Wie billig darf scharf sein? - HD-Camcorder unter 1000 Euro im Test
Sie sind so klein, dass man sie problemlos in der Manteltasche verschwinden lassen kann. Aber HD-Camcorder versprechen Aufnahmen, die auf dem Großbildschirm im Wohnzimmer mit enormer Schärfe und verblüffender Detailfülle beeindrucken sollen. Trotz dieser Versprechungen werden die kompakten Videokünstler immer billiger. Der Sparwahn hinterlässt Spuren, so fehlt häufig der Sucher und die optischen Eigenschaften von Objektiv und Kamerachip können auch nicht immer überzeugen. Wie weit darf der Sparsinn gehen? Das c’t magazin hat sechs HD-Camcorder unter 1000 Euro getestet.
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[b]High-Definition-Camcorder unter 1000 Euro[/b]
Sie sind so klein, dass man sie zwischen zwei Händen verbergen kann: Moderne High-Definition-Camcorder versprechen Aufnahmen, die auf dem Großbildschirm im Wohnzimmer mit enormer Schärfe und verblüffender Detailfülle beeindrucken sollen. Ob das für ein begeisterndes Kino-Erlebnis daheim ausreicht?
Langsam wird der Platz knapp auf den typischen Camcorder-Kartons. Eng an eng tummeln sich dort Logos und Embleme, von AVCHD und Full HD bis Dolby Digital 5.1 oder HDMI [--9 doch unklar bleibt, ob es sich dabei um Speichermedien oder -Formate, Schnittstellen oder Festplattengrößen handelt. So entsteht der Eindruck einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte, was es schwierig macht, den Überblick zu behalten.
Bei genauerem Hinsehen beschränken sich viele Unterschiede zwischen Geräten einer Modellreihe auf die Größe der eingebauten Festplatte, die Anzahl der Schnittstellen oder die Ausstattung an Menüfunktionen. Aus Kostengründen bauen die Hersteller auf einer gemeinsamen Grundversion mehrere Varianten mit jeweils abweichender Ausstattung auf. Hat man dieses System durchschaut, ist es einfach, Testergebnisse eines Modells auf das ähnlich aufgebaute Schwestermodell zu übertragen [--] solange man die jeweils relevanten Abweichungen beachtet. Dank solcher Sparmaßnahmen sind High-Definition-Camcorder im Internet für deutlich weniger als 1000 Euro zu haben; sechs davon trafen sich im c't-Labor, um zu belegen, dass auch preiswertes "HD" sein Geld wert ist.
Die bislang zu verfolgende Vielfalt bei den Kompressionsverfahren zwischen MPEG-2 [--] wie bei HDV genutzt [--] und AVCHD ist zumindest im HD-Einsteigerbereich vom Tisch: Im Amateur-Bereich zeichnet sich eine Dominanz von AVCHD-Modellen ab; die verbliebenen auf Band aufzeichnenden HDV-Geräte spielen [--] auch preislich [--] in der Semi-Profi-Liga.
Unter AVCHD firmiert ein Industrie-Standard, der unter anderem das sehr effiziente Komprimierungsverfahren [--] MPEG-4 AVC (H.264) [--] sowie Bildformate und Datenraten festlegt; dabei gestattet der Standard unterschiedliche Profile, welche die Austauschbarkeit der AVCHD-Dateien deutlich beeinträchtigen können. Zudem braucht man einen sehr leistungsstarken Computer, um die Aufnahmen Frame-genau zu bearbeiten.
Anfangs wechselten Geräte mit dem "HD" im Namen [--] nicht zu verwechseln mit dem HD für "Hard Disc" [--] für deutlich mehr als 1000 Euro den Besitzer. Inzwischen haben alle Großen des Marktes preiswerte Ausführungen im Angebot. Die Modelle im Testfeld schreiben AVCHD-Videos mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel); nur die JVC GZHD 40 stellt zusätzlich die MPEG-2-Komprimierung nach HDV-Art mit 1440 x 1080 Pixeln bereit. Aufwendige DSPs sollen hochauflösende, scharfe und rauscharme Videos aus relativ kleinen Wandlerchips erzeugen. Solche Wandler müssen sich [--] erst recht bei der angestrebten Ziel-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln [--] mit einer vergleichsweise winzigen Fläche pro Pixel begnügen, was Lichtempfindlichkeit und Rauschverhalten beeinträchtigen kann.
In die kleinen Gehäuse passt kaum ein Zoom-Objektiv mit einer nennenswerten Weitwinkel-Brennweite. Auch im HD-Marktsegment glänzt man lieber mit spektakulären Tele-Werten. So schickt beispielsweise Sony seinen SR 10 mit einem Brennweitenbereich von bis zu 650 mm (KB-äquivalent) ins Rennen um die Käufergunst; wer seine Kaufentscheidung nach der schlichten Devise "Große Zahlen sind gut" ausrichtet, bekommt damit einen Camcorder, der trotz Bildstabilisator im Telebereich aus freier Hand kaum nutzbar ist.
Wie schon bei den digitalen Fotokameras der Einsteigerklasse fehlt bei allen Geräten im Testfeld ein Sucher [--] auch wenn er im prallen Sonnenschein oft die einzige Möglichkeit darstellt, eine halbwegs sichere Kontrolle über den Kamerablickwinkel zu bekommen. Jeder eingesparte Euro ist beim Kunden willkommen: Um überhaupt in den Genuss hochaufgelöster Videos zu kommen, muss er ein Display mit HDMI-Eingang besitzen, das die 1920 x1080 Pixel möglichst unskaliert wiedergibt.
Vom Markt verschwinden wird mittelfristig die 8-cm-DVD, auch wenn es noch diverse Camcorder mit DVD-Laufwerk zu kaufen gibt. Die Nase vorn haben derzeit Festplatte und Speicherchip, letztere vorzugsweise in SD- oder SDHC-Gestalt. Dank AVCHD-Komprimierung, die im Großteil der hier vorgestellten Modelle für kleine Videodateien sorgt, reichen deren im Vergleich zur Festplatte geringen Kapazitäten von einigen GByte aus, um mehr als eine Stunde Material aufzunehmen. Die in die Camcorder eingebauten Festplatten räumen einen viel größeren Aufzeichnungsspielraum ein als die Speicherchips; sie werden ab Werk gegen Sturz und Stoß durch aufwendige, von Gyrosensoren gesteuerte Mechanismen geschützt. Ist die Festplatte voll, macht sich eine schnelle USB-Schnittstelle bezahlt, um die Videos in den PC zu überspielen.
[b]Automatisch[/b]
Dem Videoamateur greifen die inzwischen als Basis-Ausstattung anzusehenden Vollautomatik- Programme unter die Arme. Schärfen- und Blendensteuerung oder Weißabgleich erledigt der Camcorder fast narrensicher allein. Dank solcher Automatik-Hilfen dürften bei guter Beleuchtung die meisten Aufnahmen gelingen [--] zumindest aus technischem Blickwinkel.
Gut beraten ist man, wenn man vor dem Kauf genauer hinsieht, ein paar Probeaufnahmen in eine dunkle Ecke des Ladens macht. Wie es im Detail um Farbwiedergabe, Auflösungsverlauf und Ton bestellt ist, verrät der Artikel "Cinema Minimale, High-Definition-Camcorder unter 1000 Euro" von Ulrich Hilgefort in der Printausgabe 23/08 des c't magazins ab Seite 118. Sie erhalten den Beitrag ab dem 27.10.2008 auch im c't Kiosk als PDF-Datei.
[b]Canon HF 10[/b]
Klein, kompakt und mit eleganter Formgebung macht der HF 10 einen guten ersten Eindruck. Videos speichert er im 16 GByte großen internen Flash-Speicher, der bis zu sechs Stunden HD-Video fasst. Per SDHC-Slot lässt sich Speicherkapazität nachlegen. Das Bedienkonzept nähert sich dem der Canon-Kompakt-Fotokameras an. Wie dort fungiert ein großes Drehrad zur Modusumschaltung, wie dort wurde der Einschalter von dem Modusrad getrennt. Am gut zeichnenden Display erlauben fünf Taster und ein Mini-Joystick den Zugriff auf ein logisch strukturiertes Menü und die wichtigsten Wiedergabefunktionen. Hat man zu leichtfertig an den Parametern gespielt, hilft der Easy-Knopf, das Gerät wieder in einen benutzbaren Zustand zu bringen. Der kleine Zoom-Hebel reagiert prompt und erlaubt eine feinfühlige Steuerung.
Die Ausstattung darf getrost üppig genannt werden: Bis auf den Sucher enthält der kleine Camcorder fast alles, was das Herz eines ambitionierten Videofans erfreut, sogar Mikrofon- und Kopfhörer-Anschluss samt manueller Tonaussteuerung sowie eine reichliche Auswahl an Funktionen für die immerhin 3,1 Megapixel auflösenden Standfotos. Etwas weitwinkliger würde man sich das 12fach-Zoomobjektiv wünschen. Eine unruhige Hand gleicht der optische Bildstabilisator recht souverän aus; größere Ruckler kann der HF 10 aber nicht beseitigen. Das Display löst mit 200[ ]000 Pixeln nur knapp ein Zehntel der Aufzeichnungsauflösung auf [--] wie auch bei den anderen Testkandidaten. Die Datenübertragung via USB funktioniert nur im Netzteil-Betrieb.
Der Canon zeigt eine sehr gute Horizontal- wie Vertikalauflösung. Auch bei Kunstlicht und vor allem bei schwachem Licht überträgt er erfreulich viele Details. Das Bild bleibt kontrastreich, die Vertikalauflösung erreicht einen Wert, der die Grenzen des technisch Machbaren berührt. Mit der Farbauflösung von knapp 220 Linienpaaren können nur noch die Drei-Chip-Camcorder im Testfeld mithalten. Selbst bei schwacher Beleuchtung erreicht der HF 10 eine hervorragende Schärfe. Das Gerät erzeugt bei Tagesund bei Kunstlicht ein durchschnittliches Rauschen, legt aber bei schwacher Beleuchtung deutlich zu. Die Farbabweichung bleibt mit einem Delta E von 9,7 niedrig. Der Weißabgleich trifft bei Tageslicht und in Innenräumen exakt.
Dank einer ordentlichen Stereokanaltrennung zeichnet der HF 10 ein überzeugendes Stereobild. Der Frequenzgang überstreicht einen weiten Bereich von 80 Hz bis 19[ ]500 Hz und beweist auch bei Frequenzen unterhalb von 1000 Hz eine kräftige Wiedergabe.
[b]JVC GZ-HD 40 EX[/b]
Mit dem GZ-HD 40 bringt JVC einen seiner ersten HD-Camcorder mit AVCHD auf den Markt. Bislang setzte das Unternehmen konsequent auf MPEG-2. Das ist auch jetzt mit an Bord, was den HD 40 universell einsetzbar macht [--] genügsam beim Schnitt, weil die MPEG-2-Dateien (im Gewande des HDV-ähnlichen 1440-CBR-Modus) keine High-End-Maschine erfordern, und zukunftssicher in Sachen AVCHD. Einen Qualitätsgewinn gegenüber AVCHD sollte man vom weniger effizienten MPEG-2-Kompressor nicht erwarten.
Auf der eingebauten Festplatte bringt der JVC in bester Qualität zehn Stunden AVCHD-Video unter; mit einer etwas schlechteren Wiedergabe reichen die 120 GByte für 50 Stunden; im CBR-1440-Modus passen maximal zehn Stunden auf die Platte. Anders als bei den meisten anderen Camcordern erlaubt der HD 40 auch die Aufnahme auf einer der eher selten verwendeten microSD-Cards; das Kopieren von Platte auf den Chip geht reibungslos. JVC baut inzwischen statt CCD-Chips einen CMOS-Wandler ein, der auch dank diagonaler Pixelanordnung im Videowie im Fotomodus eine überzeugende Farbwiedergabe bei hoher Lichtempfindlichkeit leistet.
Der HD 40 lässt sich auch mit großen Händen gut greifen. Öffnet man die Display-Klappe, schaltet man damit das Gerät ein, was im spontanen Einsatzfall die Suche nach dem Powerknopf erspart. Den Objektivschutz muss man per Hand beiseiteschieben. An die fast exponentielle, aber praktische Wirkung des Zoomhebels muss man sich gewöhnen. Das Display zeigt ein zwar kontraststarkes Bild, dessen Helligkeit aber sehr vom Betrachtungswinkel abhängt. Mit einem kleinen Joystick manövriert man recht elegant durch die übersichtlichen Menüs.
Im erfreulich großen Farbraum weichen die Farben wegen eines etwas eigenwilligen Weißabgleichs leicht vom Ideal ab. Die Auflösungswerte rangieren auf sehr hohem Niveau. Auch bei schwacher Beleuchtung liefert der JVC noch eine beachtliche Schärfe. Kontraste und Farbabweichung verdienen ebenfalls gute bis sehr gute Bewertungen. Gleiches gilt für die Rausch-Messergebnisse mit rund neun Prozent bei 30 Lux.
Im Stereo-Ton rauscht es schon deutlicher, auch wenn man mit den übrigen Messergebnissen sehr zufrieden sein kann. Auf den in der Nachbearbeitung oft problematischen 5.1-Ton hat JVC verzichtet. Dafür stehen mit Mikrofon- und Kopfhörerbuchse die Voraussetzungen für eine überzeugende Stereo-Tonaufzeichnung bereit [--] ergänzt um die manuelle Audio-Aussteuerung.
[b]Panasonic HDC-HS 9[/b]
Auf CCD-Chips basiert die Bildwandlerstufe des Panasonic HS 9. Das kompakte Gerät liegt gut in der Hand, wenn auch Zoomhebel und Aufnahmeknopf für große Hände nicht ganz optimal angeordnet sind. Der Mini-Joystick hinter der Display-Klappe ist winzig ausgefallen, was die Bedienung etwas fummelig gestaltet; überhaupt kommt der HS 9 mit einer recht geringen Anzahl an Bedienelementen daher. Mikrofon- oder Kopfhörer-Anschluss fehlen. Die Panasonic-Ingenieure versteckten die HDMI-Buchse in Mini-Ausführung hinter dem Akku; um sie nutzen zu können, muss man den Akku herausnehmen. Ohne Netzgerät gibt es daher keine digitale Videoübertragung.
Die 60 GByte große Festplatte fasst in bester Aufnahmequalität siebeneinhalb Stunden Video; zusätzlich steht ein SDHC-Slot auch für Videoaufnahmen auf Speicherkarte bereit. Die Zoom-Taste lässt sich zwar recht weich bedienen, aktiviert aber einen lediglich in drei Geschwindigkeitsstufen laufenden Zoom. Der Brennweitenbereich des Leica-Dicomar-Objektivs rangiert zwischen leicht weitwinkligen 43 mm und praxistauglichen 200 mm.
Die Pre-Rec-Funktion puffert bei eingeschaltetem Gerät die letzten drei Sekunden vor Aufnahmestart, was verpasste Momente doch noch auf die Platte rettet. Der praktische Nutzwert des gottlob abschaltbaren "Intelligent Shooting Guide", einer automatischen Hilfestellung für den Hobby-Kameramann, darf bezweifelt werden; die Warnhinweise auf zu schnelle Schwenks oder zu stark aus der Achse geneigtem Camcorder erscheinen viel zu spät. Zu schnelle Ruckler dämpft der optische Bildstabilisator mit sehr guten Resultaten.
Der Drei-CCD-Wandler enthält Chips mit jeweils 1/6 Zoll, was sich in der guten Farbwiedergabe niederschlägt. In puncto Schärfe zeigt der HS 9 horizontal einen für die Geräteklasse akzeptablen Mittelwert. Die Auflösungskurven belegen eine leichte Kantenaufsteilung und fallen dann recht steil und linear ab, was für eine Bildverarbeitung ohne weitere elektronische Tricks spricht. Bei Schwachlicht fällt die Kurve trotz der Kantenanhebung früh unter den Grenzkontrast von 0,3 [--] das lässt ein eher softes Bild erwarten.
In Sachen Farbauflösung bringt der Camcorder für AVCHD sehr hohe Werte, die nur bei schwachem Licht leicht zurückgehen. Die Farbwiedergabe erweist sich als sehr kräftig und gesättigt. Allerdings liegen die Farben nicht sehr akkurat auf der Soll-Position. Ein Rauschen von zehn Prozent bei Tageslicht ist nicht begeisternd, im aufgezeichneten Bild aber fast unsichtbar [--] um so eher, als der Camcorder bis hinunter in Innenraumlichtsituationen bei diesem Rauschwert bleibt. Erst bei schwachem Licht mit 30 Lux beginnt es im Bild zu grieseln [--] dann aber stark.
Den Ton zeichnet der HS 9 in recht räumlich wirkender 5.1-Weise auf; die Richtcharakteristik der fünf Mikrofone wird auf Wunsch vom Zoom mitgesteuert, was die Hörbarkeit weit entfernter Schallquellen verbessern hilft. Die Stereokanaltrennung ist hoch, was für einen räumlichen Klangeindruck sorgt.