Alles so bunt hier! - Nagelneue Netbooks ab 300 Euro im Vergleichstest

Als das Ur-Netbook, der EEE-PC 701 vor rund einem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, gab es zuerst einmal ungläubiges Staunen: Was soll das? Ein ultrakompaktes Notebook mit Minimalausstattung zum billigen Preis? Wer kauft sowas? Viele Menschen kauften den EEE-PC wie warme Semmeln und eine neue Geräteklasse war geboren. Schnell legten andere Hersteller nach und brachten hektisch Konkurrenzmodelle auf den Markt. Heute begrüßen wir bereits die dritte Generation in den Verkaufsregalen. Was können die Mini-Notebooks, welches ist das beste Gerät? Das c't magazin hat fünfzehn Netbooks der Preisklasse ab 300 Euro getestet. - mehr ...

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes Video (TargetVideo GmbH) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (TargetVideo GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Netbook-Markt boomt weiterhin, und immer mehr wollen mitmischen. Die Ideen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen, sind vielfältig: Manche Hersteller wählen einen günstigen Preis, andere eine bessere Ausstattung mit UMTS-Modem oder größerem Bildschirm [--] und auch Design und Farben spielen eine Rolle. Wir haben uns fünfzehn Neulinge zwischen 300 und 600 Euro angesehen.

Rund ein Jahr ist es her, dass mit dem Eee PC 701 (auch bekannt als 4G) ein in Rechenleistung, Speicherplatz und Ergonomie abgespecktes 7-Zoll-Mini-Notebook zum damals unglaublich niedrigen Preis von 300 Euro in den Handel kam. Der Rest ist Geschichte: Der Eee PC wurde zum Verkaufsschlager und begrĂĽndete das Marktsegment der Netbooks.

Es sollte bis Mitte 2008 dauern, bis die ersten Konkurrenzprodukte erhältlich waren. Die meisten Hersteller stiegen noch später ein, und dann direkt mit Geräten der zweiten Generation. Deren 8,9- oder 10-Zoll-Bildschirme bieten eine praxistauglichere Auflösung von 1024 x 600 Punkten.

Jetzt, wiederum ein halbes Jahr später, sind weitere attraktive Netbook-Modelle auf dem Markt, und fast die Hälfte der Notebook-Interessenten griffen laut unserer Umfrage zum Netbook. Bis auf Apple und Sony hat jeder größere Notebookhersteller mindestens ein billiges Mini-Notebook am Start, und etliche kleinere Unternehmen wollen ebenfalls ein Stück des Kuchens abhaben.

Für diesen Test haben wir fünfzehn Geräte ausgesucht. Acer stellte das Aspire One A110X und Asus gleich drei Modelle: Eee PC 1002HA, Eee PC S101 sowie N10J. Dell schickte das Inspiron Mini 12, Fujitsu Siemens seinen Erstling Amilo Mini Ui3520. Von Fukato kam der Datacask Jupiter 1014a, von Gigabyte das M912X. Lenovo ist mit dem Ideapad S10e vertreten, LG mit dem X110. MSI lieferte den Wind U120, One das A570. Schließlich haben auch Samsungs NC10, Schenkers MySN MS1 und Toshibas NB100 den Weg in die Redaktion gefunden. Eigentlich sollte auch HPs für Mitte Dezember angekündigtes Compaq Mini 700, der Nachfolger des glücklosen Mini-Note 2133, im Testfeld vertreten sein, doch bis zum Redaktionsschluss Anfang Januar war das Gerät noch nicht erhältlich.

Die Testgeräte kosten zwischen 300 und 600 Euro. Außer den hier getesteten Modellen sind weiterhin fast alle anderen Netbooks erhältlich, die 2008 auf den Markt kamen. Preise unter 300 Euro findet man dort nur bei den wenigen älteren Geräten mit 7-Zoll-Bildschirm; die interessanteren mit größerem Bildschirm kosten weiterhin rund 350 Euro.

Waren beim letzten Test noch drei verschiedene Prozessoren [--] Intels Celeron M, VIAs C7 und Intel Atom [--] vertreten, so hat sich das Bild inzwischen vereinheitlicht: Alle hier getesteten Netbooks nutzen die Atom-CPU mit 1,6 GHz. Sie ist der leistungsfähigste und energieeffizienteste der drei genannten x86-Prozessoren und reicht für gängige Büro- und Multimedia-Aufgaben aus, kommt aber bei weitem nicht an die Leistungsfähigkeit der Notebook-Prozessoren Intel Core 2 Duo oder AMD Turion X2 Ultra heran. Die in den Chipsätzen integrierten GMA-Grafikkerne genügen diesen Anforderungen ebenfalls; für grafiklastige 3D-Spiele sind sie jedoch unbrauchbar.

Alle Netbooks gibt es mit Windows XP; die Geräte von Acer, Dell, Fukato, Lenovo, One und Toshiba sind wahlweise auch für weniger Geld mit Linux erhältlich. Anders als beim ersten Eee PC gehen die mitgelieferten Linux-Betriebssysteme weg von einer abgeschotteten, proprietären Distribution hin zu einem vollwertigen System auf Ubuntu- oder Suse-Basis. Die Bedienung ihrer grafischen KDE- oder Gnome-Oberflächen ist auch von Nicht-Linuxern zu meistern, manche Netbook-Anbieter liefern zusätzlich eine Bedienoberfläche mit thematisch sortierten großen Icons aus. Das Nachinstallieren von Hardware und Programmen setzt allerdings Systemkenntnisse oder einen Linux-Profi im Freundeskreis voraus.

Hier nun die Beschreibung der drei in der Sendung vorgestellten Netbooks. Die kompletten Testergebnisse aller 15 geprüften Geräte finden Sie in der Printausgabe 3/09 das c't magazins im Artikel "Klein, bunt, mobil, Netbooks der dritten Generation" von Florian Müssig ab Seite 90. Eine Einordnung der Netbooks in die aktuelle Notebook-Landschaft liefert Jörg Wirtgen im Beitrag "Unter neuen Sternen, Was Netbooks von anderen Notebooks unterscheidet" ab Seite 86 in der selben Ausgabe. Beide Artikel erhalten Sie ab dem 2. Februar 2009 unter den angegebenen Links auch als PDF-Datei im c't Kiosk.

[b]Lenovo Ideapad S10e[/b]

Lenovos Ideapad S10e zeigt auf seinem 10-Zoll-Display nicht die üblichen 1024[ ]x[ ]600 (Seitenverhältnis 16:10), sondern 1024[ ]x[ ]576 (16:9) Punkte. Die fehlenden 24 Pixelzeilen vermisst nicht nur der Nutzer schmerzlich (etwa beim Surfen auf Webseiten), sondern auch Windows: Das Betriebssystem mäkelt wie bei den 7-Zoll-Netbooks mit 800[ ]x[ ]480er-Displays, man möge doch bitte eine höhere Bildschirmauflösung einstellen.

Vertikales Scrollen gelingt auf dem schmalen, nur zweieinhalb Zentimeter tiefen Touchpad mehr schlecht als recht. Komfortabler geht es über die Bild-Auf-/-Ab-Tasten, die erfreulicherweise ohne Kombination mit der Fn-Taste nutzbar sind. F12 ist dagegen als Fn-F11 realisiert, woran man sich notgedrungen gewöhnen muss.

Unser Testgerät des S10e erreichte uns mit schräg nach hinten unten abstehendem 6-Zellen-Akku (52 Wh), er sorgt für knapp sechseinhalb Stunden Netzunabhängigkeit. Lenovo verkauft andere Modelle des Netbooks mit einem bündig mit dem Gehäuse abschließenden 28-Wh-Akku, dem nach etwas mehr als drei Stunden der Saft ausgeht. Je nach Modell gewährt Lenovo ein oder zwei Jahre Garantie.

AuĂźer mit Windows XP gibt es das S10e auch mit Suse Linux Enterprise Desktop 10 SP2, doch Lenovo hat das auf den Unternehmenseinsatz ausgelegte Betriebssystem nicht fĂĽr Privatanwender angepasst: Einen Citrix-Client brauchen diese nicht, das kommandozeilenbasierte E-Mail-Programm mutt spricht eher Admins an. Die ressourcenhungrige Videoschnittsoftware Kino ĂĽberfordert das S10e wie jedes Netbook. Immerhin ist mit dem Real Player auch ein Multimedia-Abspielprogramm an Bord.

[b]MSI Wind U120[/b]

Nach dem Erfolg des Wind U100, welches hierzulande auch als Akoya Mini E1210 von Medion in den Handel kam, hat MSI dem Nachfolger U120 nur kleine Detailverbesserungen zuteil werden lassen. Ein helles, mattes Display und eine gute Tastatur (allerdings mit einigen schmalen Tasten) sind somit weiterhin an Bord; die größten Schwächen des U100, etwa die kurze Laufzeit und das Fehlen von UMTS, bügelt das U120 aus.

Beim UMTS-Modem setzt MSI auf Ericssons Minicard F3507G, welche außer einem schnellem HSPA-UMTS-Modem [--] wir haben 436 KByte/s in Empfangs- und 133 KByte/s in Senderichtung gemessen [--] auch einen GPS-Empfänger enthält. Letzterer funktionierte allerdings nicht, was laut MSI am Vorserien-Status unseres Testgeräts liegt. Dem sind wohl auch die sehr lange Akkuladezeit und die geringen USB-Transferraten geschuldet; beim nahezu baugleichen LG X110 aus der Serienproduktion traten diese Probleme jedenfalls nicht auf.

MSI liefert das Wind U120 mit einem nach unten überstehendem 6-Zellen-Akku aus, der bis zu fünf Stunden durchhält. Er speichert 4400[ ]mAh, wohingegen die vor einem halben Jahr als Zubehör unter derselben Typenbezeichnung verkauften Akkus noch 5200 mAh aufnahmen [--] damit wäre eine weitere Stunde Laufzeit möglich.

Außer der hier getesteten Konfiguration (500 Euro) mit schwarz-weißem Gehäuse plant MSI auf absehbare Zeit keine anderen Ausstattungsvarianten des U120. Stattdessen sollen die bisherigen U100-Geräte weiterhin verkauft werden: Diese gibt es in etlichen Farben und als Luxury Edition (380 Euro) auch mit einem der dicken 6-Zellen-Akkus.

[b]Samsung NC10[/b]

Samsung trat zwar spät in den Markt der Netbooks ein, doch der Erstling kann auf Anhieb die Laufzeitkrone erringen: Das NC10 hält bei innenraumtauglichen 100 cd/m2 Bildschirmhelligkeit fast acht Stunden durch; bei voller Helligkeit von außentauglichen 220 cd/m2 sind immerhin noch siebeneinhalb Stunden ohne Steckdose drin. Die lange Laufzeit ist dem 6-Zellen-Akku mit 58 Wh zu verdanken. Der Hochkapazitätsakku steht an der Unterseite etwa einen Zentimeter über und stellt das Netbook dadurch etwas schräg, was aber kaum auffällt. Die Tastatur mit großen Tasten, angenehmem Anschlag und gelungenem Layout ist die bislang Beste bei Netbooks.

Seit Mitte Dezember ist das NC10 auch mit integriertem HSPA-fähigem UMTS-Modem erhältlich; im Test erreichte das Netbook gute Transferraten von 469 KByte/s in Empfangs- und 127 KByte/s in Senderichtung. Die UMTS-Variante des NC10 kostet knapp 500 Euro. Wer bei Vodafone gleichzeitig einen Laufzeitvertrag über 24 Monate abschließt, bekommt das Netbook dort für 50 Euro. Ohne UMTS-Modem geht das NC10 für rund 400 Euro über die Ladentheken. Bei unserem Testgerät fehlte Bluetooth wie bei allen bisher verkauften Modellen; bei neueren Lieferungen der UMTS-losen Version ist der Kurzstreckenfunk an Bord.

[b]Fazit[/b]

Die kompakten 8,9-Zoll-Netbooks von Acer, Fujitsu Siemens, Gigabyte und Toshiba passen auch in kleine Taschen, doch Vielschreiber werden mit den kleinen Tastaturen nicht glücklich. Acers Aspire One A110X läuft dank 6-Zellen-Akku fast sieben Stunden. Beim besonders leichten NB100 von Toshiba stören beim Betrieb in hellen Umgebungen oder im Freien Spiegelungen auf der glatten Paneloberfläche. Das Amilo Mini Ui3520 hat dagegen ein mattes Display und Wechselcover. Gigabytes teures M912X bietet einen hochauflösenden, drehbar gelagerten Touchscreen, doch Tablet-PC-Funktionen fehlen.

Die meisten 10-Zoll-Netbooks sind zwar größer, aber kaum schwerer als die 8,9-Zoll-Geräte. Ihre Gehäuse sind breit genug für gut bedienbare Tastaturen, doch nur einige Hersteller nutzen diese Chance: Die Tippbretter von Asus, Dell, LG, MSI, Samsung und Schenker erfordern das geringste Umlernen.

Für rund 400 Euro bekommt man mit Samsungs NC10 die aktuelle Netbook-Ausstattung und ein helles, mattes Display. Der Akku hält fast acht Stunden durch [--] das schafft kein anderes Netbook. Die ebenfalls guten, aber etwas teureren Geräte Eee PC 1002HA von Asus sowie MSIs Wind U120 (und das dazu baugleiche LG X110) fallen bei der Akkulaufzeit und der Tastatur zurück.

In MSIs Wind U120 ist immer ein UMTS-Modem eingebaut. Die Netbooks von LG und Samsung gibt es mit optional mit UMTS. Sie kosten dann rund 100 Euro mehr, doch es gibt sie auch bei T-Mobile und Vodafone: Bei Abschluss eines 24-Monats-Vertrags bekommt man sie mitunter schon für 1 Euro. Grundsätzlich lassen sich alle Netbooks per USB-UMTS-Adapter (rund 100 Euro ohne Vertrag) aufrüsten, um mobil zu surfen; manche Handy-Shops subventionieren Kombinationen aus Netbook und USB-Adapter bei Vertragsabschluss.

Dells Inspiron Mini 12 mit großen 12-Zoll-Display erfreut die Anwender mit einer "normalen" Auflösung von 1280[ ]x[ ]800, ist aber recht breit. Schenkers MySN MS1 ist das einzige Netbook mit einem optischen Laufwerk, doch das Gehäuse hat die Abmessungen und das Gewicht eines 12-Zöllers [--] obwohl im Deckel nur ein 10-Zoll-Panel steckt. Spieler mit knappem Budget freuen sich über den Nvidia-Grafikchip und die große Festplatte im N10J, allerdings bekommt man schon für 1000 Euro genauso leichte 13,3-Zoll-Notebooks mit einem Vielfachen an Rechen- und Grafikleistung.

Diese drei teuren Spezialisten braucht nur, wer die Besonderheiten zu schätzen weiß; und auch Asus lässt sich das schicke Design des S101 mit 550 Euro bezahlen. Die günstigen 10-Zöller von Fukato, Lenovo und One liefern ebenfalls die Netbook-typische Rechenleistung und haben den Immer-Dabei-Faktor. Man muss hier allerdings in einzelnen Aspekten wie Ergonomie oder Laufzeit Abstriche machen.