BKA-Studie: Hacktivisten sind Mittelschicht, mÀnnlich und kriminell
(Bild: dpa, Julien Warnand)
WÀhrend Anonymous mit seiner #OpIsis von sich reden macht, hat das BKA die ersten Ergebnisse seiner BeschÀftigung mit dem politisch motivierten Hacktivismus veröffentlicht. Auch Kim Dotcom zÀhlt die Behörde zu den "Hacktivisten".
Hacktivisten sind ĂŒberwiegend mĂ€nnlich, zwischen 16 und 30 Jahre alt und entstammen der Mittelschicht. So zumindest sieht sie das Bundeskriminalamt, das am Dienstag den Abschlussbericht einer Untersuchung zu Hacktivismus [1] vorgelegt hat. Der Untersuchung zufolge gehen Hacktivisten zwar wie Cyberkriminelle vor, doch sind sie dabei nicht profitorientiert, sondern verfolgen politische oder moralische Ziele. Die Studie des BKA fuĂt auf einer Literaturanalyse sowie der Untersuchung von 183 Fallakten. Diese Untersuchung des sichtbaren Hacktivismus soll noch in diesem Jahr um eine Dunkelfeld-Analyse ergĂ€nzt werden, bei der das Dark Web und die Kommunikation von Hacktivisten ausgewertet werden soll.
Parteien und Kirchen im Mittelpunkt
Aus der Hellfeld-Analyse ergibt sich fĂŒr das BKA ein klares Bild: Hacktivistische Aktionen bestehen ĂŒberwiegend in der Verunzierung oder Zerstörung von Webseiten, zu denen sich die Gruppen klar zu ihrer Tat bekennen. Firmen, politische Parteien und Kirchen stehen in dieser Reihenfolge im Mittelpunkt der Aktionen. In Zukunft dĂŒrfte der Hacktivismus auch in Deutschland zunehmen, fĂŒrchtet das BKA. Besonders gefĂ€hrlich sei die nachrichtendienstliche Lenkung hacktivistischer Projekte.
An der BKA-Studie fĂ€llt auf, dass der Begriff "Hacktivismus" sehr breit ausgelegt wird. Neben bekannten Gruppen wie Anonymous, Lulzsec, Antisec oder Telecomix werden selbst die frĂŒhen Taten des DeCSS-Programierers Jon Lech Johansen [2] oder das Megaupload-Projekt von Kim Dotcom dem Hacktivismus zugerechnet, da beide fĂŒr die "Freiheit des Internet" gestritten hĂ€tten. Als gröĂtes Problem bewertet das BKA die Trennung zwischen bewusst agierenden Hacktivisten und MitlĂ€ufern, denen garnicht bewusst sei, dass sie an einer Straftat mitwirken.
They did it for the lulz
Die Studie arbeitet deutlich den Unterschied zwischen Hacktivisten und Cyberterroristen heraus. Letztere wollen Propaganda verbreiten, Mitstreiter rekrutieren und Angriffe auf kritische Infrastrukturen vermeintlicher Gegner durchfĂŒhren. Den Hacktivisten hingegen lĂ€gen solche Motive fern, bei ihnen vermischten sich Motive der frĂŒhen Hacker-Ethik [3] und des Respekts vor guten Hacks mit Sensationslust und der Lust an SpaĂ und Schabernack (Lulz).
In der Radikalisierung und möglichen nachrichtendienstlichen Lenkung dieser MitlĂ€ufer sehen die Experten eine Herausforderung fĂŒr den kĂŒnftigen Umgang mit Internet-Aktionen. "Auch wenn sich Hacktivismus als gesellschaftliche und demokratische Möglichkeit politischer Teilhabe etabliert, werden sich viele Aktionsformen von Hacktivismus immer auf einem schmalen Grat zwischen Aktionen zivilen Ungehorsams und illegalen Angriffen bewegen bis hin zur Grenze des Cyberterrorismus", heiĂt es im Fazit der Studie. (vbr [4])
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[1] http://www.bka.de/nn_193924/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/SonstigeVeroeffentlichungen/2015HacktivistenProjektteilHellfeldbeforschung,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/2015HacktivistenProjektteilHellfeldbeforschung.pdf
[2] https://www.heise.de/news/DVD-Hacker-Johansen-vor-Gericht-71579.html
[3] http://www.schrutzki.net/texte/eigene/chaosbuch/hackerethik1.php3?sid=54da3841a4087
[4] mailto:vbr@heise.de
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