3D-Fernsehen daheim - Billiger, besser und mit viel mehr SpaĂź
3D-Technik fasziniert - nicht nur im Kino, sondern auch daheim. Georg Schnurer und c't-Experte Nico Juran diskutieren, wie viel Geld man für das 3D-Kino zuhause tatsächlich ausgeben muss.
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Die 3D-Revolution kam fast unbemerkt. Inzwischen kann fast jeder neue Fernseher der oberen Mittelklasse räumliche Bilder anzeigen. Dank HDMI-1.4a-Standard funktioniert auch der Anschluss von kompatiblen Geräten erfreulich einfach. Die Frage ist heutzutage nicht mehr das Ob, sondern vielmehr das Wie: Nämlich wie die Fernseher den Betrachtern die dritte Dimension vorgaukeln. Zwei Verfahren sind aktuell relevant. Die aktive Shuttertechnik, die zurzeit bei den meisten verkaufen 3D-TVs zum Einsatz kommt und – ganz neu, zumindest bei Fernsehern – die passive Polfilter-Technik.
Wir wollten wissen, wie sich die Verfahren in der Praxis unterscheiden und welches für den angenehmsten 3D-Bildeindruck sorgt. Im c’t-Labor haben wir 45 Testpersonen gebeten, unterschiedliche 3D-Inhalte anzuschauen und uns Fragen dazu zu beantworten.
Neu, aber alt
Die Fernsehhersteller vermarkten ihre jeweilige Technik aggressiv und als den Konkurrenzprodukten meilenweit überlegen. Besonders der koreanische Hersteller LG wird nicht müde, auf die Vorteile der Polfiltertechnik und die Nachteile der Mitbewerber hinzuweisen. Samsung, Panasonic, Sony und Sharp dagegen schwören weiter ausschließlich auf Shutterbrillen – zusammen mit zwei chinesischen Herstellern haben sie in Peking eine „Active-Shutter-3DTV“-Allianz gegründet. Hersteller wie Philips fahren zweigleisig und haben Fernseher mit beiden Techniken im Angebot.
Grundsätzlich ist das „neue“ Polfilter-Verfahren ein alter Hut. Schon während des 3DKino-Booms in den 50er Jahren kamen solche Filter zum Einsatz. Vor zwei Projektoren wurden einfach die gleichen Polfilterfolien montiert, die auch in den Brillen der Zuschauer steckten. Beim Fernseher funktioniert das Verfahren etwas anders: Jede zweite Zeile des Displays ist entgegengesetzt polarisiert, die Gläser einer Polfilterbrille lassen jeweils nur das „richtig“ polarisierte Licht durch. Das linke Auge sieht dann beispielsweise nur die ungeraden Zeilen, das rechte Auge die geraden. Prinzipbedingt geht so die Hälfte der Panelauflösung im 3D-Betrieb verloren. Weil das menschliche Auge polarisiertes nicht von unpolarisiertem Licht unterscheiden kann, bekommt man im 2D-Betrieb – ohne Brille – die volle Auflösung zu sehen.
Alle zurzeit erhältlichen TV-Geräte (von LG, JVC und Hyundai) mit dieser Technik nutzen eine sogenannte „Xpol“-Folie des japanischen Unternehmens Arisawa. Diese Filterschicht kann ausschließlich in der Arisawa-Fabrik auf die fertigen Panels laminiert werden, was den logistischen Aufwand, den Ausschuss und so den Preis immens erhöht. LG hat deshalb eine eigene Polfilter-Technik entwickelt („Film Pattern Retarder“), bei der die dünne Polarisationsschicht schon im Produktionsprozess auf das LC-Panel aufgebracht wird. Das Funktionsprinzip ist ansonsten identisch, auch hier halbiert sich die vertikale Auflösung im 3D-Betrieb. Geräte mit dem neuen Polfilter kommen im April/Mai auf den Markt.
Technikkampf
Das Lager der Shuttertechnik-Unterstützer reitet vor allem auf diesem Polfilter-Nachteil herum: Wo Full HD draufsteht, soll auch Full HD drin sein. 3D-TVs mit Shuttertechnik zeigen zwar immer die volle Panelauflösung, dafür bieten sie der Polfilter-Fraktion aber andere Angriffspunkte. Einer der Vorwürfe: Shutterbrillen würden grundsätzlich flimmern, was zu Kopfschmerzen und anderen Beeinträchtigungen führen könne. Außerdem seien die aufwendigen elektronischen Brillen zu schwer und zu teuer. Polfilterbrillen dagegen brauchen keine Batterien, sind federleicht und billig. Und: Die Shuttertechnik schlucke mehr Licht, werden die Passivbrillen-Verfechter nicht müde zu betonen. So zeigen LCD-Fernseher die Einzelbilder fürs linke und fürs rechte Auge nur für einen Bruchteil der theoretisch möglichen Zeit an, um die Schaltzeiten des TV auszugleichen und so störende Doppelbilder zu verhindern. Shutter-TVs mit Plasmatechnik dagegen sind schnell genug, verschwenden aber trotzdem noch mehr Helligkeit als LCD-Modelle im 3D-Betrieb. Da Shutterbrillen auf Flüssigkristallbasis das Licht grundsätzlich polarisieren, Plasma-TVs aber unpolarisiertes Licht emittieren, bleibt schon vor dem eigentlichen Shuttervorgang die Hälfte des Lichts in der Brille hängen.
Hardware
Von der technischen Seite gesehen sind alle erwähnten Kritikpunkte zumindest nicht falsch. Aber fallen sie in der Praxis tatsächlich ins Gewicht? Wir haben 45 Testpersonen gebeten, jeweils drei Testsequenzen auf drei unterschiedlichen 3D-Fernsehern zu begutachten. Ausgewählt haben wir typische Vertreter der einzelnen Techniken: Als Shutter-LCD kam ein Samsung UW46C7700WS (1400 Euro) zum Einsatz, als Shutter-Plasma ein Panasonic P46VT20E (1400 Euro) und als Polfilter-LCD ein LG 47LD950 (900 Euro). Bei letzterem handelt es sich übrigens um den ersten – und zurzeit auch einzigen – erschwinglichen Polfilter-Fernseher. Die Testkandidaten betrachteten jeden der Fernseher aus einem Abstand von 2,50 Metern, bei allen TVs war die Film-Voreinstellung aktiv (bei Panasonic „True Cinema“, bei LG „Kino“, bei Samsung „Film“). Die Testpersonen saßen in einem genau definierten Bereich – die Blickwinkelabhängigkeit hat bei der Beurteilung der 3D-Techniken also keine Rolle gespielt. Bevor die Tests begannen, liefen alle Geräte eine halbe Stunde warm. Ein gedimmter Deckenstrahler sorgte für kontrolliertes, wohnzimmerähnliches Umgebungslicht.
Software
Jede Testperson musste auf jedem der Fernseher drei unterschiedliche, jeweils zweiminütige Testsequenzen aus den Bereichen Animationsfilm (Trailer von „Monsters vs. Aliens“), Realfilm (Anfang von Kapitel 14 der „Avatar“-3D-Blu-ray) und Spiel (Ausschnitte aus „Burnout Paradise“, „World of Warcraft“ und „Tomb Raider“) begutachten. Außerdem stellten wir zu jedem Gerät sechs Fragen zu Bildhelligkeit, 3D-Wirkung, Schärfe, Augenanstrengung, Bildeindruck und Brille. Auch wenn wir uns bemüht haben, die Testpersonen möglichst heterogen auszuwählen (Alter, Geschlecht, technischer Hintergrund), ist unsere Untersuchung natürlich nicht repräsentativ.
Spannende Einsichten lieferte sie dennoch. So bewerteten die Testpersonen ganz eindeutig die 62 Gramm schwere Panasonic-Shutterbrille am schlechtesten – rund die Hälfte der Befragten bezeichnete die klotzige Sehhilfe als „unerträglich“. Glimpflicher kam die leichtere Samsung-Shutterbrille (35 g) weg, mit Abstand am besten schnitt das passive Polfilter-Fliegengewicht von LG (19 g) ab. Ebenfalls recht deutlich fielen die Ergebnisse zur empfundenen Helligkeit aus: Das Plasmagerät bewerteten viele Testpersonen als zu dunkel, beim Polfilter-LCD ging die Tendenz eher in Richtung „zu hell“. Das Shutter-LCD wurde in puncto Helligkeit meistens als „angenehm“ empfunden.
Ăśberraschung!
Am meisten überrascht haben uns die Bewertungen in Bezug auf die Bildschärfe. Obwohl der Polfilter-Fernseher im Vergleich zu den anderen Testkandidaten im 3D-Betrieb nur die Hälfte der vertikalen Auflösung bietet (1920 x 540 statt 1920 x 1080 Pixel), wurde er im Durchschnitt keineswegs als zu unscharf bewertet. Nur einer Handvoll Tester fiel die geringere Auflösung überhaupt auf. Ausgeglichen wurden deren Kreuze im Fragebogen durch einige Testpersonen, die das Bild als „überschärft“ empfanden – im Mittel ergab sich so eine „natürliche“ Darstellung. Der Plasmafernseher wurde dagegen durchschnittlich als „etwas zu weich“ bewertet, vermutlich auch wegen des im Vergleich zu den anderen Kandidaten recht dunklen Bildes.
In den für uns wichtigsten Kategorien – 3D-Effekt und Bildeindruck – fielen die Antworten nicht so eindeutig aus. Rund ein Drittel der Befragten empfanden die räumliche Darstellung des Shutter-LCDs als „zu anstrengend“, rund ein Fünftel machte beim Polfilter- und Plasma-TV das „Zu anstrengend“-Kreuz. Deutlich mehr als die Hälfte fanden das 3D-Bild aller drei Fernseher „angenehm“, mit Vorteilen bei LGs Polfilter-Gerät.
Rund ein Fünftel der Befragten betrachteten den 3D-Effekt beim Shutter-Plasma als zu „langweilig“, mehr als bei den anderen beiden Geräten – auch das ist vermutlich der geringeren Helligkeit und der dadurch fehlenden Auflösung dunkler Bildpartien anzulasten. Mit seinem weichen und „organischen“ Bild sowie seiner zumindest im Vergleich zum LCD-Shutter-Kandidaten recht geringen Neigung zu Geisterbildern konnte das Plasmagerät aber bei denjenigen Befragten punkten, die in ihrem Leben noch niemals 3D-Inhalte auf der Kinoleinwand oder einem Fernseher gesehen hatten: Keiner dieser 3D-Anfänger empfand den Plasma als „zu anstrengend“, bei Samsung und LG war dies bei rund einem Drittel der erstmaligen 3D-Gucker der Fall.
Fazit
Wer hätte das gedacht: Die halbierte Auflösung, das am häufigsten ins Feld geführte Argument gegen Polfilter- und für Shuttertechnik, spielte in unserer Untersuchung keine Rolle. Dem Großteil unserer Befragten ist der Schärfeverlust überhaupt nicht aufgefallen. Das beliebteste Anti-Shutter-Argument, nämlich die angeblich flimmernde Brille, scheint in einer Wohnzimmer-ähnlichen Beleuchtung ebenfalls keine Rolle zu spielen – keine einzige unserer Testpersonen hat sich darüber beklagt. Laut unserer Untersuchung sprechen ganz andere Gründe für die Polfiltertechnik: Die leichten, passiven Brillen kamen bei unseren Testpersonen mit Abstand am besten an, und auch in puncto 3D- und Bildeindruck hatte der LG-Polfilterfernseher die Nase vorn. Die bei dieser Technik größere Blickwinkelabhängigkeit wurde wie eingangs erwähnt in unserer Untersuchung nicht berücksichtigt.
Erstaunt hat uns übrigens, wie schnell unsere Testvorführung diejenigen Befragten von 3D überzeugen konnte, die zuvor noch nie im Kino oder auf einem Fernseher räumliche Bilder gesehen hatten: Von elf 3D-Erstguckern gaben acht zu Protokoll, dass sie sich künftig mehr Inhalte in 3D wünschen.
Die detaillierten Ergebnisse unseres Tests finden Sie in der Printausgabe 8/2011 des c't magazins im Artikel "Raumkampf, c’t-Untersuchung: Welche 3D-Technik ist am angenehmsten?" ab Seite 80. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 18.4.2011 auch als PDF-Datei im c't Kiosk.
Weitere Informationen zum Thema 3D liefert der Schwerpunkt "3D zu Hause" im aktuellen c't Sonderheft "c't Home Entertainment".