Chinas Raumstation nÀhert sich der Fertigstellung: zweites Modul angedockt
Raumstation Tiangong mit zweitem Modul
(Bild: CNSpaceflight bei Twitter)
Wentian ist das zweite von drei Modulen der Raumstation. Das letzte soll im Oktober folgen, aber unkontrollierte AbstĂŒrze der Raketenstufen bereiten Sorgen.
China hat das zweite von drei Modulen seiner Raumstation erfolgreich ins All gebracht und mit der "Tiangong" verbunden. Das neue Modul "Wentian" erweitert das Hauptmodul "Tianhe" um drei SchlafplĂ€tze, eine KĂŒche und mehr Raum fĂŒr Experimente. Es verfĂŒgt zudem ĂŒber eine Ausstiegsluke fĂŒr die sogenannten Taikonauten und dient auch als RĂŒckzugsbasis, falls es im ersten Modul Probleme geben sollte.
Eine Rakete des Typs "Langer Marsch 5B" startete mit dem Wentian-Modul am Sonntagnachmittag Ortszeit vom chinesischen Weltraumbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan im sĂŒdchinesischen Meer, sĂŒdwestlich von Hongkong. 13 Stunden spĂ€ter dockte das rund 23 Tonnen schwere Modul an der Raumstation an, indem es sich durch ein eigenes Antriebssystem in Position brachte, wie Chinas Raumfahrtbehörde erklĂ€rt [1].
Damit hat China nun acht Missionen des Raumstationprojekts erfolgreich absolviert: die zwei Module, drei Frachttransporte und drei bemannte Missionen. Das dritte Modul mit dem Namen "Mengtian" soll im Oktober starten und die Raumstation komplettieren. Die Module werden jeweils seitlich miteinander verbunden und ergeben letztendlich ein T-förmiges Gebilde.
Sorgen um unkontrollierte AbstĂŒrze der Raketenstufen
Wissenschaftler machen sich aber weiterhin Sorgen um abstĂŒrzende Raketenstufen. Die Hauptstufe der Rakete des Typs "Langer Marsch 5B" ist nicht fĂŒr einen kontrollierten Absturz vorgesehen. Schon bei frĂŒheren Starts dieser Rakete hatte es Berichte ĂŒber Metallteile gegeben, die in der ElfenbeinkĂŒste ĂŒber bewohntem Gebiet abgestĂŒrzt waren und mehrere HĂ€user beschĂ€digt hatten. Auch nach Baubeginn fĂŒr Chinas Raumstation stand die Raketenstufe vor einem unkontrolliertem Absturz [2].
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US-Astronomen haben bereits zwei Objekte nach dem Start der Wentian-Mission ausgemacht und katalogisiert. Die etwa 21 Tonnen schwere Hauptstufe der Rakete befindet sich demnach weiterhin im Orbit [4] und wurde nicht aktiv deorbitiert. Es ist aber noch zu frĂŒh vorherzusagen, wann und wo diese Raketenstufe niedergehen wird.
Absturz in voraussichtlich zehn Tagen
Die Raketenteile der frĂŒheren Tianhe-Mission sind zehn Tage nach dem Start ĂŒber dem Indischen Ozean wieder in die AtmosphĂ€re eingetreten, berichtet SpaceNews [5]. Die abgetrennte chinesische Raketenstufe wird die Erde einmal alle 90 Minuten umkreisen, wobei die Reduzierung der Umlaufbahn von atmosphĂ€rischen Schwankungen abhĂ€ngt. So könnten SonnenaktivitĂ€ten die AtmosphĂ€re aufblĂ€hen und in gröĂeren Höhen zu einem gröĂeren Luftwiderstand fĂŒhren.
Die Risikozone umfasst wie zuvor jeden Teil der ErdoberflĂ€che zwischen dem 41. Grad nördlicher und dem 41. Grad sĂŒdlicher Breite. Damit ist Deutschland zwar sicher, aber ganz Afrika, SĂŒdamerika, groĂe Teile Nordamerikas und Asiens liegen in diesem Gebiet. Es ist immer noch am wahrscheinlichsten, dass TrĂŒmmer, die nicht verglĂŒhen, ĂŒber unbewohntem Gebiet abstĂŒrzen. Aber es besteht eben ein gewisses Restrisiko, dass es doch besiedelte Gebiete trifft.
(fds [7])
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[1] https://mp.weixin.qq.com/s/FafhMFBvCCf74eEy-GEOZg
[2] https://www.heise.de/news/Nach-Baubeginn-fuer-Chinas-Raumstation-Raketenstufe-vor-unkontrolliertem-Absturz-6036436.html
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] https://twitter.com/planet4589/status/1551244348498616320
[5] https://spacenews.com/second-module-docks-at-chinas-space-station-large-rocket-stage-tracked-in-orbit/
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:fds@heise.de
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