Host und Logis

Kleine Firmen und Privatleute können im Web preiswert unter eigener Adresse absteigen. Wer jedoch den falschen Gastgeber wählt, erhält nur Wasser und Brot statt des versprochenen Drei-Gänge-Menüs. Außerdem gilt es, den juristischen Fallstricken auszuweichen, sonst spucken einem Anwälte und Gerichte in die Suppe. Dann fehlt nur noch das richtige Outfit für den stilvollen Online-Auftritt.

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Inhaltsverzeichnis

Was das World Wide Web so besonders macht, ist nicht die ständig wachsende Zahl der Surfer, sondern die immense Vielfalt an großen und kleinen Sites mit mehr oder weniger interessanten Inhalten. Fast jeder reitet irgendein Steckenpferd, blickt auf einem speziellen Gebiet überdurchschnittlich gut durch oder hat sich mit den Tücken bestimmter Produkte hinlänglich herumgeschlagen. Dieses Wissen, mit etwas Pfiff auf eine Homepage gebracht und um ein Diskussionsforum ergänzt, in dem die Besucher ihren Senf dazugeben können, kann einen beliebten WWW-Treffpunkt für Gleichgesinnte ergeben.

Aber auch für kleine Firmen, Handwerksbetriebe und Freiberufler bietet sich die Präsentation im Web an. Das muss nicht gleich ein kompletter Online-Shop mit Bezahlsystem und Datenbankanbindung sein. Die ausführliche Beschreibung des Angebots und eine Preisliste genügen völlig. Ein gut informierter Kunde mit Kaufabsicht greift sicherlich gerne zum Telefon oder füllt eine schriftliche Bestellung aus.

Der Auftritt im Web muss nicht teuer sein: Bereits für unter 50 Mark erhält man für drei Jahre einen Domainnamen, der sich auf eine beliebige Adresse umleiten lässt. In Kombination mit kostenlosem Webspace, wie ihn die meisten Provider und etliche andere Dienste anbieten, ergibt das eine Homepage mit individueller Adresse. Eine Anleitung, wie man die eigene Webpräsenz möglichst billig aus solchen Sonderangeboten zusammenzimmert, finden Sie ab Seite 112 in c't 3/2001.

Mehr Luxus bieten Komplettangebote aus mehreren Megabyte Webspace, E-Mail- und Web-Adresse. Sie kosten im Monat ab 10 Mark aufwärts. Wir haben elf solcher Angebote getestet (s. S. 116 in c't 3/2001) und sind dabei auf deutliche Unterschiede gestoßen. Dort, wo die Anmeldung klappte, haben wir eine Homepage hinterlegt und eine Woche lang gemessen, wie gut sie erreichbar war. Die Ergebnisse belegen, wie manch ein Webhoster bei der technischen Infrastruktur geizt.

Die Größe des gebotenen Webspace bewegt sich bei den von uns ausgewählten Preismodellen zwischen 5 und 50 Megabyte. Wer nicht gerade Shareware zum Download anbietet oder seine Fotosammlung in hoher Auflösung ins Netz stellen möchte, kommt mit 5 bis 10 Megabyte problemlos aus. Soll dann doch mal ein großes Bild eingebunden werden, kann man dieses auch auf kostenlosem Webspace ablegen und verlinken.

Wer Shareware oder Musikdateien anbieten will, sollte sich - auch abgesehen von der Rechtsfrage - vorsehen. Denn bei den preiswerten Komplettpaketen sichern sich die Provider fast ausnahmslos durch eine Begrenzung des Transfervolumens ab, die bei einem unserer Testkandidaten mit 200 MByte auch noch sehr knapp ausfällt. Ein paar hundert Zugriffe auf ein Shareware-Programm und schon muss man für die über dem Limit liegende Datenmenge extra bezahlen. Diese wird dann häufig nicht in Megabyte, sondern gleich in angefangenen Gigabytes berechnet, die üblicherweise um die 80 Mark kosten. So kann ein einziger Zugriff zu viel auf die Homepage die monatlichen Kosten von 10 auf 90 Mark erhöhen. Und längst nicht alle Provider warnen vor Erreichen der Volumengrenze; viele gönnen ihren Kunden das Überraschungsmoment beim Erhalt der Rechnung.

Eklatante Unterschiede gibt es auch beim Service der Provider. So kann eine einfache Anfrage bei der kostenpflichtigen Hotline zur ergebnislosen Plauderei ausarten, die den Kunden allerdings 20 Mark kostet, - vordergründig günstige Angebote werden so zur Kostenfalle.

Es lohnt sich, die Preislisten und Geschäftsbedingungen der Provider gründlich nach versteckten Kosten zu durchforsten. Aus Einrichtungs-, Monats- und sonstigen Gebühren kann man dann etwa den Preis für drei Jahre Homepage ermitteln. Anhand dieser Summe lassen sich die Angebote vergleichen.

Beim Wechsel mit einer ‘.de’-Domain zu einem anderen Anbieter ist eine Auszugsgebühr kaum angebracht: Der alte Provider muss lediglich ein Fax lesen und eine E-Mail beantworten. Außerdem behält er das, was von den meist für ein Jahr vorausbezahlten Gebühren noch übrig ist, üblicherweise ein. Der Provider, bei dem man einzieht, sollte sich mit den üblichen Einrichtungsgebühren zufrieden geben; auch sein Mehraufwand hält sich gegenüber der Neuanmeldung einer Domain in Grenzen.

Aufregend ist der Umzug der Domain allemal für den Kunden. Er muss den Vertrag mit seinem alten Provider kündigen, bevor er woanders einen KK-Antrag (Konnektivitäts-Koordination) stellt. Die Kündigung sollte unbedingt schriftlich erfolgen, am besten per Fax und parallel per Einschreiben mit Rückschein. Eine Kopie des Schreibens erhält der neue Provider zusammen mit der Anmeldung. Er weiß dann, dass der Kunde sich korrekt verhalten hat. Doch die Domainvergabestelle, das DENIC in Frankfurt, führt den Umzug erst durch, wenn der alte Provider zugestimmt hat. Er muss dazu innerhalb von sieben Tagen auf die Anfrage des DENIC antworten, dass ihm die rechtsgültige Kündigung des Kunden vorliegt. Nach Ablauf der Frist verwirft das DENIC den Antrag.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Provider die Frist nicht einhalten. Ärgerlich auch, wenn es der alte Provider zu eilig hat und die Homepage vom Netz nimmt, ehe der Umzug abgeschlossen ist. Die Website ist dann für unbestimmte Zeit nicht erreichbar. Als Privatkunde oder mit einer kleinen Firmenpräsenz ohne Online-Shop hat man gegen solcherlei Schlampereien leider keine Handhabe. Denn Schadensersatzforderungen gegenüber dem Provider lassen sich nur durchsetzen, sofern man einen konkreten Schaden nachweisen kann.

Bei der Wahl des Domainnamens ist Vorsicht angesagt: Verstößt man gegen geltendes Recht, droht eine teure Abmahnung. ‘Geltendes Recht’ ist dabei ein vager Begriff, denn die Richter urteilen in ähnlichen Fällen recht unterschiedlich. In jedem Fall ist daher eine außergerichtliche Einigung vorzuziehen. Streitpunkte gibt es jedenfalls genug: Die Deutsche Bahn beansprucht ‘bahnhof.de’, Boris Becker will ‘boris.de’ und Nokia hat etwas gegen ‘nokia-betreiberlogos.de’.

Zumindest für private Websites ist es hingegen unproblematisch, den eigenen Namen zu verwenden. Allerdings gilt auch hier: ‘Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.’ Denn gängige Nachnamen sind längst vergeben. Dieses Problem lässt sich aber durch einen Zusatz wie ‘meyer8.de’, ‘hartmut-meyer.de’ oder ‘hartmuts-photoseite.de’ umgehen. Will man die Domain allerdings kommerziell nutzen, kann man auch mit dem eigenen Namen vor Gericht verlieren - etwa wenn man ‘Krupp’ heißt. In solchen Fällen empfiehlt sich dann ein Zusatz wie ‘autohaus-krupp.de’.

Weiterer Ärger droht bei der Befüllung der Homepage mit Inhalten. Diese dürfen keine Rechte Dritter verletzen und nicht gegen Gesetze etwa zum Jugendschutz verstoßen. Selbst das Verlinken fremder Websites ist nicht unproblematisch. Eine ausführliche Betrachtung der juristischen Fallstricke finden Sie ab Seite 122 in c't 3/2001.

Beim Einrichten der neuen Homepage scheitern nicht selten die hochgesteckten Design-Ansprüche an mangelnden technischen Fähigkeiten. Die Wahl des richtigen Werkzeugs führt hier oftmals schneller zum Ziel als ein HTML-Programmierkurs. Dennoch sollte man danach streben, mit der Zeit zumindest Grundkenntnisse der Web-Programmierung zu erwerben. Denn die meisten HTML-Konverter, -Editoren und -Layout-Systeme liefern nicht so perfekte Ergebnisse, dass man sie nicht mit etwas Handarbeit noch deutlich optimieren könnte. Was man bei der eigenen Homepage alles falsch und richtig machen kann, erfahren Sie in dem Artikel auf Seite 126 in c't 3/2001.

Der Inhalt einer Website ist sicherlich wichtiger als gutes Aussehen. Doch die Surfer sind an eine aufwendige Präsentation gewöhnt und lassen sich durch schlichte Textlayouts womöglich abschrecken. Ein gutes Design manifestiert sich aber nicht in knalligen Farben und multimedialem Gezappel und Gedudel, sondern in so einfachen Dingen, wie einer stets präsenten, übersichtlichen Navigationsleiste, die dem Besucher alle Inhalte erschließt. Bevor Sie Ihre Website darüber hinaus mit Frames, JavaScript oder Flash aufpeppen, sollten Sie den Artikel auf Seite 130 in c't 3/2001 lesen; der diskutiert das Pro und Kontra dieser Techniken.

Ist die funkelnagelneue Homepage endlich am Netz, soll sie natürlich viele Besucher anlocken. Die nutzen für die Orientierung im Web meist Suchmaschinen oder Verzeichnisse. Dort gibt es meist ein Formular, über das sich Websites anmelden lassen. Diese wichtige Arbeit sollte man aber nicht irgendwelchen Diensten oder Programmen überlassen, sondern selbst erledigen. Denn viele Suchmaschinen ändern häufig Details der Anmeldeprozedur, sodass automatische Werkzeuge scheitern - was der Benutzer aber oftmals nicht bemerkt. Es ist auch nicht nötig, die Homepage bei Hunderten kleiner Suchmaschinen anzumelden; ein gutes Dutzend reicht bereits. Tipps, wie man Suchmaschinen von der der Wichtigkeit einer Homepage überzeugt, finden Sie auf Seite 135 in c't 3/2001.

Zwei weitere Möglichkeiten, um die Popularität einer Website zu steigern, sind Web-Ringe und Banner-Tauschringe (s. S. 126 in c't 3/2001). In einem Webring schließen sich Betreiber von Websites mit ähnlichen Themen zusammen. Jede Website erhält eine eigene Nummer. Der Betreiber baut auf seiner Website zwei Verweise zu den Sites mit benachbarter Nummer ein. Darüber können Besucher von Site zu Site navigieren. In der Praxis scheitert das Prinzip allerdings oft am Konkurrenzdenken der Betreiber. Einmal in den Ring aufgenommen, entfernen sie die Verweise auf andere Sites oder verstecken sie auf der hintersten Seite. Webringe zu einem bestimmten Thema findet man durch Eingabe des Begriffs ‘webring’ und des Themas in einer Suchmaschine.

Banner-Tauschringe ermöglichen es, kostenlos Werbung zu schalten. Das Prinzip ist recht einfach: Teilnehmer A muss auf seiner Homepage Banner einblenden, die ihm der Betreiber des Tauschrings online liefert. Der Betreiber registriert, wie viele Banner auf diesem Wege abgerufen werden, und baut dafür Banner von A in andere Homepages ein. Allerdings gibt es einen Tauschkurs: Für zehn Abrufe seiner Seite erhält A nur sieben Einblendungen seines Banners. Die restlichen drei sind der Gewinn des Tauschringbetreibers, der dreimal bezahlte Werbung bei den Teilnehmern einblendet. Das Prinzip setzt ein hohes Vertrauen der Teilnehmer in den Betreiber voraus, da niemand kontrollieren kann, ob der den versprochenen Tauschkurs auch einhält. (ad) (ad)