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Bosch baut 1200 ArbeitsplÀtze im Bereich automatisiertes Fahren ab

Andreas Wilkens

Bosch-Zweigstelle in Renningen.

(Bild: Bosch)

Der Markt fĂŒr Produkte fĂŒrs autonome Fahren entwickelt sich fĂŒr Bosch langsamer als gedacht. Daher fallen nun ArbeitsplĂ€tze weg.

Das Technik-Unternehmen Bosch registriert zwar eine wachsende Nachfrage nach intelligenten Fahrassistenzsystemen und Produkten fĂŒr das automatisierte Fahren, aber sie wĂ€chst langsamer als erwartet. "Die EinfĂŒhrung neuer E/E-Architekturen und automatisierter Fahrfunktionen auf SAE L4 verzögert sich bei fast allen Automobilherstellern", teilte eine Sprecherin von Bosch heise online mit. "Wir bewegen uns daher weg vom Ansatz der parallelen Entwicklung, beispielsweise von SAE L2/3-Fahrfunktionen einerseits und L4-Lösungen andererseits."

Denn Bosch gehe nicht mehr davon aus, "dass aufgrund einer schnellen Marktentwicklung ein Technologiesprung notwendig sein wird". Vielmehr meint das Unternehmen beispielsweise im Bereich Advanced Driver Assistance Systems (ADAS), dass sich Fahrfunktionen der Automatisierungsstufe SAE L4 sequenziell beziehungsweise evolutionÀr aus den heutigen SAE L2 und L3 entwickeln lassen werden. Dadurch fielen Parallelentwicklungen weg.

Konkret bedeutet das, bis Ende 2026 baut Bosch 1200 ArbeitsplÀtze in der Sparte Cross-Domain Computing Solutions unter anderem in der Softwareentwicklung ab, aber auch in der Verwaltung und im Betrieb. Davon sind 950 Stellen in Deutschland betroffen an den Standorten Abstatt, Hildesheim, Leonberg, Renningen und Schwieberdingen sowie den dazugehörigen Zweigstellen. Genaue Zahlen stehen erst nach Verhandlungen fest.

Bosch wolle die Stellen sozialvertrĂ€glich abbauen, teilte das Unternehmen weiter mit. Es bleibe "selbstverstĂ€ndlich bei der Zusicherung aus der im Sommer geschlossenen Zukunftsvereinbarung, betriebsbedingte KĂŒndigungen fĂŒr die deutschen Mobility-Standorte bis Ende 2027 auszuschließen." In der Sparte Cross-Domain Computing arbeiten insgesamt 20.000 Menschen.

Eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr das automatisierte Fahren sind fĂŒr Bosch auch neue elektrische/elektronische (E/E-) Architekturen, mit denen die KomplexitĂ€t kĂŒnftiger Fahrzeugsysteme beherrschbar bleibe. Wichtig dabei sei der Wechsel von der heutigen domĂ€nenspezifischen hin zu einer domĂ€nenĂŒbergreifenden und zentralisierten E/E-Architektur mit wenigen, aber sehr leistungsstarken Fahrzeugcomputern anstelle vieler einzelner SteuergerĂ€te.

Bosch betonte gegenĂŒber heise online, Technologien und Architekturen fĂŒrs automatisierte Fahren weiterzuentwickeln, bliebe ein zentrales Wachstumsfeld, das Cross-Domain Computing Solutions vorantreibe. Trotz dieser verzögerten Marktentwicklung wolle Bosch seine marktfĂŒhrende Position auf dem GeschĂ€ftsfeld assistiertes und automatisiertes Fahren weiter ausbauen will.

Ebenfalls im GeschĂ€ftsfeld Cross-Domain Computing Solutions hatte Bosch im Mai 2023 entschieden, keine weiteren Ressourcen in die Hardware-Entwicklung von Lidarsensoren zu investieren [1]. Stattdessen konzentriere sich Bosch auf andere Sensortechnik, wie zum Beispiel Radar. Auch fĂŒr die Lidartechnik war die langsame Entwicklung beim autonomem Fahren entscheidend, hinzu kommt die KomplexitĂ€t der Technik.

(anw [2])


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https://www.heise.de/-9602877

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[1] https://www.heise.de/news/Autonomes-Fahren-Bosch-beendet-Entwicklung-von-Lidar-Sensoren-9290959.html
[2] mailto:anw@heise.de