Grauzone - Was taugen Gehirn-Jogging-Programme?

Um die grauen Zellen wieder auf Vordermann zu bringen, bieten so genannte persönliche Coaches mit Namen wie Dr. Brain, Dr. Tool oder Dr. Kawashima ihre Dienste an. Die Gehirn-Jogging-Programme versprechen auf unterhaltsame Weise den IQ zu erhöhen und das geistige Alter zu senken. Das c't magazin will es genau wissen: Halten knifflige Logistik-Puzzles, Reaktionsspiele oder Kopfrechenaufgaben gegen die Uhr wirklich, was sie versprechen?

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Die c't-Redakteurin Dorothee Wiegand will wissen: Was taugen Gehirnjogging-Programme? Beim ersten Programm namens "Dr. Kawashima" soll zunächst ihr geistiges Alter ermittelt werden. Das Ergebnis [--] 72 Jahre [--] schockiert sie. Doch Experten beruhigen: "... Das Alter, das man erfährt, ist nicht sehr ernst zu nehmen, denn da gehen methodische Mängel mit ein."

Gehirnjogging-Programme sind zurzeit der Renner. Die Anbieter behaupten vollmundig, unser Gehirn fitter zu machen, das geistige Alter zu senken und sogar die Intelligenz zu erhöhen. Solche Versprechen zeigen Wirkung, die Programme werden millionenfach gekauft. Doch halten sie auch, was sie versprechen? Siegfried Lehrl muss es wissen. Er ist Psychologe an der Uni Erlangen und hat wie kein anderer den Begriff des Gehirnjoggings geprägt.

Der Renner unter den Programmen ist "Dr. Kawashima". Mit ihm soll Dorothee Wiegand knifflige Aufgaben lösen, soll fix rechnen, zählen und lesen. Alles soll sich auf ein paar Minuten am Tag beschränken. Stellt sich nur die Frage, ob so was wirklich fitter macht.

Siegfried Lehrl: "Insgesamt ist das Spiel ernst zu nehmen. Herr Kawashima hat die Spiele daraufhin ausgewählt, dass sie im Gehirn möglichst viel bewirken. Der Nachweis, dass sie das auch wirklich tun, steht bislang aber noch aus".

[b]Rechenleistung steigern[/b]

Besonders beliebt sind bei manchem Trainingskandidaten die Rechenaufgaben. Wer schon immer gut in Mathe war, kann hier seine Stärken ausspielen. Und nach und nach seine Rechenleistung steigern. Dass dies keine leeren Versprechungen sind, daran zweifelt Siegfried Lehrl nicht. Doch wird man schon dadurch insgesamt klüger und fitter? Lassen uns bessere abstrakte oder logische Denkleistungen auch den Alltag besser meistern?

Siegfried Lehrl: "Durch solche Aufgaben werde ich vor allem besser in Situationen, wo auch wieder ähnliche Aufgaben gestellt werden. Aber es gibt auch wieder andere Situationen, und da nützt es mir dann nicht viel."

[b]Gehirnjogging gegen Alzheimer?[/b]

Einige Programme bietet Gehirnjogging speziell für die Generation 50 plus an. Ältere Menschen sind zu einer interessanten Zielgruppe geworden. Denn ihnen verspricht mancher Anbieter bei regelmäßigem Training sogar Schutz vor Alzheimer. Ist das alles Humbug?

OT Lehrl: "Studien über solche Wirkungen von E-Games sind mir nicht bekannt. Aber man kann einiges erschließen: Wenn ich viele Routine habe im Leben, dann können solche Spiele anreichernd wirken und den Eintritt von Alzheimer hinausschieben. Wenn ich aber zuviel spiele und ich mich überfordere, dann bin ich auch wieder gefährdet. Das könnte sogar, das ist gut denkbar, eher zu Alzheimer führen."

Studien ergaben: Zuviel geistige Anstrengung macht Stress. Und der gilt als ein Auslöser für Alzheimer.