Kunststoffe

In der Ă–ffentlichkeit hat es allerdings nicht den besten Ruf. Kunststoffe dĂĽrften auch beim Ăśbergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft eine Rolle spielen.

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Von
  • Niels Boeing

Wenn Musikliebhaber abschätzig über den Sound einer Pop-band urteilen, fällt gern das gehässige Wort vom „Plastik-Pop“ – industrielle Massenware, billig produziert und geschmacklos. Plastik steht bis heute für Wegwerf-Produkte in einer schnelllebigen Zeit, für die Einkaufstüte im Supermarkt, die hässlich klappernde CD-Hülle oder nicht verrottende Flaschen in der Umwelt. Ein Auslaufmodell der Geschichte? „Nein“, sagt Manfred Rink, Leiter New Business bei Bayer MaterialScience, „das Kunststoffzeitalter hat gerade erst begonnen.“ Denn tatsächlich haben sich Kunststoffe längst zu einem Hightech-Werkstoff gemausert, aus dem Chemiker und Ingenieure immer neue, mitunter verblüffende Anwendungsmöglichkeiten herausholen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zwar wurden Klassiker wie PVC, Polypropylen, Polyamid oder PET bereits vor dem Zweiten Weltkrieg von der sich damals rasant entwickelnden Chemieindustrie erfunden. Aber an heute selbstverständliche Dinge wie Getränkeflaschen aus PET, kurz für Polyethylenterephthalat, war damals noch nicht zu denken, weil für sie ein zweistufiges Verarbeitungsverfahren nötig ist. Und Flaschen, wie sie der britische Stardesigner Ross Lovegrove für das walisische Mineralwasser Ty Nant konzipiert hat, wären als Science-Fiction durchgegangen.

Für Hartwig Höcker, Chemiker an der RWTH Aachen, der den Siegeszug des Materials Jahrzehnte begleitet hat, sind die Entwicklungssprünge seit den Anfangsjahren „genauso gewaltig gewesen wie in der Elektronik“. Schäume, Faserverbundkunststoffe, flüssigkristalline oder elektrisch leitfähige Kunststoffe sind einige Meilensteine, die die noch junge Materialklasse in alle Bereiche des Lebens gebracht haben. Lag die Weltjahresproduktion an Kunststoff 1949 erst bei einer Million Tonnen, wurden 1990 bereits 86 Millionen Tonnen verbraucht und 2006 gar 208 Millionen Tonnen. Derzeit wächst der Verbrauch um rund fünf Prozent jährlich. Am stärksten in den Boomländern Asiens: Mitte des nächsten Jahrzehnts soll er laut Marktstudien den von Nordamerika und Europa zusammen übertreffen. ... (nbo)