Ausdrucks-Künstler - Multifunktionsdrucker ab 130 Euro im Test

Alles neu macht der Oktober, jedenfalls wenn es um Multifunktionsgeräte mit Tintendruckwerk geht. Fast alle Hersteller haben für den Herbst neue Modelle angekündigt, die gleichzeitig Drucker, Scanner und Kopierer sein wollen. Es gibt bessere Tinten und das alte Problem - "mehr Funktionen, also auch mehr Ärger" - sollen nun endlich der Vergangenheit angehören. Das c't magazin hat fünf der neuen Universal-Künstler getestet.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes Video (TargetVideo GmbH) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (TargetVideo GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Alles neu macht der Oktober [--] jedenfalls, was das Tintendrucker-Sortiment angeht. Fast alle Hersteller haben im Herbst neue Modelle angekündigt, die nun allmählich in die Läden kommen. Wir haben die neuen Mittelklasse-Multifunktionsdrucker mit Fotoambitionen vorab getestet.

Dabei fällt die Einteilung in Kategorien bei modernen Geräten immer schwerer. Arbeitete noch vor einiger Zeit ein klassischer Fotodrucker mit mindestens sechs Tinten, reichen heute dank kleinerer Tintentröpfchen auch vier Farben für feinkörnige Bilder aus [--] zumindest theoretisch. Duplexdruck, ein Vorlageneinzug oder ein Faxmodul klassifizieren ein All-in-one eigentlich als Bürogerät, doch können diese Geräte oft auch randlose Fotos ausgeben und einige Hersteller bieten fast jedes Mittelklassemodell mit Fax an, andere packen LAN und WLAN als Bonbon obendrauf.

Bei Lexmark mussten wir mit dem X7675 vorliebnehmen, da der günstigere X4950 (150 Euro) ohne Fax zum Testbeginn Europa noch nicht erreicht hatte. Kodak schickte uns den aktuellen ESP 5. Die Wunsch-Geräte von Canon, HP und Epson schafften es noch gerade rechtzeitig. Auch Brother erneuert im Herbst sein Sortiment, allerdings war das DCP385C (130 Euro) bis zu unserer Deadline noch nicht einmal offiziell angekündigt. Bei Dell hat sich in der Mittelklasse nichts getan, deshalb sind die zwei letztgenannten Hersteller dieses Mal nicht vertreten.

[b]Fortschritte[/b]

Innovationen werden bei Tintendruckern angesichts des Wettbewerbs über den Preis immer seltener. Umso erfreulicher, dass es zumindest einige Neuerungen zu vermelden gibt: HP geht mit einem ganz neuen Druckwerk an den Start, das wir bereits in dem reinen Printer Photosmart D5460 getestet haben. Der fotolithografisch hergestellte Druckkopf hat verschiedene Düsen für große und kleine Tröpfchen bis hinunter zu einem Volumen von 1,3 Picolitern. Diese erzeugen Pünktchen unterhalb des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges und erlauben es, auf die schwach deckenden und verbrauchsintensiven Fotofarben Hellcyan und Hellmagenta zu verzichten.

Canon arbeitet schon länger mit dieser Technik und ist bereits bei 1,0 Picolitern angekommen. Schwachpunkt bei Canon war stets die mangelnde Lichtbeständigkeit der Tinten. Lexmark geht einen anderen Weg und lockt mit fünfjähriger Garantie, WLAN und einigen Funktionen zum Kostensparen wie Duplex und Schwarz statt Farbe. Kodak hat den Preis seiner bei den Tintenpreisen unschlagbaren Farbdrucker jüngst gesenkt, bei Epson fällt vor allem das ungewöhnliche Design ins Auge: Das Gehäuse ist nur halb so hoch wie beim Vorgänger und bringt WLAN sowie eine neues Schlauchdruckwerk unter.

[b]Erwartungen[/b]

Von einem fototauglichen Multifunktionsgerät der Mittelklasse erwarten wir natürlich, dass es ansehnliche randlose Fotos in A4 und Kleinformaten ausgeben kann. Text und Grafiken sollte es ebenso drucken können und zwar alles zu einem vertretbaren Preis. Der Scanner sollte nicht nur vom PC aus benutzbar sein, dabei neben Bildern auch Dokumente sauber einlesen und am besten als durchsuchbare PDFs im Original-Layout archivieren können.

Am Gerät sollten sich Fotos von der Speicherkarte und vom Scanner ebenfalls randlos in guter Qualität ausgeben lassen. Hilfreich sind dafür ein Farbdisplay, aber auch Bildbearbeitungsfunktionen der Firmware wie etwa Rote-Augen-Korrektur. Erfreulich ist es, wenn man direkt auf eine Speicherkarte oder einen USB-Stick scannen oder von dort Bilder auf den Rechner übertragen kann.

Die Beschreibung der in der Sendung vorgestellten drei Geräte folgen. Die kompletten Testergebnisse aller überprüften Multifunktionsgeräte finden Sie in der Printausgabe 23/2008 des c't magazins im Artikel "Ausdrucks-Künstler, Mittelklasse-Multifunktionsdrucker mit Foto-Ambitionen" von Stefan Labusga und Johannes Schuster. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 3.11.2008 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk.

[b]Kodak ESP 5[/b]

Kodak hat mit seinen Multifunktionsdruckern den Konkurrenten den Kampf bei den Tintenkosten angesagt: Ein Foto ist für nur 10 Cent zu bekommen und darin ist bereits (dünnes) Fotopapier enthalten. Für 15 Cent bekommt man ein dickes Fotopapier samt Tinte, wenn man ein 135er-Set kauft. Das ist deutlich weniger, als bei den anderen Teilnehmern allein die Farbe kostet. Der ESP 5 kostet mit 130 Euro deutlich weniger als alle anderen Teilnehmer, dafür kann er auch nicht so viel.

Beim Drucken, Scannen, Direktdruck und Kopieren stehen jeweils nur wenige Einstellmöglichkeiten zur Auswahl. Die Papiersorte bestimmt bei Kodak der Sensor im Gerät. Trotz seiner Pigmenttinte und einem separaten polymeren Binder liefert der ESP 5 auf Normalpapier keine guten Fotos: Sie sind unter Windows zu dunkel und mit einem Grauschleier überzogen. Auf dem Kodak-Papier säuft Schwarz ab, Grau wirkt bunt und grünstichig und Hauttöne erscheinen körnig. Roter Text gerät Braun, blauer zu Grau. Schwarzen Text und grafische Elemente druckt der ESP 5 hingegen erfreulich sauber. Im UV-Belichter verblassten die Pigmenttinten kaum.

Das Scan-Modul lieferte keine brauchbaren Fotos: Durch dunkle Bereiche ziehen sich feine Linien, Details sind unscharf, Rot bonbonfarben, der Gesamteindruck milchig-gelb. Unter Windows erzeugte die Software "All-In-One HomeCenter" durchsuchbare PDFs [--] auch auf Knopfdruck am Gerät. Für den Mac fehlt die OCR-Software ebenso wie eine Stand-alone-Applikation zum Scannen. Notfalls kann man jedoch das zum OS X gehörende Programm "Digitale Bilder" zusammen mit dem Twain-Modul verwenden, wenn man keine Twain-fähige Bildbearbeitung besitzt. Der ESP 5 kann direkt auf eine Speicherkarte scannen, nicht jedoch auf einen USB-Stick. Von beiden Flash-Medien lassen sich Bilder auf den Windows-PC übertragen, allerdings nur alle in einem Rutsch oder gar nicht.

Beim Kopieren vermissten wir das A4-Format für Fotos. Die Ergebnisse waren bei Bildern leicht grünstichig und körnig, Grauflächen auf der Grafikseite hingegen rotstichig, Text jedoch akkurat. Erfreulich ist das flotte Drucktempo: Weniger als eine Minute pro Postkartenabzug schaffte kein anderer. Auch für das A4-Foto brauchten die Mitbewerber sämtlich mehr als doppelt so lange.

[b]Canon Pixma MP630[/b]

Die Unterschiede zum Vorgänger Pixma MP610 stecken beim MP630 vor allem unter der Haube: In den kleineren Patronen fließt eine neu formulierte Tinte, die Licht besser vertragen soll. Canon erzielt nun einen besseren, aber immer noch verbesserungswürdigen Platz. Das neue Professionelle Fotopapier II konserviert zwar die Tinten bestens, verträgt aber die Sonne selbst nicht so gut und vergilbt sichtbar nach der simulierten Lichtdosis von einem Jahr hinter Glas.

Fotos druckte der MP630 mit hervorragender Qualität, lediglich auf Normalpapier könnten sie besser sein: Unter Windows saufen die Tiefen ab und Blau wirkt bonbonfarben, am Mac gerieten die Bilder zu hell. Schwarzer Text und Grafiken leiden unter etwas unsauberen Konturen. Auf Folie und bei direktgedruckten Fotos stören minimal buntes Grau und leichte Fehlfarben.

Die kleineren Patronen sorgen auch für etwas höhere Kosten von nunmehr 16,5 statt 15,2 Cent pro 10x15-Bild (ohne Papier). Die ISO-Seite verteuerte sich von 8,8 auf 10,7 Cent. In unserem ersten Test des neuen Druckwerks im Pixma iP4600 sind wir übrigens noch von höheren Patronenpreisen als den jetzt letztlich geforderten ausgegangen. Die neuen Tintenpatronen mit der Bezeichnung 520/521 kann man nach dem Selbst-Befüllen auch nicht mit den bereits erhältlichen Chip-Resettern auf den Neuzustand zurücksetzen. Deshalb ist hier noch keine Kostenersparnis möglich, wenn man auf die korrekte Tintenstandsanzeige nicht verzichten will.

Weiterhin steht beim CD-Druck standardmäßig nur ein bedruckbarer Bereich mit einem Durchmesser von 118 mm und einem Innenloch von 33 mm zur Verfügung. Mit einem eigenen "Papierformat" kann man den Mittelkreis auf 17 mm verkleinern. Wünschenswert wären Durchmesser von 15 bis 120 mm. Außerdem fehlt noch immer der Import von TIFF-Bildern in der CD-Drucksoftware. Ein leidiges Problem bei Canon sind die ständigen Spülvorgänge, die besonders nerven, wenn man gerade den CD-Schlitten eingelegt hat und er für die unvermittelt einsetzende Reinigung erst mal wieder ausgespuckt wird.

Beim äußerst praktischen, automatischen Duplex-Druck verwendet der MP630 leider nicht das günstigere Textschwarz, da es mit seinen Pigmenten offenbar zu wischanfällig wäre. Die Rückseite wird von den Füßen zum Kopf hin gedruckt und weist vertikal wie auch horizontal einen Versatz von je 2 mm auf.

Beim Direktdruck stehen am Display die nötigen Einstellungen und etwas Schnickschnack wie Einstanzen von Kalenderansichten oder Datum bereit. Die Rote-Augen-Korrektur funktionierte wie erwartet.

Das Scan-Modul lässt im erweiterten Modus auch für erfahrene Bildbearbeiter kaum Wünsche offen. Die Scans mit Belichtungsautomatik gerieten etwas zu dunkel und leicht verrauscht, aber angenehm scharf und mit schönen Farben. Für das Einlesen eines A4-Fotos mit 600 dpi sind 26 Sekunden erstaunlich wenig. Die Software "MP Navigator" erzeugt durchsuchbare PDFs, auch wenn man den Vorgang am Gerät auslöst. Man kann auch auf Speicherkarten oder einen USB-Stick scannen.

Die Kopierfunktionen am Gerät hat Canon wie kein anderer Hersteller verfeinert: Neben Duplex, Seitenverkleinerung und Zuschnitt ist auch das Abdecken unerwünschter Bildpartien in der Display-Vorschau möglich. Als einziger Testkandidat kann der MP630 CD-Oberflächen direkt vom Vorlagenglas auf einen bedruckbaren Rohling kopieren. Dabei stehen einstellbare Durchmesser von 23 bis 118 mm sowie eine Versatzkorrektur zur Verfügung. Die Qualität ist wegen eines Rotstichs nicht ganz so gut wie beim Druck vom Mac oder PC. Kopierte Fotos gerieten scharf und knackig, allerdings etwas zu dunkel und leicht grünlastig.

[b]Epson Stylus Photo PX700W[/b]

Mit einer Höhe von nur 15 Zentimetern ist der PX700W erstaunlich flach. Als Folge drängen sich die für die Bedienung wichtigen Elemente etwas an der Front zusammen und der Papiereinzug ist von hinten nach unten gewandert, hat aber sogar ein kleines Fach für Fotopapiere aufgesattelt bekommen. Der Deckel des Scanners liegt tiefer als der Gehäuserand, zum Aufklappen benötigt die Klappe allerdings auch den üblichen Raum, sodass man das Epson-Gerät nicht einfach ins Regal schieben und komplett von vorne bedienen kann. Auch im Inneren wird Platz gespart: Die sechs Einzelpatronen fahren nicht auf dem Druckkopfschlitten mit [--] die Flüssigkeit gelangt über Schläuche zu den Düsen.

Da Epson die schwach deckenden und verbrauchsfreudigen Fototinten einsetzt, liegen die Kosten pro Postkartenfoto bei 26,8 Cent. Die Qualität gibt allerdings keinen Anlass zu meckern. Lediglich auf Normalpapier gerieten die Farben zu matt und körnig, am Mac kommt noch ein Rotstich hinzu. Bei den insgesamt guten, allerdings etwa dunklen Direktdrucken stören leicht bunte Grautöne. Die Farben, insbesondere Rot, blichen im Sonnenlicht erkennbar aus, auf Premium-Papier wurden sie durch den Photonen-Beschuss nur minimal heller.

Folien bedrucken Epson-Geräte traditionell nicht. Auf unserer Grafikseite fallen die hervorragenden Grauverläufe positiv auf, andererseits gelang dem PX700W kein wirklich sattes Schwarz. Die Kanten von Schrift und feinen Linien wirken immer leicht unsauber. Bei farbigem Text traten unter Windows sporadisch Störungen im Schriftbild auf, einige Zeilen sehen fast wie kursiv gesetzt aus.

Der professionelle Modus des Scan-Moduls macht seinem Namen Ehre und bietet alle Funktionen eines guten Standalone- Scanners. Die eingelesenen Bilder sind farblich korrekt, scharf, bis in die Tiefen durchbelichtet und nur wenig verrauscht. Mit dem beiliegenden Abbyy FineReader kann man aus den Scans automatisch durchsuchbare PDFs fertigen lassen. Dies gelingt auch am Mac, wobei man sich mit englischen Menüs und einer Vorschau als Fließtext begnügen muss. Die Geräteknöpfe ließen sich vom neuen "Event Manager" nicht ausreichend konfigurieren, da es die aufgeführten Knöpfe am Gerät gar nicht gibt.

Ein guter Scanner und ein guter Drucker ergeben zusammen nicht automatisch einen guten Kopierer: Trotz guter Schärfe wirken die Fotos rotstichig und von einem Grauschleier überzogen. Text leidet unter unsauberen Kanten und ist nicht wirklich schwarz, Grau wirkt bunt.

Der integrierte CD-Schlitten wird nach Tastendruck per Motor ein- und ausgefahren. In der vorbildlichen Software kann man Durchmesser des Druckbereichs zwischen minimal 18 und maximal 120 mm einstellen, Bilder werden allerdings stets verkleinert importiert und müssen somit auch bei korrekter Abmessung per Maus wieder aufgezogen werden.

Weder Speicherkarten noch USB-Sticks lassen sich vom Rechner aus auslesen, aber man kann direkt darauf scannen und von ihnen drucken. Dabei stehen viele Funktionen bereit, die Bildverbesserung lässt sich jedoch nicht abstellen und korrigierte die roten Augen unseres Testmotivs nicht.

Drucker und Scanner gingen erfreulich flott zu Werke, beim Text-Kopieren verbreiteten sie aber auch am meisten Krach. Die Seitenpreise liegen bei Epson mit 12,3 Cent etwas über dem Mittelklasseniveau und lassen sich auch bei Einsatz der optionalen Patronen mit leicht höherer Befüllung kaum senken. Mit Anschaffungskosten von 230 Euro rangiert der PX700X preislich in einer anderen Liga als die anderen Testteilnehmer, dafür bringt er auch LAN- und WLAN-Fähigkeiten mit.

[b]Fazit[/b]

Wenn Dinge wie Direktdruck, Farbkopien oder Mac-Kompatibilität angepriesen werden, sollten sie auch funktionieren. Das tun sie allerdings nicht immer, und selbst, wenn man von den Zusatzfeatures absieht und auf die Kernfunktionen wie Drucken und Scannen blickt, gibt es qualitativ himmelweite Unterschiede [--] von Tempo und Kosten ganz abgesehen. Je nach persönlichem Schwerpunkt sollte man sich also den Kandidaten aussuchen, beim dem man am wenigsten Kompromisse eingehen muss.

Wer auf guten Fotodruck, gute Scans mit einer funktionsreichen Software und CD-Druck wert legt, liegt bei Canon und Epson richtig. Der Canon Pixma MP630 beherrscht Duplex-Druck und bringt zwei Papierfächer mit. Der Stylus Photo PX700W scannt etwas besser, druckt aber teurer und kostet deutlich mehr. Beim Preisvergleich muss man allerdings berücksichtigen, dass die neuen Geräte von Epson bereits netzwerkfähig sind. Für Kodak sprechen vor allen die geringen Fotokosten, aber auch der günstige Gerätepreis [--] der Scanner ist freilich richtig schlecht. HP verspielt seine Chancen, da der technisch innovative Photosmart C5324 nicht eigenständig kopieren kann und noch zu viele Macken hat. Die Features des X7675 von Lexmark wie Duplex-Druck und WLAN können nicht darüber hinweg trösten, dass seine Druck- und Scanqualität nicht mit jener der Canon- und Epson-Geräte mithalten kann.