heute, nur ein gutes Jahr später, kann davon keine Rede mehr sein. In einem Interview mit dem Magazin Focus beklagten Sie sich vor kurzem über Ihren Konkurrenten Lenovo, der sich, so Ihr Vorwurf, "massiv Marktanteile kauft und zu Preisen anbietet, bei denen er oft nichts mehr verdient“.

Lieber Herr Smid, wenn ein ansonsten so zurückhaltender Mensch wie Sie einen Wettbewerber öffentlich so hart angeht und ihm quasi Dumping unterstellt, dann müssen die Nerven wirklich schon ganz schön blank liegen. Kein Wunder, wenn man sich allein die Absatzzahlen für Deutschland im zweiten Quartal ansieht. Um fast 25 Prozent brachen hier die Verkäufe von HP-PCs gegenüber dem Vorjahresquartal ein, so stark wie bei keinem anderen Anbieter. Damit rutschte HP vom Platz eins auf Platz drei zurück, hinter Acer und Lenovo.

Übrigens: Dem frisch gebackenen Lenovo-Manager Stefan Engel war es natürlich ein leichtes, Ihre Kritik zu kontern. Ebenfalls im Focus wischte Engel Ihre Vorwürfe als "Blödsinn" vom Tisch und verwies auf die gute Ertragsentwicklung des Unternehmens.

Lieber Herr Smid, wie geht es weiter mit HP? Das Unternehmen steckt in der Krise, am ehesten vielleicht vergleichbar mit der der von IBM in den 1990er Jahre. Damals hieß es in Kreisen deutscher IBM-Partner, dass IBM zwar die besten Kunden und auch die besten Produkte, aber auch das schlechteste Management habe. Erst als Lou Gerstner seinerzeit den Vorstandsposten bei IBM übernahm, kehrte das Unternehmen auf die Gewinnerspur zurück. Eine ähnliche Herkulesaufgabe muss HP-Chefin Whitman heute vollbringen. Kriegt sie es hin? Ja, denn sie muss. Und wenn nicht sie, dann jemand anders.

Beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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