Vorsicht Kunde! - Abzocke mit Internet-Verträgen für Senioren
Dass Provisionsjäger mitunter skrupellos vorgehen, um ahnungslosen Kunden Telefonverträge anzudrehen, ist nichts Neues. Nun aber scheint eine besonders üble Masche in Mode zu kommen. Im Fokus der Kundenfänger sind alte Menschen in Pflegeheimen. Sie scheinen besonders leichte Opfer zu sein. So berichten Pflegedienstleiter immer häufiger davon, dass ältere Menschen ohne Computer und eigenen Telefonanschluss teure Laufzeitverträge für breitbandige Internetzugänge abgeschlossen haben sollen. In einem Fall bekam eine ältere Dame die Auftragsbestätigung über ein Internet-Komplett-Paket, das ihr Mann abgeschlossen haben soll. Der allerdings war bereits vor längerer Zeit verstorben. Die Angehörigen sollten also auf der Hut sein, wenn plötzlich Post vom Internetdienstleister ins Haus flattert.
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[b]Ärger mit fingierten Freenet-Verträgen[/b][br] [b]Telefon-Drücker vermarkteten DSL-Anschlüsse mit Tricks und falschen Angaben[/b]
Auf das Unternehmen Freenet und seine Vertriebspartner sind viele Bremer derzeit nicht gut zu sprechen. Verbraucherzentralen berichten von seltsamen Methoden, um Bürger ungewollt zu Freenet-Kunden zu machen. Zahlreiche Bremerinnen und Bremer bekamen unaufgefordert Post von dem Hamburger Kommunikationsunternehmen: Sie sollen angeblich Kunde geworden sein und bei Freenet Telefon- und Internetanschlüsse bestellt haben.
Elfriede K. aus Bremen-Hastedt gehört zu den Opfern. In diesem Fall besonders makaber: In der Freenet-Bestellbestätigung heißt es, ihr Mann habe einen Anschluss bei der Firma bestellt [--] der aber war schon im Januar 2007 gestorben. Frau K. drohte mit rechtlichen Schritten, doch das nützte nichts. Kurze Zeit später kam ein Paket mit technischem Zubehör für den angeblich geschlossenen DSL-Vertrag.
[b]Kein Einzelfall: Über 500 Beschwerden[/b]
Der Verbraucherzentrale Bremen kommt der Fall reichlich bekannt vor. Nicht weniger als 500 Bürgerinnen und Bürger haben sich dort in der letzten Zeit über Freenet oder die für das Unternehmen tätigen Verkaufs-Subunternehmen beschwert. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir über irgendeine Sache jemals mehr Beschwerden hatten", so Lovis Wambach von der Verbraucherzentrale der Hansestadt. So hätten zahlreiche Verbraucher übereinstimmend berichtet, dass Freenet-Verkäufer sie angerufen und sich als Telekom-Mitarbeiter ausgegeben hätten. Daraufhin hätten viele Menschen am Telefon gutgläubig Auskunft gegeben [--] etwa über die Bankverbindung, wie die Betroffene Frieda S. im Gespräch sagte. Ihr Sohn Wolfgang arbeitet beim Sozialzentrum Nord und witterte sofort ein Problem, zumal er von anderen Fällen wusste, in denen Altenpfleger von der Masche mit Freenet-Produkten berichtet hatten.
[b]Polizei in 30 bis 40 Fällen aktiv[/b]
Eine der Altenpflegerinnen ist schnurstracks zur Polizei gegangen, als ihre Schützlinge plötzlich Post von Freenet bekamen. Auch dort war die Masche der Freenet-Verkäufer schon bestens bekannt. In rund 30 bis 40 Fällen, so Bremens Polizei-Pressesprecher Heiner Melloh, ermittle die Behörde derzeit [--] Fälle, in denen die Beamten eine Betrugsabsicht sieht. Vor allem gehe es gegen Verkaufsagenten in so genannten Call-Centern, die versuchten, ihren Kunden um jeden Preis Verträge aufzuschwatzen [--] "meist aber unter Vorspielung falscher Tatsachen", wie Polizeisprecher Melloh berichtet.
[b]Freenet empfiehlt Strafanzeige[/b]
Freenet gibt sich über die von uns geschilderten Vorfälle besorgt: Sie hätten "bis auf Vorstandsebene große Empörung über die Vorgehensweise der dort tätigen Werber ausgelöst", heißt es in einem Freenet-Schreiben an unsere Redaktion. Freenet werde "umgehend entsprechende Maßnahmen einleiten, Vertragsstrafen erheben und Strafanzeige erstatten". Den betroffenen Kunden gab das Unternehmen einen ungewöhnlichen Ratschlag: Auch sie sollten, so heißt es im Freenet-Schreiben, mit Anzeigen gegen die Verkäufer der Freenet-Verträge vorgehen.
Autor: Till Oeppert, Radio Bremen