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So will ein Startup die Lithium-Gewinnung umweltfreundlicher machen

Gregor Honsel

(Bild: P5h / Shutterstock.com)

Die Herstellung des Akkugrundstoffs aus Sole verbraucht viel Wasser. Doch es geht auch anders: Mit Ionen-Austausch statt Verdunstung und besonderem Tracking.

Knapp 4000 Liter Wasser verbraucht die Extraktion des Lithiums fĂŒr einen Akku mit 64 Kilowattstunden. Die Zahl nannte der Batterieforscher Maximilian Fichtner 2019 gegenĂŒber dem Tagesspiegel [1]. Klingt nach viel, entspricht laut Fichtner aber lediglich dem Wasserverbrauch fĂŒr die Produktion von 250 Gramm Rindfleisch, 10 Avocados, 30 Tassen Kaffee oder einer halben Jeans. (Wobei diese Zahlen nur mit Vorbehalt zu vergleichen sind: Wasser ist in den Lithium-Gegenden des sĂŒdamerikanischen Hochlands deutlich knapper als etwa bei der Rinderzucht in Schottland.)

Einen hohen Wasserverbrauch verursacht vor allem das Drittel des Lithiums, das nicht in Minen abgebaut, sondern aus Lithium-haltiger Sole in SĂŒdamerika gewonnen wird. Dabei wird die Sole aus dem Untergrund in große Verdunstungsbecken hochgepumpt. Das Problem dabei: Frisches Grundwasser aus dem Umland kann nachsickern, um die hochgepumpte Sole zu ersetzen. Dadurch sinkt in umliegenden Gegenden der Grundwasserspiegel.

Das kalifornische Start-up Lilac Solutions [2], das unter anderem von Bill Gates‘ Breakthrough Energy Fund [3] und dem Engine Fund [4] des MIT unterstĂŒtzt wird, hat nun ein Verfahren entwickelt, Lithium aus Sole ohne großen Wasserverbrauch zu extrahieren. Es funktioniert per Ionen-Austausch mittels SalzsĂ€ure und einem anorganischen Adsorber.

Weitere Details nennt Lilac auf seiner Webseite nicht, aber das dahinterstehende Prinzip ist altbekannt: Man stellt winzige, mit einem Adsorber beschichtete KĂŒgelchen her, fĂŒllt sie in eine SĂ€ule und lĂ€sst eine Sole durchsickern, die das gewĂŒnschte Metall-Ion enthĂ€lt. Im Ausgangszustand sind die Bindungsstellen des Adsorbers mit Protonen (H+) gesĂ€ttigt. Doch Metall-Ionen, die besonders gut auf diese Bindungsstellen passen – in diesem Fall Li+ –, können die Protonen dort verdrĂ€ngen. Das Lithium bleibt sozusagen an den KĂŒgelchen hĂ€ngen.

Um das Lithium wieder freizusetzen, wird der Adsorber mit SalzsĂ€ure gespĂŒlt. Dann verschiebt die erhöhte H+-Konzentration das Adsorptionsgleichgewicht am Ionentauscher wieder in Richtung der Protonen und verdrĂ€ngt damit das Lithium wieder von der OberflĂ€che. Auf diese Weise wird der Adsorber regeneriert und kann erneut Lithium aus frischer Sole aufnehmen. Die Lithium-Ionen paaren sich mit dem Chlorid-Ionen aus der SalzsĂ€ure zu Lithiumchlorid, das sich dann auf herkömmlichen Wegen weiterverarbeiten lĂ€sst. Die Kunst dabei ist es, eine Struktur fĂŒr den Adsorber zu finden, die spezifisch nur das gewĂŒnschte Ion abfĂ€ngt, sich aber dennoch mit vertretbarem Aufwand wieder regenerieren lĂ€sst. Dazu hat Lilac fĂŒnf Patente [5] angemeldet.

Mehr von MIT Technology Review Mehr von MIT Technology Review [6]

Zum Energie- und Ressourcenbedarf seines Verfahrens finden sich bei Lilac Solutions keine Angaben. Der australische Lithium-Produzent Lake Resources [7], der das Verfahren mit einer Pilotanlage im argentinischen Lithium-Dreieck getestet hat, schreibt aber, es werde „praktisch die gesamte Sole zurĂŒck zur Quelle gefĂŒhrt, ohne ihre chemische Zusammensetzung zu Ă€ndern (abgesehen von der Entfernung des Lithiums)“. In einer anderen Quelle [8] findet sich die Zahl von 18 Tonnen Wasserverbrauch pro Tonne Lithium-Karbonat, dem Vorprodukt zur Akku-Fertigung. Zum Vergleich: Die SchĂ€tzungen [9] fĂŒr die konventionelle Verdunstungsmethode reichen von 400 bis 2000 Tonnen Wasser pro Tonne Lithium.

Lilac selbst schreibt, dass sein Verfahren die Investitions- und Betriebskosten reduziere, die Lithium-Ausbeute erhöhe, auch bei niedrig konzentrierter oder unreiner Sole funktioniere sowie schnell hochskaliert werden könne. Lake Resources hat eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, wonach das neue Verfahren Kosten „am unteren Ende“ der herkömmlichen Sole-Verarbeitung verursache. Nun will Lake Resources die Anwendung des Verfahrens „beschleunigen“. Einen genauen Zeitplan nennt es aber nicht. Parallel dazu will auch die Lithium South Development Corporation [10], die ebenfalls in Argentinien aktiv ist, das Verfahren von Lilac testen.

Bleibt die Frage: Woher sollen Abnehmer und Kunden wissen, ob eine bestimmte Charge Lithium auf weitgehend umweltschonende Weise gewonnen wurde?

Auch dafĂŒr gibt es eine technische Lösung: Das Start-up Circulor [11] mit Standorten in Cork, London und Berlin bietet eine Lieferkettenverfolgung von kritischen Rohstoffen wie Lithium und Cobalt per Blockchain an. „Traceability-as-a-Service“ nennt das Unternehmen dies. Dass die Daten der Lieferkette in einer Blockchain hinterlegt werden, ist dabei gar nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist, dass sie automatisch laufend auf ihre PlausibilitĂ€t geprĂŒft werden: Stimmen etwa die Daten zur Transport- und Verarbeitungsdauer mit den Erfahrungswerten ĂŒberein? Und passen die Mengen zu dem, was technisch ĂŒberhaupt möglich ist? Ab 2024 möchte der Lithium-Produzent Vulcan Energy Resources [12], der unter anderem Lithium aus Geothermie-Wasser [13] des Oberrheingrabens gewinnen will, mit diesem Verfahren seine gesamte Lieferkette nachverfolgbar machen. (grh [14])


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[1] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/tesla-akkus-wenn-elf-avocados-umweltschaedlicher-als-eine-e-auto-batterie-sind/25291904.html
[2] https://www.lilacsolutions.com/technology
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-02-20/bill-gates-led-fund-invests-in-making-lithium-mining-more-sustainable
[4] https://www.engine.xyz/founders/lilac-solutions/
[5] http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO2&Sect2=HITOFF&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsearch-bool.html&r=0&f=S&l=50&TERM1=lilac&FIELD1=AANM&co1=AND&TERM2=lithium&FIELD2=&d=PTXT
[6] https://www.heise.de/
[7] https://lakeresources.com.au/wp-content/uploads/2021/03/lke_lake_accelerates_exploration_across_project_portfolio_23-mar-21.pdf
[8] https://www.lithiumsouth.com/posts/lilac-solutions-achieves-99-lithium-recovery-with-ion-exchange-process/
[9] https://www.volker-quaschning.de/artikel/Fakten-Auto/index.php
[10] https://www.lithiumsouth.com/posts/lilac-solutions-achieves-99-lithium-recovery-with-ion-exchange-process/
[11] https://www.circulor.com/technology
[12] https://www.circulor.com/vulcan-pr
[13] https://www.heise.de/hintergrund/Akkugrundstoff-Lithium-vom-Oberrhein-4913019.html
[14] mailto:grh@technology-review.de