Assange-Auslieferung: Wie gefÀhrlich ist Julian Assange?

(Bild: Londisland/Shutterstock.com)
Bei der Verhandlung, ob Julian Assange an die USA ausgeliefert wird, kam es zu juristischen AbsurditÀten. Im Mai oder Juni soll es weitergehen.
Am vierten Tag der Verhandlung vor dem königlichen Gericht in Woolwich ĂŒber das Pro und Contra einer Auslieferung von Julian Assange ging es etwas bizarr zur Sache. Die Anklage in Gestalt des Kronanwaltes James Lewis befand, dass ein Auslieferungsverbot aufgrund "politisch motivierter Vergehen" veraltet und damit hinfĂ€llig sei. Assange dĂŒrfe nicht mit einem politischen FlĂŒchtling verwechselt werden.
Richterin Vanessa Baraitser verwarf den Antrag der Verteidigung, dass Assange einen Platz zwischen seinen AnwÀlten einnehmen kann. Er muss weiterhin auf der Anklagebank sitzen, die mit kugelsicherem Glas abgeschottet ist und von der aus nicht alles zu hören ist: Woolwich ist mit einem Trakt direkt an das HochsicherheitsgefÀngnis Belmarsh angeschlossen, in dem Assange, aber eben auch Terroristen untergebracht sind, deren FÀlle in Woolwich verhandelt werden. Assange bekam einen Kopfhörer, den er nicht nutzte.
Kein politischer FlĂŒchtling
Der vierte und vorerst letzte Verhandlungstag begann mit der ErlĂ€uterung der Anklage, wonach politisch motivierte Taten Ă€uĂerst unklar definiert sind. GemÀà den AusfĂŒhrungen von Kronanwalt James Lewis sollen sie in modernen Gesellschaften veraltet (outdated) sein. Alle Abkommen, die die Auslieferung von politisch motivierten TĂ€tern untersagen, seien deshalb ungĂŒltig. Assanges Auslieferung erfolge nicht deswegen, weil er Informationen an die Presse weitergegeben habe, sondern weil er das Leben von Informanten in Gefahr gebracht habe. Lewis warnte das Gericht davor, Assange mit einem politischen FlĂŒchtling zu vergleichen.
Assanges Verteidiger Edward Fitzgerald verwies in seiner Antwort auf zahlreiche britische und internationale Gesetze, etwa innerhalb des Commonwealth, der UN sowie in den Statuten von Interpol, die die Auslieferung von politisch motivierten StraftĂ€tern untersagen. Er fĂŒhrte verschiedene Veröffentlichungen von Wikileaks an, die auf eine klare politische Motivation verweisen und die damit auch erfolgreich gewesen seien. Mit der Veröffentlichung von Cablegate [1] habe Wikileaks dazu beigetragen, dass sich die USA aus dem Irak zurĂŒckzog, ebenso mit der Veröffentlichung der Einsatzregeln fĂŒr die US-Armee im Irak.
NÀchste Anhörung im Mai oder Juni
Nach der Mittagspause beschĂ€ftigte sich das Gericht mit dem Antrag der Verteidigung, Assange einen Platz in der Reihe seiner AnwĂ€lte zu gewĂ€hren, damit er sich besser mit ihnen beraten kann. WĂ€hrend die Vertreter der Anklage und damit der USA keinen Einwand hatten, sperrte sich Richterin Vanessa Baraitser gegen den Antrag. Sie entschied, dass Assange weiter auf der Anklagebank sitzen muss. Nötigenfalls werde sie die Anhörung stĂŒndlich unterbrechen, wenn Assange seine AnwĂ€lte sprechen möchte. "Wenn das Verfahren dadurch sechs Wochen statt drei Wochen dauert, dann ist das eben so", erklĂ€rte die Richterin.
Die nÀchste Anhörung zur Auslieferung von Assange ist auf drei Wochen ausgelegt und soll im Mai oder Juni stattfinden. Im April tritt das Gericht zusammen, um den genauen Termin zu bestimmen. (olb [2])
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