Die Online-Hitparade - Internetradios ab 100 Euro im Test
Morgens halb acht in Deutschland. Die Kaffeemaschine brodelt und dann folgt der routinemäßige Griff zum Küchenradio. Neuerdings zeigen sich immer mehr dieser Küchenradios von ihrer modernsten Seite, denn die Hits kommen nicht über die Antenne ins Gerät, sondern über aus dem Internet. Internetradios haben sich zur echten Alternative zum guten alten UKW-Empfänger entwickelt. In der Kompaktversion passen sie in die Küche oder auf den Schreibtisch, in höheren Preisregionen ergänzen sie die edle Hifi-Anlage und bieten dort eine fast unbegrenzte Musikauswahl in guter Qualität. Das c’t magazin hat 15 Geräte aller Klassen getestet.
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Morgens halb acht in Deutschland: Kaffee gekocht, kurz den Kühlschrank durchforstet und dann der Griff zum Radio. Immer weniger Menschen drücken auf den Einschaltknopf eines UKW-Empfängers und greifen stattdessen zur Fernbedienung ihres Internetradios. Die Aufgaben des alten Küchenradios erfüllen die modernen Internet-Spieler inzwischen allemal. Übers Netz bieten sie Zugriff auf die Live-Streams der klassischen Radiosender. Seinen heiß geliebten Lokalsender kann man so auch nach einem Umzug außerhalb des eigentlichen Sendegebietes genießen.
Die neuen Geräte können aber deutlich mehr: Sie greifen auf kostenpflichtige Musikdienste wie Aupeo oder Napster zu, klinken sich in Musik-Communities wie Last.fm ein oder schlagen Brücken zum persönlichen Twitter- oder Facebook-Account. Die Wiedergabe von Netzwerkfestplatte, Router oder PC im Heimnetz gehört ebenfalls zum guten Ton.
Internetradios mit eingebautem Aktivlautsprecher für den Stand-alone-Betrieb stellen auch dieses Mal das Gros der Testgeräte: Das Indio Mini von Avox, dnts Einstiegsgerät IP duo, das Squeezebox Radio von Logitech, das WorldStream Touch von Pearl, Philips’ NP2900 und das Design-Radio Sonoro elements W kommen als kompakte Koffer ra dios daher. Etwas stärkere Endstufen und satteren Sound versprechen das Avanti Flow von Pure und die NetWorks Combo von Tivoli Audio.
Doch Internetradios sind nicht nur ein Thema für Küche oder Gästezimmer, auch fürs Stereo-Rack im Wohnzimmer haben die Hersteller inzwischen einiges zu bieten. Die HiFi-Schmiede Audioblock stellte für den Test das Internetradio IR 100, dnt schickte mit dem IPdio Tune ebenfalls eine HiFi-Komponente ins Rennen. Von Muvid stammt der IR 815, Tangent schickte uns den NET 200 – alle vier passen ins 43-Zentimeter-Raster. Ebenfalls auf externe Verstärkung angewiesen: Die Audio-Streaming-Clients von Philips (NP1100) und Sagems My Web Tuner 500, der vom Internet-Provider 1&1 als AudioCenter vertrieben wird.
Etwas abseits vom restlichen Testfeld steht Pures brandneues Sensia, das uns nur als Vorserienmodell zur VerfĂĽgung stand. Das Design-Ei hebt sich nicht nur durch seine Form von den ĂĽbrigen Kandidaten ab: Mit einem groĂźen Touchdisplay und interessanten Web-Services hat es auch sonst etwas mehr zu bieten als manch ein Konkurrent.
Das teuerste Gerät im Test geht für stolze 800 Euro über die Ladentheke. Da wird sich manch ein Kunde fragen, ob er sich nicht lieber eine Kombination aus Apples Musikspieler iPod touch und einer Dockingstation mit Aktivlautsprechern gönnt – schließlich gibt es im App Store genügend Internetradio-Anwendungen und auch die Auswahl an Dockingstationen ist riesig. Wir entschieden uns für eine Kombination aus iPod touch 8 GB und der Boombox MIX von Altec Lansing. Wie sich das Duo im Vergleich zu den Internetradios geschlagen hat, erfahren Sie Beitrag "Radiorama, Internetradios werden erwachsen" von Sven Hansen in der Printausgabe 1/2010 des c't magazins ab Seite 142. Dort erfahren Sie auch, wie sich die verschiedenen überprüften Modelle im Test bewährt haben. Den Beitrag erhalten Sie auch als PDF-Datei im c't-Kiosk .Hier die Kurzbeschreibung der drei in der Sendung näher vorgestellten Modelle.
Logitech Squeezebox Radio
Mit dem Squeezebox Radio erweitert Logitech seine Serie von vernetzten Musikspielern um ein kompaktes Mono-Radio. Mit einem Verkaufspreis von 170 Euro ist es die Squeezebox für Einsteiger. Das knubbelige Radio steckt in einem Gehäuse aus hochglänzendem Kunststoff. Es ist wahlweise in Schwarz oder Feuerrot erhältlich, wobei letztere Version nur in limitierter Auflage vertrieben wird. Eine Fernbedienung ist nicht im Lieferumfang enthalten, man bekommt sie im „Radio Accessory Pack“ für 50 Euro zusammen mit einem Lithium-Ionen-Akku. Es soll ab Anfang Februar 2010 verfügbar sein. Im Test lief unser Squeezebox Radio mit dem von Logitech bereitgestellten Akkupack immerhin acht Stunden, bevor es wieder an die Steckdose musste.
Auch ohne Fernbedienung geht die Bedienung des Radios über den dicken Steuerknopf und das gut lesbare QVGA-Farbdisplay flott von der Hand. Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich manuell einstellen oder wird über einen Helligkeitssensor automatisch dem Umgebungslicht angepasst – schaltet man das Nachttischlicht aus, dimmt das Squeezebox Radio die Beleuchtung sanft herunter, sodass gerade noch die Uhrzeit abzulesen ist.
Ins Stocken gerät man höchstens, wenn man von der Online-Welt zum lokalen Squeezeserver wechselt oder umgekehrt. Das Radio muss sich jeweils neu anmelden – erst nach einer kurzen Wartezeit kann man auf Inhalte zugreifen. Bei derzeit 27 verfügbaren Online-Diensten hält man sich allerdings ohnehin weniger auf dem lokalen Server auf – die Netzinhalte sind viel zu spannend.
Wer das Radio zum Streamen von Audiodateien nutzen möchte, muss wie bei allen Squeezeboxen die proprietäre Server-Anwendung installieren – UPnP AV sprechen Logitechs Streaming-Clients nicht. Wer ein wenig Geld übrig hat, kann seine Musiksammlung auch bei MP3Tunes parken: 2 GByte Speicherplatz sind frei, für Premium-Accounts mit 50, 100 oder 200 GByte sind zwischen 4 und 13 US-Dollar monatlich fällig. Den Betrieb des Servers in den eigenen vier Wänden kann man sich dann sparen.
Philips NP1100
Der NP1100 ist als Ergänzung zur heimischen Stereoanlage gedacht. Eigentlich ist er als Streaming-Client für die eigene Musiksammlung konzipiert, durch die Kooperation mit vTuner eignet er sich aber auch als „Internetradio-Settop-Box“.
Das recht schlichte Gehäuse ist mit transparentem Kunststoff eingefasst. Das Monochrom-Display ist nicht besonders hochauflösend, mit 9,7 Zentimeter Diagonale aber recht groß. Positiv: Die Icons im Startmenü werden auf der gesamten Höhe des Displays angezeigt und die ein Zentimeter hohen Lettern der Titelinformation bei der Musikwiedergabe sind auch aus drei Metern Entfernung noch zu lesen. Das NP1100 reagiert angenehm schnell auf Eingaben. Da am Gerät selbst gerade mal ein Einschalter vorhanden ist, ist man vollkommen auf die – recht übersichtliche – Fernbedienung angewiesen.
Die Verwaltung der Radiostationen und die Konfiguration des Radios über die Homepage von clubphilips.com ist seit unserem letzten Test noch träger geworden. Nur mühsam hat man sich hier seine gewünschten Stationen zusammengeklickt.
Pure Avanti Flow
Das Avanti Flow von Pure ist als Küchenradio sicherlich zu schade. Das Holzgehäuse mit schwarzem Klavierlack wirkt edel. Sofort fällt das leuchtstarke OLED-Display ins Auge: Die Schrift ist zwar etwas klein geraten, lässt sich aber aus jedem beliebigen Winkel ablesen. Die Fernbedienung wird per Funk angebunden, praktisch, wenn man mal keinen direkten Blickkontakt zum Radio hat. Bässe, Höhen und Subwoofer-Intensität lassen sich über spezielle Tasten einstellen.
Ăśber das iPod-Dock an der Oberseite kann man Apples Musikspieler einbinden und ĂĽber die Funkfernsteuerung auch fernbedienen. Mit seiner gut erreichbaren Snooze-Taste dient sich das Avanti Flow als Radiowecker an. Dabei hat es genug Wumms, um auch Morgenmuffel senkrecht im Bett stehen zu lassen.