Vinylbrenner - Plattenspieler, Speicher und CD-Brenner in einem Gerät

Zum Digitalisieren von Vinylschallplatten benötigt man üblicherweise einen funktionierenden Plattenspieler, einen Entzerrervorverstärker, einen Rechner mit Wave-Editor und einen CD-Brenner. Das Kombigerät LP2CD von Ion-Audio verspricht dank eingebautem Speicher und CD-Brenner den direkten Weg von der Langspielplatte zur Silberscheibe.

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Die Konvertierung der geliebten, aber doch in die Jahre gekommene Plattensammlung in eine leichter zu handhabende Reihe von CDs ist selbst bei gut erhaltenen Platten [--] also ohne zusätzliches Herausfiltern von Knacken und Rauschen [--] allein schon wegen der beteiligten Komponenten ein aufwendiges und zeitraubendes Unterfangen. Viele Anwender unterschätzen diesen Hardware-, Software- und Zeitaufwand dermaßen, dass nach einem ersten Anlauf die restlichen LPs dann doch wieder liegenbleiben und die Digitalisierung "erst mal" verschoben wird.

Ion-Audios LP2CD (erhältlich im Fachhandel und bei Conrad) reduziert die einzelnen Schritte zwar auch nicht, sie laufen jedoch dank einer ausgeklügelten Benutzerführung und der schon verdrahteten Hardware quasi ohne Eingriff des Anwenders ab. Dessen Tätigkeit beschränkt sich auf das Auflegen der LP, das Drücken der Knöpfchen für Aufnahme und Start und das Absenken des Tonarms auf die Platte. Daraufhin beginnt die Aufzeichnung der Musik in einen Flash-Speicher. Die Trennrillen zwischen den Stücken wertet die Steuerung als neuen Track aus. Diese Automatik lässt sich selbst mit leiser Musik am Ende des alten und am Beginn des neuen Stück und Knackgeräuschen dazwischen nicht überlisten. Zum Umdrehen der Platte drückt man den Pausenknopf und macht dann mit der zweiten Seite weiter. Bei Live-Platten ohne Trennrille kann man mit einer extra Trenntaste einen neuen Track markieren.

[b]Fix gebrannt[/b]

Nach dem Ende der Aufnahme erscheint im Display die Anzahl der Stücke und die Spieldauer [--] bei Standard-LPs hat man hier irgendwas zwischen 50 und 60 Minuten. Der Speicher reicht bei 16 Bit/44,1 kHz jedoch auch für 79 Minuten Aufnahmekapazität. Mit der Brenntaste startet man die Übertragung aus dem Speicher als normale Audio-CD auf den Rohling. Anschließend kann man mit Tastendruck wählen, ob man noch eine weitere CD brennen will und dann, ob der Speicher gelöscht werden soll. Danach ist der Plattenspieler für die nächste LP bereit. Der Brennvorgang für 79 Minuten Musik dauerte knapp 7 Minuten [--] der Anwender hat also außer der reinen Abspielzeit kaum zusätzlichen Zeitaufwand.

Außer diesen Kernfunktionen bietet der LP2CD allerlei Zusatznutzen: So kann man über den Line-Eingang externe Audiosignale zuführen und diese dann auf CD brennen oder den Plattenspieler über den Line-Ausgang als Analog-Gerät an die HiFi-Anlage anschließen. Weiter gibt es einen USB-Anschluss, mit dem man externe (über Line-In) oder die internen Signale vom Plattenspieler digital in den Rechner überspielen kann [--] bis auf den fehlenden Mikrofonverstärker also eine vollwertige USB-Soundkarte. Und nicht zuletzt ist der CD-Brenner natürlich auch ein vollwertiges CD-Abspielgerät für die HiFi-Anlage. Das i-Tüpfelchen wäre es nun gewesen, wenn man vom PC aus über USB auf den Flashspeicher zugreifen könnte, aber das funktioniert leider nicht.

Mit der beiliegenden Software Audacity fĂĽr Mac und PC sind auch knacksende oder rauschende Aufnahmen wieder "hĂĽbsch" zu machen, der ebenfalls beiliegende "EZ Vinyl Converter" gestattet das direkte Ăśberspielen von Plattenaufnahmen in die iTunes-Datenbank.

Der Plattenspieler selbst macht einen ordentlichen Eindruck, er besitzt einen Riemenantrieb und einen Teller mit 715 g Masse. Auch langsame Klavieraufnahmen zeigen damit noch kein Vibrato. Der Tonarm ist leichtgängig und lässt sich bis 2,5 g Auflagegewicht fein einstellen. Die Antiskating-Justage ist zwar vorhanden, macht mit ihrer knatschenden Feder aber nicht den allerbesten Eindruck. Auch das Tonabnehmersystem erweckt nicht den Eindruck erster Güte und versucht wohl, über den Aufdruck GT eine Nähe zu den Orthofon-Systemen herzustellen. Der komplette Frequenzgang (also Tonabnehmer, Entzerrervorverstärker und ADWandler) zeigt eine Anhebung bei 12 kHz. Dies ist eine Systemresonanz, die man bei Musikwiedergabe deutlich hört. Versuchsweise wechselten wir den Tonabnehmer gegen ein Shure-Modell aus und damit war diese Unzulänglichkeit behoben.

Insgesamt ist der LP2CD jedoch sein Geld wert [--] insbesondere durch die gut durchdachten Default-Einstellungen und die daraus resultierende intuitive Nutzerführung. Mit zusätzlichen 70 Euro für ein besseres System stößt man gar in eine höhere Qualitätsklasse vor.