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Deutsche Mobility-Start-ups: Sono Motors

Bernd Kirchhahn
Elektroautos, alternative Antriebe

Sono Motors will mehr anbieten als ein Elektroauto mit Solar-Paneelen. Sie wollen die Branche Àndern. In wenigen Tagen hat sich entschieden, ob der Traum noch lebt.

Um es kurz zu machen: Bei Sono Motors brennt der sprichwörtliche Baum. Dem Unternehmen ist das Geld ausgegangen. Aktuell lĂ€uft eine Crowdfunding-Kampagne, die innerhalb von 30 Tagen – bis Ende Dezember – 50 Millionen Euro einsammeln soll. Das wĂ€re in der europĂ€ischen Start-up-Szene ein einzigartiger Erfolg.

Dass die Situation so brenzlig geworden ist, liegt im Fall von Sono Motors nicht am Produkt. Das scheint, gemessen am investierten Geld, sogar ausgesprochen gut zu sein: Ein Van-artiges Elektroauto [1] mit Solar-Paneelen an der Karosserie. Die sollen die Basisreichweite von 250 Kilometer um rund 34 Kilometer erweitern. Kostenpunkt inklusive Batterie: 25.500 Euro.

Deutsche Mobility-Start-ups: Sono Motors (0 Bilder) [2]

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Das Besondere ist, dass es fĂŒr das Geld weitaus mehr gibt als ein Elektroauto. Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn, die GrĂŒnder von Sono Motors, wollen die gesamte Produktion mit möglichst geringem CO2-Ausstoß fahren. DafĂŒr wollen sie das Auto in TrollhĂ€ttan bauen lassen [4]. Weil die ehemaligen Saab-Werke jetzt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Jeder Fahrzeugbesitzer wird gleichzeitig Teil der Sono-Community und kann sein Fahrzeug, wenn er möchte, mit anderen teilen.

Auch technisch hatte das Fahrzeug einiges zu bieten – mal abgesehen von den Solarzellen. Continental und Bosch konnten als Zulieferer gewonnen werden. Die Rekuperation soll enorm effizient sein und das Datenmanagement auf der Höhe der Zeit. Innovativer Gag am Rande: Im Inneren soll Moos angepflanzt werden, um die Luft zu reinigen. 260.000 StĂŒck seines so genannten Sion will Sono Motors in Schweden fertigen lassen. Den GrĂŒndern geht es wirklich und glaubhaft darum, die neue MobilitĂ€t mitzugestalten. Darum, dass weniger Autos gefahren werden, diese mit erneuerbarer Energie getankt und von den Besitzern geteilt werden.

Investoren ticken aber anders. Nach Angaben von Sono Motors habe man durchaus internationale Geldgeber gefunden. Diese seien jedoch nur daran interessiert gewesen, Techniken zu ĂŒbernehmen oder schnell Geld zu verdienen. Nicht daran, langfristig ein nachhaltiges System aufzubauen. Und so entschied sich Sono Motors (mit mittlerweile rund 100 Angestellten) fĂŒr die Crowdfunding-Variante.

Der Rechenweg dahinter geht so: 10.000 Kaufinteressenten haben bereits eine Anzahlung ĂŒber jeweils 500 Euro geleistet. WĂŒrden 2000 davon den vollen Kaufpreis vorab ĂŒberweisen, wĂ€re das Finanzierungsziel erreicht. Am 30. Dezember 2019 endet die Kampagne.

Können Sie uns Ihre GeschÀftsidee in drei SÀtzen erlÀutern?
Unsere GeschĂ€ftsidee basiert auf unserer Vision von einer von Erdöl unabhĂ€ngigen MobilitĂ€t. Wir haben Sono Motors gegrĂŒndet, weil wir unseren Beitrag zu einer klimafreundlichen Zukunft leisten möchten, in der jedes Auto elektrisch fĂ€hrt und geteilt wird. Aus diesem Gedanken heraus ist Sono Motors und unser Konzept einer effizienten und klimaschonenden MobilitĂ€t entstanden, in dessen Mittelpunkt der Sion steht. Den höchsten Maßstab unseres Unternehmens – der Schutz der Umwelt, der Natur und des Menschen – haben wir deshalb sogar in unserem GrĂŒndungsvertrag verankert.

Wer ist Ihre Kundschaft?
Das Gesamtkonzept des Fahrzeugs ist attraktiv fĂŒr unterschiedliche Zielgruppen. Das verbindende Element ist der Umweltgedanke. Unter unseren derzeitigen Kunden finden Sie innovative “early adopter”, technikbegeisterte Trendsetter, aber auch Besitzer von Eigenheimen mit Photovoltaik-Anlage. Mit unseren Sharing-Diensten sprechen wir vor allem eine junge Zielgruppe an. Das integrierte Solarsystem erlaubt es beispielsweise Pendlern, ihren Arbeitsweg klimaneutral und kostenfrei zurĂŒckzulegen. Durchschnittlich 34 Kilometer betrĂ€gt die Reichweite, die durch Solarenergie erzielt werden kann – zusĂ€tzlich zur Gesamtreichweite von 250 Kilometern. Die dadurch gewonnene UnabhĂ€ngigkeit von der Ladeinfrastruktur und die reale Basis-Reichweite von 250 Kilometern machen das Auto auch fĂŒr den Lebensraum außerhalb von GroßstĂ€dten interessant. Das bestĂ€tigt sich in der Demografie derer, die das Auto bereits reserviert haben.

Wer sind Ihre Konkurrenten und was haben Sie denen voraus?
Mit einem aktuellen Marktanteil der E-Autos von nicht mehr als 2,6 Prozent in Deutschland mĂŒssen wir die ElektromobilitĂ€t dringend und schnell ausbauen. Daher begrĂŒĂŸen wir jedes Elektroauto, dass auf die Straße kommt – auch, wenn es von einem traditionellen Hersteller kommt.

Welche konkreten und praktischen Vorteile haben Ihre Kunden durch Ihr Produkt?
Das wesentliche, ĂŒbergeordnete Argument, das fĂŒr den Sion spricht, ergibt sich bereits aus dem Grundgedanken hinter Sono Motors. NĂ€mlich, dass wir Verhaltensweisen im Umgang mit Ressourcen aktiv Ă€ndern und verantwortungsvoll und vorausschauend handeln mĂŒssen. Wir bauen ein innovatives E-Auto mit Solar Integration, das die derzeit noch existierenden Vorbehalte zum Thema ElektromobilitĂ€t adressiert: Reichweite, Ladeinfrastruktur und Preis. Hier bietet der Sion kluge Lösungen und zukunftsfĂ€hige Antworten. Wir denken MobilitĂ€t umfassender, indem wir den Sion ĂŒber smarte Sharing-Features maximal effizient machen: Das reduziert die Kosten fĂŒr die Nutzer und hilft gleichzeitig der Umwelt. Denn das Thema ElektromobilitĂ€t in der derzeitigen Konzeption löst zwei dringende Probleme noch nicht. Erstens: Es sind zu viele Autos auf den Straßen, mit den bekannten Konsequenzen: ĂŒberlastete InnenstĂ€dte und verstopfte Autobahnen. Zweitens: Die in der Produktions- und Lieferkette entstehenden CO2-Emissionen und die mangelnde Nachhaltigkeit ĂŒber den Lebenszyklus. Wir kompensieren daher beispielsweise alle nicht vermeidbaren CO2-Emissionen, in der Produktion und Lieferkette, ĂŒber Klimaschutzprojekte. Unser Ziel: die Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen deutlich zu reduzieren.

Wie weit sind Sie mit der Verwirklichung und wo stehen Sie in fĂŒnf Jahren?
Nachdem wir schon frĂŒh in der Konzeptphase unsere ersten Fahrzeuge auf Probefahrten geschickt haben, bekamen wir direkte RĂŒckmeldungen von denen, die sich fĂŒr das Konzept des Sion interessieren. Wir haben schnell begeisterte UnterstĂŒtzer gefunden und deren Feedback wurde in der weiteren Entwicklung berĂŒcksichtigt. Gleichzeitig haben wir Sono Motors aufgebaut, ein Team von einhundert Mitarbeitern eingestellt, und Organisationsstrukturen entwickelt. NatĂŒrlich wurde auch ein umfassendes Netzwerk aufgebaut, aus Partnern und Zulieferern. So konnten wir die Konzeptphase erfolgreich abschließen und befinden uns jetzt im letzten Drittel der Konstruktionsphase.
Im September 2021 werden die ersten Fahrzeuge in TrollhÀttan vom Band rollen. Der eigentliche Start der Produktion (SOP), den wir uns als Ziel gesetzt haben, ist dann Anfang 2022.

Mehr Infos

(fpi [16])


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[1] https://www.heise.de/news/Sono-Motors-Sion-das-Mikro-PV-Auto-4131994.html
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747460.html?back=4609072;back=4609072
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747460.html?back=4609072;back=4609072
[4] https://www.heise.de/news/Chinesen-bauen-Sono-Sion-in-Schweden-4404418.html
[5] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Blickfeld-4599804.html
[6] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Azowo-4602218.html
[7] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Sono-Motors-4609072.html
[8] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-ParkHere-4605893.html
[9] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-E-Wald-4606067.html
[10] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Motor-AI-4606247.html
[11] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Emmy-4608461.html
[12] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-MotionWerk-4608511.html
[13] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-PaulCamper-4608986.html
[14] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Getaway-4609232.html
[15] https://www.heise.de/news/Deutsche-Mobility-Start-ups-Getaround-ehem-Drivy-4609250.html
[16] mailto:fpi@heise.de