VerrĂĽckt: Ein Tablet-PC zum Preis einer iPad-Tasche
Ein Tablet-PC für 34 Euro? Oder für 26? Oder für 7,50 Euro? Gibt´s nicht? Doch: In Indien wurde jetzt so ein Teil vorgestellt. Es bleibt abzuwarten, ob der "Aakash" besser angenommen wird als das ebenfalls in Indien angebotene billigste Auto der Welt, der Nano von Tata. Trotz des günstigen Preises ist der Nano bis heute ein Ladenhüter.
Lieber Suneet Singh Tuli, Chef des kanadischen Tablet-PC-Herstellers Datawind,
der Tablet-Markt boomt und das wird auch so bleiben. Darin sind sich die Marktforscher einig. Nach einer aktuellen Prognose des Instituts In-Stat wird sich der Absatz dieser Gerätekategorie bis zum Jahr 2017 auf weltweit 250 Millionen Stück erhöhen. Ein noch stärkeres Wachstum erwarten die Marktforscher von iSuppli. Sie glauben, dass schon im Jahr 2015 weltweit rund 273,5 Millionen Tablet-PCs verkauft werden.
Wesentlicher Grund für dieses Wachstum ist nach Angaben der Auguren, dass die Nachfrage durch zusätzliche Anbieter und sinkende Preise weiter angekurbelt wird. Und jetzt kommen Sie ins Spiel, lieber Herr Tuli. Datawind – das Unternehmen ist auch hierzulande mit der Internet-Konsole Pocketsurfer vertreten – hat ja gerade mächtig für Schlagzeilen gesorgt mit der Ankündigung einen Tablet-PC für sage und schreibe umgerechnet 34 Euro auf den Markt zu bringen. In Worten: vierunddreißig! Zu dem Preis bekommt man für das iPad von Apple gerade mal eine Tasche.
Okay, hier in Deutschland wird es Ihren Tablet-PC nicht zu kaufen geben, sondern nur in Indien. Hierzulande würde er vermutlich auch nicht "Himmel" ("Aakash"), sondern dem Zeitgeist entsprechend eher "Cloud" heißen. Aber das ist ein anderes Thema. Das Gerät soll Millionen von Menschen den Zugang zum Internet ermöglichen. Wie man hört, will die indische Regierung 100.000 Stück kaufen, um sie umsonst an Studenten zu verteilen. Der Preis soll künftig sogar auf umgerechnet 26 Euro fallen, selbst einen Preis von 7,50 Euro halten Sie langfristig für möglich.
"Unser Ziel war es, die Preisschranke für die Nutzung von Computern und den Zugang zum Internet zu senken", sagten Sie bei der Vorstellung des Aakash vor ein paar Tagen in Indiens Hauptstadt Neu Delhi. Der nun vorgestellte Tablet-Computer werde Computer und das Internet endlich für die Massen zugänglich machen. Der Aakash, von dem in Indien derzeit 700 Stück am Tag hergestellt werden, hat einen Sieben-Zoll-Bildschirm mit Berührungseingabe, eine Wifi-Internet-Funktion, einen Multi-Media-Spieler, zwei USB-Eingänge und eine Akkulaufzeit von 180 Minuten. Er läuft mit dem Betriebssystem Android 2.2.
Lieber Herr Tuli, hier bei uns in Deutschland kann man sich kaum vorstellen, dass man einen Tablet-PC zu einem derart niedrigen Preis herstellen und anbieten kann – zumindest wenn man ohne Subventionen auskommen muss und das Gerät ein Mindestmaß an Qualität aufweisen soll. Wie soll man denn dabei noch etwas verdienen? Die Frage geht auch an die Entwickler des vergleichbaren Tablet-PC "i-slate", den indische Ingenieure nun ebenfalls für 35 Euro auf den (indischen) Markt bringen wollen.
Aber gut, wir konnten uns ja auch nicht vorstellen, dass man ein richtiges Auto für 1.700 Euro auf den Markt bringen kann, wie dies vor zwei Jahren der indische Hersteller Tata mit dem Nano getan hat. Leider nur hat sich dieses „Wunderauto“ inzwischen als Flop und Ladenhüter erwiesen. Kaum jemand will die Karre haben. Ein Grund dafür sind gravierende Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Fahrzeugs; einige Exemplare gingen kurz nach der Auslieferung in Flammen auf (da wurde aus „Nano“ plötzlich „Nanu?“).
Vermutlich ist es nicht nur hier bei uns in Deutschland, sondern auch in Indien und überall auf der Welt so: Qualität hat nun einmal ihren Preis. Für „Schrott“ ist vielen Verbrauchern auch 34 oder 1.700 Euro zu viel Geld. Insofern bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass dem Aakash nicht dasselbe Schicksal widerfährt wie dem Nano.
Beste GrĂĽĂźe!
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