Datenschutz: Luxemburg plant 350 Millionen Euro Strafe fĂŒr Amazon
Datenschutz haben sich Amazons Gebahren in Europa genauer angeschaut.
(Bild: Daniel AJ Sokolov)
350 Millionen Euro möchte die Datenschutzbehörde Luxemburgs von Amazon kassieren. Es wÀre die höchste DSGVO-Strafe. Mindestens einem EU-Land ist es zu wenig.
350 Millionen Euro Strafe fĂŒr Datenschutzverletzungen möchte die Nationale Kommission fĂŒr den Datenschutz (CNDP) des GroĂherzogtums Luxemburg von Amazon.com kassieren. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Eingeweihte. Was Amazon genau vorgeworfen wird, ist nicht bekannt. Die CNDP ist zustĂ€ndig, da der Konzern in Luxemburg seinen Europasitz unterhĂ€lt.
Sowohl Amazon als auch die Behörde haben Stellungnahmen abgelehnt. Laut Zeitungsbericht hat die luxemburgische Datenschutzbehörde ihren Pendants in den anderen EWR-Staaten bereits eine Kopie ihres Bescheidentwurfs ĂŒbermittelt. Das sogenannte KohĂ€renzverfahren hat also begonnen. Dabei stimmen sich die nationalen Datenschutzbehörden untereinander ab, um die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) möglichst kohĂ€rent anzuwenden.
Laut WSJ [1] haben bereits einige europĂ€ische DatenschĂŒtzer dem luxemburgischen Vorschlag widersprochen und, in mindestens einem Fall, eine noch höhere Strafe gefordert. Sollte sich Luxemburgs Behörde im aktuellen Amazon-Fall nicht mit den Datenschutzbehörden der ĂŒbrigen DSGVO-LĂ€nder einigen, muss der EuropĂ€ische Datenschutzausschuss (ESDA) ĂŒber den Strafbescheid fĂŒr Amazon abstimmen. Unter dem Vorsitz der österreichischen Juristin Andrea Jelinek koordinieren sich im ESDA die Datenschutzbehörden [2] der 30 EWR-Staaten.
Rekordstrafe
Dabei wĂ€ren 350 Millionen Euro ein Vielfaches der bisherigen (nicht rechtskrĂ€ftigen) RekordbuĂe: Im Dezember hat Frankreich Google mit 60 Millionen Euro Strafe belegt [3], weil es Tracking-Cookies fĂŒr Werbezwecke ohne Einwilligung Betroffener sogar entgegen ausdrĂŒcklicher Einstellungen genutzt haben soll. Irlands Datenschutzbehörde hat damals ĂŒber Google Irland wegen des gleichen Falls weitere 40 Millionen Euro Strafe verhĂ€ngt. Irlands Behörde plant, im laufenden Jahr mehrere EntwĂŒrfe fĂŒr Strafbescheide gegen groĂe Datenkonzerne zu verhĂ€ngen.
Der bislang teuerste Datenschutz-Strafbescheid aus Deutschland datiert vom 30. September 2020: Der Hamburgische Beauftragte fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit hat den Textiliendiskonter H&M (Hennes & Mauritz) zu mehr als 35 Millionen Euro verdonnert, weil H&M hunderte Mitarbeiter bespitzelt haben soll [4]. Nach Darstellung H&Ms geht dieses Verfahren auf eine Selbstanzeige des Unternehmens zurĂŒck. Die Strafe ist nicht rechtskrĂ€ftig, da H&M eine Anfechtungsklage erhoben hat, die am Landgericht Hamburg anhĂ€ngig ist.
Die bis dato höchste europĂ€ische Datenschutzstrafe fĂŒr Amazon stammt vom Dezember und aus Frankreich. Dort drohen 35 Millionen Euro Strafe wegen des Einsatzes von Tracking-Cookies zu Werbezwecken ohne Einwilligung der Betroffenen. Auch diese Entscheidung ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Die höchste rechtskrĂ€ftige Datenschutzstrafe Europas kommt ebenfalls aus Frankreich: Anfang 2019 wurden Google 50 Millionen Euro BuĂgeld auferlegt [5], wegen mangelnder Transparenz, unzureichender Information und fehlender Einwilligung in Bezug auf persönlich zugeschnittene Reklame.
(ds [7])
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[1] https://www.wsj.com/articles/amazon-faces-possible-425-million-eu-privacy-fine-11623332987
[2] https://www.heise.de/news/Oesterreich-uebernimmt-Vorsitz-der-Artikel-29-Gruppe-der-europaeischen-Datenschutzbehoerden-3963521.html
[3] https://www.heise.de/news/Frankreich-Datenschuetzer-verhaengen-Millionen-Bussgelder-gegen-Google-und-Amazon-4985956.html
[4] https://www.heise.de/news/DSGVO-Deutsche-Rekordbusse-von-35-3-Millionen-Euro-gegen-H-M-4917437.html
[5] https://www.heise.de/news/DSGVO-Verstoesse-Frankreich-verhaengt-Millionen-Strafe-gegen-Google-4283765.html
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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