Datenskandal um Cambridge Analytica: Facebook sieht sich als Opfer
(Bild: dpa, Arno Burgi)
Facebook sieht sich einer Untersuchung im Zusammenhang mit dem Datenskandal der britschen Analysefirma Cambridge Analytica ausgesetzt und fĂŒhlt sich selbst als Betrogener. Der Börsenwert von Facebook sinkt.
Facebook sieht sich im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darĂŒber, dass wir hintergangen wurden", heiĂt es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung von Facebook. Die umstrittene Datenanalyse-Firma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix [1] einen GroĂteil des Wahlkampfs fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump bestritten hat, soll Zugriff auf Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt haben. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC leitete nach Informationen der "Washington Post" eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein [2].
Das Unternehmen erklĂ€rte in der Mitteilung, es werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schĂŒtzen. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst. Facebook verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert an der Börse.
Mögliche Verbindungen ins WeiĂe Haus
Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-PrĂ€sidentenwahl 2016 verholfen haben soll â möglicherweise mithilfe von unrechtmĂ€Ăig gesammelten Facebook-Daten [9]. Nix, der am Dienstagabend suspendiert worden war, hatte einem angeblichen Kunden gegenĂŒber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4. Unter anderem will Nix Trump persönlich mehrere Male getroffen haben. Nix selbst erklĂ€rte, er habe nur ein Spiel gespielt. Das WeiĂe Haus reagierte zunĂ€chst nicht offiziell.
Der Undercover-Reporter von "Channel 4" hatte sich mit Nix und anderen Top-Managern von November 2017 bis Januar 2018 mehrfach in Londoner Hotels getroffen. An einer Stelle antwortete Nix dem "Channel-4"-Bericht zufolge [10] auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen ĂŒber politische Gegner zu beschaffen, seine Firma könne "MĂ€dchen zum Haus des Kandidaten schicken". Ukrainerinnen seien "sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut". Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld fĂŒr seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit LĂ€ndereien als Gegenleistung â und das Ganze auf Video aufzunehmen und spĂ€ter zu veröffentlichen.
Auch bei Facebook könnte es personelle VerĂ€nderungen geben. Der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos könnte Facebook möglicherweise verlassen [11]. Er habe sich dafĂŒr eingesetzt, offener ĂŒber die russische Einmischung in den US-PrĂ€sidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebĂŒgelt worden. Erst nach Untersuchungen im US-Kongress rĂ€umte das Online-Netzwerk schrittweise ein, dass 150 Millionen Nutzer von Facebook und Instagram mit politischer Propaganda aus Russland in BerĂŒhrung gekommen sein dĂŒrften.
tipps+tricks zum Thema:
(olb [13])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3999922
Links in diesem Artikel:
[1] https://ca-commercial.com/news/statement-board-directors
[2] https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2018/03/20/ftc-opens-investigation-into-facebook-after-cambridge-analytica-scrapes-millions-of-users-personal-information/
[3] https://www.heise.de/tipps-tricks/Facebook-Daten-schuetzen-durch-Deaktivieren-der-App-Integration-4000590.html
[4] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-deletefacebook-ist-auch-nicht-die-Loesung-4001094.html
[5] https://www.heise.de/news/Datenskandal-Cambridge-Analytica-Facebook-Chef-Mark-Zuckerberg-raeumt-Fehler-ein-4000885.html
[6] https://www.heise.de/news/Datenskandal-um-Cambridge-Analytica-Facebook-sieht-sich-als-Opfer-3999922.html
[7] https://www.heise.de/news/Trump-Wahlhelfer-Cambridge-Analytica-Streit-um-50-Millionen-Facebook-Profile-3997820.html
[8] https://www.heise.de/select/ct/2017/19/1505419472706012
[9] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Trump-Wahlhelfer-Cambridge-Analytica-Streit-um-50-Millionen-Facebook-Profile-3997820.html
[10] https://www.channel4.com/news/cambridge-analytica-revealed-trumps-election-consultants-filmed-saying-they-use-bribes-and-sex-workers-to-entrap-politicians-investigation
[11] https://www.heise.de/news/Cambridge-Analytica-Facebook-verliert-Sicherheitschef-Politiker-verlangen-Antworten-3999040.html
[12] https://www.heise.de/tipps-tricks/Facebook-Datenspuren-entfernen-3957418.html
[13] mailto:olb@heise.de
Copyright © 2018 Heise Medien