Vorsicht Kunde! - Gedrosselte Flatrate für unterwegs

Internet für unterwegs und überall. Mit einem mobilen Hochgeschwindigkeitszugang ist das möglich. Genau das richtige für Thomas Hehde, der viel rumkommt und deshalb die Flatrate für unterwegs der Firma Moobicent nutzt. Große Datenmengen werden hin und her geschickt, doch plötzlich drosselt Moobicent die Arbeitsgeschwindigkeit für den Internetzugang.

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Thomas Hehde moderiert nicht nur bei Antenne Brandenburg und dem MDR. Er hat auch ein eigenes Tonstudio und bildet junge Kollegen aus. Beruflich ist er jeden Monat mehr als 7.000 Kilometer unterwegs. Um überall flexibel arbeiten zu können, ist er auf das Internet angewiesen.

Thomas Hehde: "Das ist für mich Informationsquelle, das ist ‘ne Möglichkeit, Daten vom einen zum anderen zu schieben, zum Beispiel 'nen Radiobeitrag zum Sender zu schicken, das ist heute üblich, dass man das macht."

Neue Musik kriegt der Journalist inzwischen als E-Mail-Anhang, wichtige Fernseh-Sendungen schaut er zeitversetzt online. Um an jedem Ort ins Netz zu kommen, braucht er das passende Zubehör und den richtigen Tarif. Dann surft und mailt Thomas Hehde über das von Mobilfunk-Anbietern betriebene UMTS-Netz.

Beim Tarif entscheidet er sich für die UMTS-Flatrate von der Firma MoobiCent. Zunächst ist er sehr zufrieden mit dem Angebot: Für 40 Euro im Monat kann er mit hoher Geschwindigkeit surfen, so lange und vor allem so viel er will. Nach einigen Monaten erlebt er aber eine böse Überraschung.

Thomas Hehde: "Ja, eines Tages bin ich ins Internet gegangen. Und ich dachte: Alles ist hier langsam. Mindestens 10- bis 20-mal so langsam wie sonst. Und dann habe ich auf die Karte geschaut und festgestellt, die Lampe leuchtet nicht mehr blau sondern grün."

[b]UMTS oder GPRS [--] der feine Unterschied[/b]

Andere Farbe heißt langsamere Verbindung. Der Aufbau eines Links dauert mit UMTS höchstens drei Sekunden. Mit der Alternative GPRS kann das bis zu 40 Sekunden dauern. Genau diese langsamere Technik muss Thomas Hehde jetzt nutzen, weil ihn der Anbieter nicht mehr ins UMTS-Netz lässt, und ist sauer.

Thomas Hehde: "Das heißt, dass der Seitenaufbau derart langsam geworden ist oder das Abrufen der eMails, dass man sich streckenweise ’nen Tee kochen kann in der Zeit!"

[b]Viel Surfer werden gedrosselt[/b]

Nachdem ihn das Callcenter des Anbieters mit "technischen Problemen" vertröstet, stößt Hehde in einem Internetforum auf andere Lahmgemachte. Hier diskutieren seit Monaten hunderte Kunden über die so genannte Drosselung. Es entsteht der Eindruck: Betroffen sind offenbar vor allem die Kunden, die die Flatrate stark genutzt haben.

Thomas Hehde vermutet: "Ich glaube einfach, dass MoobiCent versucht, Kunden, die viel Datenvolumen hin und her schieben, einfach rauszukriegen aus Ihrem Netz!"

Zu den gedrosselten MoobiCent-Kunden gehört auch er: Rechtsanwalt Andreas Poldrack. Seit fünf Wochen ist er auf Langsam gestellt und kommt sich vor wie in den langsamen Anfangstagen des Internets. Hat er gesündigt? Das Angebot zu stark genutzt? Ist Poldrack ein so genannter Poweruser?

Andreas Poldrack: "Ich würde mich und ich kann mich nicht als Poweruser bezeichnen, weil das würde für mich zunächst einmal eine Definition erfordern: Was ist Poweruser? Und diese Definition kann ich nicht abgeben. Es ist in dem Vertrag, den ich mit Victorvox habe, auch nirgendswo geregelt."

VictorVox, der Anbieter der MoobiCent-Flatrate, ist eine Gesellschaft des Mobilfunk-Dienstleisters Drillisch Telecom. Und der vergibt die Chance, sich zu der Sache zu äußern: "Vielen Dank für Ihre Interviewanfrage zu unserem Produkt MoobiCent. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu technischen Details unserer Produkte aus grundsätzlichen Gründen keine Angaben machen können."

Branchenexpertin, Marie-Anne Winter von teltarif verfolgt aufmerksam die Erfahrungen von zufriedenen und wütenden MoobiCent-Kunden: "Wenn man sich wirklich auf das unbegrenzte Datenvolumen verlässt, hat man mitunter Pech! Wie gesagt: Wir wissen nicht, wo die Grenze liegt, aber wenn ich wirklich sehr viel verbrauche, werde ich unter Umständen plötzlich gedrosselt und habe gar nicht mehr so viel davon. Das heißt, wenn ich 'ne echte Flatrate will, muss ich eigentlich zu E-Plus, nur die ist eben nicht so schnell!"

Das UMTS-Angebot von E-Plus ist zwar deutlich langsamer, dafür mit 25 Euro im Monat aber auch günstiger als MoobiCent. Beschwerden gedrosselter E-Plus-Kunden sind bisher nicht bekannt. MoobiCent hat zum Jahresanfang seine AGB geändert und neue Spielregeln für Vielnutzer eingeführt: "Der Kunde versichert, dass die Nutzung der Moobicent mobileDSL flat in einem üblichen Maße erfolgt. (...) Erfolgt (...) eine übermäßige oder missbräuchliche Nutzung, behält sich VICTORVOX die Sperrung (...) ausdrücklich vor."

Aber was ist das übliche Maß?

Marie-Anne Winter, teltarif.de: "... die meisten Anbieter nehmen als Grenze fünf Gigabyte an. Das ist ja eigentlich ganz nett, wenn man mobil ins Internet geht. Jemand, der viel surft und damit Bilder überträgt, der braucht natürlich mehr. Das heißt, was üblich ist, darüber kann man sich streiten!"

Ein Beitrag von Benjamin Denes RBB Was(gb)