AMDs Radeon RX 9070 und 9070 XT – Preise und Kampfansage an Nvidia

AMD gibt tiefe Einblicke in die RDNA4-Spielergrafikkarten Radeon RX 9070 und 9070 XT. Bis auf die Ergebnisse unabhängiger Tests sind nun alle Daten bekannt.

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(Bild: AMD)

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Inhaltsverzeichnis

AMD schnitt heute im Livestream wie erwartet die zweite Scheibe von der RX-9070-Salami ab: Nach der technisch eher vagen Ankündigung zur CES Anfang Januar sind so gut wie alle technischen Daten offiziell sowie eine herstellereigene Auswahl an Spielebenchmarks im Vergleich zur GeForce RTX 5070 Ti. Zusätzlich verkündete AMD im Stream die angedachte Preisgestaltung: 549 US-Dollar soll die Radeon RX 9070 kosten und die größere Schwester RX 9070 XT wechselt für 599 US-Dollar die Seite der Ladentheke. Im Vergleich zu Nvidias RTX-5000-UVPs sind das echte Kampfansagen. Wie immer gilt: Die Preise sind ohne Steuern und Europa-Aufschlag, sodass anfangs mit rund einem Viertel mehr Euro als angegebener US-Dollar zu rechnen ist. Und Boardpartner sowie Handel sind in ihrer Preisgestaltung ebenfalls von diesen Vorschlägen unabhängig. So bleibt noch ein wenig Spannung für den geplanten Verkaufsstart am 6. März, zu dem AMD sicher ist, ausreichend Karten bei den Händlern platziert zu haben.

Der RDNA4-Grafikchip Navi48 in einem kĂĽnstlerisch gestalteten Rendering

(Bild: AMD)

Als Motor für die Radeon RX 9070 (XT) dient der neue, monolithische Navi48-Grafikchip, dessen bis zu 64 Compute-Units unter anderem über verbesserte Matrix-Einheiten für KI-Funktionen verfügen und der sowohl bei RX 9070 als auch 9070 XT von 16 GByte GDDR6-Speicher unterstützt wird. Erstmals für AMD ist auch PCI-Express 5.0 mit an Bord. Die Radeon RX 9070 kommt auf dem Papier mit 220 Watt aus, der XT-Version gönnt AMD 304 Watt Leistungsaufnahme. Der Chip wird in TSMCs N4-Technik hergestellt und erreicht mit 53,9 Milliarden Transistoren in 356,5 Quadratmillimetern quasi dieselbe Schaltungsdichte wie das Graphics Compute Die im Navi 31 (45,4 Mrd. Transistoren in 304 mm²). Der Last-Level-Cache, AMD-typisch Infinity Cache genannt, fasst wie bei den 256-bittigen Navi32 der Vorgängergeneration 64 Megabyte, der Level-2-Cache pro Memory Controller wird auf 2 Megabyte verdoppelt, wächst insgesamt also von sechs auf acht Megabyte. Weitere technische Details wie die Taktraten hält die Tabelle bereit.

AMDs Radeon RX 9070 und 9070 XT im Vergleich
Radeon RX 9070 XT RTX 5070 TI Radeon RX 9070 RTX 5070 RTX 4070 S
Architektur RDNA4 / Navi 48 Blackwell GB203 RDNA4 / Navi 48 Blackwell GB205 Ada Lovelace AD104
Shader-Rechenkerne / Shader-Multiprozessoren 4096 / 64 8960 / 70 3584 / 56 6144 / 48 7168 / 56
Basis- / Boost-Taktrate k.A. / 2,97 GHz 2,30 / 2,45 GHz k.A. / 2,52 GHz 2,16 / 2,51 GHz 1,98 / 2,48 GHz
Durchsatz Shaderkerne (FP32) 48,7 TFLOPS 43,90 TOPS 36,1 TFLOPS 30,8 TFLOPS 35,5 TFLOPS
Durchsatz Tensorkerne 1557 TOPS 1406 TOPS 1156 TOPS 988 TOPS 568 TOPS
Speicheranbindung / -datenrate 256 Bit / 20Gbps 256 Bit / 28 Gbps 256 Bit / 20Gbps 192 Bit / 28 Gbps 192 Bit / 21 Gbps
Speichermenge / -typ 16 GByte GDDR6 16 GByte GDDR7 16 GByte GDDR6 12 GByte GDDR7 12 GByte GDDR6X
Speichertransferrate 640 GByte/s 896 GByte/s 640 GByte/s 672 GByte/s 504 GByte/s
Display 3 x DP 2.1a (UHBR13.5), 1 x HDMI 2.1b 3 x DP 2.1b (UHBR20), 1 x HDMI 2.1b 3 x DP 2.1a (UHBR13.5), 1 x HDMI 2.1b 3 x DP 2.1b (UHBR20), 1 x HDMI 2.1b 3 x DP 1.4a, 1 x HDMI 2.1
PCIe-Version / -Lanes 5.0 / x16 5.0 / x16 5.0 / x16 5.0 / x16 4.0 / x16
TDP 304 Watt 300 Watt 220 Watt 250 Watt 220 Watt
Marktstart 06.03.25 20.02.25 06.03.25 März 2025 17.01.24
Preis (Straße) 599 US-Dollar zzgl. Steuern 879 € (1100 €) 549 US-Dollar zzgl. Steuern 649 € 639 € (750 €)

In vorselektierten Benchmarks zeigt sich AMD vorsichtig und positioniert die Radeon RX 9070 und 9070 XT gegen die hauseigene Vorgängerkarte Radeon RX 7900 GRE. Die Radeon RX 9070 ist den AMD-Benchmarks über einen Parcours von 30 Spielen zufolge in WQHD-Auflösung rund 20 Prozent (UHD: +21 Prozent) schneller als die 7900 GRE. Wobei das Performanceplus bei Titeln mit Raytracing mit plus 11 bis 34 Prozent (UHD: 12 bis 38 Prozent) tendenziell höher ist. Bei der Radeon RX 9070 XT verdoppelt sich der Leistungssprung auf 38 (WQHD) bis 42 Prozent (UHD), maximal sind hier in Raytracing-Titeln plus 66 Prozent möglich. Wiederum davon ausgehend sollten die neuen Karten auch in Schlagdistanz zur Radeon RX 7900 XT respektive XTX sein und zumindest die RX 9070 XT damit auch in den Dunstkreis der GeForce RTX 5070 Ti kommen können. Darüber hinaus gibt AMD für die RX 9070 bei 4K-Auflösung und höchsten Einstellungen ein Plus von 38 Prozent gegenüber der RX 6800 XT und 26 Prozent gegenüber einer GeForce RTX 3080 an. Die RX 9070 XT soll 51 Prozent schneller als die RX 6900XT und 26 Prozent schneller als die GeForce RTX 3090 sein.

Und obschon man extra vom typischen AMD-Namensschema auf ein Nvidia-ähnliches mit Zehnerschritten gewechselt ist, legt sich AMD selbst nicht fest, ob die neuen Radeon-Karten eher gegen die RTX 5070 (Ti) oder deren Vorgänger RTX 4070 (Ti/Super) antreten sollen. Auch wenn die AMD-Präsentation Bilder einer Referenzkarte enthält, so soll es zumindest in Deutschland keine Referenzmodelle geben und das Radeon-9000-Feld wird komplett den Partnern überlassen.

Referenzkarten wird es von der RX 9070 (XT) nicht geben, AMD überlässt seinen Partnern den Markt.

(Bild: AMD)

Schon während der Präsentation wird deutlich, dass AMD alle vermeintlichen Schwächen der Konkurrenz nutzen will. Unter anderem stellt die Firma heraus, dass Aufrüster es mit der Radeon RX 9070 leichter haben, unter anderem durch die Verwendung bewährter Achtpin-Kabel zur Stromversorgung, während Nvidia auf die neuen, noch immer nicht ganz unproblematischen 12V-2x6-Kabel mit 16 Pins setzt. Die sind nur an recht neuen Netzteilen bereits vorhanden, viele Nutzer müssen sich mit Adaptern behelfen.

Dass AMD dabei aber nicht auf alte Technik setzt, zeigt das Gesamtpaket. Dazu gehört auch FSR4, welches mit Machine-Learning-gestütztem Upscaling exklusiv auf Radeon-9000-Karten und ihren MMA-Einheiten mit FP8-Support laufen wird. Dazu kommen bessere Display-Engines mit DisplayPort 2.1 UHBR13.5 und HDMI 2.1b, die auch sparsamer speziell in Dual-Display-Konfigurationen sein sollen. Auch die Videoeinheiten will AMD verbessert haben; sie sollen nun eine bessere Qualität bei niedrigen Bitraten erreichen und AV1 nun auch mit B-Frames unterstützen.

GenĂĽsslich zitiert AMD eigene Daten, nach denen 85 Prozent der Gamer eine Grafikkarte unter 700 US-Dollar kauften - und trifft damit zielgenau in die aktuelle Preisgestaltung der GeForce RTX 50. Von den drei angekĂĽndigten Modellen RTX 5090, 5080 und 5070 Ti gibt es zum jetzigen Zeitpunkt de facto keine unterhalb von 1000 Euro, obwohl zumindest die letztgenannte Karte eigentlich auch fĂĽr 869 Euro kaufbar sein sollte.

Die Radeon RX 9070 XT stellt AMDs Speerspitze fĂĽr Gamer dar, eine High-End-Grafikkarte legt die Firma bis auf Weiteres nicht auf. Dementsprechend bleibt die Radeon RX 7900 XTX auf dem Papier als schnellstes eigenes Modell in der Ăśbersicht stehen.

Mit der Radeon RX 9070 hält auch eine neue, vor UDNA wahrscheinlich letzte, RDNA-Ausbaustufe Einzug. Die Basis bildet der große Vorgängerchip Navi31 mit RDNA3-Architektur. Von ihm erbt der Navi48 die vergrößerte Registerzahl und kann diese nun auch dynamisch den Wavefronts zugeteilt werden. Das sorgt für weniger Flaschenhälse und somit eine bessere Auslastung nicht nur, aber insbesondere bei Raytracing-Nutzung.

Die Raytracing-Einheiten sollen nicht nur verdoppelten Durchsatz, sondern auch eine Stack-Traversal-Unit bekommen, was die Shader-Rechenkerne weiter entlastet.

(Bild: AMD)

Die Raytracing-Einheiten sind ebenfalls überarbeitet worden. Neben doppelt sovielen Schnittpunktberechnungen zu Bounding Boxen und Dreiecken, also einer Verdopplung der Rohleistung, gehen sie durch neue Datenformate (BVH8 statt 4) sparsamer mit dem Speicher um und können nun die Beschleunigungsstruktur (BVH) zumindest hardwaregestützt durchlaufen. Zuvor waren dafür mehr normale Shader-Operationen notwendig, die dann bei anderen Berechnungen fehlten. Außerdem sind die Speicheranfragen nun "Out-of-Order" möglich, müssen also nicht mehr in der Reihenfolge bedient werden, wie sie gestellt wurden – auch das senkt die Bearbeitungszeit für viele speicherintensive Berechnungen.

Einen größeren Sprung gibt es auch bei den "Matrix Accelerators", also den Beschleunigungsfunktionen für Matrix-Multiply-Accumulates, die zentral für die meisten KI-Berechnungen sind. In RDNA4 kommen mit FP8 und bF8 weitere 8-Bit-Datenformate hinzu. Bei denen gibt es entweder eine vergleichsweise große Spanne (E5M2) oder eine größere Genauigkeit (E3M4) der Werte zur Auswahl. Anders als noch in RDNA3 verdoppelt sich ausgehend von 16 Bit (FP16, bF16) der Durchsatz bei RDNA4, wenn 8-Bit-Datenformate genutzt werden. Und dasselbe noch einmal beim Schritt auf 4 Bit-Genauigkeit, die es aber nur für Ganzzahlformate (Integer) gibt. Aus den 256 FP32-Operationen pro Compute Unit werden so bis zu 4096 INT4-Operationen, die sich bei dünn besetzten Matrizen durch 4:2-Sparsity noch einmal verdoppeln können.

Die Matrix-Einheiten beherrschen in RDNA4 neue, sparsame Datenformate und können bei dünn besetzten Matrizen den Durchsatz nochmals verdoppeln.

(Bild: AMD)

AMD selbst sieht eine verdoppelte KI-Performance pro Compute Unit bei RDNA4 unter anderem in Stable Diffusion XL 1.5, einem KI-Modell zur Bilderzeugung. Auch die ML-basierte Upscaling-Komponente in AMDs FSR4 macht sich den höheren Durchsatz bei FP8 zu Nutze und ist demnach exklusiv für Radeon-9000-Grafikkarten. Mit FSR4 + Image Generation sollen laut AMD die Bildraten in vielen aktuellen Spielen um Faktor 2 bis 3,5 steigen.

(csp)