Breitband: Netzallianz schreibt am "Kursbuch Netzausbau"
Zum Auftakt der von Infrastrukturminister Dobrindt initiierten Netzallianz versicherten Telekommunikationsfirmen, die Ziele der Regierung zum flÀchendeckenden Breitbandausbau mittragen zu wollen. Geld soll aus einer neuen Frequenzversteigerung kommen.
Alexander Dobrindt, Bundesminister fĂŒr Verkehr und digitale Infrastruktur, hat zum Auftakt der von ihm ins Leben gerufenen "Netzallianz" [1] ein "Kursbuch Netzausbau" angekĂŒndigt. Darin sollten die vereinbarten Schritte zum Breitbandausbau ĂŒber mehrere Jahre hinweg festgehalten werden, erklĂ€rte der CSU-Politiker am Freitag nach der ersten GesprĂ€chsrunde mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin.
20 Milliarden nötig
Die Netzallianz soll entscheidend zur Verwirklichung des flĂ€chendeckenden Breitband-Ausbaus [2] mit mindestens 50 MBit/s beitragen. Bisher verfĂŒgt nur rund die HĂ€lfte der deutschen Haushalte ĂŒber entsprechend schnelle AnschlĂŒsse. Die von Schwarz-Rot zunĂ€chst vorgesehene eine Milliarde Euro fĂŒr den Ausbau war im Herbst Sparauflagen zum Opfer gefallen [3]. Insgesamt werden SchĂ€tzungen zufolge rund 20 Milliarden Euro benötigt, um den Ausbau zu stemmen.
(Bild:Â heise online/Stefan Krempl)
Dobrindt kĂŒndigte nun an, zusĂ€tzliche staatliche Mittel ĂŒber die fĂŒr 2016 geplante Auktion [4] des 700-MHz-Bandes aus der sogenannten zweiten Digitalen Dividende [5] zur VerfĂŒgung stellen zu wollen. Anders als bei der spektakulĂ€ren UMTS-Versteigerung [6] solle dabei "der GroĂteil der Erlöse wieder zurĂŒckflieĂen in die Unternehmen". Es handle sich dabei voraussichtlich um einen Milliardenbetrag. "Jeder Euro, der reinkommt, wird auch in den Netzausbau gesteckt werden", versicherte der Dobrindt. Das Hin- und Herschieben vieler Millionen zwischen Staat und Wirtschaft mache Sinn, da die Frequenzvergabe und die entsprechende Versteigerung "wettbewerbliche Elemente" darstellten. Noch erheben neben den Mobilfunkern aber auch Rundfunksender Anspruch [7] auf die Nutzung der weiteren digitalen Dividende.
Die Bundesregierung will Dobrindt zufolge ferner dafĂŒr sorgen, dass Förderungen der BundeslĂ€nder, die Netzbetreiber derzeit aufgrund EU-Blockaden nicht abrufen können, in vollem Umfang freigegeben werden. Der Minister freute sich, dass bei dem mehrstĂŒndigen GesprĂ€ch alle Seiten "sehr viele Gemeinsamkeiten" hĂ€tten ausmachen können. Man sei sich einig gewesen, kooperativ das "groĂe gesellschaftliche Projekt" eine Stufe weiter zu bringen. Die Unternehmen hĂ€tten erklĂ€rt, dafĂŒr mit Verantwortung tragen zu wollen.
FTTH noch kein Thema
"Die Wille der Industrie, die FlĂ€chendeckung zu erreichen, ist gegeben", unterstrich der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges. Wie man Festnetzverbindungen konkret wirtschaftlich in die entlegensten Gebiete kriegt, solle "auf dem nĂ€chsten Gipfel eine Rolle spielen". Das Thema Glasfaser bis zur Wohnung sei auch nicht Gegenstand der Debatte gewesen. FĂŒr Höttges wird der Ausbau mit einem "Technologie-Mix aus Mobilfunk und Festnetz" zu machen sein. Letztlich basiere "alles, was wir tun, auf Glasfasertechnologie". "Wichtiger als irgendwelche FördermaĂnahmen" bezeichnete Jens Schulte- Bockum, Chef von Vodafone Deutschland, "langfristige rechtliche Rahmungsbedingungen". Insgesamt werde die Wirtschaft den Plan mittragen.
Ralf Kleint, PrĂ€sident des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko [8]) erklĂ€rte, dass allein alternativen Netzbetreibern 9,1 Milliarden Euro fĂŒr den vorgesehenen Netzausbau in die Hand nehmen mĂŒssten. Dabei gehe es hĂ€ufig um langfristige EinsĂ€tze von 18 Jahren und mehr. Nötig sei daher eine verlĂ€ssliche Regulierung, die Dobrindt zugesichert habe. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM [9]) bewertete das Treffen "als Auftakt positiv", da auch viele kleinere, im Ausbau aktive Unternehmen direkt oder indirekt vertreten gewesen seien. Die Telekom-Herausforderer erachten es aber als wichtig, dass auch LĂ€nder und Kommunen mit an den Tisch genommen werden.
Knackpunkt Regulierung
Im Vorfeld hatte der Hightech-Verband Bitkom [10] "konkrete VorschlĂ€ge" von der Politik erwartet, wie der Staat den Unternehmen beim Ausbau helfen könne. Dazu gehöre ein "stabiler und anreizorientierter Regulierungsrahmen", der in Streitfragen wie der NetzneutralitĂ€t und dem Verkehrsmanagement Betreibern ihre "kommerzielle Freiheit" lasse. Zudem seien in Regionen, in denen ein marktgetriebener weiterer Ausbau nicht realisierbar ist, zusĂ€tzlich "gezielte und technologieneutrale FördermaĂnahmen" nötig.
Ebenfalls nach investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen rief der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (ANGA [11]). Die Branche sei in den vergangenen Jahren "erheblich in Vorleistung gegangen", hieĂ es dort: Ende 2013 hĂ€tten mehr als 60 Prozent der ans Kabelnetz angeschlossenen deutschen Haushalte Hochgeschwindigkeitsinternet von 100 MBit/s und mehr buchen können. Die aktuellen Breitbandziele der Bundesregierung nĂ€hmen die zu erwartenden Entwicklungen im High-Speed-Segment so nicht hinreichend in den Blick. In diesem Gebiet mĂŒssten Bund und LĂ€nder die Weichen richtig stellen, wĂ€hrend "immer neue Belastungen wie zusĂ€tzliche Auflagen im Bereich Kundenschutz" ein falsches Signal setzten. (vbr [12])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2138172
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Dobrindt-will-Deutschland-an-die-IT-Weltspitze-bringen-2083794.html
[2] https://www.heise.de/news/Grosse-Koalition-plant-keine-Verpflichtung-zu-Breitband-fuer-alle-2045408.html
[3] https://www.heise.de/news/Schwarz-Rot-streicht-Milliarden-fuer-den-Breitbandausbau-2054672.html
[4] https://www.heise.de/news/Bericht-Regulierer-will-Mobilfunkfrequenzen-wieder-versteigern-1893968.html
[5] https://www.heise.de/news/Mobilfunker-freuen-sich-auf-zweite-digitale-Dividende-1437100.html
[6] https://www.heise.de/news/Katerstimmung-bei-UMTS-Gewinnern-28830.html
[7] https://www.heise.de/news/Mobiles-Breitband-Telcos-beanspruchen-auch-DVB-T2-Frequenzen-2040906.html
[8] http://www.brekoverband.de/
[9] http://www.vatm.de/
[10] http://www.bitkom.org/
[11] http://www.anga.de/
[12] mailto:vbr@heise.de
Copyright © 2014 Heise Medien