Rechnerkauf mit Augenmaß - Minicomputer ab 270 Euro im Test

Niemand käme auf die Idee, mit einem teuren, riesigen Mähdrescher den Rasen des kleinen Reihenhäuschens zu mähen. In der Computerwelt sieht das gelegentlich ganz anders aus. Frei nach dem Motto: "Rechenleistung kann man nie genug haben" investiert da so mancher viel Geld in einen Computer, dessen Leistung er nur zu Bruchteilen wirklich ausnutzt. Denn für klassische Büroarbeiten oder das Surfen im Internet reicht ein kleiner PC, ein sogenannter Nettop. Diese Rechner sind so klein, dass man sie sogar hinter den Bildschirm klemmen kann und mit überschaubaren Preisen ab 270 Euro schonen Sie auch noch die Brieftasche.

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Jahrelang trommelte Intels Marketingabteilung für mehr Rechenleistung [--] von Gigahertzen, Kernen oder Cache-Megabytes konnte man eigentlich nie genug haben. Plötzlich sollen billige Rechnerlein mit schwachbrüstigen Prozessoren gut genug sein für viele Alltagsaufgaben [--] stimmt das?

Geradezu legendär sind Intels Werbesprüche für den Ende der 90er Jahre eingeführten Pentium III, der mit seinen "hohen Taktfrequenzen und Streaming-SIMD-Befehlssatzerweiterungen" die "User Experience" bei Internetanwendungen fulminant verbessern sollte. War das Intel-Marketing bislang hauptsächlich für Performance-Hohelieder bekannt, hört man nun das Lob der Bescheidenheit: Billige Kompaktrechner, sogenannte Nettops, sollen gerade genug Rechenleistung liefern fürs Websurfen und andere einfache PC-Anwendungen.

Der Erfolg der Netbooks zeigt, dass viele Käufer gerne auf Hardware-Leistung verzichten, sofern sie Vorteile wie niedrige Preise oder kompakte Geräte ernten. Intels Billigprozessor Atom hat eine wahre Explosion von Netbooks ausgelöst, den Mini-Notebooks vom Schlage des Asus Eee PC. Das MSI Wind U100 schaffte es auf Anhieb in die Aldi-Filialen; die billigen Winzlinge mit Schnuckelfaktor gehen weg wie warme Semmeln. Nun rollt die Nettop-Welle: Hier variieren die PC-Hersteller das Netbook-Kochrezept und bauen kompakte, einfach ausgestattete und vor allem billige Maschinchen für den stationären Schreibtisch-Einsatz. Zu sehr ähnlichen Preisen gibt es jedoch besser ausgestattete sowie deutlich leistungsfähigere Desktop-Rechner, darunter auch kompakte. Welche spezifischen Vor- und Nachteile haben also Nettops? Das zeigen wir am Beispiel der ersten lieferbaren Geräte, etwa der Asus Eee Box und dem Wind PC von MSI. Außerdem haben wir mit Intel über die Billig-Desktops gesprochen.

[b]Mac-mini-Epigonen[/b]

Wie vielen anderen PC-Innovationen stand auch den Nettops ein Apple-Gerät Pate, nämlich der 2005 eingeführte Mac mini. Auch Nettops sollen unkomplizierte Rechner für einfache Anwendungen sein, etwa Websurfen, Textverarbeitung, Musik hören und Video-Wiedergabe in PAL-Auflösung. Wie vom Mac mini gibt es auch von Nettops jeweils nur wenige Produktvarianten, Auf- oder Umrüsten ist eigentlich nicht vorgesehen.

Ein spezieller Nettop, nämlich die Eee Box von Asus, verkörpert eine der bisher attraktivsten Bauformen: Eine flüsterleise, sparsame Flunder, die ein akzeptables Basisniveau an Rechenleistung und Ausstattung liefert. Während Apple für den Mac mini aber mindestens 500 Euro verlangt, kostet die Eee Box mit Windows XP lediglich 270 Euro. Dafür muss man außer auf Mac OS X auch auf ein optisches Laufwerk verzichten und (grob geschätzt) mit der Rechenleistung eines 1-GHz-Celerons auskommen, während im Mac mini ein recht flotter Notebook-Doppelkern rennt.

Intel hat sehr genaue Vorstellungen von der Hardware-Ausstattung von Nettops: Es gibt genau zwei CPU-Versionen, nämlich den Atom 230 und die Dual-Core-Version Atom 330 [--] beides enge Verwandte des Netbook-Mobilprozessors Atom N270. Die PC-Hersteller haben indes ganz eigene Vorstellungen, wie ein Nettop aussehen und ausgestattet sein soll. Die Eee Box beispielsweise unterbietet vom Volumen her den Mac mini um gut 30 Prozent; noch kleiner sind teure Speziallösungen wie der Microspace-PC der schweizerischen Firma Digital-Logic, in dem die Embedded-Version Atom Z500 steckt. Beide Geräte kann man an der Rückseite von Monitoren mit VESA-Gewindebohrungen festschrauben [--] voilà, sogar als iMac-Imitat taugen manche Nettops, wenn auch mit gewaltigen ästhetischen Abstrichen.

Die meisten Nettops sind freilich um ein Mehrfaches voluminöser als die Eee Box. Der Barebone X27 von Shuttle hat in etwa das Format eines Brockhaus-Bands, der MiniPirat-Nettop passt knapp in einen Schuhkarton. Besonderes Geschick bei der Ausnutzung des Gehäusevolumens beweisen nur wenige Hersteller. So ist der Shuttle X27 trotz Notebook-Laufwerken mehr als doppelt so groß wie ein Mac mini. Mancher Hersteller setzt aus Kostengründen gleich auf Laufwerke im Desktop-PC-Format, etwa MSI beim Wind PC.

[b]Atom-Geschichte[/b]

Kompakte Desktop-Rechner gibt es schon seit Jahren. Radikalste Bauform sind sogenannte All-in- One-(AiO-)PCs, bei denen die Computertechnik fest ins Display-Gehäuse eingebaut ist. Besonders bekannt ist Apples iMac, Ähnliches verkaufen aber auch Sony, HP sowie hierzulande weniger bekannte Firmen wie Tri-Gem/Averatec oder Clevo.

Bei manchen Mini-Rechnern handelt es sich um sparsame, aber auch meistens sehr langsame Thin Clients, erweitert um Festplatte und Betriebssystem. Viel flotter, aber auch teurer sind Desktop-Rechner mit Mobilprozessoren nach dem Vorbild des Mac mini; solche haben etwa AOpen, Dell (Studio Hybrid) und Fujitsu Siemens Computers (Esprimo Q) im Angebot. Viel mehr Auswahl gibt es bei sogenannten Small-Form-Factor-(SFF-) und Ultra-SFF-Rechnern mit (billigeren) Desktop-PC-Prozessoren. Alle großen PC-Hersteller offerieren Bürorechner für den gewerblichen Einsatz in solchen Formaten. Acer (Aspire L5100), Dell (Inspiron S) und HP (Pavilion Slimline) bauen auch Kompaktrechner-Serien mit mehr Multimedia-Ausstattung für Privatleute.

Kleinere PC-Hersteller setzen oft auf "Barebones", also vormontierte Einheiten aus PC-Gehäuse, Mainboard und Netzteil. In einigen kompakten Barebones steckt teure Mobiltechnik, es gibt aber auch immer mehr Barebones für Komplettrechner der 300-Euro-Klasse. Auch darin findet sich übrigens häufig der Chipsatz 945GC, den Intel für Nettops empfiehlt.

Die Nettop-Idee hat ihre Wurzeln in den sogenannten "Emerging Markets". Dieser Euphemismus steht für Entwicklungsund Schwellenländer wie China, Indien oder Südamerika, wo man in Zukunft die höchsten Zuwachsraten bei den Computer-Stückzahlen erwartet. Deshalb feilen alle größeren IT-Hardware-Hersteller an Konzepten zur Eroberung dieser Märkte [--] AMD engagiert sich beim OLPC-Laptop XO, Intel hat das Schüler-Notebook Classmate PC entwickelt, VIA die PC-1-Initiative gegründet.

Bereits 2004 tauchte unter dem Codenamen Shelton in China das Mainboard D845GVSH für billige Desktop-Rechner auf. Dabei lötete Intel einen abgespeckten 1-GHz-Mobilprozessor zusammen mit einem älteren Chipsatz, auf eine Platine im Mini-ITX-Format, verwendete seinerzeit diese Bezeichnung aber nicht [--] wohl, weil Mini-ITX eine Idee des Konkurrenten VIA Technologies ist. 2007 brachte Intel das D201GLY mit zugekauftem SiS-Chipsatz heraus, angeblich wieder nur für "Emerging Markets". Zu Preisen um 50 Euro tauchte es aber auch im deutschen Einzelhandel auf. Intels aktuelle Nettop-Plattform trägt den Codenamen Shelton’08 [--] und am Konzept hat sich wenig geändert, bloß dass nun Atom 230 und der Chipsatz 945GC auf der Mini-ITX-Platine sitzen.

[b]Positionitis[/b]

In Entwicklungs- und Schwellenländern dienen Billigrechner als Marktöffner, sind also für Menschen gedacht, die nicht genug Geld für potentere Hardware haben. In den reifen Märkten der Industrieländer bergen Billigprodukte aber das für ihre Hersteller gefährliche Risiko, profitablere Waren zu verdrängen. Hier will Intel deshalb eine neue Klasse von Geräte formen, die als Zweitoder Dritt-Computer gekauft werden und so die Stückzahlen der etablierten Notebooks und Desktop-Rechner nicht kannibalisieren. Zur Abgrenzung hat Intel die Kunstnamen Netbook und Nettop erfunden. Solche Computer bieten nicht viel mehr als Internet-Zugriff [--] Käufer, die mehr wollen, sollen bitteschön auch mehr Geld ausgeben.

Mit dieser Positionierungsstrategie wandelt Intel auf schmalem Grat: Um überhaupt Geld in die Kassen zu bringen, brauchen Nettops und Netbooks einerseits hohe Stückzahlen, andererseits soll zahlungskräftige Kundschaft keine übermäßige Schnäppchenlust entwickeln. Intel selbst stellt dabei bloß Prozessor und Chipsatz her und hat beide Produkte auf ordentliche Profitmargen hin optimiert. An billigen Computern verdienen PC-Hersteller und Händler aber schlichtweg weniger als an teuren. Deshalb begegnen sie den Billigheimern sehr viel skeptischer als Intel selbst. Während beispielsweise alle großen Notebook-Hersteller schon Netbooks verkaufen, gibt es Nettops hierzulande bisher nur von kleineren Marken; Dell etwa will den kommenden Vostro A100 nur in "Emerging Markets" verkaufen.

AMD hat die Positionitis ebenfalls erfasst und steht dabei vor einer noch schwierigeren Aufgabe als Intel. Seit Intel nämlich mit den Core-Prozessoren die vorderen Plätze in Performance- und Preislisten besetzt, haftet der CPU-Marke AMD ein Discount-Image an. Das nutzt AMD aus und betont stets, besonders viel Performance fürs Geld zu liefern. Mit dem Atom schafft Intel aber nun eine neue Preisebene unterhalb der typischen Celeron- und Sempron-Regionen [--] und unterbietet damit AMD.

AMD kann das zurzeit kaum kontern, denn außer dem selbst im Vergleich zum Atom sehr lahmen Geode LX ist kein Prozessor im Angebot, der sich ähnlich billig fertigen ließe. Als Ad-Hoc-Maßnahme hat AMD zunächst zwei Athlons für sogenannte Ultra-Value Clients (UVCs) angekündigt: Im Lenovo ThinkCentre A62 soll der Athlon 2650e debütieren [--] wohl kaum zufällig ein 1,6-GHz-Einzelkern. Ein Athlon X2 3250e (1,5 GHz) soll folgen.

Nettops brauchen ein möglichst billiges Betriebssystem. Microsoft hat dabei ein Problem, nämlich eigentlich keine passende Software mehr: Windows XP will man seit dem 30. Juni 2008 nicht mehr verkaufen, aber Windows Vista läuft nur lahm auf den schwachbrüstigen Prozessoren. Um die Netbooks und Nettops nicht kampflos der Linux-Konkurrenz zu überlassen, hat Microsoft deshalb notgedrungen Windows XP für Ultra-Low-Cost Personal Computers (ULCPC) aufgelegt; diese Version soll bis zum 30. Juni 2010 ausgeliefert werden oder, falls sich Windows 7 verspätet, bis ein Jahr nach dessen Erscheinungstermin. Windows XP ULCPC war eigentlich [--] ähnlich wie Windows XP Starter Edition [--] ausschließlich für Entwicklungsländer vorgesehen; PC-Hersteller dürfen es nur auf Rechnern installieren, die eine gewisse Maximalausstattung nicht überschreiten. Genaues verrät Microsoft nicht öffentlich, aber offenbar darf etwa die Festplatte nicht mehr als 160 GByte (ursprünglich 80) fassen und das RAM höchstens 1 GByte.

[b]Magere Auswahl[/b]

Über die Performance der Nettop-Hardware haben wir bei der Vorstellung des D945GCLF bereits berichtet, im Wesentlichen entspricht sie der von Netbooks: Zum Websurfen unter Windows XP oder Linux reichts allemal, ebenso für gewöhnliche Office-Anwendungen, für die Wiedergabe von Video-DVDs oder die gelegentliche Bearbeitung einiger Digitalfotos. Was definitiv nicht geht, ist kopiergeschütztes HD-Video [--] bestenfalls kommen die Atoms mit unverschlüsseltem 720p-Material zurecht. Auch der Atom 330 bringt diesbezüglich keine Verbesserung; seine zusätzliche Rechenkraft lässt einen Nettop allerdings bei vielen Alltagsaufgaben spürbar flotter reagieren. Ein System mit Celeron- oder Sempron-CPU fühlt sich aber noch erheblich schneller an. Das wird besonders im direkten Vergleich deutlich.

Der Atom 230 leistet ungefähr so viel wie der vor fünf Jahren vorgestellte Mobilprozessor Pentium M bei 1 GHz Taktfrequenz, einigen Anwendungen verhilft Hyper-Threading zu etwas höheren Sprüngen. Die 3D-Performance des DirectX-9-Grafikkerns reicht für einfache Spiele und sogar für die Aero-Oberfläche von Windows Vista. Doch dieses Betriebssystem macht auf Atoms keinen Spaß, selbst wenn man, wie nicht bei allen Boards möglich, 3 GByte Hauptspeicher nutzt. Mit einer Notebook-Festplatte fühlen sich manche Aktionen etwas langsam an, etwa das Öffnen großer Verzeichnisse mit vielen Dateien.

Weil sich die Hardware-Ausstattung aller bisherigen Atom-Nettops kaum unterscheidet, arbeiten sie auch alle praktisch gleich schnell. Zum Vergleich haben wir uns auch einige kompakte PC-Barebones mit Celeron und VIA C7-D 1,5 GHz angeschaut.

Die Barebones Asus P2-P5945G und Shuttle K48 repräsentieren Altbekanntes, nämlich 300-Euro-Rechner im kompakten Gewand. Bestückt mit dem 35-Watt-Prozessor Celeron 430, 1 GByte RAM und einer flotten 3,5-Zoll-Festplatte laufen sie mit erträglicher bis schon leicht störender Lautstärke. Ein Sempron LE-1150 im Verbund mit dem Chipsatz AMD 690G leistet ungefähr dasselbe.

Langsamer als der Atom ist der VIA C7. Während der Performance-Unterschied beim C7-D 1,5 GHz im unerträglich lauten Barebone MSI Axis 700 allerdings bei vielen Anwendungen subjektiv kaum ins Gewicht fällt, braucht man beim ebenfalls lauten und überdies teuren Winzling Artigo mit C7 ULV 1 GHz schon viel Geduld.

Im Vergleich zu Atom, Celeron und VIA C7 sticht die CPU-Performance des flotten Mac mini weit heraus. Bei der Grafik-Performance hingegen liegen Mac mini (Chipsatz 945GM), die Barebones von Asus und Shuttle sowie sämtliche Nettops und Netbooks praktisch gleichauf [--] in allen stecken GMA-950-Grafikkerne. Etwas schneller ist die Radeon-Grafik im AMD-Chipsatz 690G, aber der Vorsprung ist nur in sehr wenigen Spielen relevant. Die Grafik der VIA-Chipsätze kann nicht mithalten, hier funktioniert nicht einmal die Flip3D-Umschaltung unter Vista Aero.

Im Vergleich zu Nettops mit Atom 230 liegt die Leistungsaufnahme der Celeron-Rechner um 16 bis 36 Watt höher. Etwas überraschend ist, dass der im Leerlauf sehr sparsame Mac mini unter Volllast trotz Mobilprozessor mehr Leistung aufnimmt als etwa das Asus-Barebone mit Celeron 430. Der Barebone mit VIA C7-D 1,5 GHz liegt von der Leistungsaufnahme her gleichauf mit den Atom-230-Nettops; unverständlich ist dabei, dass der Shuttle X27 trotz 2,5-Festplatte nicht sparsamer arbeitet als etwa der MSI Wind PC. Ebenfalls bemerkenswert: CPU und Chipsatz sind bei der Eee Box B202 und beim Netbook Dell Inspiron Mini 9 identisch [--] aber Letzteres braucht inklusive (schwach beleuchtetem) Display im Leerlauf nur 9,3 Watt, also etwas mehr als halb soviel wie die Eee Box.

Unsere Messwerte für die Eee Box gelten nur mit Vorbehalt, weil wir bloß ein Vorserienmuster für den britischen Markt ergattern konnten; die deutschen Geräte will Asus frühestens Mitte Oktober ausliefern. Doch unter den vier ersten Nettops liegt die Eee Box in den Disziplinen Leistungsaufnahme, Geräuschentwicklung und Baugröße vorne. Der MSI Wind PC fällt im Vergleich dazu ab [--] er wäre eigentlich nur attraktiv, wenn er sehr viel billiger wäre. Immerhin ist er ziemlich leise. Ein paar Macken stören: Der Chipsatz-Kühler heizt sich unter kontinuierlicher 3D-Grafik-Volllast auf fast 80°C auf und sitzt sehr dicht an der Festplatte. Das vorinstallierte Suse-Linux hat mit den Energiesparmodi Probleme: ACPI S3 (Suspend-to-RAM) klappt überhaupt nicht, nach dem Aufwachen aus S4 (Suspend-to-Disk) funktionieren Audio-Wiedergabe und manchmal auch die Netzwerkverbindung nicht.

Der Barebone Shuttle X27 glänzt nicht nur mit schwarzem Lack, sondern auch mit kompakter Bauform und DVI-Ausgang, doch Betriebsgeräusch und Leistungsaufnahme liegen etwas hoch [--] und der Preis noch höher. Dafür ist die Ausstattung zu mager, und eine etwas stabilere Frontblende hätte es auch sein dürfen. In dieser Disziplin gibts beim Mini-PC der Firma Mini-Pirat nichts zu meckern, doch das teure Procase-Noah-Gehäuse treibt auch hier den Preis zu hoch. Der Rechner arbeitet nicht wirklich leise, immerhin kann man die Ausstattung nach Wunsch auswählen.

Im MSI Axis 700 mit VIA C7-D veranstaltet ein 3-Zentimeter-Ventilator, der CPU und Chipsatz kühlt, einen Heidenlärm. Der DVI-Ausgang der veralteten VIA-Chipsatzgrafik kann Displays im 16:10-Format 1680x1050 nicht bedienen und kommt nicht über 1600x1200 Pixel hinaus. Auch abgesehen von diesen Patzern stimmt beim Axis 700 das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Quasi außer Konkurrenz haben wir uns auch das Intel-Mainboard D945GCLF2 mit Atom 330 angesehen [--] damit bestückte Rechner gibt es noch nirgends. Der Dual-Core-Prozessor besteht aus zwei Siliziumplättchen auf einem Die Carrier. Nominell braucht ein Atom 330 höchstens 4 Watt mehr als ein Atom 230, doch die Leistungsaufnahme des Testsystems wuchs unter CPU- und gleichzeitiger 3D-Grafik-Volllast stärker an, nämlich um 7 auf 42 Watt. Die GMA-950-Grafik kommt mit dem zweiten CPU-Kern stärker in Schwung und schluckt dann offenbar auch mehr. Das zusätzliche Performance-Potenzial des zweiten Atom-330-Kerns können nur Multi-Threading-Applikationen nutzen, doch manche Anwendungen fühlen sich mit dem Doppelkern durchaus flotter an.

[b]Hirnschmalz nötig[/b]

Intel hat die seit VIAs Mini-ITX-Vorstellung gärende Entwicklung der Billigplattformen zu einer gewissen Reife gebracht [--] zum Teil quasi nebenbei, weil man eigentlich auf Entwicklungs- und Schwellenländer zielte. Die konsequent auf niedrige Kosten getrimmte Hardware ermöglicht echte Schnäppchenpreise, die wiederum für hohe Stückzahlen sorgen sollen.

Anders als Netbooks, deren Bauform wirklich neu ist und denen man wegen ihrer Mobilität niedrige Performance verzeiht, dürften Nettops viel weniger Wirbel verursachen: Mini-PCs gibt es schon lange, darunter auch einige zu günstigen Preisen und viele mit schnelleren Prozessoren. Aus technischer Sicht bieten Atom 230 und 330 für Desktop-Rechner nur geringe Vorzüge: Ein sparsamer Prozessor alleine bringt nicht viel, wenn bei Chipsatz, Laufwerken und Netzteil Standardtechnik zum Einsatz kommt.

Der Atom bietet aber im Vergleich zur Konkurrenz eine besonders gelungene Mischung aus Preis, Leistungsaufnahme und Performance. Doch nur wenn pfiffige PC-Hersteller alle potenziellen Atom-Vorzüge voll ausschöpfen, kommen wirklich attraktive Gerätetypen dabei heraus. Beispiel ist die Eee Box [--] die Asus mit der eigentlich eben nicht für Nettops vorgesehenen Atom-Mobil-Chipkombination bestückt, die besonders kompakte Gehäuse und flüsterleise Kühler ermöglicht. Solche Vorzüge wiegen mäßige CPU-Performance auf.

Packt der PC-Hersteller hingegen [--] wie von Intel vorgesehen [--] bloß ein Mini-ITX-Board und ansonsten Desktop-Technik in ein einigermaßen kompaktes Gehäuse, dann wird es langweilig. Beispiel Wind PC: Er ist zwar kleiner und sparsamer als andere Kompaktrechner, aber auch langsamer, schlechter ausgestattet und trotzdem nicht viel billiger. Unter solchen Wald-und-Wiesen-Nettops dürfte deshalb rasch ein Preiskampf ausbrechen. Dafür hat sich Intel mit dem winzigen Atom gerüstet und will AMD und VIA das Leben noch schwerer machen. Bleibt zu hoffen, dass die CPU-Konkurrenten und vielleicht auch Chipsatz-Hersteller Nvidia nun in die Strümpfe kommen [--] ohne lebhafte Konkurrenz werden die Nettops nicht auf Dauer überleben.

Eine offene Frage ist dabei auch, ob die PC-Hersteller in der Nettop-Preislage vernünftigen Support leisten. Die seit einigen Jahren schnell wachsende Firma Asus beispielsweise kämpft beim Service mit erheblichen Problemen, was die Attraktivität ihrer Produkte deutlich mindert. Vermutlich hat Intel-Manager Chris Tobias mit seiner Erwartung recht, dass die Billig-Rechnerlein einige neue Einsatzbereiche einfach dadurch erobern, dass sie so wenig kosten. Vielleicht verhelfen sie etwa der Wohnzimmer-PC-Idee quasi "von unten her" zum Durchbruch, weil ein Nettop mit zwei DVB-USB-Sticks und DVD-Brenner billiger ist als mancher Festplattenreceiver mit zwei Tunern. Möglicherweise sind Nettops auch in Schulen und Kinderzimmern bald häufig zu finden. Falls sie tatsächlich massenhaft auftreten, also die PC-Verkaufszahlen weiter steigen, werden sie allerdings der Umwelt eher schaden als nützen, trotz ihrer vergleichsweise geringen Leistungsaufnahme.

Die kompletten Testergebnisse der von uns überprüften NetTops finden Sie im Artikel "Palletenware, Das taugen "Nettops", die neuen Billigrechner" von Christof Windeck in der Printausgabe 22/08 des c't magazins ab Seite 126. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 27. Oktober auch als PDF-Datei im c't Kiosk.