Tinte oder Laser, billig oder teurer - Welcher Drucker soll’s denn sein?
Tintenstrahldrucker mit Farbdruckwerk gibt es schon für 39 Euro. Warum können diese Drucker aber so billig angeboten werden? Ganz einfach: Die Hersteller verdienen ihr Geld mit der Tinte. So kostet bei den vermeintlichen Schnäppchen-Druckern der Ausdruck eines Fotos locker über 1 Euro. Wer bei der Anschaffung also genau rechnet, kann viel Geld sparen. Das c't magazin gibt Tipps zum schlauen Druckerkauf und verrät, warum ein Drucker mit Netzwerkanschluss auch daheim äußerst praktisch sein kann.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes Video (TargetVideo GmbH) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (TargetVideo GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
[b]Druckerkunde[/b]
Aufs Blaue in den nächstgelegenen Elektronikmarkt zu stiefeln, um einen Drucker oder ein Multifunktionsgerät zu kaufen, dürfte ein sicherer Weg in die Frustration sein. Die Aussichten, dort relevante Informationen für den Kauf zu bekommen, sind denkbar gering. Angaben auf den aufgestapelten Kartons sind wenig hilfreich. So sagen etwa die hohen Zahlen zur Druckauflösung bei Tintendrucken im Grunde nichts über deren tatsächliche Druckqualität, die angegebene Seitenleistung nichts darüber, wie lange man fürs Drucken eines Bewerbungsschreibens, der Diplomarbeit oder des Fotokalenders tatsächlich brauchen wird. An andere wichtige Informationen wie etwa zu den Druckkosten kommt man vor Ort ohnehin nicht. Der Druckerkauf sollte deshalb besser vorbereitet sein. Wichtig ist zunächst, die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen genau zu analysieren: Soll der Drucker möglichst viele verschiedene Aufgaben erfüllen oder wird ein Gerät für ein ganz spezielles, eng umrissenes Aufgabengebiet benötigt? Wichtig ist aber auch die Frage nach dem Anschluss: Muss er ans Netz oder genügt USB?
[b]Richtig verbunden[/b]
In den meisten Haushalten steht nicht nur ein PC, oft kommt noch ein Laptop oder das Netbook hinzu und ein DSL-Router stellt den Internetzugang für alle Rechner via Ethernet oder WLAN zur Verfügung. Da liegt es nahe, auch den Drucker als Dokumentenzentrale im Netzwerk für alle Rechner zugänglich zu machen. Selbst wenn bislang nur ein einzelner PC vorhanden ist oder der Drucker zunächst nur für den Einsatz an einem einzelnen Arbeitsplatz vorgesehen ist, sollte man weiter in die Zukunft denken. Denn das Nachrüsten mit einem Netzwerkanschluss ist meist teurer, als gleich die entsprechende Modellvariante zu erstehen und unter Umständen gar nicht möglich. Besonders problematisch ist das bei Multifunktionsgeräten, die per Netzwerk zusätzlich gescannte Dokumente auf den richtigen Zielrechner schicken sollen.
[b]Tinte oder Toner[/b]
Auf dem Markt für Drucker hat es einige teilweise recht drastische Paradigmenwechsel gegeben. Lange vorhergesagt war, dass reine Drucker zusehends durch Kombigeräte ersetzt würden, die neben dem Druckwerk mindestens noch einen Scanner mitbringen. Wie erwartet ist das Sortiment reiner Tintendrucker im Preissegment unterhalb 100 Euro inzwischen auf wenige Geräte je Hersteller beschränkt. Noch deutlicher vom Aussterben bedroht ist die Spezies hochwertiger A4-Fotodrucker mit sechs Tinten. Dafür haben es sogenannte Bürotintendrucker inzwischen geschafft, mit ordentlicher Druckgeschwindigkeit, großzügig ausgelegter Papier- und Tintenkapazität bei günstigen Gerätepreisen in die einstige Laserdomäne vorzustoßen. So ist die Frage, ob es ein Laser- oder Tintendrucker sein soll, keine grundsätzliche Entscheidung über die Art des Einsatzes mehr, nach der Formel: Laser ins Büro, Tinte für daheim. Inzwischen finden sich sehr tüchtige Bürogeräte mit Tintendruckwerk auf der einen Seite, auf der anderen Seite finden sich stark verbilligte Farblaserdrucker, die fürs Büro kaum mehr taugen. Auch günstigste Druckkosten sind längst nicht mehr durchweg bei den Laserdruckern anzutreffen [--] schon gar nicht bei den billigen. Günstige Seitenpreise von deutlich unter zehn Cent für eine Normseite in Farbe und unter zwei Cent in Schwarzweiß findet man vor allem bei ordentlichen Bürotintendruckern und Tintenmultifunktionsgeräten. Da Laserdrucker ihr Farbpulver auf bis zu 200 Grad erhitzen müssen, um es auf dem Untergrund festzubacken, können sie nur auf Medien drucken, die diese Temperaturen vertragen. Außer Papier und speziellen Folien bleibt da nicht viel übrig. CD- und DVD-Rohlinge scheiden jedenfalls aus. Und auch für die Fotoreproduktion eignet sich ein Laserdrucker deutlich weniger als ein ordentliches Tintenmodell. Alles in allem sind Geräte mit Tintendruckwerk wesentlich vielseitiger. Ihr größter Nachteil bleibt, dass Tintenausdrucke vergleichsweise empfindlich auf Umwelteinflüsse wie Licht oder Feuchtigkeit reagieren. Auf dem Papier verbackenes Tonerpulver ist dagegen weitgehend resistent.
[b]Alleskönner im Netz[/b]
In ihren Multifunktionsgeräten verbauen die Hersteller dieselben Druckwerke, und so gilt das oben Gesagte hinsichtlich der Druckeigenschaften und -kosten entsprechend. Der eingebaute Scanner sollte nicht nur zur Erfassung von Kopiervorlagen dienen, sondern seine Daten auch an den PC schicken; im Netzwerk natürlich an mehrere. Allein das Vorhandensein eines Netzwerkanschlusses sagt aber noch nichts über die diesbezüglichen Fähigkeiten eines Kombigerätes [--] weder bei Tinten- noch bei Lasermodellen. Im Schlimmsten Fall kann man damit nämlich gerade mal über das Netzwerk drucken. Misstrauisch muss man auch gegenüber den auf die Kartons gedruckten Versprechungen, das Gerät beherrsche Funktionen wie "Scan-to-Mail", "Scan-to-Folder" oder Ähnliches sein. Die Begriffe sind nicht eindeutig und meinen bei günstigeren Kombigeräten meist, dass eine mitgelieferte Software die Scanergebnisse in Standardformaten wie PDF oder JPEG auf der Platte ablegt. Der automatische Start des Standard-Mailclients mit einer neuen Mail und der gescannten Datei im Anhang heißt dann "Scan-to-Mail". Abschicken muss sie der Anwender an seinem Rechner aber selbst. Der größte Nachteil dieser Technik: Die Software wird oft nur für Windows-PCs geliefert, eine Mac-Version [--] so überhaupt vorhanden [--] bietet nicht den vollen Funktionsumfang und Linux unterstützen nur ganz wenige Hersteller. In unseren Tests zeigt sich immer wieder, dass längst nicht alles funktioniert, was die Hersteller euphorisch anpreisen.
[b]Entwicklungshilfe[/b]
Gern werden Drucker und Kombigeräte als wahre Fotokünstler gepriesen, nur weil sie beispielsweise Slots für Flashspeicherkarten oder einen USB-Host-Anschluss für Digitalkameras haben. Das allein macht aus einem Drucker aber noch lange keine digitale Dunkelkammer. Die Qualität der ohne Umweg über den PC gedruckten Bilder ist manchmal ein wenig, oft sogar deutlich schlechter als vom PC, weil die Software dort die raffinierteren Algorithmen zur Bildverarbeitung beherrscht. Auf diesem Gebiet sind Tintendrucker führend, die den Farbraum des CMYK-Drucks durch zusätzliche Tinten wie Rot, Blau oder Grün erweitern oder durch zusätzliche Fototinten mit geringerer Deckkraft eine feinere Rasterung von Pastell- und Hauttönen ermöglichen. Für den künstlerischen Schwarzweißfotodruck sind spezielle Grautinten nach wie vor sehr gefragt. Für Schnappschüsse in Polaroid-Geschwindigkeit eignen sich mobile Fotodrucker, die nur bis Postkartengröße drucken. Sie sind mit Preisen zwischen 100 und 200 Euro recht teuer und verursachen mit etwa 35 Cent für einen Abzug in Postkartengröße relativ hohe Kosten. Immerhin sind sie wegen der meist eingesetzten Thermosublimationstechnik, die spezielles Verbrauchsmaterial erfordert, pro Abzug fix und lassen sich somit direkt mit dem Angebot des nächsten Entwicklungsdienstes vergleichen. Die Bildqualität reicht jedoch nur im besten Fall an die eines Laborabzuges heran. So ein Fun-Printer ist deshalb nur für denjenigen sinnvoll, der Spaß daran hat, auch unterwegs sofort Abzüge seiner Schnappschüsse fertigen zu können. Für alle anderen Anwender ist das rausgeschmissenes Geld.
Den gesamten Testbericht erhalten Sie auch als PDF-Datei in unserem Archiv. (tig)