Deutsche Fußballdatenbank macht Fußball zur Wissenschaft

In einer neuen Datenbank werden die Leistungstestwerte und medizinischen Daten aller Nationalspieler sowie alle Spielberichte ihrer Einsätze im Nationaltrikot und im Verein gespeichert.

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Von
  • Detlef Borchers

Auf einer Pressekonferenz vor dem Länderspiel Deutschland gegen Norwegen hat der Deutsche Fußballbund die Datenbank "Nationalmannschaft" vorgestellt, die innerhalb von acht Monaten vom IT-Dienstleister ICW entwickelt wurde. In der Datenbank werden die Leistungstestwerte und medizinischen Daten aller Nationalspieler und dazu alle Spielberichte ihrer Einsätze im Nationaltrikot und im Verein gespeichert. "Die Pi-mal-Daumen-Schätzerei des Trainers ist vorbei, wir können jetzt echte Wissenschaft betreiben", freute sich Oliver Bierhoff, Manager der Fußballnationalmannschaft.

Die neue Datenbank ist eine Erweiterung des bisherigen Spielberichtssystems "DFBNet" und des Spielanalyse-Systems Amisco um die Gesundheitsdaten mit der Applikation "DFB-Performer" auf Basis der Technik LifeSensor von ICW. Die ursprüngliche Idee einer übergreifenden Datenbank von Leistungs-, Gesundheits- und Spieldaten stammt vom Assistenztrainer Hans-Dieter Flick, der dem DFB das Konzept bereits im November 2006 vorlegte und dabei auch ICW als Partner vorschlug.

Flick arbeitete zuvor bei 1899 Hoffenheim, der vom ehemaligen SAP-Manager Dietmar Hopp gesponsert wird. Hopp ist auch der Hauptinvestor von ICW. Auf der Pressekonferenz freute sich Hopp in doppelter Rolle für seinen Verein gleich mit: "Die computerunterstützte Spielerförderung ist ein Meilenstein der Professionalisierung, von der auch die Vereine profitieren. Jeder Bundesligaverein kann mit definierten Berechtigungsprofilen auf die Daten seiner Spieler zugreifen." Diese Form des Datenzugriffes wurde von Manager Bierhoff freilich umgehend relativiert und als "angedachtes Feature" bezeichnet. Die Nationalspieler selbst können nicht auf die Daten zugreifen, aber einen kompletten Ausdruck ihrer "Akte" anfordern. Ein einzelner Spielerbericht eines einzigen Spiels kommt auf 60 beidseitig bedruckte Seiten.

Für ICW hob Vorstandsvorsitzender Peter Rauchel "die hohen Sicherheitsstandards" und den Datenschutz hervor, die für seine Firma selbstverständlich seien und das bisherige unsichere Verfahren ersetzten. Bisher hätten die Vereine Leistungstestwerte unverschlüsselt als angehängte Excel-Tabelle per Mail an den DFB geschickt. Für Oliver Bierhoff ist die Arbeit noch nicht zu Ende: "Die Datenbank ist traumhaft zu erweitern, auf die U21- und die U17-Mannschaften. Sie soll zukunftsweisend die nächsten 10 bis 15 Jahre abdecken. Bestandteil des Systems ist auch, dass die Administration des DFB Zugang zu den Stammdaten hat. Neben der Adresse des Spielers sind nicht nur Fouls und Querpässe, sondern auch Kontoverbindungen und weitere persönliche Details bis hin zum Geburtstag der Ehefrau oder Freundin gespeichert. Über die Kosten der neuen Super-Datenbank haben DFB wie ICW Stillschweigen vereinbart. (Detlef Borchers) / (anw)